
Die Wintersaison 2025/26 war die erste, in der AlpsPass und Magic Pass gleichzeitig um Skifahrer konkurrierten. Die ersten Zahlen zeigen ein klares Bild: Verbundpässe treiben Frequenzen, verteilen die Nachfrage aber unterschiedlich zwischen grossen und kleinen Skigebieten.
Branche: 12% über dem Fünfjahresdurchschnitt
Die Gästezahlen lagen bis nach den Sportferien (November bis Februar) rund 3% unter dem ausserordentlich guten Vorjahr, aber 12% über dem Fünfjahresdurchschnitt. Das geht aus dem Saison-Monitoring von Seilbahnen Schweiz hervor, das Ersteintritte von über 120 Mitgliedbetrieben erfasst. Der Rückstand zum Vorjahr relativiert sich damit: 2024/25 war eine Ausnahme nach oben.
Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Gebiete über 2’000 Metern verzeichneten dank früher Schneefälle und technischer Beschneiung sogar einen Gästezuwachs. Tiefer gelegene Gebiete mussten Rückgänge hinnehmen. «Schweizweit sehr solide, aber mit deutlichen regionalen Differenzen zwischen Höhenlagen und tieferen Gebieten», so Seilbahnen Schweiz.
AlpsPass: 37’400 Abos, erste Rückmeldungen positiv
Letztes Jahr haben wir an dieser Stelle die Frage gestellt, welches Modell sich durchsetzen würde. Diese Saison liefert erste Antworten. Der AlpsPass vereint Adelboden-Lenk, Aletsch Arena, Engelberg-Titlis und die Jungfrau Ski Region zu einem Angebot für 949 CHF (Vorverkaufspreis), ergänzt um je drei Wahltage in fünf Partnergebieten, darunter Laax, Arosa-Lenzerheide und Davos Klosters. Der Magic Pass kostete im Vorverkauf 419 CHF. Die Preisdifferenz spiegelt die Positionierung: Der AlpsPass richtet sich an anspruchsvollere Wintersportgäste, die Schneesicherheit, moderne Anlagen und Pistenqualität priorisieren.
Insgesamt wurden in der ersten Saison rund 37’400 AlpsPässe abgesetzt. Fabian Appenzeller, Sprecher der Titlisbahnen, berichtet von einer guten Nachfrage: «Wir sehen, dass Gäste aus anderen AlpsPass-Gebieten neu auch Engelberg-Titlis besuchen, während unsere Stammgäste die Möglichkeit schätzen, mit einem Pass mehrere attraktive Skigebiete zu entdecken.» Der Pass wirkt in beide Richtungen: neue Gäste für jedes Gebiet und bestehende Gäste, die öfter zwischen Destinationen wechseln.
Die Jungfrau Ski Region bestätigt die Beobachtung. Viele AlpsPass-Inhaberinnen und -inhaber schätzten gemäss Sprecherin Kathrin Naegeli die Möglichkeit, ein Wochenende oder mehr in einem der vier Partnergebiete zu verbringen und dabei neue Skigebiete zu entdecken. Besonders stark war der Vorverkauf bei Jugend- und Kinderpässen. Wie sich der Pass langfristig auf die Ertragsstruktur auswirkt, lässt sich erst in einigen Saisons beurteilen. Klar ist schon jetzt: Der Pass schafft eine gemeinsame Vermarktungsreichweite, die keine Einzeldestination allein aufbaut.
Jungfraubahn Holding AG: Weiterer kotierter AlpsPass-Partner
Die Jungfraubahn Holding AG ist nebst TITLIS die zweite kotierte Gesellschaft im AlpsPass-Verbund. Die Jahreszahlen 2025 bestätigen die Stärke des Wintersports: Der Wintersport-Bereich erzielte mit 32.4 Mio. CHF Verkehrsertrag (+7.7%) den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte, das Wintersport-EBITDA stieg um 22.3%. Asiatische Gäste nutzen Schneeerlebnisse zunehmend für Schlitteln und Winterwandern, Engelberg-Titlis entwickelt mit dem Projekt TITLIS die Destination über den Wintersport hinaus. Bei der Jungfraubahn Holding AG ist der Sommer schon seit Jahrzehnten das stärkere Geschäftsfeld und der Ganzjahrestourismus das erklärte Ziel. Für neue Investoren: Der Konzerngewinn 2025 betrug 78.2 Mio. CHF (+2.3%), die Aktie notiert bei 272 CHF, Dividendenrendite 3,1%, das KGV beträgt rund 20. Die Generalversammlung findet am 11. Mai 2026 in Interlaken statt.
