Dividendenstrategie 2026/2027 II: Positive Perspektiven trotz geopolitischer Anspannung

S&P Global durchleuchtet Dividendentrends 2025 an der Welt-Leitbörse

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Dividendentitel sind weiterhin auf Wachstum, Gewinnsteigerungen und Dividendenerhöhungen ausgerichtet. Bild: stock.adobe.com

Die Wall Street gibt dem Rest der Börsenwelt die Trends vor, auch bei den Dividenden. So interessant die regelmässige globale Betrachtung ist, so ist es für Investoren in Zeiten von Umbrüchen und beschleunigtem Wandel noch wichtiger, die trendweisenden amerikanischen Märkte zu durchleuchten – und Folgerungen für die eigenen Dispositionen zu ziehen.

Im Gesamtjahr 2025 lag die Erhöhung der Ausschüttungssumme bei den S&P 500 Unternehmen bei 46.4 Mrd. USD. Im Vorjahr lag sie bei 53.3 Mrd. USD. In den Jahren 2021 und 2022 war die aggregierte Dividendensumme der S&P 500 Indexmitglieder noch jeweils um nahezu 70 Mrd. USD angestiegen, 2023 dann um 36.5 Mrd. USD. Wäre der S&P 500 eine Aktie, so lag die Dividende je Aktie in 2025 bei 78.92 USD, eine Erhöhung zum Vorjahr von 5,5%. Der Vergleichswert für 2022 beträgt 66.92 USD. Zugleich war es die 16. jährliche Erhöhung der Ausschüttungssumme in Folge.

Divergenzen im Leitindex

So weit, so gut. Doch nicht alle im Index vertretenen Unternehmen zahlen Dividenden und manche haben die Ausschüttung auch gesenkt. Die Analyse von S&P Dow Jones Indices ermittelt, dass 409 von 500 Index-Unternehmen 2025 eine Dividende ausbezahlt haben. Dies entspricht 81,3%. Beim S&P MidCap 400 Index zahlen dagegen 65% der Indexunternehmen eine Dividende. Und beim S&P SmallCap 600 Index sind nur 57% Dividendenzahler. Während die Quote bei den hochkapitalisierten S&P 500 Unternehmen leicht zugenommen hat, ist sie im Small- und Mid-Cap-Bereich in den letzten Jahren rückläufig. Und über alle Grössenkategorien betrachtet senkten 2025 mit 176 Unternehmen 33% mehr die Dividende als im Vorjahr, und rund 7% weniger Unternehmen hoben die Dividende an.

Positive Gewinn- und Dividendenperspektiven für 2026

Bemerkenswert ist auch, dass das Ausmass der Dividendenanhebungen im vierten Quartal trotz steigender Unternehmensgewinne mit 2,3% vergleichsweise bescheiden ausgefallen ist. Laut S&P Dow Jones Indices ist dies auf die zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und den Tempowechsel bei politischen Entscheidungen zurückzuführen. Für 2026 prognostizieren die Experten, dass die Unternehmensgewinne im mittleren einstelligen Prozentbereich weiter steigen, aber auch, dass die Dividenden mässiger erhöht werden.

Wie Lombard Odier auf 2026 blickt

Die Schweizer Privatbank Lombard Odier errechnete, dass der globale Aktienmarkt im Zeitraum 2022 bis Ende November 2025 um 41% zulegte, der S&P 500 marschierte mit 51% Performance voraus. Die Experten von Lombard Odier erwarten für 2026 weitere Gewinnsteigerungen und eine fortgesetzte Ausweitung der Margen. Gute Chancen werden in den Emerging Markets gesehen, die entsprechend dem MSCI Emerging Markets Index nur mit dem 12fachen Jahresgewinn bewertet sind, gegenüber dem 20fachen im MSCI World und dem 22fachen im MSCI USA. Das Gewinnwachstum in den Schwellenländern wird auf 30% beziffert. Indien ragt heraus.

