Usines Métallurgiques de Vallorbe SA: Gewinn und Dividende steigen dank Beteiligungsverkauf an

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Mit Feilen in Spitzenqualität beliefern die UMV Kunden in aller Welt. Bild zvg
Mit Feilen in Spitzenqualität beliefern die UMV Kunden in aller Welt. Bild zvg

Die Usines Métallurgiques de Vallorbe SA (UMV) erzielte im per 30. Juni 2014 beendeten Geschäftsjahr 2013/14 einen Gewinn von 4 Mio. CHF nach knapp 700’000 CHF im Vorjahr. Im Berichtsjahr wurden allerdings die Beteiligungen an den Firmen R. Schwarz & Co AG, Société immobilière des Usines Métallurgiques de Vallorbe SA und James Vautier SA liquidiert. Lediglich die Société immobilière war als Besitzerin von Wohnungen in Vallorbe noch operativ tätig, während die beiden anderen Gesellschaften lediglich Liquidität hielten, wie die Aktionäre an der Generalversammlung (GV) in Vallorbe erfuhren. Aus der Auflösung der Beteiligungen resultierte ein ausserordentlicher Gewinn von 4.1 Mio. CHF zugunsten der Jahresrechnung 2013/14.

Das operative Geschäft war von einem Anstieg der Verkaufserträge um 3.6% auf 50.8 Mio. CHF geprägt. Am besten entwickelten sich die Produkte für die Uhren- und Schmuckindustrie, die um 7% auf 17.3 Mio. CHF zulegten. Auch in dem, gemessen an den Umsatzanteilen, wichtigsten Geschäftsbereich Produkte für die Waldbearbeitung verzeichnete die UMV einen Umsatzzuwachs von 5% auf 31.8 Mio. CHF. Markante Einbussen um 35% auf 1.1 Mio. CHF verzeichnete hingegen die Sparte Diverses. Dies geht insbesondere auf die im Berichtsjahr erfolgte Aufgabe des Fräsengeschäfts zurück. Auf der Kostenseite schlug sich der Ausbau des Verkaufsteams in einem Anstieg der Personalkosten um 2.6% auf 27.2 Mio. CHF nieder. Die höheren Verkaufsmengen führten zudem zu einem Anstieg der Rohmaterialien und der allgemeinen Betriebskosten. Gesamthaft stiegen die Ausgaben um 2.6% auf knapp 46.9 Mio. CHF an. Obschon dieses Plus hinter dem Anstieg der Erträge zurückblieb, sprach VR-Präsident Jean-François Lours anlässlich der Präsentation des Geschäftsergebnisses an der GV von einem noch nicht befriedigenden Resultat. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) stieg um 17.2% auf fast 4 Mio. CHF an. Bei Abschreibungen in Vorjahreshöhe von gut 2.9 Mio. CHF resultierte ein Betriebsgewinn von 1 Mio. CHF nach 430’000 CHF im Vorjahr. Auf das Nettoresultat schlugen sich zahlreiche Faktoren nieder. An erster Stelle zu nennen ist hier der Devestitionsgewinn von 4.1 Mio. CHF. An zweiter Stelle figuriert die zulasten der Erfolgsrechnung ausgewiesene Bildung von Rückstellungen in Höhe von gut 3.2 Mio. CHF nach 1.4 Mio. CHF im Vorjahr. Hierbei handelt es sich nicht um die Bildung von Rückstellungen, sondern lediglich um die Ausgaben für die betriebliche Sicherheit, die so in einer steueroptimierten Form der Rechnung belastet wurden. Schliesslich wurden frühere Abschreibungen auf den Sachanlagen in Höhe von 2.1 Mio. CHF nach 1.6 Mio. CHF zugunsten der Erfolgsrechnung rückgängig gemacht. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 4 Mio. CHF nach einem Vorjahreswert von 700’000 CHF. Die Aktionäre partizipieren mit einer um 125 CHF auf 300 CHF pro Aktie erhöhten Dividende.

Im Sommer 2014 gab es zahlreiche Veränderungen innerhalb der Gesellschaft. An erster Stelle zu nennen ist die Übernahme eines Mehrheitspakets an den Aktien der Gesellschaft durch die französische Somfy Gruppe. Bei Somfy handelt es sich um eine familiengeführte Industriegruppe, die im Bereich der Automatisationstechnologie Weltmarktführer ist. Die Gruppe erzielt einen Jahresumsatz von rund 1 Mrd. EUR. Neben den industriellen Aktivitäten verfügt Somfy über eine Investitionsfirma, die in Gesellschaften investiert, welche die Geschäftsaktivitäten der Gruppe ergänzen. Dabei erfolgen die Investments ausschliesslich mit einer langfristigen Optik. Unter diesem Gesichtspunkt erfolgte auch der Kauf des Pakets an die UMV. Im Zusammenhang mit dieser Beteiligung wurde auch der Grossteil des Verwaltungsrats der UMV neu besetzt. Im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung im August 2014 wurden der aktuelle VR-Präsident Ours, Vincent Bellet und Christian Dujardin neu in das Gremium gewählt. Die bisherige VR-Präsidentin Juliane Hilpertshauser trat auf die Versammlung im August hin zurück. Nachdem bereits an der GV im 2013, wie wir hier darlegten, heftige Kritik am Verwaltungsrat geübt wurde, war dieser Schritt keine Überraschung. Die übrigen Mitglieder wurden hingegen ohne grosse Kritik wiedergewählt.

