Pilatus Bahnen AG: erzielt 2013 neuen Umsatzrekord

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1999
Pilatus und Vierwaldstättersee. Quelle: www.pilatus.ch
Pilatus und Vierwaldstättersee. Quelle: www.pilatus.ch

Gut, besser, Pilatus. Die bereits 1886 gegründete Pilatus-Bahnen AG aus Kriens, die den Luzerner Hausberg gleichen Namens von zwei Seiten und mit unterschiedlichsten Transportmitteln – darunter auch der steilsten Zahnradbahn der Welt – erschliesst, konnte das Jahr 2013 erneut mit einem Rekordergebnis und sehr guten Zahlen auf allen Ebenen abschliessen. Der zur Jahresmitte 2014 zu den Pilatus-Flugzeugwerken wechselnde langjährige Pilatus-CEO André Zimmermann, der massgeblich für den Erfolg des Unternehmens in den letzten Jahren verantwortlich zeichnet, übergibt die Pilatus-Bahnen AG in einer blendenden finanziellen Verfassung an seinen Nachfolger Godi Koch, bisher CFO der Gesellschaft.

Von Krisenstimmung, die die Schweizer Tourismusindustrie in Zeiten der europäischen Wirtschafts- und Währungskrise und ausbleibender Gäste gerade aus den Nachbarländern an vielen Stellen seit Jahren erfasst hat, ist am sagenumwobenen Drachenberg nichts zu spüren. Ein Berg strotzt vor Kraft – und mit ihm sein Bahnbetrieb. Dabei waren es 2013 längst nicht nur asiatische Gäste, auch wenn diese einmal mehr wesentlich zum Jahreserfolg beigetragen haben. Der Pilatus-Bahnen AG ist es mit einem breit gefächerten Angebotsmix erneut gelungen, auch Einheimische sowie europäische Gäste aus den Nachbarmärkten auf den Berg zu locken und dem Klischee vom „Asiatenberg“ (Geschäftsbericht 2013, S. 12), das sich immer noch in vielen Köpfen eingebrannt hat, zu begegnen. Der Anteil Schweizer Gäste lag 2013 bei 50%, jener aus Übersee bei 35%, und auf Europa entfielen 15%.

Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahr 2012 um 6.8% auf ein neues Rekord-Niveau von 27.7 Mio. CHF. Entscheidenden Anteil an diesem Zuwachs hatte der Anstieg des Verkehrsumsatzes um 1.2 Mio. CHF auf 16.2 Mio. CHF (+8.1%). Der Verkehrsumsatz macht etwa 60% des Gesamtumsatzes aus. Seit 2009 konnte der Umsatz um 25% ausgeweitet werden, seit 2010 sogar um mehr als 33%. Der Cashflow erreicht 7.7 Mio. CHF oder knapp 28% des Gesamtumsatzes. Aufgrund höherer Personalaufwendungen – der Verwaltungsrat hatte für 2013 die Auszahlung einer Erfolgsbeteiligung an die Mitarbeiter beschlossen – konnte die Cashflow-Steigerung mit dem Umsatzanstieg nicht ganz mithalten, war jedoch mit einem Zuwachs um knapp 4% immer noch erfreulich.

Noch nie in der bis ins Jahr 1889 (Eröffnung Zahnradbahn) zurückreichenden Geschichte der Pilatus-Bahnen AG besuchten so viele Gäste den Pilatus wie im Jahr 2013. Die Ersteintritte am Berg nahmen um 6.2% auf 622’967 zu, und die Passagierfrequenzen lagen mit 2.15 Mio. erstmals über der Marke von 2 Millionen (+8.3%). Fast 60% der Frequenzen entfielen dabei auf die Panorama-Gondelbahn Kriens-Krienseregg-Fräkmüntegg, 23.5% auf die vor der Erneuerung stehende Luftseilbahn Fräkmüntegg-Pilatus Kulm (Frequenz: +10.2%) und 16.5% auf die kapazitativ eingeschränkte, touristisch aber besonders attraktive Zahnradbahn (+3.4%), die sich insbesondere unter asiatischen Gästen grosser Beliebtheit erfreut und in der Hochsaison schnell an die Kapazitätsgrenze stösst, was dann zu entsprechenden Wartezeiten führt.

