
Das zu Ende gehende Börsenjahr verlief in vielerlei Hinsicht wie das Vorjahr. KI blieb der bestimmende Faktor. Die involvierten Beträge sind astronomisch und deshalb von weltwirtschaftlicher Bedeutung. Doch wo sich Risiken aufbauen, da sind auch Chancen zu erkennen. Die Favoritenliste von schweizeraktien.net wird um Bachem und SSE Holding erweitert.
Kurz gesagt, die angekündigten Investitionen von Hunderten Milliarden US-Dollar in neue Daten- und Rechenzentren sind erforderlich. Der beste Beweis ist der Ausfall der Rechenzentren an der Derivatebörse in Chicago vergangenen Freitag. Wegen mangelnder «Kühlung» brach das Handelssystem zusammen, Optionen und Futures auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe konnten nicht mehr gehandelt werden und brachten damit die Finanzmärkte an den Rand der Dysfunktionalität. Die praktische Schlussfolgerung ist, dass der Nachfrageboom bei Belimo am Markt noch nicht hinreichend in die Kursbildung eingeflossen ist. Die Ventile, Klappen und Sensoren von Belimo sind integrale Bestandteile der Kühlung von Daten- und Rechenzentren.
KI-Blase und Schuldenexpansion
Nach der langen Phase der euphorisch-unkritischen Begeisterung für KI sind nun auch vermehrt kritische Stimmen zu hören. Dass Microsoft & Co. die immensen Summen aufbringen und auch den Payback abwarten können, ist plausibel. Doch ob die anderen 99% der KI-Unternehmen jemals eine Rendite erzielen und überleben werden, ist eine andere Frage. Da der Grossteil der KI-Investitionen durch Fremdkapital erfolgt, können Verwerfungen weitreichende Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Der Markt der sogenannten Credit-Default-Swaps hat sich merklich belebt. Laut JP Morgan Chase sind für die nächsten Jahre KI-bezogene Anleiheemissionen im Volumen von 1.5 Billionen US-Dollar zu erwarten.
Rotation in Healthcare hat begonnen
Für 2026 zeichnet sich bei allen Unwägbarkeiten ab, dass andere, bisher vernachlässigte Sektoren an der Börse wiederentdeckt werden. Im Healthcare-Sektor, der wichtigste am Schweizer Kapitalmarkt, hat sich bereits eine Trendwende vollzogen. Der international ausgerichtete NYSE Arca Pharmaceutical Index ist auf einem neuen Hoch, sowohl die nach Marktkapitalisierung gewichtete Variante wie auch die gleichgewichtete Variante. Und auch der Nasdaq Biotech Index hat das historische Hoch von 2021 hinter sich gelassen.
Neuer Favorit Bachem
Das sollte sich auch bei den Schweizer Branchenvertretern in den Kursen niederschlagen. Dazu zählen abgesehen von den Mega- und Large-Caps die Aktien von Ypsomed, SKAN Group und Galderma. Hinzugefügt wird nun Bachem, der globale Marktführer für komplexe Peptide und Oligonukleotide, die von der Life-Sciences-Industrie als Ausgangsprodukte für Zell- und Gentherapien benötigt werden. In der Pandemie-Phase schoss der Kurs von 30 CHF auf über 150 CHF. Inzwischen dümpelt die Aktie um die 50 CHF, obwohl die Produktionskapazitäten ausgebaut werden und die Früchte der Kommerzialisierung nun wesentlich näher in Griffweite sind. Für 2025 erwartet der Konsens von acht US-Analysten einen Gewinn je Aktie von 1.52 CHF, geringfügig tiefer als 2024. Doch für 2026 wird ein Anstieg auf 2.32 CHF je Aktie prognostiziert, der 2027 weiter auf 2.76 CHF steigt. Natürlich gibt es auch Risiken wie die zu erwartende Wettbewerbsintensivierung aus Asien, doch auf aktuellem Kursniveau scheinen die Chancen zu überwiegen. Der Anlagehorizont beträgt 2-3 Jahre.

SSE Holding wieder favorisiert
Der zweite neue Titel ist SSE Holding. Die Aktie war bereits Bestandteil der Favoritenliste, nach einem schnellen Anstieg wurde sie jedoch gestrichen. Inzwischen konsolidiert die Aktie schon seit sechs Monaten bei 6000 CHF. Das Unternehmen blickt positiv in die Zukunft, hält sich aber mit konkreten Prognosen zurück. Nichts weist auf eine Abschwächung der Nachfrage in beiden Geschäftsbereichen hin. Vielmehr ist zu erwarten, dass die innovativen Produkte wie der CO2-freie Sprengstoff sowie der im Auftrag produzierte Futtermittelzusatz für Rinder zu einer profitablen und wachstumsstarken Geschäftsentwicklung führen werden. Auch auf dem erhöhten Niveau ist die Aktie nicht überbewertet. Das KUV 2024 liegt bei 1, die Marktkapitalisierung liegt beim siebenfachen des EBITDA 2024. Das sind Grössen, die durchaus auch höher ausfallen können. In der ferneren Zukunft ist auch eine Abspaltung der Feinchemie-Tochter eine Option, die den Wert der Holding zweifellos verdeutlichen würde.

Gewinner und Verlierer
Galderma bleibt mit 59% Performance im laufenden Jahr der Spitzenreiter auf der Favoritenliste. Die Aktie war bereits 2024, dem Jahr des IPOs, einer der besten Performer. Inzwischen hat die Aktie viele Freunde gewonnen, doch die Bewertung wird als hoch eingeschätzt. Da es nur sehr wenige Unternehmen am Schweizer Kapitalmarkt gibt, die 20%+ Steigerungen des EBITDA vorweisen können, dürfte der Höhenflug anhalten. Und zwar umso mehr, als andere Industrien unter Strukturwandel, Veränderungen der Nachfrage und Konjunkturschwächen leiden. In einer solchen Situation sind Investoren bereit, nahezu jeden Preis für Wachstum zu bezahlen.
SKAN Group dagegen ist abgesackt. Zwar ist nachvollziehbar, dass prozyklische Investoren die Aktien abstossen, angesichts von Robert Kennedys kontroverser Impfpolitik, doch die Isolatoren der SKAN Group werden nicht nur für die Vakzinproduktion benötigt, sondern generell für das weite Feld der injizierbaren Gen- und Zelltherapien. Insofern ist die Aktie günstiger geworden, ohne jedoch an langfristiger Attraktivität zu verlieren.
Die weiteren Titel bewegten sich im November in Grenzen. Geberit liegt wieder über 600 CHF. VAT hat die Tiefs hinter sich gelassen. Die OTC-X Titel Weleda und Weiss+Appetito verloren leicht, Espace Real Estate dagegen nahm wieder die 200-CHF-Marke.





