Grand Resort Bad Ragaz: Vorjahreswerte im ersten Semester 2017 nicht gehalten – CFO Patrick Vogler seit 1. Juli als neuer CEO

Umsatzrückgänge im Hotel, Bäderbereich und Casino. Klinik floriert.

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Historische Helenabad in Bad Ragaz
Das historische Helenabad ist Teil des 36.5° Wellbeing & Thermal Spa im Resort Ragaz. Bild: resortragaz.ch

Die Grand Resort Bad Ragaz AG konnte im ersten Semester 2017 nicht von der Erholung in der Schweizer Tourismusbranche profitieren. So wurden die Vorjahresumsätze mit einem Minus von 5% auf 53 Mio. CHF nicht unerheblich unterschritten. Schwächer entwickelte sich vor allem das Geschäft in den Grand Hotels, wie die Auslastung von 56.2% nach 61.8% im Vorjahr zeigt. Klar im Aufwind befindet sich hingegen das im letzten Jahr von der Gruppe erworbene Hotel Schloss Wartenstein. Das oberhalb des Resorts gelegene Hotel bietet eine sehr gute Aussicht über das Rheintal und bietet ein Panoramarestaurant, das vor allem von einheimischen Gästen sehr geschätzt wird. Neben dem regionalen Zuspruch des traditionsreichen Hauses konnte auf dem Schloss auch die Zimmerauslastung deutlich von 17% im Vorjahr auf 59.5% gesteigert werden.

Weniger Gäste aus Russland und dem arabischen Raum

Dem aktuellen Semesterbericht kann entnommen werden, dass vor allem die Gäste aus Russland und aus den arabischen Ländern für den Rückgang der Logiernächte verantwortlich waren. Stabil geblieben sind hingegen die Besucherfrequenzen aus dem Heimmarkt Schweiz und Deutschland. Die Beliebtheit des Hotels bei den Gästen wird auch durch die erneute Auszeichnung der Sonntagszeitung als bestes Wellnesshotel im Frühjahr im nationalen Bereich untermauert. Zudem wurde es von einem russischen Reisemagazin als „Best Wellness Clinic“ ausgezeichnet, was der Grand Resort Bad Ragaz AG helfe, den Rückgang bei den Logiernächten russischer Gäste zu bremsen.

Clinic Bad Ragaz steigert Auslastung deutlich

Das zum Betrieb gehörende Rehabilitationszentrum steigerte die Auslastung im Berichtssemester deutlich. So erhöhte sich die Auslastung der Zimmer von 65.4% im Vorjahr auf hohe 75.9%. Profitiert hat die Klinik von den höheren Zuweisungen von Patienten durch Fachärzte. Um auch weiterhin erfolgreich zu sein, hat die Klinik per 1. Juli 2017 Dr. med. Christian Schlegel zum Chefarzt der muskuloskelettalen Rehabilitation (Behandlung von krankheits- oder unfallbedingten Einschränkungen des Bewegungsapparats) ernannt. So wird die medizinische Kompetenz weiter ausgebaut. Hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben ist im ersten Semester auch die Therme. Das warme Wetter im Frühjahr und die längere Renovationszeit haben zu einem Rückgang der Frequenzen geführt. Auch das Spielcasino konnte sich dem allgemein negativen Trend nicht entziehen und musste einen Rückgang der Umsätze um 1 Mio. CHF auf 11.1 Mio. CHF verbuchen. Weitere Angaben zu den Zahlen, insbesondere zum Gewinn und den Ertragsmargen respektive Kosten, macht das Grand Resort Bad Ragaz nicht.