Während die Erträge in der Hotellerie und in der Gastronomie gegenüber dem Vorjahr in der Summe mit einem moderaten Zuwachs von 0.6% (Anteil am Gesamtumsatz 2013: 27.4%; Vorjahr 29.2%) weitgehend unverändert geblieben sind, konnte das Merchandising um beachtliche 14.8% auf 2.3 Mio. CHF (Anteil am Gesamtumsatz 2013: 8.5%) zulegen, der Bereich „Freizeitanlagen“, namentlich der Seilpark und die Sommerrodelbahn, von tieferer Basis aus sogar um 17.7% auf knapp 1 Mio. CHF. Das von der Pilatus-Bahnen AG gemeinsam mit einem Partner aus Österreich entwickelte Geschäftsfeld Merchandising präsentiert sich weiterhin als Erfolgsmodell. Im Frühling 2014 wird bereits die dritte eigene Pilatus-Bekleidungskollektion präsentiert. Das erfolgreiche Merchandising am Pilatus, das sich in den letzten Jahren zu einem starken Standbein entwickelt hat und die restlichen Geschäftsfelder komplementär unterstützt, könnte dabei auch ein Vorbild für andere Bahnbetriebe sein. Ein weiterer Schub könnte sich einstellen, wenn es gelingt, den im Aufbau befindlichen „Pilatus Online-Shop“ erfolgreich in die Pilatus-Angebotswelten und in die Homepage www.pilatus.ch zu integrieren.

Im Mittelpunkt der Kommunikation für das Jahr 2014 steht das Jubiläum „125 Jahre steilste Zahnradbahn der Welt“. Zudem steht im Mai 2014 die Neueröffnung des Restaurants auf der Fräkmüntegg auf der Agenda. Am 30. August 2014 ist dann der letzte Betriebstag der „alten“ Luftseilbahn, die abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wird. Die Neueröffnung der neuen Luftseilbahn auf Pilatus Kulm ist für Frühling 2015 geplant. Der Pilatus-Kulm wird vor dem Hintergrund dieser Baumassnahmen im Winter 2014/2015 geschlossen sein – eine „grosse Nagelprobe“ für die Unternehmung, wie es im 2013-Geschäftsbericht heisst.

Bei einem zuletzt gehandelten Kurs von 1’650 CHF (3.4.2014) ergibt sich – unter Abzug der eigenen Aktien – eine Marktkapitalisierung von gut 43 Mio. CHF. Dieser steht – im konkreten Fall allerdings wenig aussagekräftig – ein bilanzielles Eigenkapital von etwa 8 Mio. CHF oder etwas mehr als 300 CHF/Aktie gegenüber. Der ausgewiesene Reingewinn, aufgrund von erneut sehr grosszügig dotierten Abschreibungen und „Rückstellungen“ ebenfalls nicht besonders aussagekräftig, lag bei 32 CHF/Aktie. Die Rückstellungen von mittlerweile gut 31.7 Mio. CHF (+14.4%) oder 1’210 CHF/Aktie dürften dabei zu einem guten Teil Eigenkapitalcharakter haben. Aussagekräftiger ist der bereits vorgängig erwähnte Cashflow von 7.7 Mio. CHF, woraus sich ein Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von unter 6 ableiten lässt – ein Indiz für eine hohe Eigenfinanzierungskraft.

Unter den OTC-gehandelten Bergbahnaktien gehört die Aktie der Pilatus-Bahnen AG auch hinsichtlich Kapitalrentabilität und Verschuldung weiterhin zum Besten, was dieses in vielerlei Hinsicht spezielle OTC-Segment zu bieten hat (vgl. auch OTC-Branchenanalyse „Bergbahnen“ vom 27. Februar 2014; OTC-Einzelanalyse Pilatus-Bahnen AG vom 20. Juni 2013). Die Pilatus-Bahnen AG haben den Aufstieg zum Rendite-Gipfel schon geschafft und bleiben für Bergbahn-Anleger, die nicht nur etwaige Aktionärsvergünstigungen, sondern auch die Bilanzen im Blick haben, im OTC-Segment eine gute Wahl.

