SPI-Musterdepot: Vielversprechende Turnaround-Kandidaten

Neuzugang VAT Group

1
1171
Bei den Produkten von VAT Group ist höchste Präzision gefragt. Bild: VAT Group AG

Das war fast schon wie ein Horrormonat im Depot! Konnte das SPI-Musterdepot von schweizeraktien.net seit Start im Januar 2015 den SPI Total Return nämlich in den meisten Monaten zum Teil sehr deutlich hinter sich zurücklassen und so eine kräftige Outperformance zum breiten Aktienmarkt aufbauen, so kam es im Juli zur ersten nennenswerten Underperformance des Depots zum Index in einem Monat. Während der SPI im Juli um enorme 5.4% gestiegen ist, kam es im Depot zu einem leichten Rückgang um 0.9%. Immerhin: Die Outperformance seit Start beträgt immer noch 25.9 Prozentpunkte. Das heisst: Während der SPI seit Anfang 2015 ein durchschnittliches Plus von 5.4% p.a. bringt, liefert unser SPI-Musterdepot mit einer durchschnittlichen Rendite von 11.2% p.a. mehr als doppelt so viel Gewinn.

Es ist aber tatsächlich schwer, immer ohne Unterbrechung besser abzuschliessen als der Markt. Verantwortlich für den enttäuschenden Lauf des Depots waren gleich vier Titel – also fast die Hälfte des Portfolios – mit wirklich schwacher Performance. Leonteq hat in den letzten vier Wochen um 3.6% an Wert verloren, bei Rieter beträgt das Monatsminus 4.5%, Valiant ist sogar um 6.8% nach unten weggerutscht, und dormakaba hat gleich um 7.8% verloren.

Leonteq – Kapitalerhöhung belastet…

Leonteq-Aktie auf Achterbahnfahrt. Sie ist nicht die Einzige…

Bei Leonteq kam es zur Berg- und Talfahrt. Bis Mitte Juli kletterte die Aktie des Spezialisten für strukturierte Produkte um rund 10%, um dann innert weniger Tage um 20% einzubrechen und danach wieder fast auf das Ausgangsniveau vom Monatsstart zu steigen.

Auslöser dieser Achterbahnfahrt war die Ankündigung einer Kapitalerhöhung um rund 3 Mio. Aktien oder um 20% des Grundkapitals zu 41.50 CHF. Eine Kapitalerhöhung bedeutet ja für die bestehenden Aktionäre eine mehr oder weniger starke Verwässerung ihres Gewinnanteils, und so war der Kurseinbruch Mitte Juli gut erklärt.

aber der Turnaround läuft auf vollen Touren

Operativ allerdings gibt es keinen Grund zur Klage. So steigerte der Finanzdienstleister aus Zürich den Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft im Halbjahr um 22% auf 145.7 Mio. CHF. Der totale Betriebsertrag kletterte sogar um 36% auf 136.1 Mio. CHF. Da insbesondere der grösste Kostenblock – der Personalaufwand – weit unterproportional nur um 7% nach oben ging und es an anderer Stelle wie etwa bei den Rückstellungen sogar einen Rückgang um 65% gab, fiel der Geschäftsaufwand sogar um 3% auf 95.7 Mio. CHF.

Per Saldo konnte Leonteq den Gewinn massiv erhöhen. Der Periodenüberschuss explodierte von 1.2 auf 40.1 Mio. CHF. Damit kommt der Turnaround nach der Gewinndelle vor zwei Jahren rasant voran, und die Kosten dürften weiterhin im Griff bleiben. So will Leonteq die Komplexität im Konzern weiter senken und die Skalierbarkeit erhöhen. In Summe sollten die Margen steigen. Die Kapitalerhöhung übrigens wurde mit 99.1% fast komplett gezeichnet, und dem Unternehmen fliessen dadurch rund 118 Mio. CHF zur Stärkung der Kapitalbasis zu. Die Kernkapitalquote stieg so von 18.3% per Ende Juni auf 23.3% und liegt damit fast um 100% über den gesetzlichen Vorgaben.

