
2025 wird für die allermeisten Schweizer Tourismusanbieter ein gutes Jahr werden, soviel steht jetzt schon fest. So auch für die Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV). Dahingehend äussern sich Verwaltungsrat und Gruppenleitung in einem Aktionärsbrief.
Wie in den Vorjahren trügen 2025 vor allem die guten Einzelergebnisse von SGV AG, SGV Express AG (Schifffahrt) und Tavolago AG (Gastronomie) zum positiven Konzernergebnis bei. Auch die hauseigene Werft Shiptec AG werde mit einem Gewinn abschliessen können, freuen sich die Luzerner.
Rekordergebnis erwartet
Mit einer operativen EBITDA-Marge von 15% erwartet das Unternehmen auf Gruppenebene ein Rekordergebnis. Für den Konzern rechnet die SGV 2025 mit einem konsolidierten Betriebsertrag von rund 91 Mio. CHF und einem Betriebsergebnis (EBITDA) von rund 14 Mio. CHF, was einen markanten Anstieg gegenüber den Vorjahren bedeutet. Das übertreffe die Erwartungen und bestätige die starke Performance auf Konzernstufe, schreibt die SGV.
Alle Gruppengesellschaften sind erfolgreich
Die SGV AG und die SGV Express AG erwarten bis Jahresende 3.3 Mio. Gaste auf dem Vierwaldstättersee, ein Plus von 6% gegenüber dem Vorjahr. Der Verkehrsertrag erreiche mit rund 43 Mio. CHF (+2.5 Mio. CHF) einen neuen Höchstwert. Auch die Tavolago AG verzeichne steigende Gästezahlen, teilt das Unternehmen mit. Der Umsatz der Gastronomietochter wird mit 34 Mio. CHF veranschlagt. Besonders freuen darf man sich über die positive Performance der Shiptec AG. Sie wird knapp 21 Mio. CHF Umsatz erreichen und das operative Ergebnis leicht verbessern.
Gemäss aktuellem Aktionärsbrief dürfte die SGV Gruppe im Geschäftsjahr 2025 ein rekordhohes EBITDA erzielen, auch wenn der Umsatz stagniert. Abb. Aktionärsbrief 2025Internationale Gäste sorgen für Grundauslastung
Selbst während der regenreichen Juliwochen 2025 hätten internationale Gäste für eine solide Grundauslastung auf dem See gesorgt. Dabei stellt auch die SGV eine Tendenz weg vom Gruppentourismus hin zum Individualtourismus fest, wie Geschäftsführer Stefan Schulthess gegenüber schweizeraktien.net ausführt. «Es gibt einen spürbaren Rückgang bei grösseren Gruppenreisen, insbesondere aus dem Fernmarkt Asien. Dies liegt u.a. an geopolitischen Unsicherheiten und gestiegenen Flugpreisen. Anderseits stellen wir eine verstärkte Nachfrage von kleine(re)n Gruppen fest.» Da der Gruppentourismus für die SGV und Tavolago wichtig, aber gleichzeitig nur einer von vielen Umsatzträgern sei, habe dieser Shift keinen direkten Einfluss auf die verschiedenen Angebote. Am bedeutendsten bleibt aber mit 66% der Anteil der Schweizer Gäste.
Premiumprodukt «Legends of Lake Lucerne» mit Luft nach oben
Das im Frühling lancierte Premiumprodukt «Legends of Lake Lucerne» mit dem Dampfschiff Gallia sei von den Gästen hervorragend aufgenommen worden. Auf Google erreiche es die Bewertung 4,9/5 und werde als sehr stilvolles Erlebnis geschätzt, freut man sich in der Innerschweiz. Mit 2350 Gästen bzw. durchschnittlich 25 Personen pro Fahrt sei im ersten Jahr eine solide Basis geschaffen geworden. Auch wenn die Verkaufszahlen noch unter den langfristigen Erwartungen lägen, sieht die SGV darin einen vielversprechenden Start mit Wachstumspotenzial. Das exklusive Angebot für eine genussorientierte Kundschaft soll bis und mit Saison 2027 weitergeführt und bei entsprechendem Erfolg darüber hinaus verlängert werden.
