Sunstar Holding AG: Frankenstärke bereitet gutem Saisonstart ein jähes Ende

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Quelle: Sunstar Holding AG
Quelle: Sunstar Holding AG

Gemischtes Bild bei Sunstar Holding AG. Einerseits verzeichnete der Hotelbetreiber im ersten Semester des Geschäftsjahres 2014/15 von Mai bis Oktober einen Rückgang der Übernachtungen, andererseits sorgten Kostenmassnahmen für ein besseres Ergebnis. Konkret gingen die Übernachtungen im genannten Zeitraum gegenüber dem Vorjahreswert um 3% auf 150’900 zurück und brachten in den sechs Monaten damit ein Umsatzminus von 0.3% auf 21.3 Mio. CHF. Dabei entwickelten sich die einzelnen Betriebe recht unterschiedlich.

Während die Sunstar Alpine Hotels wegen des anhaltend schwachen Gruppengeschäfts Rückgänge zu verzeichnen hatten, lief es in den Sunstar Boutique Hotels mit Ausnahme des Betriebs in Klosters positiv. Bei den Alpine Hotels handelt es sich um die klassischen grösseren Betriebe der Gruppe in Arosa, Davos, Flims, Grindelwald, Lenzerheide und Wengen. Die Boutique Hotels sind die kleineren Betriebe mit einer persönlicheren und individuellen Betreuung der Gäste. Belastend war vor allem die rückläufige Nachfrage aus Europa und Japan, während sich die Gästezahlen aus Nordamerika mit plus 12% sehr gut entwickelten. Immerhin konnten die Erträge pro Übernachtung um rund 3% von 68 auf 70 CHF gesteigert werden, was primär auf Anstiege in Grindelwald, Davos und im Piemont zurückzuführen war.

Kostensenkung und besseres Ergebnis

Auf der Kostenseite verbuchte Sunstar deutliche Einsparungen von insgesamt 0.8 Mio. CHF entsprechend 4% auf 19.1 Mio. CHF. Prozentual am stärksten fielen dabei die Ausgaben für Marketing mit 16%, entsprechend einem Minus von 170’000 CHF, gefolgt von den direkten Betriebskosten mit 11% respektive -190’000 CHF. Mit -330’000 CHF verzeichneten die Personalausgaben den grössten Rückgang. Infolge niedrigerer Kosten kletterte beispielsweise beim Betrieb in Grindelwald trotz eines Rückgangs der Logiernächte von 42’900 auf 41’600 der Bruttobetriebsgewinn von 1.7 Mio. CHF auf 2.1 Mio. CHF.

Ebenfalls positiv abgeschlossen auf Stufe Bruttobetriebsgewinn haben die Häuser in Brissago, in der Lenzerheide und im Piemont. Unter dem Strich positive Ergebnisse gab es bei den Häusern in Brissago, Grindelwald und im Piemont. Auf Konzernebene resultierte bei um gut 80’000 CHF gestiegenen Sachabschreibungen ein Halbjahresverlust von 1.6 Mio. CHF. Im Vorjahr waren es noch -2.2 Mio. CHF.

Guter Start in die wichtige Wintersaison

Der Start in die für die Gesellschaft bedeutende Wintersaison verlief sehr erfreulich. So konnten im November und Dezember die Anzahl der Übernachtungen um 10% und die Umsätze um 5% gesteigert werden. Allerdings hat sich die Lage mit der Aufgabe der Unterstützung des Eurokurses durch die Schweizerische Nationalbank im Januar  markant verändert. Besonders die Auslandsnachfrage hat stark nachgelassen, und der schon seit längerem anhaltende Preisdruck in der Ferienhotellerie wurde noch weiter verschärft. Daher erwartet die Gesellschaft für die restlichen Wintermonate eine Abschwächung des Geschäftsgangs. Somit dürften mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ die im ersten Semester erzielten Verbesserungen nicht bis zum Ende des Geschäftsjahres aufrechterhalten werden können, schreibt das Unternehmen im Semesterbericht.

Die Entwicklung der Geschäftszahlen des ersten Semesters zeichnet hinsichtlich Ergebnis ein positives Bild der Sunstargruppe.  Im laufenden Halbjahr gab es zwar einen starken Anstieg der Übernachtungen, doch das Ende des Euro-Mindestkurses bereitete diesem Aufschwung ein jähes Ende. Deshalb steht das wichtige Geschäft in den Monaten Februar und März, in denen die traditionellen Winter- bzw. Skiferien stattfinden, unter keinem guten Stern. Die offenen Aussagen des Semesterberichts deuten darauf hin, dass kein ausgeglichenes Jahresergebnis erwartet werden kann. Insgesamt sollte es aber  dennoch gelingen, den Verlust des ersten Semesters zu reduzieren. Wir rechnen mit einem Verlust für das Gesamtjahr in der Grössenordnung von 0.5 Mio. CHF. Da zumindest kurzfristig keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten sind, rückt die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen in weite Ferne. Positiv für die Aktionäre ist indessen die solide Finanzierung der Gesellschaft mit einer Eigenmittelquote von fast 54%. Auf der Habenseite zu verbuchen ist auch der potente Grossaktionär Dr. Peter Grogg (Gründer der Bachem Holding), der dem Unternehmen im Falle finanzieller Schwierigkeiten unter die Arme greifen kann und dies nach eigenen Bekundungen auch tun würde.

Die Aktien der Sunstargruppe werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 915 CHF notieren die Papiere mit einem Abschlag von rund 16% auf den per Ende Oktober 2014 ausgewiesenen Buchwert. Neben der allgemeinen aktuellen Unsicherheit der Tourismusbranche wegen dem starken Franken sollten Investoren auch die Abhängigkeit des Unternehmens vom Grossaktionär beachten. Er geniesst Sonderrechte mit der Möglichkeit, bis zu 9’000 Aktien zum Nennwert unter Ausschluss des Bezugsrechts zu beziehen. Solange die Aktie unterhalb des Nennwerts von 1’000 CHF und des Buchwerts von rund 1’100 CHF notiert, entsteht den Aktionären in Form des Verwässerungseffekts ein Nachteil, zumal auch stille Reserven zu vermuten sind. Anstatt einer Bar-Dividende erhalten Anleger einen Aktionärsbons von 40 CHF pro Aktie. Dieser kann zur Bezahlung von Übernachtungen bis zu 50% der Rechnungssumme – mit Treuekarte sogar bis zu 60% – ausserhalb der Hauptsaison im Winter verwendet werden. Für diejenigen Anleger, welche die Vergünstigungen nutzen können, bieten die Titel eine attraktive Rendite, die alleine auf der Basis der Bons bei 4.4% liegt. Oftmals bietet Sunstar den Aktionären sogar noch weitere Sonderkonditionen während buchungsschwachen Tagen an. Für Investoren, welche diese Angebote nutzen können, eignet sich die Titel zur Depotbeimischung, während die Aktie derzeit ansonsten wenig Potenzial bietet.

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