Titlis Bahnen: Trotz Baustelle auf 3000 Metern mehr Gäste am Titlis

Ersteintritte steigen im Geschäftsjahr 2024/25 um 4,3% auf 1’162’767

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Auf dem Titlis wird der Titlis Tower umgebaut und eine neue Bergstation erstellt. Trotz der Grossbaustelle zählte die Bahn im Geschäftsjahr 2024/25 mehr Gäste. Bild: Screenshot Video titlis.ch

Für die Titlis Bahnen war das Geschäftsjahr 2024/25 nicht nur von geopolitischen Verwerfungen geprägt. Vielmehr beeinflussten die umfangreichen Bauarbeiten am Titlis – für den neuen Titlis Tower und die Bergstation auf über 3000 Metern – die Entwicklung. Oder eben nicht: Trotz des schwierigen Umfelds und der Beeinträchtigungen durch den Bau verzeichneten die Bahnen in Engelberg einen Anstieg der Ersteintritte um 4,3% auf 1’162’767. Dies spiegelte sich auch im Betriebsertrag von 81.3 Mio. CHF wider. Der Jahresgewinn erreichte 7.7 Mio. CHF.

Dass beide Zahlen deutlich unter den Vorjahreswerten liegen, ist auf den fehlenden Verkaufserlös für ein Grundstück in Höhe von 8 Mio. CHF zurückzuführen, der 2023/24 angefallen war. Obwohl die Verschuldung aufgrund des Baufortschritts um 43 Mio. CHF zugenommen hat, sollen die Aktionäre erneut eine Dividende von 80 Rappen je Aktie erhalten.

Ausgewogener Gästemix

Wie die Titlis Bahnen in ihrem Geschäftsbericht schreiben, sind von 1.163 Mio. Gästen 31% Gruppenreisende, 37% Individualreisende und 32% Schneesportler. Mit den Bahnen erzielte die Gruppe einen Verkehrsertrag von 53.3 Mio. CHF (+6,6%). Mit den Restaurants wurden 15.3 Mio. CHF (+1,0%) erzielt, während die Erträge aus der Beherbergung sowie aus den Kiosken rückläufig waren.

Die Anzahl Ersteintritte bei den Titlisbahnen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Abb. Geschäftsbericht 2024/25

Die schwache Entwicklung im Gastro- und Kioskbereich begründet die Bahn mit den Bauarbeiten am Titlis. Die rückläufigen Erträge im Hotel Terrace werden mit der geringeren Reisetätigkeit indischer Gäste infolge des Konflikts mit Pakistan erklärt. Insgesamt summierten sich die Nettoerträge auf 73.1 Mio. CHF (+3,9%). Zuzüglich der übrigen Erträge, unter anderem Mieterträge und Parkgebühren in Höhe von 8.2 Mio. CHF (-46,5%), erreichte der gesamte Betriebsertrag 81.3 Mio. CHF. Im Vorjahr hatte der Grundstücksverkauf den Betriebsertrag noch positiv beeinflusst.

Höhere Personalaufwendungen

Während die Bautätigkeiten am Titlis den Umsatz nicht negativ belasteten, zeigen sich die Auswirkungen auf der Aufwandseite deutlicher. Der Betriebsaufwand stieg von 55.3 Mio. CHF auf 57.7 Mio. CHF. CEO Norbert Patt nennt als Haupttreiber die Personalkosten: Der Personalaufwand legte um rund 1.9 Mio. CHF auf 31.9 Mio. CHF zu. Auch der übrige betriebliche Aufwand lag um 3,7% über dem Vorjahreswert.

Dass der Personalaufwand nach dem Ende der Bauarbeiten zurückgeht, erwartet Patt nicht. Zwar würden 34 Logistikstellen wegfallen, dafür würden in anderen Bereichen mehr Spezialisten für Gastronomie, Events und IT benötigt. Vor Abschreibungen verblieb ein EBITDA in Höhe von 23.6 Mio. CHF.

Ein Blick in die Spartenrechnung zeigt, dass die Bahnen mit 22.9 Mio. CHF den mit Abstand grössten Anteil zum Betriebsgewinn (EBITDA) beisteuerten. Das Hotel Terrace war hingegen auch 2024/25 wieder defizitär und wies ein negatives EBITDA von 509’000 CHF aus. Die EBITDA-Marge der Titlis Bahnen erreichte 29,0%. Die Abschreibungen verharren mit 14.3 Mio. CHF auf Vorjahresniveau. Der Finanzaufwand war mit rund 1 Mio. CHF sogar rückläufig, sodass unter dem Strich ein Gewinn von 7.7 Mio. CHF verblieb.

