Jungfraubahnen: Mit dem „Top of Europe“ auch 2014 auf Rekordkurs

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Urs Kessler (CEO), Christoph Seiler (CFO) und Prof. Bieger (VRP) an der Medienkonferenz. Bild: schweizeraktien.net
Urs Kessler (CEO), Christoph Seiler (CFO) und Prof. Bieger (VRP) an der Medienkonferenz. Bild: schweizeraktien.net

Die Erfolgsgeschichte der Jungfraubahnen ist schon fast unheimlich. Seit Jahren fährt das grösste Bergbahnunternehmen der Schweiz Rekordgewinne ein. Auch im Geschäftsjahr 2014 konnte die Gesellschaft bei einem Umsatz von 165.3 Mio. CHF (+ 0.8%) einen Rekordgewinn von 30.4 Mio. CHF (+0.6%) ausweisen. CEO Urs Kessler sprach an der Medienkonferenz davon, dass die Jungfraubahnengruppe „zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk“ seit zehn Jahren beinahe Jahr für Jahr neue Rekordzahlen ausweisen konnte. Und in der Tat: Seit 2005 hat sich das Konzernergebnis der Gruppe von 17.5 Mio. CHF auf 30.4 Mio. CHF fast verdoppelt. Die Aktionäre sollen daran in Form einer gleichbleibenden Dividende von 1.80 CHF partizipieren. Zwar wäre eine höhere Ausschüttung möglich gewesen. Doch die Jungfraubahnen-Gruppe hält die Dividende seit vier Jahren stabil, um die anstehenden Investitionen in Höhe von rund 300 Mio. CHF in das sogenannte V-Bahn-Projekt zum grossen Teil aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Kessler wies auch darauf hin, dass das Unternehmen schon im laufenden Jahr seine Vision von einer zehn Monate dauernden Hochsaison und 900’000 Besuchern auf dem Jungfraujoch erreicht haben könnte. Denn trotz Euroschwäche sieht Kessler keinen Einbruch bei den Besucherzahlen. Vielmehr konnte er von einer Frequenzzunahme um 18% oder 25’000 Besuchern auf dem Jungfraujoch in den Monaten Januar bis April 2015 berichten.

Im Geschäft mit dem Wintersport harzt es

Das meiste Geld verdient die Bahn mit den Fahrten auf das Jungfraujoch. Bild: jungfrau.ch
Das meiste Geld verdient die Bahn mit den Fahrten auf das Jungfraujoch. Bild: jungfrau.ch

Die einzelnen Geschäftsfelder entwickelten sich – mit Ausnahme des Wintersportgeschäfts – alle erfreulich. Mit den Fahrten auf das Jungfraujoch „Top of Europe“, der Cashcow des Unternehmens, erzielte die Gruppe im letzten Jahr einen Verkehrsertrag von 94.3 Mio. CHF (+ 1.8%). Hier profitiert die Bahn vor allen Dingen von ihrem in jahrelanger Arbeit aufgebauten Vertreternetz in Asien. Bereits heute stammen 70% der Gäste aus dieser Region. Auch der Umsatz im Geschäftsfeld „Erlebnisberge“, zu dem u.a. die Harderbahn in Interlaken und Grindelwald-First gehören, legte um 7.5% auf knapp 10 Mio. CHF zu. Sorgenkind unter den Geschäftsfeldern ist der Wintersport, der in 2014 mit 22.1 Mio. CHF an Verkehrserträgen gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 9% hinnehmen musste. Verwaltungsrat und Unternehmensleitung ist der Rückgang der Skierdays, der auch schweizweit ein Trend ist, bewusst, und sie wollen hier Gegensteuer geben. Erklärtes Ziel ist es, die gesamte Region im Wintersport als Premium Destination zu positionieren, damit diese zu den drei besten Wintersportdestinationen der Schweiz gehört. Zur Aufwertung des Wintersportgebietes soll auch die geplante V-Bahn beitragen.