Industrietochter Shiptec auf gutem Weg
Die Shiptec AG werde ihre finanziellen Ziele erreichen und 2025 ein positives Ergebnis erzielen. Eine konstant hohe Auslastung im Bereich Wartung und Instandhaltung sowie zahlreiche erfolgreich abgeschlossene Projekte hätten entscheidend dazu beigetragen, teilt die SGV weiter mit. Im Projektgeschäft seien dabei nicht nur neue Aufträge gewonnen, sondern auch ein Grossauftrag im zweistelligen Millionenbereich gesichert worden – der Bau eines neuen Fahrgastschiffs für den Thunersee, mit dem sich die Shiptec AG gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt hat.
«Ja wir halten an der Shiptec fest, auch wenn das Projektgeschäft anspruchsvoll und die Margen tief sind; und dies nicht nur für die Shiptec AG, sondern für alle Industrieunternehmen, die im Projekt- und Prototypengeschäft tätig sind», antwortet Schulthess auf eine entsprechende Frage von schweizeraktien.net. Obwohl man ein Projektgeschäft schlecht skalieren könne, in der Schweiz die Produktionskosten hoch und die Nachfrage volatil sei, habe die Shiptec innerhalb der SGV-Gruppe eine wichtige Mehrfachfunktion. Ohne Shiptec hätte zum Beispiel keine Umrüstung des SGV-eigenen Kursschiffes MS Saphir auf einen Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb gestartet werden können. Zugleich betont Schulthess, dass man im Binnenland Schweiz eine industrielle Schiffswerft samt Arbeitsplätzen erhalten und damit einen Beitrag zur Eindämmung der schleichenden Deindustrialisierung leisten wolle.
Pilotprojekt Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb
Die SGV AG investiert inkl. der dafür notwendigen H2-Tankstelle rund 4 bis 5 Mio. CHF in den Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb. Allerdings seien die Betriebskosten eines Wasserstofffahrzeugs derzeit noch höher als die eines Dieselfahrzeugs. Dies liege erstens an den hohen Investitionskosten bzw. an den hohen Abschreibungskosten und zweitens an den aktuell höheren Preisen für Wasserstoff im Vergleich zu Dieselkraftstoff, präzisiert Schulthess. «Da wir nicht wissen, wie sich die Kosten für Wasserstoff in den kommenden Jahren entwickeln und ob politische Massnahmen fossile Treibstoffe langfristig verteuern werden, können wir heute keine abschliessende Aussage zum langfristigen Betriebskostenvergleich machen.»
Fazit
Auch wenn die Betriebskosten mit Wasserstoff höher liegen als mit fossilen Brennstoffen, ist die Entwicklung ein Meilenstein für die Binnenschifffahrt in der Schweiz. Bei einer erfolgreichen Umsetzung könnte das Wasserstoff-Pilotprojekt weitere Kreise ziehen.
Und gleichzeitig festigen solche Technologie-Innovationen die Position des Industriearms innerhalb der SGV. Denn die Shiptec schiffte in den vergangenen Jahren durchaus durch unruhige Gewässer – bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen mit dem Auftraggeber des Grossprojekts für den Genfersee. Das ist jetzt aber Wasser von gestern.
Wie sich das Luxusangebot «Legends of Lake Lucerne» entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Eine zahlungskräftige Zielgruppe anzusprechen und zu bedienen, kann sich als durchaus erfolgreich erweisen. Gerade für ausländische Touristen, bei denen der Franken locker sitzt, ist ein exquisites Essen auf dem See ein verlockendes Angebot, für das man durchaus auch mal tiefer in die Taschen greift.
Über all dem steht natürlich das Brot & Butter Geschäft mit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Und das läuft prächtig. Eine EBITDA-Marge von 15% ist im Branchenvergleich ein sehr erfreulicher Wert für eine Unternehmensgruppe mit Aktivitäten in den Bereichen Tourismus, Gastronomie und Industrie.
Die Aktien der SGV Holding werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 289.50 CHF für eine Aktie bezahlt.