Ein kleiner Wermutstropfen aus Sicht aussenstehender Aktionäre ist die nach diesem erneuten Rekordjahr lediglich konstante Höhe der Dividende. Für 2013 sollen unverändert 25 CHF ausgeschüttet werden (Rendite 1.5%). Die Aktie der Pilatus-Bahnen AG soll offenbar weiterhin nicht als Dividendenpapier positioniert werden, obwohl höhere Ausschüttungen an die Aktionäre angesichts des starken Cashflows ungeachtet abermals anstehender Gross-Investitionen möglich wären. Die spannende Frage aus Aktionärssicht ist, wann sich die seit Jahren anhaltende Investitionsoffensive der Pilatus-Bahnen AG in der Zukunft abschwächt und ob danach höhere Ausschüttungen folgen werden.

Insbesondere Kleinaktionäre mit nur wenigen Aktien können ihre reguläre Bar-Dividendenrendite mit der branchentypischen Naturaldividende jedoch signifikant steigern, wobei – um eine bekannte Redewendung aufzugreifen – die Götter vor den Lohn der Irdischen im Fall der Pilatus-Bahnen AG den Schweiss gesetzt haben. An der Generalversammlung anwesende Aktionäre – und nur diese Aktionäre – erhalten nach der Generalversammlung zwei Freikarten, die jeweils zu einer Retour-Fahrt auf den Pilatus-Gipfel berechtigen. So ist gewährleistet, dass nur die an der Pilatus-Welt und den Referaten von VR und Geschäftsleitung interessierten Aktionäre in den Genuss der Naturaldividende als kleine Belohnung für ihr Erscheinen kommen. In diesem Jahr findet die GV am 23. April 2014 um 17.00 Uhr in der Horwerhalle in Horw Nähe Luzern statt. Die Struktur der Ausreichung der Naturaldividende führte in der Vergangenheit stets auch zu einem starken Besucherandrang bei den Generalversammlungen, der alle Beteiligten vor Herausforderungen stellt. In den letzten Jahren nahmen regelmässig mehr als 1’500 Aktionäre an der Versammlung teil – eine beeindruckende Zahl, die manch einem SMI-Wert zur Ehre gereichen würde. Aber dort gibt es auch keine Freikarten für Fahrten zum „Rendite-Gipfel“.

Nach den starken Zuwächsen der Vergangenheit rechnen wir für das laufende Geschäftsjahr 2014 – nicht zuletzt wegen des Neubaus der Luftseilbahn Fräkmüntegg-Pilatus Kulm und einem vorgezogenen Betriebsende zum 30. August 2014 mit einer Schliessung der Anlagen auf Pilatus Kulm im Winter 2014/2015 – in der Tendenz mit einer temporären (deutlichen) Abschwächung des Wachstums, wobei es nicht das erste Mal wäre, dass die Pilatus-Bahnen AG allen Skeptikern trotzt und abermals ein Rekordergebnis einfahren kann. Die Kapazitäten am Berg sind insbesondere in der Hauptsaison schon heute hervorragend ausgelastet, und die besonders wichtigen Verkehrsumsätze erscheinen – ohne Preiserhöhungen – ausgehend vom 2013-Rekordlevel kaum noch steigerungsfähig. Aber auch hier gilt: In der Vergangenheit wusste die Pilatus-Bahnen AG stets positiv zu überraschen.

Die Aktie der Pilatus-Bahnen erscheint auf dem jetzt erreichten Niveau angesichts des vorgelegten Zahlenkranzes – auch ohne Naturaldividenden – nicht überteuert. Eine signifikante Dividendenerhöhung, die möglich wäre, aber heute noch nicht absehbar ist, könnte dabei weitere Kursavancen der Aktie begünstigen. Ohne eine solche Erhöhung der Bardividende in den nächsten Jahren halten wir den Spielraum für nennenswerte Kurswertsteigerungen auf dem erreichten Niveau ungeachtet der im Kern moderaten Bewertung aus strukturellen Gründen allerdings für begrenzt.