Beteiligung am Casino Liechtenstein entschärft Konkurrenzsituation

Patrick Vogler, CEO der Grand Resort Bad Ragaz AG
Patrick Vogler ist seit 1. Juli der neue CEO der Grand Resorts Bad Ragaz AG. Bild: resortragaz.ch

Die Grand Resort Bad Ragaz AG ist am vor Kurzem eröffenteten bislang einzigen liechtensteinischen Spielcasino in Rugell beteiligt. Auch wenn es sich Firmenangaben zufolge nur um eine Minderheitsbeteiligung handelt, wird so der mögliche weitere Einnahmenrückgang des Spielcasinos im eigenen Haus abgefedert. In den Wintermonaten wird das im April 2017 fertiggestellte neue Clubhaus des Golf Clubs eine Erweiterung des Eventbereichs bieten. Insgesamt sieht sich die Gesellschaft gut gerüstet für das zweite Halbjahr. Auch wenn die von der ETH Zürich prognostizierte Verbesserung der Tourismusbranche vor allem die städtischen Betriebe erfassen dürfte, rechnet das Resort damit, mit neuen Wellnessprogrammen und zusätzlichen medizinischen Angeboten Stamm- und Neugäste zu gewinnen. Mit der Pensionierung des bisherigen CEO Paul Tschirky per 30. Juni 2016 übernahm mit Patrick Vogler der bisherige CFO das Amt des Firmenchefs. Dabei kann er auf die Unterstützung des ihm bestens bekannten Teams vertrauen und einen nahtlosen Übergang sicherstellen.

Das Grand Resort Bad Ragaz konnte im ersten Semester 2017 nicht von der leicht besseren Entwicklung des Schweizer Tourismusgeschäfts profitieren. Bremsspuren sind vor allem bei den Gästen aus Russland und dem arabischen Raum festzustellen. Indessen hat sich die Lage bei den Besuchern aus Deutschland offenbar entspannt. Der negative Trend bei den Übernachtungszahlen dürfte sich im zweiten Semester zumindest etwas abschwächen. Derzeit nicht abschätzbar sind die Auswirkungen des neuen Spielcasinos in Liechtenstein auf die Ergebnisse des Betriebs in Bad Ragaz. Tendenziell dürften dessen Einkünfte weiter sinken. Allerdings könnte der Rückgang durch die Beteiligung am Liechtensteinischen Betrieb zumindest mittelfristig teilweise kompensiert werden. Kurzfristig dürfte der neue Betrieb noch keine schwarzen Zahlen schreiben und so der Grand Resort Bad Ragaz-Gruppe auch keine Dividenden aus der Beteiligung einbringen. So sollte der weitere Rückgang im Casinogeschäft zumindest im laufenden Jahr kompensationslos auf die Zahlen der Gesellschaft durchschlagen. Insgesamt erscheint es daher wenig wahrscheinlich, dass für 2017 ein besseres Ergebnis als im Vorjahr erzielt werden kann. Allerdings ist das Unternehmen mit einer bilanziellen Eigenmittelquote von knapp 47% per Jahresende 2016 nicht nur für ein Gastronomieunternehmen solide finanziert.

Die Aktien der Grand Resort Bad Ragaz AG werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 5’150 CHF weisen die Titel einen leichten Discount von 4% zum ausgewiesenen Buchwert per Jahresende 2016 auf. Allerdings dürfte der innere Wert der Titel den ausgewiesenen Buchwert nicht unerheblich übersteigen. Es ist zu vermuten, dass die Gesellschaft über stille Reserven im Anlagevermögen verfügt. Ob die freien Aktionäre diesen hohen Wert, der deutlich über dem aktuellen Kurs liegen sollte, jemals realisieren können, ist indessen fraglich. Auch Barausschüttungen dürften weiterhin nicht zu erwarten sein. Die Aktionäre erhalten hingegen zahlreiche Vergünstigungen und Sonderangebote für das Resort. Diese sowie der hohe Substanzwert machen die Papiere für diejenigen Anleger, die eng mit dem Betrieb verbunden sind und die Angebote nutzen können, zu einer valablen Anlagealternative im aktuellen Tiefzinsumfeld.


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