Lienhardt & Partner Privatbank: Gewinn steigt 2015 auf 4.6 Mio. CHF, höhere Dividende – Immobiliengeschäft rückläufig

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Eine attraktive Wohnüberbauung auf dem Areal des Weinunternehmens Landolt wird von Lienhardt vermarktet. Quelle: Lienhardt & Partner Privatbank AG
Eine attraktive Wohnüberbauung auf dem Areal der ehemaligen Weinkellerei Landolt wird von Lienhardt vermarktet. Quelle: Lienhardt & Partner Privatbank AG

Die Lienhardt & Partner Privatbank Zürich AG (Lienhardt) konnte im Jahr 2015 ein deutliches Ertragsplus von 9.8% auf 25.9 Mio. CHF verbuchen. Wie die Privatbank in einer Medienmitteilung zum Jahresabschluss schreibt, stellt dies ein Rekordergebnis dar. Auch der Geschäftserfolg legte kräftig um 31.9% auf 5.3 Mio. CHF zu. Von der positiven Geschäftsentwicklung sollen auch die Aktionäre mit einer um 2 CHF auf 40 CHF pro Aktie erhöhten Dividende profitieren. Wie Lienhardt weiter mitteilte, stiegen die verwalteten Vermögen im Berichtsjahr erneut an. Neben der Vermögensverwaltung setzt das Zürcher Bankhaus auch auf das Zinsdifferenzgeschäft und Immobilien.

Markantes Plus der Kommissionserträge

Im letzten Jahr stiegen die Kommissionseinkünfte aus dem Wertschriften- und Anlagegeschäft um hohe 19.4% auf 10.7 Mio. CHF an. Wie Lienhardt mitteilte, geht das Plus vor allem auf das Konto wachsender verwalteter Vermögen (+ 14.6%). Dies führte dazu, dass sich auch der Erfolg aus dem Handelsgeschäft um 6.4% auf 2.2 Mio. CHF erhöhte. Im Zinsengeschäft konnte das Bankhaus ein Plus des Bruttozinserfolgs, d.h. vor Veränderungen von ausfallrisikobedingten Wertveränderungen und Verlusten aus dem Zinsgeschäft, in Höhe von 6.2% auf knapp 5.6 Mio. CHF verbuchen. Zusätzlich wurden positive Effekte aus den Wertveränderungen von 0.1 Mio. CHF verbucht. So stieg der Nettozinserfolg um 8.3% auf fast 5.7 Mio. CHF. Hierbei profitierte Lienhardt vor allem von den um 11.6% auf 2.7 Mio. CHF gesunkenen Zinskosten, während die Zinseinnahmen nur um 1.1% auf 7.5 Mio. CHF sanken. Zeitgleich stiegen die Ausleihungen um 5% auf 517.5 Mio. CHF an. Augenfällig ist hierbei der deutliche Rückgang der nicht aus dem Hypothekarbereich stammenden Ausleihungen um 17% auf 56.1 Mio. CHF. Gleichzeitig zogen die Hypothekarforderungen um 8.5% auf 461.4 Mio. CHF an. Der gegenüber dem Ausleihungsplus höhere Anstieg des Zinserfolgs lässt erkennen, dass die Zinsmargen zumindest nicht weiter unter Druck sind. Ebenfalls nicht übersehen werden dürfen die verschärften Liquiditätsanforderungen und die höheren regulatorischen Vorschriften. Trotz des hieraus resultierenden Mehraufwands stiegen die Personalkosten nur um 0.8% auf 12.3 Mio. CHF. Allerdings forderten die grösseren Volumina ihren Tribut bei den Sachausgaben, die sich um 10.3% auf 6.8 Mio. CHF erhöhten. Insgesamt stiegen die Sachaufwendungen um 4% an. Die Wertberichtigungen zulasten der Erfolgsrechnung stiegen um 19.4% auf 1.3 Mio. CHF bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Veränderungen von Rückstellungen um 56.4% auf 0.25 Mio. CHF. So resultierte ein Geschäftserfolg von 5.3 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 31.9% entspricht. Unter dem Strich verblieb trotz eines um 1 Mio. CHF tieferen ausserordentlichen Ertrags ein Gewinnplus von 11% auf 4.6 Mio. CHF.

Rückläufiges Immobiliengeschäft

Rückgänge verzeichnete das Zürcher Finanzhaus im Immobiliengeschäft. So gingen die Einnahmen aus dem Geschäftsfeld Liegenschaftsbewirtschaftung und -vermittlung um 1.5% auf 3.5 Mio. CHF zurück. Aber auch der Liegenschaftserfolg aus den eigenen Immobilien ging um 4.7% auf 3.5 Mio. CHF zurück. Hierfür verantwortlich sind Unternehmensangaben zufolge partielle Leerstände. Weiter festgehalten wird an der vorsichtigen Abschreibungs- und Rückstellungspolitik. Dies spiegelt sich auch in den Bilanzkennzahlen wider. So weist Lienhardt trotz des Anstiegs der Bilanzsumme um 9.2% auf 804.7 Mio. CHF eine eigenen Angaben zufolge ausgezeichnete Leverage Ratio von 12.2% und eine Kernkapitalquote von 18% aus.

Die Geschäftszahlen der Zürcher Privatbank fallen nicht nur auf den ersten Blick sehr erfreulich aus. Auch der Geschäftsbericht mit den detaillierteren Angaben zu den einzelnen Positionen der Erfolgsrechnung und der Bilanz dürfte keine negativen Überraschungen beinhalten. Als sehr erfreulich kann auch die um die Position Wertveränderungen aus dem Zinsengeschäft, die ein Bestandteil des Zinserfolgs ist, bereinigte Entwicklung der Cost-/Income-Ratio bezeichnet werden. Nur auf der bereinigten Basis ist ein Vergleich mit dem Vorjahr möglich. Dieser zeigt eine deutliche Verbesserung der CIR von 77.8% im Vorjahr auf 74%. Dieser Wert ist zwar im Vergleich zu Regionalbanken sehr hoch, aber für eine Privatbank angesichts der neuen hohen regulatorischen Anforderungen durchaus gut. Neben den Kennzahlen der Erfolgsrechnung können sich auch die Bilanzkennzahlen sehen lassen.

Die Aktien von Lienhardt werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) und bei Lienhardt & Partner selbst gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 1’850 CHF weisen die Titel einen Discount von gut 10% gegenüber dem ausgewiesenen Buchwert auf. Der Substanzwert der Papiere dürfte indessen noch deutlich höher liegen. Allerdings dürfte dieser von den freien Aktionären kaum je auch nur zum Teil realisiert werden können. Als zumindest im aktuellen Tiefzinsumfeld attraktiv angesehen werden kann die Dividendenrendite von knapp 2.2%. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis auf der Basis des Zwischenergebnisses von knapp 14 kann als angemessen betrachtet werden. Die Aktien eignen sich als solide werthaltige Anlage mit einer ansprechenden Ausschüttungsrendite. Sie sind damit ein Ersatz für deutlich schlechter rentierende Obligationen. Es darf allerdings nicht unberücksichtigt bleiben, dass der Grossteil der Papiere in den Händen der Familie Lienhardt und ihr nahestehender Personen liegt. Anleger sollten sich mit deren Geschäftsphilosophie, bestehend aus einer soliden Privatbank mit einem nicht unerheblichen Immobiliengeschäft, einverstanden erklären.

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