Schulden steigen auf 71 Mio. CHF

Auch wenn in der Erfolgsrechnung bei den Abschreibungen und beim Finanzaufwand das auf 150 Mio. CHF geschätzte Bauprojekt am Titlis noch keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat, ist das Bilanzbild bereits davon geprägt. Die Sachanlagen nahmen um 46 Mio. CHF auf 231.7 Mio. CHF zu. Insgesamt investierte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2024/25 über 60 Mio. CHF, davon 46.2 Mio. CHF in das Projekt Titlis. Ebenso erhöhten sich die Finanzverbindlichkeiten um 43 Mio. CHF auf 71 Mio. CHF.

Gemäss Geschäftsbericht haben die Schulden eine Restlaufzeit von einem bis fünf Jahren. Verzinst würden die Schulden per 31. Oktober 2025 (Geschäftsjahresende) zum SARON-Zinssatz zuzüglich einer Marge von 1 bis 1,4%. Die Eigenkapitalquote lag bei 62,0% (Vorjahr: 76,0%). Laut Norbert Patt soll diese während der Bauphase nicht unter 50% fallen.

Im Titls Tower wird es ein Restaurant, einen Rolex Shop sowie eine Aussichtsplattform geben – mit bester Aussicht auf die Schweizer Alpen. Bild: www.titlis.ch/de/informationen/titlis-tower

In Bezug auf die Bauarbeiten sei man im Zeit- und Kostenplan, so Patt in einem Interview im Geschäftsbericht. Ende Mai 2026 soll der Titlis Tower eröffnet werden und die gesamte Erneuerung der Bergstation 2029 abgeschlossen sein.

Erfolgreicher Start in die Wintersaison 25/26

Für das neue Geschäftsjahr 2025/26, das am 1. November startete, gibt sich Norbert Patt sehr optimistisch. Der Buchungsstand beim Hotel Terrace sei sehr hoch, und beim Titlis Resort zeichne sich nach dem Rekordjahr eine weitere Steigerung ab. Er gehe daher davon aus, dass die Wintersaison erfolgreich sein werde. Bereits gegen Jahresende habe sich eine erfreuliche Entwicklung bei den Eintrittszahlen gezeigt.

Fazit

Die Rückkehr der Reisenden aus aller Welt nach der Corona-Pandemie hilft auch den Titlis Bahnen bei ihrem ambitionierten Projekt. Denn die architektonische und technische Umsetzung dieses «ikonischen» Bauwerks ist das eine. Das andere ist die Finanzierung – und vor allem die Gewissheit, dass sich das Projekt im budgetierten Rahmen realisieren lässt. Hier musste das Unternehmen schon einmal nachjustieren. Das verunsicherte einige Aktionäre.

Nun zeigt sich, dass die erste grosse Etappe – der Titlis Tower – erfolgreich abgeschlossen wird. Zudem kommen die Gäste auch während der anspruchsvollen Bauzeit auf den Titlis. Mit der Eröffnung des Titlis Tower und der Bergstation zwei Jahre später wird die Bahn um eine Attraktion reicher sein. Mittelfristig soll der Umsatz auf 100 bis 120 Mio. CHF steigen, der Betriebsgewinn (EBITDA) auf 45 bis 55 Mio. CHF klettern. In der Spitze rechnet die Titlis Bahn mit einer Nettoverschuldung von 120 Mio. CHF, die ab 2028/29 abgebaut werden soll.

Seit Oktober 2025 hat der Kurs der Titlis Bahnen-Aktie kräftig zugelegt. Chart: six-group.com

Gemessen an den Geschäftszahlen von 2024/25 sind die Aktien nach dem jüngsten Kursanstieg auf 58 CHF bei einem Gewinn pro Aktie von 2.30 CHF mit einem KGV von 25 bewertet. Die Dividendenrendite beträgt 1,4%. Damit erscheint der Titel im Branchenvergleich eher hoch bewertet. Kurzfristig ist das Kurspotenzial daher gering.

Mit der Eröffnung des Titlis Tower und dem Abschluss des Bauprojekts am Titlis im Jahr 2029 beginnt allerdings eine neue Phase. Erreicht die Bahn die prognostizierten Umsatz- und Ergebniszahlen, wird auch die Ausschüttung wieder ansteigen, und der Aktienkurs dürfte weiter zulegen. Das grösste Risiko geht von den geopolitischen Unsicherheiten aus, die zu einem (temporären) Einbruch der Gästezahlen führen könnten.

Hinweis in eigener Sache: Am 29. Oktober findet der Branchentalk Tourismus in Engelberg auf Trübsee mit einer Führung auf den Titlis Tower statt. Reservieren Sie sich den Termin schon heute.

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