Rieter – Marge ist derzeit unter Druck…

…Berg- und (in diesem Jahr vor allem) Talfahrt auch bei Rieter. Quelle: moneynet.ch

Die nächste Berg- und Talfahrt zeigt Rieter. Im Vorfeld der Halbjahreszahlen kletterte der Kurs des Maschinenbauers innert weniger Tage um 10%, nach Präsentation der Daten fiel die Aktie dann wie ein Stein ganz schnell um 20% nach unten. Zwar standen die Margen unter Druck – der Reingewinn lag bei 2.1% vom Umsatz, und diese Quote lag klar unter dem Vorjahreswert von 2.6% – aber das war ja eigentlich schon bekannt, und trotzdem blieb der Gewinn konstant bei 10.9 Mio. CHF. Denn der Spezialist für Textilmaschinen steigerte seinen Umsatz im Halbjahr um 24% auf 515.3 Mio. CHF. Dabei lag das Plus rein organisch, also ohne Zukäufe, bei satten 12%.

In diesem Jahr ist zwar noch nicht der grosse Gewinndurchbruch zu erwarten. So soll das operative Ergebnis unter dem Wert von 2017 vor Restrukturierungsaufwand liegen. Aber im vergangenen Jahr gab es hohe Sonderlasten, und per Saldo könnte der Gewinn so in 2018 von 2.91 CHF je Aktie in 2017 wieder deutlich in Richtung des 2016er-Ergebnisses von 9.38 CHF je Anteil klettern. Mit einem KGV auf Basis 2018 um 17 oder 18 ist Rieter ohnehin nicht teuer. Betrachtet man auch noch die mittelfristigen Perspektiven, bietet sich nach dem Kurszerfall der letzten Wochen jetzt eine gute Gelegenheit zum Einstieg.

aber mittelfristig liegt ein Umsatzplus mit Gewinnschub drin

Denn die mittelfristigen Ziele stehen. Der Umsatz soll in wenigen Jahren von rund 1050 Mio. CHF auf 1.3 Mrd. CHF klettern und die operative Marge dabei 10% betragen. Bei einem annähernd ausgeglichenen Finanzergebnis könnte der Jahresüberschuss dann bei 80 bis 100 Mio. CHF liegen. Da wären auch 20 CHF Gewinn je Aktie drin und mehr. Bedenken Sie: Das gleiche Unternehmen kostete noch im Januar fast doppelt so viel wie jetzt! Klarer Kauf!

Valiant – die Aktie notiert weit unter Buchwert

Der nächste Top-Verlierer im Juli: Valiant. Gewichtige Meldungen liegen zwar keine vor, doch Mitte Juli rutschte der Titel ganz schnell um 10% nach unten. Damit wird Valiant jetzt aber noch attraktiver. Denn die Dividendenrendite beträgt nun rund 4%, und die Aktie notiert inzwischen 30% unter dem Buchwert von etwa 140 CHF. Anleger nutzen den Kurszerfall zum Einstieg. Am 9. August hat das Unternehmen nun ein erfreuliches Halbjahresergebnis präsentiert. Der Konzerngewinn stieg um 14,5% auf 59,8 Mio. CHF, der Geschäftserfolg sogar um 23,5%. Und dies, obwohl die Bank bei der Hypothekenvergabe auf der Bremse stand.

dormakaba – Margenziele um maximal zwei Jahre verschoben

Dann noch zum letzten Kurs-Ausrutscher im Juli: dormakaba. Anfangs ging unsere Neu-Empfehlung im Juli noch voll auf. Denn nachdem die Aktie des Spezialisten für Zutritts- und Sicherheitslösungen für Gebäude den Widerstand bei 700 CHF genommen hatte, ging es mit dem Kurs ganz schnell weiter hoch. Ein Plus von rund 8% stand bereits nach zwei Wochen zu Buche.

