ZT Medien: Zofinger Tagblatt mit schwachem Inserategeschäft, Auflösung stiller Reserven führt 2016 zu Gewinn – Dividende dank hoher Liquidität

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Das Hauptgebäude der ZT Medien befindet sich in Zofingen. Quelle: ZT Medien AG

Die ZT Medien AG (vormals Zofinger Tagblatt) blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2016 zurück. Wie das Unternehmen seinen Aktionären im aktuellen Geschäftsbericht mitteilt, konnte im Berichtsjahr wie bereits im Vorjahr nur durch die Auflösung stiller Reserven ein Gewinn ausgewiesen werden. Der von der Gesellschaft als „wesentlich“ bezeichnete Verlust resultiert aus dem Umsatzminus, das stärker als erwartet ausfiel und nicht mit entsprechenden Kosteneinsparungen kompensiert werden konnte. Auch in den nächsten Jahren sieht die Geschäftsleitung der ZT Medien keine rosigen Zeiten auf das Unternehmen zukommen. Angesichts des nicht aufzuhaltenden Strukturwandels der Medienbranche „dürfe bezweifelt werden, ob das Schlimmste hinter uns liegt“, schreibt die Gesellschaft im Geschäftsbericht. Diese Situation veranlasste die Geschäftsleitung der ZT Medien dazu, ein Sparkonzept zu lancieren, mit welchem den schwindenden Erträgen Rechnung getragen werden soll. So wurde per 1. Januar 2017 die gesamte Position des Bogen- und Digitaldrucks in Zofingen zusammengefasst. Die bestehende Produktion in Oberentfelden wurde eingestellt. Am Standort Oberentfelden bestehen bleiben indessen die Redaktion und der Inserateverkauf. Weiter wurden die Druckvorstufen zusammengelegt, um Synergien zwischen den verschiedenen Verlagsprodukten besser nutzen zu können. Bei den Inseraten werden die beiden Wochenzeitungen Oberwiggertaler und Surentaler Anzeiger neu gemeinsam verkauft. Die ZT Medien setzt auch auf digitale Angebote: So wird das Regionalradio Radio Inside digital auf dem DAB+ Radiosystem ausgestrahlt. Allerdings ist hier das letzte Wort noch nicht gesprochen: Da die Ertragsentwicklung des Senders deutlich unter den Erwartungen geblieben ist, will die Geschäftsleitung alles daran setzen, die Investitionskosten auf ein vertretbares Mass reduzieren zu können. Nach dem Ende des ersten Quartals 2017 findet eine nächste Standortbestimmung statt.

Erträge gehen weiter zurück

Im Geschäftsjahr 2016 verbuchte die ZT Medien auf Konzernebene ein Ertragsminus um 2% auf 38.3 Mio. CHF. Die wichtigste Einnahmequelle bildete dabei wie in den Vorjahren das Verlagsgeschäft mit seinen Einnahmen aus Inseraten und Abonnementserträgen. Diese Sparte musste ein Minus um 4% auf 26.4 Mio. CHF verbuchen. Bei den Drucksachen erlitt die ZT Medien ebenfalls ein Minus, das allerdings mit Ertragsrückgängen um 3.6% auf 9.9 Mio. CHF etwas tiefer ausfiel. Die höheren sonstigen Einnahmen und Bestandesänderungen von 2 Mio. CHF nach 1.3 Mio. CHF im Vorjahr federten den Rückgang der beiden Haupteinnahmequellen etwas ab. Auf der Aufwandseite belasteten die um 0.3 Mio. CHF auf 19.3 Mio. CHF angestiegenen Personalkosten. Auch die Materialausgaben legten um fast 0.2 Mio. CHF auf 4 Mio. CHF zu, während die Fremdleistungen um 1 Mio. CHF auf 8.5 Mio. CHF fielen.

EBITDA mit 2.6 Mio. CHF leicht tiefer als im Vorjahr

Im Ergebnis führte dies zu einem ausgewiesenen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 2.6 Mio. CHF nach 2.9 Mio. CHF im Vorjahr. Die Sachabschreibungen betrugen 2.2 Mio. CHF nach 3 Mio. CHF im Vorjahr. So resultierte ein positives EBIT von 0.4 Mio. CHF nach einem Minus von 18’000 CHF im Vorjahr. Allerdings wäre das EBIT, wie das Unternehmen seinen Aktionären mitteilte, ohne die Auflösung stiller Reserven deutlich negativ ausgefallen. Das um die Auflösung der Reserven bereinigte EBIT betrug minus 1.5 Mio. CHF nach minus 0.4 Mio. CHF im Vorjahr. Das Ergebnis wurde im 2016 durch die Investition in das Radio Inside von 0.5 Mio. CHF belastet. Zudem wurden auch im 2016 jährliche Abschreibungen auf das Verlagsrecht der Solothurner Woche in Höhe von 0.4 Mio. CHF durchgeführt, die betriebswirtschaftlich nicht notwendig sind. Unter dem Strich resultiert ein Reingewinn von 0.5 Mio. CHF nach 0.4 Mio. CHF im Vorjahr. Auch hierbei ist wieder zu beachten, dass der um die Auflösung von Reserven bereinigte Wert mit einem Verlust von 1.1 Mio. CHF für 2016 nach einem Vorjahresverlust von 0.2 Mio. CHF deutlich schlechter ausfällt. Angesichts der hohen Liquidität und der geringen geplanten Ausgaben für Investitionen sollen die Aktionäre dennoch eine Dividende in Vorjahreshöhe von 480 CHF pro Aktie erhalten.