Schweizer Börse in Favoritenrolle

In Kontinentaleuropa ist die Schweiz der favorisierte Börsenplatz von Lombard Odier. Dafür spricht die hohe Qualität der Aktien, insbesondere im breit repräsentierten Sektor Healthcare. Das Gewinnwachstum im MSCI Switzerland Index sieht Lombard Odier für 2026 bei 8%. Die durchschnittliche Dividendenrendite wird bei 3% gesehen. In der Sektorenbetrachtung favorisiert die Privatbank neben der Gesundheitswirtschaft die Grundstoffindustrien wie Kupfer und Gold, bestimmte Chemikalien und Industriegase. Für den Grundstoffsektor sprechen sinkende Zinsen und ein schwacher USD. Die Gewinne im Sektor sollen 2026 um 15% bis 20% ansteigen.

Chart Novartis Jan26 Die Novartis-Aktie zeigt über 5 Jahre hinweg einen klaren Anstieg. Chart: six-group.com

Im Fokus: Schweizer Dividendenaktien

In der Dividendenstrategie von schweizeraktien.net geht es seit 2018 ausschliesslich um Dividendenaktien an der SIX. Die meisten börsenkotierten Unternehmen sind international aktiv und sind auch globalen Trends unterworfen. Das augenscheinlichste aktuelle Beispiel ist die globale Pharmaindustrie, von der Roche und Novartis einen bedeutenden Teil stellen. Dazu kommen Einflussfaktoren wie der starke Franken, der dafür sorgt, dass Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zum Markenzeichen vieler Schweizer Publikumsgesellschaften wurden.

Struktur des Aktionariats

Der internationale Aspekt betrifft nicht nur die Lieferketten, Zulieferer, Kunden und Absatzmärkte, sondern vor allem auch die Zusammensetzung des Aktionariats – insbesondere bei den hochkapitalisierten Werten. Im SPI entfallen nur 23% auf inländische Aktionäre, bei den grossen Publikumsgesellschaften sind es rund 40%. Und selbst bei den Small- und Mid-Caps sind es im Durchschnitt nicht mehr als 50%. Das heisst in der Umkehrbetrachtung, dass sich die Mehrheit der im Free-Float befindlichen Schweizer Aktien in ausländischer Hand befinden. Das erklärt auch viele Kursbewegungen, die über den Atlantik schwappen.

Notwendige Anpassungen in der Langfristperspektive

Viele Änderungen bei der Titelauswahl gab es im Lauf der Jahre nicht. In jüngerer Zeit erfolgte die Trennung von Nestlé beim ersten Managementwechsel, von BB Biotech wegen rückläufiger Dividenden und von SIG Group wegen der plötzlichen Streichung der Dividendenzahlung. Dem Total Return hat es nicht geschadet. Während Nestlé seit der Trennung und noch einem CEO-Wechsel weiter keine Performance erzielt hat, konnte sich die zeitgleich aufgenommene Aktie des Interdealer-Brokers CFT glatt verdoppeln. Jahrelang galt Novartis als langweilig, und bei Roche waren noch bis vor kurzem nur negative Kommentare und Einschätzungen zu finden. Inwischen glänzen beide Valoren mit einer Top-Performance im vergangenen Jahr.

Galenica Chart Jan26 Kontinuierlicher Aufwärtstrend bei Galenica. Chart: six-group.com

Healthcare ist Trumpf

Der Healthcare-Sektor hat schon immer durch hohe Gewinn- und Dividendensteigerungen glänzen können. In der Langfristbetrachtung kann kaum ein anderer Sektor eine ähnlich konsistente Entwicklung für sich beanspruchen. Neben den beiden Pharma-Schwergewichten Roche und Novartis war die binnenorientierte Apothekenkette Galenica von Anfang an in der Dividendenstrategie vertreten. Der Kurs hat sich mittlerweile verdoppelt. Durch die Expansion ins Marken- und Laborgeschäft bleiben die Perspektiven des dominierenden Players im Schweizer Markt weiterhin vielversprechend.

