Bondpartners: Gewinn steigt im 1. Semester 2017 auf 1.3 Mio. CHF, Währungsverluste belasten erneut – Entwicklung im 2. Semester unsicher

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Christian Plomb, VR-Delegierter des Lausanner Anleihehändlers Bondpartners, konnte im 1. Semester 2017 mit seiner Firma wieder an frühere Erfolgszahlen anknüpfen. Bild: zvg

Der in Lausanne ansässige Finanzdienstleister BPL Bondpartners SA konnte im ersten Semester 2017 den erfolgreichen Vorjahreskurs fortsetzen. Trotz eines anhaltend schwierigen Umfelds mit einem hohen Druck auf die Margen gelang es, den Reingewinn von 0.5 Mio. CHF im Vorjahr auf 1.3 Mio. CHF zu steigern. Damit hat Bondpartners nahezu wieder das Niveau früherer Zeiten vor dem sogenannten „Frankenschock“ in 2015 erreicht.

In einem Communiqué zum Semesterabschluss, das nur in englischer und französischer Sprache verfügbar ist, teilt das Unternehmen seinen Aktionären mit, dass die Unsicherheit an den internationalen Märkten weiter angehalten hat. Zu den grössten Unsicherheitsfaktoren gehören die Wirtschafts- und Steuerpolitik der USA, der Brexit und die starke Kreditnachfrage in China. Ebenfalls belastend wirkte sich die weiterhin sehr schwierige geopolitische Lage aus. Dies habe zu einer Unsicherheit bei den Marktteilnehmern und einer teilweise erhöhten Liquidität und Volatilität geführt, so Bondpartners in dem Communiqué.

Höhere Handelsvolumina lassen Erträge steigen

Bondpartners konnte im Berichtssemester einen deutlichen Anstieg des Erfolgs aus dem Handel mit Wertpapieren, der Haupteinnahmequelle des Unternehmens, verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Erfolg um 61.9% respektive 1.6 Mio. CHF auf 4.1 Mio. CHF zu. Tiefer fielen hingegen die Einnahmen aus dem Kommissionsgeschäft mit 0.5 Mio. CHF (Vorjahr: 0.6 Mio. CHF) aus. Auch beim Zinserfolg verbuchte Bondpartners einen Rückgang um 2% auf 1 Mio. CHF. Die Abschwächung des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken hat das Wechselkursgeschäft belastet. Dennoch stiegen die Einnahmen gesamthaft von 4 Mio. CHF im Vorjahr auf 5.1 Mio. CHF an. Zeitgleich gelang es, die Geschäftsaufwendungen um 2.1% auf 3.3 Mio. CHF zu senken. Dies erlaubte es, einen massiv höheren Geschäftserfolg von 1.8 Mio. CHF (Vorjahr: 0.7 Mio. CHF) zu erzielen. Trotz der deutlich höheren Äufnung der Reserven für allgemeine Bankrisiken resultierte unter dem Strich ein Anstieg des Gewinns um 0.9 Mio. CHF auf 1.3 Mio. CHF.

Schwierige Prognosen für das Gesamtjahr

Die anhaltende schwierige politische Situation und ein mögliches Wiederaufkeimen der Unsicherheit an den Finanzmärkten lässt eine Prognose für das Gesamtjahr als sehr schwierig erscheinen. Allerdings wird jedes Ungleichgewicht des Umfelds deutliche Einflüsse auf die Finanzmärkte haben und zu einer Erhöhung des Handelsvolumens führen. Dank der soliden Bilanz mit einer hohen Ausstattung an Eigenmitteln sieht sich Bondpartners gut gewappnet, um den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können. So übersteigen die kurzfristig verfügbaren Vermögenswerte die Verbindlichkeiten um das 2.5-Fache, teilt Bondpartners mit.

Die Kennzahlen des ersten Semesters sind nochmals deutlich besser ausgefallen als im Vorjahr. Weiterhin als belastender Faktor hat sich das Devisengeschäft erwiesen. Dank der deutlich höheren Erträge aus dem Handelsgeschäft konnte der Verlust problemlos kompensiert werden. Diese Entwicklung zeigt aber auch klar auf, dass sich Bondpartners dem Marktumfeld nicht entziehen kann. Die hohe Handelsaktivität im internationalen Geschäft bedingt einen nicht unerheblichen Bestand an Währungen und Wertschriften, die dem Marktrisiko ausgesetzt sind. Dank der soliden Bilanz ist der Finanzdienstleister in der Lage, selbst grössere Verschiebungen an den Märkten schadlos zu überstehen.

Die Aktien des Unternehmens werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 920 CHF weisen die Papiere einen deutlichen Discount von fast 40% gegenüber dem Buchwert von gut 1’500 CHF auf. Die Dividendenrendite beträgt auf der Basis der Ausschüttung für 2016, die infolge des guten Geschäftsergebnisses um 15 CHF auf 35 CHF angehoben wurde, attraktive 3.8%. Nach dem sehr guten ersten Semester ist es zumindest sehr wahrscheinlich, dass für 2017 eine Dividende in Vorjahreshöhe ausgeschüttet wird. Sofern sich das Geschäft im zweiten Semester ähnlich positiv entwickelt wie in den ersten sechs Monaten, erscheint eine weitere Erhöhung der Ausschüttung keinesfalls undenkbar.

Investoren sollten bei den ausserbörslich gehandelten Aktien die oftmals tiefe Handelsliquidität nicht unberücksichtigt lassen. Für Anleger, welche nicht auf einen schnellen Verkauf der Papiere zu möglicherweise ungünstigen Kursen angewiesen sind, eignet sich der Titel als Ersatz für langfristige Obligationen. Die Werthaltigkeit der Titel ist nicht nur angesichts der soliden Finanzierung, sondern auch wegen des Substanzwerts, der den ausgewiesenen Buchwert nochmals übersteigen sollte, gegeben. Auch auf dem aktuellen Niveau, das um 15% höher als noch vor Jahresfrist liegt, erscheinen die Titel keinesfalls als zu teuer. Die Stimmrechtsmehrheit für die Aktien der Bondpartners SA liegt bei der Familie Plomb (siehe auch Interview mit Christian Plomb vom 28. April 2016).

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär des Unternehmens.

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