Obwohl der Verkehrsertrag mit 73% am Gesamtumsatz die wichtigste Einnahmequelle der Jungfraubahnengruppe ist, erzielte das Unternehmen in 2014 auch mit weiteren Dienstleistungen (19.1 Mio. CHF), Energieerzeugung (10.6 Mio. CHF), Abgeltungen der öffentlichen Hand (8.6 Mio. CHF) und Shops (5.3 Mio. CHF) fast ausnahmslos höhere Umsätze als im Vorjahr. Auf der Kostenseite gab es hingegen kaum Veränderungen. Der Betriebsaufwand lag mit 97.8 Mio. CHF auf Vorjahresniveau, so dass sich der leicht gestiegene Umsatz positiv auf den Gewinn auswirkte. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) erreichte 67.5 Mio. CHF (+ 1.5%) und das EBIT 38.6 Mio. CHF (+ 0.7%).

V-Bahn Projekt soll Wachstum sicherstellen

Grosse organische Wachstumsmöglichkeiten hat die Jungfraubahn mit der derzeitigen Infrastruktur nicht mehr. Obwohl die Anzahl der Tage mit tiefer Auslastung in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich abgenommen hat, stösst die Bahn gerade in den Sommermonaten an ihre Kapazitätsgrenzen. Zudem will das Unternehmen die Angebotsqualität im Wintersportgeschäft u.a. durch geringere Wartezeiten und einen schnelleren Transport verbessern. Mit dem Bau einer neuen 3S-Seilbahn zum Eigergletscher als Zubringer zur Jungfraubahn und dem Ersatz der Gondelbahn zum Männlichen sowie einem gemeinsamen Terminal in Grindelwald Grund könnte dies gelingen. All diese Neubauten gehören zu dem V-Bahn-Projekt. Allerdings ist dieses Grossprojekt, das insgesamt rund 300 Mio. CHF kosten soll, derzeit noch von der Bergschaft Wärgistal sowie einigen Einsprachen abhängig. Diese hat die Überfahrtsrechte über ihr Gebiet bisher nicht erteilt. Nach Auskunft von CEO Urs Kessler soll es im Juni eine erneute Abstimmung der Bergschaft geben. Fällt diese positiv aus, könnte mit dem Bau des Herzstücks des Projektes begonnen werden. Allerdings hat die Jungfraubahn bereits im letzten Jahr 50 Mio. CHF in den Kauf von Panoramazügen für die Wengernalpbahn investiert. Diese Investitionen gehören bereits zum Gesamtprojekt.

Obwohl Investments in Bergbahnen immer wieder als Liebhaberei abgetan werden, was in den meisten Fällen auch stimmt, so kann sich die finanzielle Performance der Jungfraubahnen Holding AG sehen lassen. Der Aktienkurs spiegelt diese konstante Entwicklung der Gewinne wider und konnte sich in einem Zeitraum von etwas mehr als zehn Jahren fast verdreifachen. Ähnlich wie bei der ebenfalls börsenkotierten Titlisbahn hat sich der Fokus auf Gäste aus den stark wachsenden asiatischen Märkten ausbezahlt. Bei Kursen um die 84.10 CHF ist die Jungfraubahnen-Aktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 16 bewertet und notiert leicht über dem Buchwert von 79 CHF (per Ende 2014). Damit ist der Titel auf dem aktuellen Kursniveau nicht mehr ganz günstig. Auch die Dividendenrendite von 2.2% ist eher durchschnittlich. Für die künftige Kursentwicklung ist daher entscheidend, ob das V-Bahn-Projekt realisiert werden kann. In diesem Fall dürften mittelfristig nochmals ein Schub beim Gewinn und damit auch höhere Kurse möglich sein. Kommt das Projekt nicht zustande, so könnte es zu höheren Dividendenzahlungen oder allenfalls einer Sonderdividende kommen. Daher dürfte der Aktienkurs auf dem aktuellen Niveau nach unten relativ gut abgesichert sein. Grosse Kurssprünge sind allerdings kurzfristig nicht zu erwarten.

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