Pilatus-Bahnen: CEO der Obwaldner KB soll Schwenk-Nachfolger werden – will die Bahngesellschaft eine gute Winterbahn kaufen?

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Blick vom Pilatus auf den Vierwaldstättersee. Bild: www.pilatus.ch

Wie die Samstagsausgabe der Neue Luzerner Zeitung (NLZ) am 9. Mai 2015 berichtete, soll der amtierende CEO der Obwaldner Kantonalbank (OKB) Bruno Thürig neuer Präsident der Pilatus-Bahnen AG und damit Nachfolger des langjährigen Präsidenten Oskar J. Schwenk werden. Schwenk tritt zur kommenden Generalversammlung am 12. Mai 2015 nach 17 Jahren im Verwaltungsrat – die längste Zeit davon als Präsident – nicht mehr zur Wahl an, und VR-Mitglied Thürig wird der GV als Nachfolger vorgeschlagen. Erst Mitte April 2015 hatten wir auf schweizeraktien.net über das sich abzeichnende Ende der Ära Schwenk berichtet.

Zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident des Verwaltungsrats stand im Jahr 2000 die Fusion von Pilatus-Bahn-Gesellschaft und Krienseregg-Bahn zur heutigen Pilatus-Bahnen AG. Oskar J. Schwenk hat die Bahn während seiner Amtszeit stark geprägt und – unterstützt von einem engagierten Management – aus der lokalen, anfänglich auch vom „Kantönligeist“ (NLZ, 9. Mai 2015, S. 15) durchzogenen Bahngesellschaft ein auch international beachtetes, touristisches Erfolgsmodell am Luzerner Hausberg geformt. Wie die NLZ weiter berichtete, haben die Gäste am Berg in der Amtszeit Schwenks zwischen 1999 und Mai 2015 zwar „nur“ um 29% zugenommen. Gleichzeitig hat sich aber das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA um 2’400%, der Gesamtumsatz um 115% und der Aktienkurs der ausserbörslich auf OTC-X gehandelten Pilatus-Bahnen-Aktie um 460% erhöht. Zudem sind die Pilatus-Bahnen zu einem verlässlichen Dividendenzahler geworden, was in der Bergbahnen-Branche abseits typischer Naturaldividenden alles andere als selbstverständlich ist. Oscar J. Schwenk übergibt seinem Nachfolger Bruno Thürig so ein gut bestelltes Haus auf einem soliden finanziellen Fundament mit intakten Perspektiven für weiteres Wachstum.

Thürig verbindet Kantone Obwalden und Luzern

Mit der jetzt vorliegenden Personalie setzen die Pilatus-Bahnen in einer Phase des organisatorischen Umbruchs auf Kontinuität in der Führung: Bruno Thürig, Jahrgang 1961, wurde anlässlich der letzten Generalversammlung im Jahr 2014 neu in den Verwaltungsrat gewählt und kennt die interne Organisation sowie die finanziellen und politischen Prozesse aus seiner bisherigen Verwaltungsratstätigkeit. Zudem ist er nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für die OKB – Thürig ist seit 2002 für die OKB tätig, seit 2008 als CEO – im Sitzkanton der Gesellschaft (Obwalden) bestens vernetzt. Da Thürig zugleich in Kriens (LU) aufgewachsen ist, verbindet er – wie die fusionierte Pilatus-Bahnen AG – auch in seiner Vita die Kantone Obwalden und Luzern. Insofern ist die neue Funktion als VRP der operativ heute in Alpnach OW und Kriens LU beheimateten Pilatus-Bahnen für Thürig beinahe ein „doppeltes Heimspiel“, was perspektivisch nicht zum Nachteil der Bahngesellschaft sein dürfte.

Der jetzt auf dem Tisch liegende Vorschlag bedeutet auch, dass die Verantwortlichen der Pilatus-Bahnen AG Thürig zutrauen, die Gesellschaft erfolgreich in die Zukunft zu führen. Der Generationenwechsel an der Spitze des Verwaltungsrats wird damit vollzogen. Damit ist aber auch klar, dass der vormalige Pilatus-Bahnen CEO André Zimmermann, der der kommenden Generalversammlung am 12. Mai 2015 zur Zuwahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen wird, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zum Verwaltungsratspräsidenten aufsteigt. Zimmermann, Jahrgang 1969, bliebe aus unserer Perspektive aber ein guter „Reservekandidat“ für einen späteren Zeitpunkt, wenn wieder einmal ein Umbruch an der Spitze unter Wahrung der Kontinuität zu meistern sein sollte. „Mitte 40“ ist vermutlich auch (noch) nicht das ideale Alter für einen Verwaltungsratspräsidenten.

