
Die geopolitischen Unsicherheiten, Inflationsdruck und Deviseneffekte schlugen auf das Zahlenwerk des ersten Halbjahres 2026 der Bobst Group durch. Der Umsatz sank um 11,6% auf 589.9 Mio. CHF. EBIT und Nettogewinn fielen in den negativen Bereich. Und auch der Auftragseingang war rückläufig. Ein Lichtblick ist das Europageschäft, das immerhin positive Wachstumsraten verzeichnen konnte.
Die Erneuerung des Maschinenparks durch die Kunden der Bobst Group lässt weiterhin auf sich warten. Gruppenweit ging der Auftragseingang im ersten Semester um 11% zurück. Das betrifft hauptsächlich das Segment Printing & Converting, also den Maschinenbau. Dort lag der Auftragseingang 20% unter dem Wert des ersten Halbjahres 2025. Die Kunden sind verunsichert durch den Nahost-Krieg und seine Auswirkungen wie steigende Energiekosten und die Neuordnung der Lieferketten. Höhere Inflationsraten und die unstete US-Handels- und Zollpolitik führen zu längeren Investitionszyklen und Genehmigungsverfahren, was sich direkt in den Umsätzen niederschlägt.
Abgeschwächte Nachfrage nach Maschinen
Im Segment Printing & Converting gab der Umsatz im Vergleich zum ersten Semester 2025 um 21,2% auf 261.8 Mio. CHF nach. Das Segment-EBIT sank um 16,5% auf -58.9 Mio. CHF. Die Kunden fokussieren sich auf kurzfristige Effizienzsteigerungen, schieben aber grössere Investitionsprogramme auf. Die Kosten allerdings steigen, darunter Energie-, Logistik- und Transportaufwendungen. Im ersten Halbjahr sind die europäischen Kartonpreise als Folge von Kriegen und Konflikten um über 20% angestiegen. Die Kosteninflation kann von der Bobst Group jedoch kaum auf die Kunden abgewälzt werden, da beträchtliche Überkapazitäten den Konkurrenzkampf verschärfen.
Deviseneffekte
Auch die Stärke des USD schlägt sich in den gruppenweiten Währungsverlusten von 23.5 Mio. CHF im Zahlenwerk nieder. Laut dem Halbjahresbericht der Bobst Group handelt es sich bei der Zurückhaltung der Kunden aber nicht um einen Investitionsstopp. Die Projekte bestehen fort, die Realisierung werde jedoch aufgeschoben, da Expansion derzeit als weniger wichtig im Vergleich zu hoher Liquidität eingestuft werde.
Service-Geschäft stagniert
Im Segment Services & Performance ging der Umsatz um 2,1% auf 328.1 Mio. CHF erstmals leicht zurück, wenn auch wesentlich durch Deviseneffekte. Die Kunden sind selektiver geworden und verzichten vereinzelt auf nicht essenzielle Dienstleistungen. Das EBIT fiel um 14,9% auf 34.7 Mio. CHF. Während das Geschäft in Europa positive Wachstumsraten verzeichnete, entwickelten sich die anderen Regionen negativ.
Verschiebungen im Mehrjahresvergleich
Der mehrjährige Vergleich der Distribution der Umsätze nach Regionen und Geschäftsbereichen offenbart einerseits beachtliche Verschiebungen, andererseits findet die Strategie der globalen Expansion und des stetigen Ausbaus des Service-Geschäfts ihre Bestätigung. In Europa war bereits im ersten Semester 2025 ein scharfer Umsatzrückgang zu verzeichnen gewesen. Darauf folgte nun eine moderate Erholung auf 293.6 Mio. CHF. Das entspricht 49,8% des Gruppenumsatzes. Es ist der höchste Wert der letzten fünf Jahre. In Amerika wurde der Höchstwert im ersten Semester 2024 verzeichnet. Danach ging es in zwei Schritten zurück auf nun 195.9 Mio. CHF, oder 33,2% des Gesamtumsatzes. Ähnlich ist das Muster in Asien und Ozeanien, wo der Höchstwert von 2024 in zwei Schritten auf nun 80.7 Mio. CHF und damit weniger als die Hälfte zusammenschrumpfte. Afrika blieb dagegen mit 19.7 Mio. CHF auf dem Niveau der beiden Vorjahre.
