
Die Sunstar-Holding AG blickt auf ein Geschäftsjahr 2025/26 mit gegensätzlichen Entwicklungen zurück. Während die Sommersaison von einer robusten Nachfrage und steigenden Zimmerpreisen profitierte, prägten eine schwache Wintersaison, rückläufige Gästezahlen und ein anspruchsvolles internationales Umfeld den Jahresverlauf. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 1 Mio. CHF (Vorjahr: 1.8 Mio. CHF Gewinn). Es ist das erste negative Ergebnis seit fünf Jahren (2020/21).
Rückgang bei den Übernachtungen
Insgesamt zählte die Hotelgruppe 177’700 Übernachtungsgäste, was einem Rückgang von 6,9% gegenüber dem Vorjahr und einer Auslastung von 54% (Vorjahr: 58%) entspricht. Nach fünf Jahren kontinuierlich steigender Auslastung ist dies der erste Rückgang. Die Sommersaison 2025 konnte mit 101’500 Gästen das Vorjahresniveau weitgehend halten, während die Wintersaison 2025/26 deutlich schwächer ausfiel und die Gästezahl um 13,9% auf 76’200 sank.
Besonders stark machte sich die schwächere Nachfrage aus den asiatischen Märkten bemerkbar. Die Zahl der asiatischen Gäste ging um 11,1% auf 46’720 zurück. Als Gründe nennt die Gesellschaft die anhaltend schwache Nachfrage aus China und anderen asiatischen Herkunftsmärkten, den Rückgang indischer Gäste infolge des Indien-Pakistan-Konflikts sowie eine Verlagerung asiatischer Gästeströme zugunsten von Interlaken. Schweizer Gäste blieben mit 77’730 Übernachtungen die wichtigste Kundengruppe, lagen aber ebenfalls 9,5% unter dem Vorjahreswert. Dies lag in erster Linie am erst spät einsetzenden Schneefall und den früh aufkommenden Frühlingstemperaturen, was die Wintersportsaison drastisch verkürzte, wie Silvio Schoch, CEO der Sunstar-Holding, auf Anfrage von schweizeraktien.net mitteilt. Positiv entwickelte sich dagegen die Nachfrage aus Europa, insbesondere aus Deutschland.
Grosse Unterschiede zwischen den Standorten
Auf Ebene der einzelnen Standorte belastete vor allem das auf internationalen Tourismus ausgerichtete Hotel in Grindelwald das Gruppenergebnis. Dort sank die Zahl der Übernachtungsgäste um 8,9% auf 93’990. Ebenfalls rückläufig entwickelten sich Arosa, Klosters und Piemont. Wachstum verzeichneten dagegen Brissago mit einem Plus von 10,3% sowie Pontresina, das nach seiner Neueröffnung auf 12’320 Gäste kam und damit um 11,4% zulegte.
Umsatz pro Zimmer steigt
Erfreulich sind die seit Jahren anhaltend positiven Trends bei Zimmerpreis und Beherbergungsumsatz. Der durchschnittliche Zimmerpreis (ADR) stieg von 246 CHF auf 263 CHF. Dadurch konnte der Beherbergungsertrag trotz geringerer Gästezahlen mit 23.4 Mio. CHF auf Vorjahresniveau gehalten werden. Auch der Beherbergungsumsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPar) erhöhte sich leicht von 142 CHF auf 143 CHF. Der Nettoerlös sank dennoch um 4,3% auf 36.5 Mio. CHF, während der Betriebsertrag 35.1 Mio. CHF erreichte.
Der Bruttobetriebsgewinn (GOP) blieb mit 5.3 Mio. CHF praktisch unverändert. Die GOP-Marge verbesserte sich leicht von 14,0% auf 14,5%. Positiv wirkten tiefere Waren- und Betriebsaufwendungen sowie ein um rund 0.8 Mio. CHF reduzierter Verwaltungsaufwand. Das EBIT verbesserte sich von minus 3.0 Mio. CHF auf minus 0.6 Mio. CHF, unter anderem aufgrund tieferer Abschreibungen. Das Jahresergebnis schloss jedoch mit einem Verlust von 1.0 Mio. CHF ab. Bereinigt um Sondereffekte (Verkauf von Immobilien) verbesserte sich das Ergebnis von minus 1.9 Mio. CHF auf minus 1.7 Mio. CHF.

