Sunstar: Die schlimmste Zeit scheint überstanden

Gutes Sommerergebnis 2021, vorsichtig optimistischer Ausblick

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Das Hotel der Sunstar Gruppe in Pontresina, das in der zweiten Jahreshälfte 2023 mit völlig neuem Hotelkonzept eingeweiht werden soll. Bild: zVg.

Die Sunstar Gruppe, die Hotels in zehn Destinationen in der Schweiz und im Piemont betreibt, hat ein nach eigenen Angaben erfreuliches Halbjahresergebnis erreicht. Man habe aus eigener Kraft – sprich aus dem operativen Geschäft – und nach 2019 erst zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte ein positives Sommersaisonergebnis erzielt, schreibt das Unternehmen in seinem Aktionärsbrief. Dabei habe der Bruttobetriebsgewinn (GOP), welcher die Leistung des operativen Geschäfts widerspiegelt, mit 4.4 Mio. CHF fast die Werte des Spitzensommers 2019 (4.7 Mio.) erreicht.

Das Ergebnis in der vergangenen Saison sei gleich durch mehrere Betriebe positiv beeinflusst worden, so der Aktionärsbrief. Zusammen mit der letzten Tranche der Entschädigungszahlung der Betriebsunterbrechungsversicherung in Zusammenhang mit dem Covid-Schadenfall führe dies zu einem Halbjahresergebnis von 1.3 Mio CHF.

Gutes Resultat dank Schweizer Gästen

Diese Entwicklung verdanke man hauptsächlich den Schweizer Stammgästen und Anteilseignern, aber auch jenen Schweizer Gästen, die Sunstar zum ersten Mal besucht hätten. Die Zahl der Übernachtungen stieg deutlich gegenüber dem ersten «Corona»-Sommer 2020 von 114’700 auf 133’700 Gäste. Allerdings liegt die Hotelgruppe mit Sitz in Liestal damit immer noch deutlich unter der Rekordmarke von 167’800 Gästen, die 2019 in den Sunstar-Hotels nächtigten. Das Ausbleiben der ausländischen Gäste sei weiterhin schmerzlich spürbar, so Sunstar. Wenn auch in traditionell von internationalen Quellmärkten geprägten Destinationen wie Grindelwald viele einheimische Gäste zu Besuch gewesen seien, hätten diese den Wegfall des wichtigen asiatischen Gästestroms nur teilweise kompensieren können. Allerdings ist unter anderem dadurch der durchschnittliche Zimmerpreis in den letzten zwei Jahren um beachtliche 32 CHF auf 167 CHF gestiegen. Das sind fast 25%. Silvio Schoch, CEO von Sunstar, sagt auf Nachfrage von schweizeraktien.net dazu: «Wir haben ein professionelles Revenue Management eingeführt mit einem dynamischen Pricing. Dazu kommt, dass wir weniger preissensitives Gruppengeschäft hatten.»

Neues Hotelprodukt in Pontresina

Das Investitionsvolumen wurde von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung reduziert, jedoch nicht sistiert, schreibt das Unternehmen im Aktionärsbrief. So sei die Bauplanung eines neuen Hotels in Pontresina «on time», sodass die Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2023 angestrebt werde. Dabei handle es sich um ein vollkommen neues Hotelprodukt. schweizeraktien.net fragte bei Silvio Schoch nach, was man darunter zu verstehen habe. «Wir werden kein klassisches Hotelkonzept mit Rezeption und Restauration haben. Das Hotelkonzept lehnt an «schlanke» Konzepte wie z.B. Moxy, Ruby etc. an. Ein Grossteil des Zimmerinventars wird räumlich grosszügiger sein mit einer Kitchenette.»

Vorsichtiger Optimismus beim Ausblick

Beim Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr 2021 ist Sunstar vorsichtig. Der Winter war immer noch pandemie-geprägt. Der Wegfall von bereits gebuchten Seminaren und Grossanlässen in den Destinationen, wobei Sunstar vor allem den Ausfall von Spengler-Cup und World Economic Forum WEF in Davos nennt, treffe das Unternehmen hart. Andererseits habe die Lockerung hierzulande das Geschäft in der Hochsaison im Winter sicherlich beflügelt, da die umliegenden Länder nach wie vor ein strikteres Regime fahren als die Schweiz, sagt Schoch. Insgesamt geht Sunstar auch für die Wintersaison von einer Rückkehr in die Gewinnzone aus. Und auf den Krieg in der Ukraine angesprochen, sagt Schoch: «Zur Zeit spüren wir noch keine grossen Auswirkungen. Für die Sommersaison liegt der Buchungsstand 21% über dem Vorjahr. Es kann aber gut sein, dass die Buchungen aus Übersee abnehmen werden.»

Fazit

Im Gegensatz zum ersten Pandemie-Sommer ist die Sunstar-Gruppe relativ gut durch den zweiten Corona-Sommer gekommen. Sowohl die Zahl der Übernachtungen als auch wichtige Metriken wie der RevPar, der Beherbergungsumsatz pro verfügbarem Zimmer, stiegen wieder deutlich an, liegen aber immer noch unter Vorpandemie-Zeiten.

Die Entschädigungszahlung der Betriebsunterbrechungsversicherung in Zusammenhang mit dem Covid-Schadenfall betrug 1.3 Mio. CHF, mithin genau die Höhe des Gewinns, den die Sunstar Gruppe ausweist.

Die Gruppe ist also, auch wenn zwei extrem schwierige Jahre hinter ihr liegen, auf einem guten Weg. Davon zeugt auch die weiterhin bestehende Investitionsbereitschaft in das neue Hotel in Pontresina und in diverse Renovationen der bestehenden Sunstar Hotels.

Gleichzeitig wurde die Schliessung des Hotel-Standortes in Saas-Fee wie geplant zum Ende des Sommers 2021 vollzogen. Man scheut sich nicht, das Portfolio, wenn nötig, zu bereinigen.

Der Langfristchart der auf OTC-X gehandelten Sunstar Aktie zeigt einen über Jahre stabilen Kursverlauf um die 800 CHF. Das ist darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen mit Peter Grogg, dem Gründer und Hauptaktionär von Bachem, einen finanzkräftigen Mehrheitsaktionär besitzt. Quelle: otc-x.ch

Die Aktien der Hotelgruppe werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 825 CHF notieren die Titel mit einem Discount von rund 13% auf den Buchwert per Ende des Geschäftsjahres 2020/21. Noch weitaus höher liegen dürfte indessen der Substanzwert der Papiere. Dieser ist für den aussenstehenden Aktionär indessen nur von theoretischer Natur und kaum je zu realisieren.

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