Gastronomie und Steigerung des Freizeitwertes als Schlüssel zum Erfolg

Darüber hinaus liefert das von der NLZ geführte Gespräch mit Oscar J. Schwenk weitere interessante Einblicke in die Erfolgsgeschichte Pilatus-Bahnen AG der letzten 17 Jahre.

Schwenk führt im NLZ-Gespräch aus, dass erst die Fusion der beiden Bahnen von der Obwaldner und der Luzerner Seite des Berges im Jahr 2000 „eine flexible, kundenbezogene einheitliche Preisgestaltung“ ermöglicht hatte. Richtig autonom in der Preisgestaltung sei man aber erst geworden, als man „ab 2001“ dazu übergegangen ist, „die verpachteten Restaurants und Gastronomiebetriebe am Pilatus in Eigenregie zu führen„. Das Führen der Gastronomiebetriebe hat sich als erfolgreich erwiesen.

Auch die Steigerung des Freizeitwertes am Pilatus sieht Schwenk im Rückblick als einen wichtigen Schlüssel zum Erfolg. Dazu zählen namentlich der von den Pilatus-Bahnen initiierte Bau eines Seilparks, des für Familien attraktiven Kinderspielplatzes PiluLand und die Pachtübernahme der Sommerrodelbahn auf der Fräkmüntegg. Diese Einschätzung teilen wir aus einer Aussenperspektive. Der Pilatus-Verwaltungsrat hat strategisch in den zurückliegenden Jahren die richtigen Prioritäten gesetzt und diese konsequent (und zum Vorteil aller Stakeholder) umgesetzt. Tatsächlich haben andere Bahnbetriebe im Nah- und Fernbereich der Pilatus-Bahnen im direkten Quervergleich diesbezüglich noch immer einige Defizite. Im Nahbereich hatten wir uns im Juli 2014 im Rahmen eines Blogbeitrags mit der diesbezüglichen Situation an der dem Pilatus gegenüberliegenden Rigi auseinandergesetzt. Die Aktien der Rigi-Bahnen AG sind ebenfalls auf OTC-X gelistet, doch liegt die Kursentwicklung der Rigi-Aktie in den letzten Jahren sehr weit hinter den Pilatus-Bahnen AG zurück, was auch die unterschiedliche Sichtweise des Marktes auf die unterschiedlichen Modelle und die getätigten Investitionen veranschaulicht. Ungeachtet sichtbarer Fortschritte in einigen Bereichen und zuletzt präsentierten Rekord-Zahlen bleibt für den neu zusammengesetzten Verwaltungsrat mit dem Unternehmer Karl Bucher an der Spitze noch manches zu tun, wenn man auch die Aktie als Finanzierungsinstrument und Indikator für den Erfolg eines Unternehmens – gerade auch vor dem Hintergrund möglicher weiterer Kapitalmassnahmen in den Folgejahren – attraktiver gestalten und das Unternehmen im Verhältnis zum Aktionariat neu positionieren möchte. Das vom neuen Rigi-VRP zuletzt auch öffentlich erklärte Ziel, für die Zukunft Bardividenden anzustreben und im Rahmen der neuen „Strategie 2015 bis 2019“ die Rigi-Bahnen AG über den reinen Transportauftrag hinaus künftig in Richtung erlebnisorientiertes Tourismusunternehmen zu transformieren (Rigi-Strategie 2015 bis 2019: «Vom Bahnbetrieb zum Tourismusunternehmen», vgl. Rigi-Geschäftsbericht, S. 4), geht – bei gelungener Umsetzung – bereits in die richtige Richtung. In einer solchen wertschöpfenden Wandlung liegt viel verstecktes Potenzial, wie Oscar J. Schwenk mit seiner Mannschaft am Pilatus früh – früher als andere – erkannt hat.

Letztlich bieten gerade strategisch sinnvolle Investitionen in den Freizeit- und Erlebniswert – Gästen und Aktionären gleichermassen – vielfach eine höhere Rendite als immer weitere und dabei nicht immer nur wertsteigernde Investitionen in „Infrastruktur“ und Technik. Insbesondere den Pilatus-Bahnen gelingt dieser in der Praxis nicht immer einfache Spagat bei den Investitionen seit Jahren sehr gut. Deshalb sind sie über den touristischen Nahbereich hinaus auch eine gute Benchmark, an der sich die Verantwortlichen der Branche orientieren sollten.