Die Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen oder vielmehr des Ausblicks brachte dann ganz schnell den Einbruch ebenfalls um 20%. Kletterte der Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 noch um 13% auf 2.8 Mrd. CHF, so wurde das Margenziel verschoben. Nicht in 2018/19 sollen auf Basis EBITDA, also vor Zinsen, Steuern, Wertberichtigungen und Abschreibungen, 18% vom Umsatz drin sein, sondern „spätestens“ 2020/21. In 2018/19 soll die Gewinnspanne zwischen 16.0% und 16.5% liegen. Die Verschiebung der 18%-Ziele um maximal zwei Jahre ist aber sicherlich kein Beinbruch, und Börsianern wurde das auch schnell wieder bewusst. Denn dormakaba konnte vom Kursrutsch schon fast die Hälfte wieder aufholen. Wir bleiben dabei.

VAT Group – die Aktie hat hohes Nachholpotenzial

Kurzes Fazit: Die genannten vier Titel, insbesondere Valiant, Rieter und dormakaba bieten hohes Nachholpotenzial. In dieselbe Kategorie fällt auch unsere heutige Depotneuaufnahme VAT Group. Denn auch die Aktie des Herstellers von Vakuum-Ventilen hat zu ihren Hochs vom März kräftig an Wert verloren. Nachdem der Titel zwischen November und März um 50% auf ein neues Allzeithoch gestiegen war, notiert der Konzern aus Haag im Rheintal jetzt um 30% unter diesen Rekorden.

Derzeit wird VAT etwas von der Verlangsamung des Investitionszyklus insbesondere in der Halbleiterindustrie gebremst. Im ersten Halbjahr 2018 gab es zwar noch ein Umsatzplus von 18.4% auf 188.8 Mio. CHF, doch der Auftragseingang stieg lediglich um moderate 2.4% auf 380.9 Mio. CHF. Für das Gesamtjahr erwartet VAT ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich.

Anleger setzen auf den Sprung der Aktie über den Widerstand

Wichtige Wachstumstreiber bleiben aber intakt. Dazu zählt etwa die Digitalisierung mit steigendem Bedarf an immer grösseren Speicherkapazitäten und besseren Displays. Und so blickt Firmenchef Michael Allison zuversichtlich nach vorne. Die Marge auf Basis EBITDA soll in den nächsten zwei Jahren von aktuell rund 31% auf 33% zulegen. Die Aktie hat erst vor wenigen Wochen von der starken Unterstützung bei 120 CHF nach oben gedreht. Wir setzen darauf, dass jetzt der Widerstand bei 130 CHF fällt und der Titel schnell wieder an Fahrt aufnimmt in Richtung 150 CHF.

Musterdepot SPI “schweizeraktien.net”
Valoren Titel Kauf Kurs
Ziel Stück in CHF Performance
1478650 Valiant Holding 82,55 103,4 135 135 13.959,00 25,3%
1811647 dormakaba 689,5 636 890 20 12.720,00 -7,8%
3038073 Leonteq 62,5 54,7 98,5 275 15.042,50 -12,5%
2553602 Feintool 106,1 110,6 140 125 13.825,00 4,2%
367144 Rieter 161,5 158,9 250 62 9.851,80 -1,6%
2620586 Ypsomed 128,1 144,6 175 100 14.460,00 12,9%
1226836 Mobilezone 12,5 10,66 16,5 1250 13.325,00 -14,7%
1075492 Schweiter 826,5 1076 1350 10 10.760,00 30,2%
3038073 Huber + Suhner 67,65 60,9 85 200 12.180,00 -10,0%
2842210 Bellevue Group 24 23,9 29,5 650 15.535,00 -0,4%
31186490 VAT Group 130,2 130,2 168,5 120 15.624,00  
  Cash         93,64
 
  Performance gesamt         147.375,94 47,4%
  SPI total return 8’975 10’905       21,5%
  Start: 9.1.15, Start fiktiv mit 100’000 CHF; Stand: 8.8.18          

1 KOMMENTAR

  1. Zu Rieter: organisches Umsatzwachstum von 12%, einverstanden, das ist sehr gut. Wichtiger aber der Auftragseingang, minus 7%, logischerweise ein schlechtes Omen für die Zukunft. Das war der Schock…zu den Mittelfristigen hohen Zielen in diesem zyklischen Geschäft: glaub ich nicht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here