Die unter dem neuen CEO eingeleitete angepasste Firmenstrategie findet nunmehr auch Unterstützung im Aktionariat. Der neue Mehrheitsaktionär signalisierte klar, dass er die Unternehmensziele fördern und gegebenenfalls mit einer industriellen Unterstützung vorantreiben will. Es ist aktuell weder eine Aufstockung des Anteils noch eine Kapitalerhöhung geplant. Hingegen hält die Gesellschaft am 2013 begonnenen Investitionsprogramm fest. Dieses beinhaltet über einen Zeitraum von fünf Jahren Gesamtinvestitionen von 25 Mio. CHF. Davon soll rund die Hälfte in die Erhöhung der Erträge fliessen, der Rest wird in die Verbesserung der betrieblichen Effizienz und in die interne Sicherheit investiert. Diese Investitionen sollen denn auch die Ziele der Gesellschaft bis 2020 erlauben. Diese bestehen darin, den Umsatz um 50% zu steigern, einen Weltmarktanteil von mindestens 30% zu erreichen und dabei eine EBITDA-Marge von 15% zu erzielen.

Um die Geschäftsergebnisse zukünftig leichter mit den Branchenresultaten vergleichbar machen zu können, wird das Geschäftsjahr ab dem 1. Januar 2015 auf das Kalenderjahr umgestellt. Das aktuelle Geschäftsjahr 2014 wird ein Kurzgeschäftsjahr, das lediglich sechs Monate vom 1. Juli 2014 bis zum 31. Dezember dauert. Im Verlauf des ersten Quartals 2015 sollen die Aktionäre über die Zahlen informiert und die Generalversammlung abgehalten werden. Umsatz- und Ertragsziele für das Kurzjahr benennt die Gesellschaft nicht. Hingegen wird für 2015 ein Anstieg der Erträge im Bereich zwischen 4% und 7% bei einem Anstieg des Reingewinns zwischen 10% und 15% erwartet. Zum Vergleich herangezogen werden dürfen nur die um Sonderfaktoren bereinigten Werte.

Die von der Gesellschaft vorgelegten Jahreszahlen weisen eine erfreuliche Verbesserung der Margen auf. Sehr positiv zu bewerten ist auch, dass es in einem allgemein stagnierenden Marktumfeld gelungen ist, die Erträge zu steigern. Zu keiner Kritik Anlass geben auch die Bilanzkennzahlen. Zwar beträgt die ausgewiesene Eigenmittelquote nur durchschnittliche 41%. Nicht übersehen werden darf dabei, dass die Gesellschaft über Rückstellungen in Höhe von fast 12 Mio. CHF respektive gut 31% der Bilanzsumme verfügt. Diese dürften, wie die Gesellschaft andeutungsweise einräumt, zumindest grossmehrheitlich Eigenmittelcharakter aufweisen. Somit beträgt die effektive Eigenmittelquote fast 73% der Bilanzsumme: ein sehr solider Wert. Als sehr positiv zu bewerten ist der Einstieg der Industriegruppe Somfy und die Erneuerung des Verwaltungsrats. Damit werden zwei Probleme auf einen Schlag gelöst: Zuerst die jahrelange Unsicherheit über das Vorhandensein eines Grossaktionärs und dessen Ziele sowie die Professionalisierung des Führungsgremiums. Dies dürfte die Gesellschaft in ruhigeres Fahrwasser führen und die Rückkehr auf den Erfolgspfad der früheren Jahre erlauben.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Für eine Bewertung der Papiere kommt vor allem das Kurs/Buchwert-Verhältnis und wegen zahlreicher ausserordentlicher Faktoren das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf der Basis des Betriebsgewinns in Betracht. Auf der Basis des letztbezahlten Aktienkurses von 8’400 CHF notieren die Papiere um gut 100% über dem Buchwert. Bei einer Buchwertbetrachtung auf der Basis der Eigenmittel plus der Rückstellungen schrumpft das Agio auf akzeptable 15%. Das ausgewiesene EBIT pro Aktie beträgt 270 CHF, woraus sich ein Verhältnis des Kurses gegenüber dem EBIT von nicht tiefen 31 errechnen lässt. Kein verlässliches Bewertungsmerkmal stellt die Dividendenrendite dar, da die Ausschüttung von 300 CHF für das Jahr 2013/14 zumindest teilweise auf das Konto der Devestionsgewinne geht. Für das Kurzjahr dürfte ein deutlich tieferer Wert ausbezahlt werden. Dessen Höhe steht ebenso wie die zukünftigen Ausschüttungen im engen Zusammenhang mit dem Investitionsprogramm. Die Gesellschaft will die Investitionen ohne die Aufnahme von Fremdmitteln aus dem Cashflow finanzieren, was sich positiv auf die Bilanzkennzahlen auswirkt. Im Gegenzug werden die erarbeiteten Mittel nicht an die Anteilseigner ausgeschüttet, was zumindest bis zum Ende der Investitionsphase im Jahr 2017 zu einer eher tieferen Ausschüttung führen sollte. Auf dem aktuellen Niveau erscheinen die Papiere angesichts der Wachstumsziele, die nicht unrealistisch sind, als fair bewertet.

 

 

 

 

 

 

 

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