Planen die Pilatus-Bahnen längerfristig den Kauf einer „guten Winterbahn“ ausserhalb der Pilatus-Welt?

Zum Ende seiner Amtszeit wird Oscar J. Schwenk im Gespräch mit der NLZ nochmals zum Visionär. Für die Folgejahre sieht Schwenk nach den hohen Investitionen der jüngeren Vergangenheit zunächst auf der Ausgabenseite eine Phase der „Konsolidierung“ am Horizont, um die „Kassen für die nächsten Investitionen“ wieder zu füllen. Für die – vermutlich etwas fernere – Zukunft denkt Schwenk auf der Strategieebene gegenüber der NLZ laut über den „Erwerb einer guten Winterbahn“ nach, um die vorhandenen Kapazitäten gerade auf der Personalebene auch im Winter besser auszulasten. Schwenk sieht, dass „bei den Pilatus-Bahnen ein Grossteil der Gelder im Sommer eingenommen und teils im Winter wieder ausgegeben wird„. Auch decke „der Winterbetrieb gerade einmal die eigenen Kosten.“ Ginge es nach Schwenk, soll sich dies langfristig einmal zum Vorteil der Pilatus-Bahnen AG ändern. Das Unternehmen soll im Winter nicht nur kostendeckend wirtschaften, sondern auch Möglichkeiten für weiteres Wachstum haben. Es liegt dabei nahe, dass der Erwerb einer „guten Winterbahn“ – so dies eines Tages nach der erneuten Kassenfüllung auch für den neuen Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung in der Zeit nach Oscar J. Schwenk zum Thema wird – nur ausserhalb der jetzigen Pilatus-Welt möglich sein dürfte. Da Oscar J. Schwenk hier an dieser Stelle über die visionäre Idee hinaus nicht konkreter wird, möchten wir uns vorläufig auch nicht an diesbezüglichen Spekulationen über mögliche Übernahmeziele beteiligen. In jedem Fall wäre ein solcher Schritt mit einer möglichen Verbindung einer auch räumlich getrennten Sommer- und Winterbahn in einer einzigen AG nicht nur visionär, sondern auch mutig. In der Vergangenheit wurde der Mut der Pilatus-Verantwortlichen, auch unkonventionelle Dinge zu tun und einen Schritt weiter zu denken, allerdings häufig belohnt.

Visionär klingt auch die von Schwenk gegenüber der NLZ zur Behebung von Parkraumproblemen in Kriens LU am Ausgangsort der Panorama-Gondelbahn Kriens-Fräkmüntegg angedachte Idee einer Hochseilbahn, die den Hauptbahnhof in Luzern mit Kriens-Obernau verbindet und in der Nähe der jetzigen Talstation der Bahn in Kriens hält. Ob sich eine solche Hochseilbahn längerfristig realisieren lässt oder nur eine kühne Vision bleibt, wird die Zukunft zeigen. Als Variante könnte, so Schwenk weiter, aber auch eine neue grosse Talstation in Kriens mit deutlich mehr Parkplätzen bei einer veränderten Streckenführung am Ende des (Planungs-)Weges stehen, um so die heutigen Parkplatz- und Verkehrsprobleme zu lösen.

Alle Gedankenspiele zeigen: Für den mit der Generalversammlung am 12. Mai 2015 neu zusammengesetzten Verwaltungsrat gibt es auch nach allen Erfolgen der Vergangenheit noch genug zu tun, um den Erfolg der Pilatus-Bahnen zukünftig und langfristig nachhaltig zu sichern. Wir gehen davon aus, dass die Pilatus-Bahnen auch unter neuer Führung weitere erfolgreiche Kapitel an ihre Unternehmensgeschichte anhängen können und auch immer wieder für Überraschungen gut sein werden.

Unser Fazit gegenüber unserem Blog-Beitrag Mitte April 2015 bleibt unverändert. Die diesjährige Generalversammlung der Pilatus-Bahnen AG findet am 12. Mai 2015 um 17.00 Uhr in der Messe Luzern (Halle 3/4) statt – letztmals mit einem Referat von Oscar J. Schwenk als Verwaltungsratspräsident zur Lage am Pilatus.

Transparenzhinweis: Dem Autoren nahestehende Personen sind Aktionäre der Pilatus-Bahnen AG.

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