Magic Pass: 321’400 Abos, 128 Mio. CHF Umsatz
Laut Medienmitteilung von Magic Pass wurden in der Saison 2025/26 insgesamt 321’400 Abonnements verkauft, der Umsatz stieg auf 128 Mio. CHF, ein Wachstum von 63% gegenüber dem Vorjahr. Damit ist der Magic Pass der mit Abstand grösste Verbundpass im Schweizer Markt. Besonders stark wuchs der Kanton Bern mit plus 186% auf 69’881 Abonnentinnen und Abonnenten. Der Kanton Waadt blieb mit 70’655 Kunden der grösste Einzelmarkt, ein Plus von 19%.
Die starke Nachfrage bringt operative Herausforderungen. An Spitzentagen berichteten Gäste über Wartezeiten von bis zu 45 Minuten, lokale Medien dokumentierten Staus an Liftzugängen. Matthias In-Albon von den Gstaader Bergbahnen relativiert: Bei ihnen seien es nur sechs Tage mit kurzen Wartezeiten gewesen, grösstenteils auf technische Ursachen zurückzuführen. Das strukturelle Spannungsfeld bleibt: Günstige Saisonpässe erhöhen die Auslastung, stossen aber an Spitzentagen an Kapazitätsgrenzen.
Für 2026/27 setzt Magic Pass auf Konsolidierung und wächst auf über 100 Gebiete. Im Sommer 2025 verdoppelten sich die Eintritte auf 961’201 (+126%), der Sommer macht mittlerweile 20% der Jahreseintritte aus. Auch der Vorverkauf für die Saison 2026/27 läuft gut. Gemäss Medienberichten konnten vom 10. März bis 7. April bereits 341’000 Abonnements verkauft werden, was einer Steigerung von 23% entspricht.
Erlös pro Eintritt entscheidet, nicht Frequenz allein
Für die wirtschaftliche Bewertung der Verbundpässe ist nicht die Frequenz allein entscheidend, sondern der durchschnittliche Erlös pro Eintritt. Mehr Besucher bedeutet nicht automatisch mehr Ertrag. Seilbahnen Schweiz weist darauf hin, dass eine Steigerung der Frequenzen mit wenig Einbussen beim Durchschnittspreis anzustreben ist. Den grossen Destinationen gelingt das eher als den kleinen. Seilbahnen Schweiz weist darauf hin, dass mittlerweile über 170 Skigebiete in der Schweiz Verbundpässe anbieten. Für kleinere Gebiete ist die Situation weniger klar: Sie profitieren von der Planungssicherheit durch Vorverkaufserlöse, teilen den Erlös aber mit mehr Partnern.
Die wirtschaftliche Stabilität bleibt höhenabhängig. In einem guten Winter erreichen laut Seilbahnen Schweiz rund zwei Drittel bis drei Viertel der Wintersportbahnen eine zumindest genügende Kapitalrendite. In der Saison 2025/26 bestätigten schneesichere Gebiete die Vorjahresergebnisse oder übertrafen sie. Für tiefer gelegene Gebiete, insbesondere in den Voralpen, fielen die Ergebnisse deutlich schwächer aus.
Fazit
Die erste vollständige Saison des AlpsPass geht zu Ende. Ob er sich mittelfristig als eigenständige Kategorie etabliert oder als Ergänzungsangebot für ein bestimmtes Gästesegment positioniert, werden die nächsten Saisons zeigen. Der Magic Pass hat seine Marktposition weiter ausgebaut, steht aber vor der Frage, wie Wachstum und Kapazität in Einklang gebracht werden können. Der Markt entwickelt sich in zwei Richtungen: grossräumige Verbundsysteme mit hoher Reichweite auf der einen Seite, Premiumdestinationen mit starkem Markenprofil auf der anderen. Seilbahnen Schweiz sieht die Bergbahnen auf dem Weg zu integrierten Destinationsunternehmen mit Gastronomie und Hotellerie, etwas, was sich die Jungfraubahn Holding AG schon länger auf die Fahne geschrieben hat. Und der Klimawandel bleibt ein zentraler Einflussfaktor: Wer den Winter hält und in den Sommer investiert, wird langfristig bestehen.





