
Die globalen Primärmärkte befinden sich in einem Umfeld, das von nicht linearen, beschleunigt ablaufenden, volatilen und miteinander verzahnten Ereignis-Abfolgen geprägt sind, kurz NAVI. Der IPO-Ausblick der Experten von EY fällt für 2026 vorsichtig optimistisch aus. In der Schweiz ist zwar noch kein Börsengang in Sicht, doch Xlife Sciences könnte vom für das erste Quartal geplanten IPO der Beteiligungsgesellschaft Veraxa Biotech an der Nasdaq stark profitieren.
Biotechnologie ist an den Börsen wieder en vogue. Im September 2025 drehte das Interesse der Investoren an den IPO-Märkten mit dem Börsengang von LB Pharmaceuticals an der Nasdaq. Die Nachfrage war so stark, dass das Emissionsvolumen auf 285 Mio. USD hochgeschraubt werden konnte. Es wurde das grösste Biotech-IPO seit einem Jahr und fungierte als Eisbrecher. Die Marktkapitalisierung stieg seit dem IPO von 300 Mio. USD auf 517 Mio. USD. Der Lead-Kandidat ist ein modifizierter Dopamin-Inhibitor, der Erfolge bei der Therapie von akuter Schizophrenie und Bipolaren Störungen verspricht.
Nasdaq-Kandidat Veraxa
Veraxa Biotech mit Sitz in Zürich ist ein Spin-off des bekannten Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie, kurz EMBL, das 2020 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Die an der SIX kotierte Xlife Sciences, die als Inkubator und Beteiligungsgesellschaft aktiv ist, verfügt über einen Anteil an Veraxa von rund 18%. Für das erste Quartal ist die Fusion mit der US-SPAC-Gesellschaft Voyager Acquisition Corp. geplant, womit ein Listing an der Technologiebörse Nasdaq erreicht wird.
Das Kapital der SPAC-Gesellschaft stärkt die Finanzierungskraft von Veraxa. Der Lead-Kandidat zur Therapie von Leukämie Typ AML befindet sich in Phase I der klinischen Studien. Bis 2029 sollen drei Kandidaten in den klinischen Phasen sein. Das Unternehmen ist Spezialist für Kerntechnologien wie Mikrofluidik-Hochdurchsatz-Screening und verfügt über Plattformen für hochpräzise wirkende Antikörper-Konjugate, sogenannte ADCs.

Bewertungsdiskrepanzen und Zeitplan
Die Bewertung von Veraxa bei der angekündigten SPAC-Transaktion soll bei 1.3 Mrd. USD liegen. Xlife Sciences ist aktuell mit 142 Mio. CHF an der SIX bewertet. Der Kurs ist von tiefem Niveau in jüngster Zeit bereits angesprungen. Die Bewertung reflektiert jedoch noch nicht, dass allein der Wert der Veraxa-Beteiligung umgerechnet 185 Mio. CHF ausmacht. Immer vorausgesetzt, die Transaktion findet tatsächlich statt. Dem müssen die Aktionäre des SPACs noch mehrheitlich zustimmen. Wenn dies der Fall ist, können sich dennoch einzelne Aktionäre für die Auszahlung ihres SPAC-Anteils entscheiden und sich somit nicht an Veraxa beteiligen. Das würde das zukünftig für Veraxa verfügbare Kapital entsprechend vermindern. Weiterhin hat das erste Genehmigungsgesuch nicht alle Anforderungen der SEC erfüllt und muss nachgebessert werden, was die Fusion verzögern kann. Vorsorglich wurde die Frist für die Fusion bis zum 7. August 2026 verlängert.

Chancen und Risiken
Wer die Risiken zu tragen bereit ist, dem eröffnet sich eine Chance zur Arbitrage mit rechnerisch 30% Potenzial, wobei der Wert der anderen Beteiligungen von Xlife Sciences noch unberücksichtigt bleibt. Dennoch kann die Aktie der fusionierten Gesellschaft dann nach erfolgtem Listing steigen oder fallen – weil der News-Flow positiv ausfällt oder Verkäufer auf zu geringe Nachfrage stossen. Ohne das bei IPOs übliche Umfeld von Banken, Analysten und Fachmedien, das für Aufmerksamkeit sorgt, könnte die Aktiennachfrage schwach ausfallen.
KI – das Börsenthema 2025
Laut dem IPO-Report von EY war die Primärmarktaktivität in 2025 von der Künstlichen Intelligenz geprägt. Die damit verbundenen Investitionen hätten einen substanziellen Anteil am Wirtschaftswachstum. Doch die Begeisterung wich im Jahresverlauf bei den IPO-Investoren einer Vorsicht, da die Bewertungen hoch geworden waren und die Verschuldung vieler High-Tech-Unternehmen schnell zunimmt. Die NAVI-Marktbedingungen sind von der Erwartung beschleunigter Produktivitätsgewinne, geopolitischen Risiken, einer veränderten Handelspolitik und zunehmend gestörten Lieferketten beeinflusst. Die IPO-Fenster haben sich dementsprechend schnell geöffnet und ebenso schnell wieder geschlossen.
Differenzierte Entwicklung der Regionen

Die Regionen zeigten ein unterschiedliches Bild. Während die IPO-Märkte in China und USA an Stärke gewannen, schwächte sich der europäische Markt ab. 43% der globalen Emissionserlöse entfielen 2025 auf die Asien-Pazifik-Region. Gegenüber dem Vorjahr stieg dort das Emissionsvolumen um 106%. Sieben der zehn grössten IPOs kamen aus der Region, darunter auch zwei aus Japan. Dort nahm das Volumen um 33% zu. In der ASEAN-Region wuchs das Volumen um 61%. Auf Hongkong und China entfielen Erlöse von 54.7 Mrd. USD. Auf die USA 45.5 Mrd. USD, nach 33 Mrd. USD im Vorjahr. Die globalen Emissionserlöse 2025 beliefen sich auf 171.8 Mrd. USD.
In Europa dagegen nahm die Anzahl der IPOs um 20% auf 105 ab, die Erlöse fielen um 10% auf 17.3 Mrd. USD. Davon steuerte das IPO von SMG an der SIX mehr als 1 Mrd. USD bei, es war nach Emissionsvolumen eines der Top-IPOs des Jahres. Indien blieb ein Motor der Entwicklung mit 367 IPOs, 8% höher, und Erlösen von 22.9 Mrd. USD, ein Plus von 9%.
Hot IPO Markets in China
In dem NAVI-Umfeld, so EY, ändern sich die Präferenzen und das Anlageverhalten der Investoren rapide. Auf den Sektor Industrie entfielen 22% der Emissionserlöse, auf Technologie, Media, Telecom (TMT) 21%. In den USA dominierte TMT mit 40%, in Europa war der Kuchen breiter gemischt, auch mit Finanztiteln und Real Estate. In China allerdings stachen KI-Aktien hervor. Am 17. Dezember debütierte MetaX Integrated Circuits an der Börse Shanghai. Das IPO war 4000fach überzeichnet und schloss am ersten Handelstag mit einem Plus von 700%. MetaX stellt KI-fähige Chips her und ist ein Konkurrent von Nvidia. Erst wenige Tage zuvor war Moore Threads, ebenfalls ein KI-Chip-Titel, mit einem Plus von 400% an die Börse Shanghai gegangen. Weitere KI-bezogene Neuemissionen befinden sich in der Pipeline.