Solide Bilanz mit kontinuierlich steigender Eigenkapitalquote
Die Bilanzsumme belief sich per Ende April 2026 auf 112.3 Mio CHF. Das Eigenkapital lag bei 85.2 Mio. CHF, was einer hohen Eigenkapitalquote von 75,9% entspricht (Vorjahr: 74,3%). Aufgrund des negativen Jahresergebnisses, des Investitionsbedarfs sowie der laufenden strategischen Überprüfung beantragt der Verwaltungsrat, auch weiterhin keine Bardividende auszuschütten. Die Aktionäre sollen jedoch wie gewohnt Hotelbons im Wert von 50 CHF pro Aktie als Naturaldividende erhalten.
Portfolioumbau und Zukunftsinvestitionen schreiten voran
Im Berichtsjahr investierte die Gruppe insgesamt 3.3 Mio. CHF in ihre Hotels. Der grösste Anteil entfiel mit rund 1 Mio. CHF auf Grindelwald. Weitere Investitionen flossen nach Klosters, Brissago, Pontresina und Lenzerheide. Die Massnahmen umfassten Modernisierungen von Gäste- und Restaurationsbereichen, Infrastrukturprojekte sowie Investitionen in Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
Der Verkauf der seit 2021 stillgelegten Liegenschaft in Saas-Fee wurde per 31. Oktober 2025 abgeschlossen. Zudem wurde entschieden, das Hotel Arosa nach der Sommersaison 2026 zu schliessen. Als Gründe werden bauliche Herausforderungen und steigende Anforderungen im Bereich Brandschutz genannt.
Parallel dazu prüft der Verwaltungsrat nach dem Tod des Mehrheitsaktionärs Dr. Peter Grogg (74,4% Anteil) sämtliche strategischen Optionen für die Gruppe. Konkrete Entscheide werden im Verlauf des Jahres 2026 erwartet.
Positive Aussichten für das laufende Jahr
Für die Sommersaison 2026 meldet die Sunstar Gruppe einen Buchungsstand, der rund 3% über dem Vorjahreswert liegt. Auch für die Wintersaison 2026/27 liegt die Buchungslage leicht über dem Vorjahr. Die Gesellschaft zeigt sich daher im Geschäftsbericht trotz des weiterhin anspruchsvollen Umfelds vorsichtig optimistisch. Auf Anfrage teilt Silvio Schoch mit, dass sich die Sommersaison insgesamt wie erwartet entwickelt hat und er mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden sei. Dabei geholfen hat die aufgrund der hohen Temperaturen erhöhte Spontannachfrage in den Bergregionen.
Fazit
Der Kurs der Sunstar-Aktie kennt seit der Listung im November 2012 an der OTC-X nur eine Richtung: nach unten. Nach einer zwischenzeitlichen Seitwärtsphase von 2017 bis 2022 ging es in den letzten Jahren nochmals deutlich bergab. Seit Jahresbeginn zeichnet sich jedoch eine Stabilisierung mit leicht positiver Tendenz ab.

Der Kursentwicklung entgegen entwickelt sich der Buchwert seit 2019 positiv, was dazu führt, dass die Aktie mittlerweile zum halben Buchwert gehandelt wird und somit fundamental attraktiv erscheint. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass die Liegenschaftsbewertungen und auf dem Markt erzielbaren Preise durchaus stark divergieren können.
Entscheidend für den weiteren Verlauf des Kurses dürften der Abschluss der Portfoliobereinigungen, Sicherheit bezüglich der Entwicklungen seitens Hauptaktionariat und eine Steigerung der operativen Ergebnisse sein. Anlass zur Hoffnung könnte eine positive geopolitische Entwicklung und als Folge davon die Rückkehr der asiatischen Kundschaft sowie eine Steigerung der einheimischen Gästezahlen liefern. Wenn dadurch die sehr tiefe Auslastung kontinuierlich erhöht werden kann, würde dies in Kombination mit der seit Jahren guten Entwicklung bei den Preisen und Beherberbungsumsätzen pro Zimmer dem Geschäftsergebnis und in der Folge auch der Aktie neuen Schwung verleihen und könnte einen potenziellen Aufwärtstrend in Gang setzen. Die nächsten 12 bis 24 Monate werden diesbezüglich richtungsweisend sein.
Die Aktie der Sunstar-Holding wird auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs beträgt 556 CHF.
Hinweis in eigener Sache: Am 29. Oktober findet in Engelberg der Branchentalk Tourismus statt. Im Fokus steht auch die Ganzjährigkeit im Schweizer Bergtourismus. Mehr Infos unter: www.schweizeraktien.net/branchentalk-tourismus-29-oktober-2026-2/