Eine der grossen Herausforderungen für die Pilatus-Bahnen AG wird es auch künftig sein, den Besucheransturm auf den Berg insbesondere an schönen Tagen logistisch und angebotsseitig zu kanalisieren, dabei stets die Dienstleistungsqualität im Blick zu behalten und auch die Mitarbeiter im Umgang mit den Gästen aus fern und nah regelmässig zu schulen, um zu verhindern, dass die Pilatus-Bahnen AG in weniger guten Zeiten zum Opfer des eigenen Erfolges wird. Im Mittelpunkt allen Wirkens muss weiterhin der Gast stehen – und das Gesamterlebnis Pilatus. Gelingt dies, kann die insbesondere für langjährige Aktionäre erfreuliche Pilatus-Saga vermutlich noch um weitere Kapitel fortgeschrieben werden. Wir wünschen dem designierten CEO Koch für seine neue Aufgabe nach der Ära André Zimmermann viel Erfolg.

Thorsten Grimm, 4. April 2014.

Transparenzhinweis: Der Verfasser ist Aktionär der Pilatus-Bahnen AG.

3 KOMMENTARE

  1. An der gestrigen Generalversammlung der Pilatus-Bahnen AG vom 23. April 2014 wurden den Aktionären von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung nicht nur Rekordzahlen präsentiert. Auch die Teilnehmeranzahl erreichte im Jubiläumsjahr („125 Jahre Pilatusbahn“) mit 1’762 anwesenden Aktionären ein neues „Allzeithoch“.

    Es war zugleich die Abschieds-GV des langjährigen CEO André Zimmermann, der während seiner Amtszeit Vieles bewegt hat und von den Aktionären unter kräftigem Applaus verabschiedet wurde.

    Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk präsentierte den Aktionären zum Ende der Versammlung in einer Visualisierung erstmals auch die neue Panorama-Luftseilbahn, die ab April 2015 das Fräkmüntegg mit dem Pilatus-Gipfel verbindet:

    http://events.pilatus.ch/luftseilbahn/
    http://events.pilatus.ch/luftseilbahn/visualisierungen/

  2. Das mit Baukosten von 4.2 Mio. CHF erstellte neue SB-Restaurant der Pilatus-Bahnen AG auf der Fräkmüntegg ist seit heute für Gäste geöffnet:

    http://www.pilatus.ch/webautor-data/101/2014_05_23_PIL_PM_Eroeffnung_Fraekmuentegg.pdf

    http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/lu/luzern/Neues-Restaurant-auf-der-Fraekmuentegg;art92,376449

    Weitere neue Angebote auf der Fräkmüntegg werden derzeit nach Mitteilung der Pilatus-Bahnen AG evaluiert.

    Der Neubau des Restaurant Fräkmüntegg ist Teil eines umfangreichen Investitionspaketes über insgesamt 24 Mio. CHF. Neben den 4.2 Mio. CHF für das neue Restaurant wurden 1.5 Mio. CHF in ein neues Personalhaus in Alpnachstad investiert. Der grösste Teil dieses jüngsten Investitionspakets entfällt mit 18 Mio. CHF auf die bereits in unserem Hauptbeitrag skizzierte Gesamterneuerung der Luftseilbahn Fräkmüntegg – Pilatus Kulm. Die Bauarbeiten dazu starteten Ende April 2014 und die Eröffnung ist für Frühling 2015 vorgesehen.

  3. Das mit Baukosten von 4.2 Mio. CHF erstellte neue SB-Restaurant der Pilatus-Bahnen AG auf der Fräkmüntegg ist seit heute für Gäste geöffnet:

    http://www.pilatus.ch/webautor-data/101/2014_05_23_PIL_PM_Eroeffnung_Fraekmuentegg.pdf

    http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/zentralschweiz/lu/luzern/Neues-Restaurant-auf-der-Fraekmuentegg;art92,376449

    Weitere neue Angebote auf der Fräkmüntegg werden derzeit nach Mitteilung der Pilatus-Bahnen AG evaluiert.

    Der Neubau des Restaurant Fräkmüntegg ist Teil eines umfangreichen Investitionspaketes über insgesamt 24 Mio. CHF. Neben den 4.2 Mio. CHF für das neue Restaurant wurden 1.5 Mio. CHF in ein neues Personalhaus in Alpnachstad investiert. Der grösste Teil dieses jüngsten Investitionspakets entfällt mit 18 Mio. CHF auf die bereits in unserem Hauptbeitrag skizzierte Gesamterneuerung der Luftseilbahn Fräkmüntegg – Pilatus Kulm. Die Bauarbeiten dazu starteten Ende April 2014 und die Eröffnung ist für Frühling 2015 vorgesehen.

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