Segmentbetrachtung
Im Service-Segment sind die Umsätze stetig von 305.6 Mio. CHF im ersten Halbjahr 2022 bis letztes Jahr angestiegen. 2026 war ein leichter Rückgang auf 328.1 Mio. CHF zu verzeichnen. Das entspricht 55,6% des Gruppenumsatzes. 2022 hatte der Anteil noch 39,6% betragen. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Service-Umsatz erstmals den mit Maschinen überflügelt. Da das EBIT im Maschinenbereich mit -58.9 Mio. CHF noch tiefer als in der Vorjahresperiode in der Verlustzone liegt, reicht das mit 34.7 Mio. CHF positive EBIT des Service-Segments nicht mehr aus, um die Gesellschaft in der Gewinnzone zu halten. Im ersten Semester 2025 lag das EBIT noch bei 5 Mio. CHF, jetzt bei -25 Mio. CHF. Das drückte auch den Nettoverlust von 3.3 Mio. CHF im Vorjahressemester auf nun 33 Mio. CHF. Das entspricht einem Verlust je Aktie von 1.97 CHF. Im Vorjahr war im ersten Halbjahr ein Verlust von 0.20 CHF je Aktie angefallen. Das zweite Halbjahr lief dann besser. Am Ende wurde ein Gewinn je Aktie von 2.22 CHF ausgewiesen.
Ausblick
Der Ausblick der Gesellschaft ist vorsichtig. Das Investitionsvertrauen der Kunden fehle. Die Gründe sind vielfältig, darunter Unsicherheiten durch die andauernden geopolitischen Konflikte, inflationäre Tendenzen, die erratische US-Handels- und Zollpolitik. Entsprechend sind die Massnahmen der Bobst Group. Der Personalstand ist um 2,7% auf 6211 gesunken. Die Investitionen in Sachanlagen haben sich gegenüber den Vorjahreswerten auf 9.3 Mio. CHF halbiert.
Bilanzeffekte
Die Nettoverschuldung erhöhte sich auf 241.6 Mio. CHF von 154 Mio. CHF zum Jahreswechsel. Der Hauptgrund ist die Tilgung der 200-Mio.-CHF-Anleihe mit Fälligkeit im Februar. Dennoch hat sich die Eigenkapitalquote dadurch auf 21,9% vermindert. Ursächlich ist laut Halbjahresbericht das negative Ergebnis des ersten Halbjahres sowie die erfolgte Dividendenausschüttung von 40.9 Mio. CHF. Angesichts der aktuellen Marktbedingungen erwartet die Bobst Group zwar Resilienz des Service-Segments, jedoch Umsatz und Ergebnis unter den Vorjahreswerten.
Fazit
Die Erholung der Nachfrage lässt sich nicht stimulieren, denn fortgesetzte Unsicherheiten führen zu Vertrauensschwund. Zölle und weitere Handelshemmnisse verbessern die Lage für Bobst nicht. Trotz der Anpassungen und Effizienzprogramme sind doch viele Faktoren wie Devisenentwicklung, Energiekosten, Zölle und Verwerfungen der globalen Lieferketten im Spiel, die sich der Kontrolle der Bobst Group entziehen. Die Kernfragen für Aktionäre sind, ob das zu erwartende bessere zweite Semester das Jahresergebnis noch in den positiven Bereich hieven kann und ob und in welcher Höhe eine Dividende für 2026 ausgeschüttet werden wird.
Die Aktie der Bobst Group wird auf OTC-X gehandelt. Aktuell bewegt sich der Kurs bei 42 CHF.






