Typon Holding AG: Aktionäre erhalten ihren Einsatz dank Dividendenzahlungen zurück

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Vermietungserlöse  für das Betriebsareal in Krauchthal sorgen für Mittelzuflüsse. Bild. Typon Holding AG
Vermietungserlöse für das Betriebsareal in Krauchthal sorgen für Mittelzuflüsse. Bild. Typon Holding AG

Die Typon Holding AG beendete im Jahr 2013 die operative Geschäftstätigkeit vollständig. Nach dem erfolgreichen Verkauf der Raymed-Beteiligung, über die wir hier berichteten, besitzt die Gesellschaft aktuell noch zwei Immobilien in Burgdorf und in Krauchthal. Diese sind in den beiden je 100%igenTochtergesellschaften Typon Service AG (Krauchthal) und Typon Immobilien AG (Burgdorf) aufgeteilt. Im Jahr 2013 schrieben beide Gesellschaften einen Verlust. Das Minus von 128’000 CHF bei der Typon Service AG resultierte aus dem Auszug des Mieters der Liegenschaft und der darauffolgenden Erneuerung zahlreicher Anlagen. Allerdings konnte die Immobilie per 1. Januar 2014 wieder voll vermietet werden. Für das laufende Jahr wird ein ansprechender Gewinnausweis der Typon Service erwartet. Ein kleiner Verlust von 46’000 CHF resultierte bei der Typon Immobilien AG. Hier sucht die Gesellschaft nach wie vor nach einem Käufer für das Areal, der einen akzeptablen Preis bietet. Der an der Generalversammlung (GV) vom 10. Mai 2014 zurückgetretene VR-Präsident Dr. Klaus Oesch liess durchblicken, dass ein Nettoverkaufserlös von mindestens 2 Mio. CHF angestrebt werde. Er betonte zugleich, dass keine Eile für den Verkauf bestehe. Die aktuell vorhandenen liquiden Mittel werden den Aktionären in der Form einer Dividende von 100 CHF pro Aktie für das Jahr 2013 ausbezahlt.

Der Vizepräsident des Verwaltungsrats, Walter Häusermann, legte den Aktionären an der GV Rechenschaft über die im Jahr 2006 lancierte Ausbaustrategie der Aktivitäten im Bereich des Röntgengeschäfts ab. Für die Transaktion wurden rund 2 Mio. CHF aufgewendet, wovon 1.4 Mio. CHF in der Form von Verkaufserlösen an die Typon zurückflossen. Für die EDV-Anlagen während der Haltedauer der Raymed wurden knapp 900’000 CHF an die Typon bezahlt, so dass aus den Transaktionen ein buchhalterischer Cashzufluss von knapp 300’000 CHF resultierte. Aus dem laufenden Geschäft flossen 160’000 CHF als Kapitaleinlage zur Sicherung des operativen Geschäfts im 2007 sowie eine weitere Kapitaleinlage von 2.5 Mio. CHF im Jahr 2010 in die Raymed. Diesen Ausgaben stehen Mieterlöse für die Betriebsgebäude in Höhe von 1.25 Mio. CHF im Zeitraum 2007 bis 2013 und Zinserträge aus dem Kapital von 1.1 Mio. CHF gegenüber. Aus dem operativen Geschäft resultierte so ein Geldabfluss von 0.3 Mio. CHF. Unter dem Strich betrug der Geldabfluss nur rund 30’000 CHF. Oesch räumte ein, dass es im Nachhinein sinnvoller gewesen wäre, den Aktionären das Geld auszuschütten, anstatt in die Raymed zu investieren. Angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung und der Finanzmarktkrise sei er aber mit dem Ergebnis mehr als zufrieden.

Per 31. Dezember 2013 verfügte die Typon über Aktiven im Wert von 5.2 Mio. CHF, denen Passiven von 0.2 Mio. CHF gegenüberstanden. Hieraus errechnete Oesch einen Liquidationswert von knapp 5 Mio. CHF, der auf die 8’717 ausstehenden Aktien einen Betrag von 569 CHF pro Aktie ergibt. Die Gesellschaft hält 283 eigene Aktien von den gesamthaft 9’000 Aktien, welche für die Liquidation unberücksichtigt bleiben. Nach Abzug einer Sicherheitsmarge von 10% verbleibt ein Liquidationswert von 512 CHF pro Aktie. Oesch betonte, dass die Typon bislang sämtliche Prognosen zum erwarteten Liquidationserlös eingehalten habe. Als exemplarisch benannte er den geschätzten Wert per Jahresende 2009 von insgesamt 1’838 CHF pro Aktie. Bis zum Jahr 2013 haben die Aktionäre Dividenden in Höhe von 1’500 CHF pro Aktie erhalten. Aktuell verbleibt ein geschätzter Erlös von 512 CHF pro Aktie, woraus sich ein Gesamtwert von 2’012 CHF anstelle der ursprünglich avisierten 1’838 CHF resultiere.

Die offene Darstellung zu den Kosten des Röntgengeschäfts ist sehr zu begrüssen. Noch deutlich besser für die Aktionäre ist allerdings das Fazit der Berechnung, welches die Gesellschaft präsentiert. Somit erlitten die Aktionäre trotz der im Nachhinein als wenig glücklich zu bewertenden Entscheidung der Geschäftsleitung, ins Röntgengeschäft einzusteigen, keinen nennenswerten Verlust. Sie erhalten für ihre Titel den Kaufpreis in der Grössenordnung von rund 3’000 CHF, den sie vor dem Abenteuer Raymed bezahlt haben, zurück. Zahlreiche andere Firmen aus der Film- und Fotobranche mussten Insolvenz anmelden, was für die Anteilseigner zu einem Totalverlust führte.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Derzeit werden die Papiere zu Geldkursen von 350 CHF gesucht und zu Briefkursen von 580 CHF offeriert. Für die Bewertung der Papiere kommt ausschliesslich der Liquidationswert in Betracht. Nach Abzug der Dividende von 100 CHF beträgt dieser rund 410 CHF. Dieser Betrag dürfte sich bis zum Abschluss der Liquidation in jedem Fall erzielen lassen. Wie lange die vollständige Abwicklung dauert, ist indessen vollkommen offen. Da die Gesellschaft aber aus der Vermietung der Liegenschaft in Krauchthal einen Gewinn erzielen sollte, bleibt der Firmenwert zumindest stabil. Nicht ausgeschlossen werden kann eine Wertsteigerung, von der diejenigen Aktionäre, die ihre Papiere mittel- bis langfristig halten, profitieren könnten. Zumindest bei einem Kaufpreis unterhalb des budgetierten Liquidationserlöses sollte sich ein Erwerb der Papier in einigen Jahren auszahlen.

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