Aufholpotenzial bei HBM Healthcare

Volatiler ist der Kursverlauf der dividendenstarken Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare. Seit der Aufnahme lag der Kurs schon 80% höher, aber auch 30% tiefer. Aktuell liegt der Kurs mit 235 CHF 17% im Plus. Der NAV ist im zweiten Halbjahr 2025 beträchtlich gestiegen und liegt zum Jahresende 2025 mit 280.87 CHF deutlich über dem Kurs. Da sowohl die M&A-Aktivitäten im globalen Bio-Pharma-Bereich kräftig zunehmen als auch gute Bewertungen bei Finanzierungsrunden und Börsengängen zu verzeichnen sind, dürfte sich die HBM Aktie beim Voranschreiten des neuen Life-Sciences-Aufschwungs von der aktuellen Discount-Bewertung zu einer Prämien-Bewertung hin entwickeln. So war es jedenfalls in der Vergangenheit.

Chart Kardex Jan 26 Kursentwicklung über die letzten 5 Jahre bei Kardex. Chart: six-group.com

Ergänzung um Intra-Logistik Spezialist Kardex

Der Healthcare-Sektor hat insbesondere in der Schweiz zahlreiche Spezialisten zu bieten, die mehr oder weniger vom Strukturwandel im Gesundheitssektor profitieren können. Sind es die Hersteller von Medizingeräten oder Klinikbetreiber oder sogar profitable Biotechs, die zukünftig das beste Dividendeneinkommen bescheren? Für die Dividendenstrategie, die auf Kapital- und Dividendensteigerung ausgerichtet ist, scheint, auch aus Diversifikationsaspekten, Kardex der richtige Kandidat für eine Ergänzung der Titelliste auf dann 12 Aktien zu sein. Im Dezember wurden die Schweizer Intra-Logistik Aktien auf schweizeraktien.net durchleuchtet.

Warum Kardex?

Für die Aktie spricht die kontinuierliche Umsatz- und Gewinnsteigerung während der letzten Jahre sowie die entsprechende Erhöhung der Ausschüttungen. 75% des Gewinns soll an die Aktionäre fliessen. Die Geschäftsperspektiven haben sich allenfalls verbessert. Die Krise der Gesundheitssysteme verlangt nach Lösungen, die Engpässe überwinden und zu Produktivitätssteigerungen im Gesundheitswesen führen. Entsprechende Investitionen amortisieren sich sehr schnell. Zwischen 2021 und 2024 stiegen Umsatz und Gewinn von Kardex jeweils um rund 50%. Die Dividende wurde zuletzt um 1 CHF auf 6 CHF entsprechend angehoben. Angesichts des Reform- und Investitionsstaus im Gesundheitswesen und dem allgemeinen Zwang zu Effizienz und Automatisierung könnten sich die Wachstumsraten von Kardex im dominierenden Geschäftsfeld Healthcare in den kommenden Jahren stärker als bisher beschleunigen. Gewinner sind die Patienten und das medizinische Personal sowie die lösungsorientierten Unternehmen und ihre Investoren.

Chart Sunrise Jan26 Rückläufige Tendenz bei Sunrise. Chart: six-group.com

Rückblick und Ausblick

In den letzten Monaten gewannen die Healthcare Titel deutlich. Die Industrieaktien Sulzer und ABB stiegen ebenfalls. CFT und Phoenic Mecano waren dagegen fast unverändert, doch Swiss Re und Sunrise tendierten rückläufig. Bei Swiss Re senken die Analysten ihre Ratings, doch das Unternehmen strebt weitere Gewinnsteigerungen an und will wieder Aktien zurückkaufen. Sunrise muss die Kosten senken, um die Gewinnerwartungen des Kapitalmarktes nicht enttäuschen zu müssen. Die Dividendenkontinuität scheint nicht in Frage gestellt. Für 2026 und darüber hinaus ist die diversifizierte Liste der 12 Schweizer Dividendentitel weiterhin auf Wachstum, Gewinnsteigerungen und Dividendenerhöhungen ausgerichtet. Die globalen Risiken nehmen zwar täglich zu, doch auch die Chancen mit Aktien von innovativen Anbietern von wirkungsvollen Lösungen für die Probleme unserer Zeit steigen entsprechend.

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