Ausbau des Angebots als „Full Service Agentur“

Im Rahmen der Digitalisierung setzt die ZT Medien auf den Ausbau des Angebots. Dies geschieht insbesondere angesichts der stetig steigenden Digitalisierung der Medienbranche. Das Unternehmen will sich so weiter vom reinen Druck- und Verlagsunternehmen zu einem Komplettanbieter entwickeln. Dies erlaubt es, die eigene Wertschöpfungskette zu verlängern und den Kunden zusätzliche Dienstleistungen zu offerieren. Das Unternehmen sieht sich zukünftig als vollständiger Anbieter der gesamten Leistungspalette im Bereich Publishing sowie Kommunikation und bietet etwa auch die Erstellung von Homepages an. Mit dieser Angebotserweiterung einher geht auch der neue Firmenname ZT Medien, der die breite Aufstellung nach aussen hin verdeutlichen soll.

Fokussierung auf das Wesentliche im 2017

Auch für das laufende Jahr bestehe kein Grund zur Annahme, dass es ein einfaches Medienjahr werde, räumt die Geschäftsleitung ein. Positiv auf die Zahlen auswirken sollen sich die um 0.25 Mio. CHF tieferen Kosten beim Radio Inside für das laufende Jahr. Es müsse gelingen, die heutige Arbeitsweise in die digitale Welt zu transformieren. Dies deckt die journalistische Arbeit ebenso wie die digitale Kommunikation im Unternehmen und den Verkauf von Anzeigen ab. Durch die Fokussierung auf das Wesentliche soll es im 2017 gelingen, die Budgetziele zu erreichen. Einen sehr wichtigen Stellenwert hat hierbei das Programm Kolumbus 2018, in dessen Rahmen die heutigen Tätigkeiten hinterfragt und die Möglichkeiten für eine Ausrichtung auf die neuen Marktverhältnisse evaluiert werden. Das Projekt soll die ZT Medien bei der Verbreiterung der Ertragsquellen unterstützen.

Die Geschäftszahlen der ZT Medien für 2016 können nicht überzeugen. Nur durch entsprechende Hinweise im Geschäftsbericht und im Anhang zur Jahresrechnung erfährt der Aktionär, dass die Gesellschaft im Berichtsjahr ausschliesslich dank der Auflösung stiller Reserven einen Gewinn ausweisen konnte. Wie hoch der wirtschaftlich relevante Verlust ausfällt, kann indessen nur schwer ermittelt werden. Angesichts der in der ZT Medien vorhandenen stillen Reserven und der Aussage, dass die Abschreibung von 0.4 Mio. CHF auf die Verlagsrechte des Solothurner Wochenblatts nicht notwendig ist, kann davon ausgegangen werden, dass die Abschreibungen die betrieblich notwendigen Werte nicht unerheblich übersteigen. Da nicht bekannt ist, unter welcher Position der Rechnung die Auflösung der Reserven verbucht wurde, ist eine Bewertung der Kennzahlen der Erfolgsrechnung nur eingeschränkt möglich.

Als grundsolide angesehen werden kann hingegen die Bilanz der Gesellschaft. Diese weist eine ausgewiesene Eigenmittelquote von knapp 69% der Bilanzsumme von 29.2 Mio. CHF aus. Zudem besitzt die ZT Medien sehr hohe liquide Mittel und kurzfristig veräusserbare Wertschriften von 14.9 Mio. CHF, was 51% der Bilanzsumme entspricht. Bei den ausgewiesenen Verbindlichkeiten von 9.2 Mio. CHF handelt es sich lediglich um kurzfristige Verpflichtungen inklusive Abonnementsvorauszahlungen von 5.7 Mio. CHF. Den Verpflichtungen stehen zudem noch kurzfristige Forderungen und nicht fakturierte Dienstleistungen von 5 Mio. CHF gegenüber.

Die Aktien der ZT Medien werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 10’700 CHF weisen die Titel eine attraktive Dividendenrendite von 4.5% auf. Zeitgleich werden die Papiere mit einem Abschlag von 36% zum ausgewiesenen Buchwert gehandelt. Wie die Auflösung stiller Reserven in den beiden letzten Jahren signalisiert, dürfte der Substanzwert der Aktien noch weitaus höher liegen als der Buchwert. Dieser kann indessen ebensowenig wie die genauen Ertragsmargen zweifelsfrei ermittelt werden. Die Aktien eignen sich daher vor allem für Anleger mit einem Faible für Substanzwerte zur Anlage. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Höhe der Ausschüttungen auch in den nächsten Jahren gehalten wird, so dass die Papiere zudem eine attraktive Rendite aufweisen.

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