Sunstar Hotels: Rote Zahlen trotz Rekordzahl bei Übernachtungen im Jubiläumsjahr

Verkauf des Hotels in Flims belastet Rechnung mit 0.5 Mio. CHF

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Das Hotel in Flims wird zukünftig nicht mehr von Sunstar geführt. Quelle: Sunstar Holding AG

Die Sunstar Holding AG konnte im per 30. April 2019 beendeten Geschäftsjahr 2018/19 nicht an das gute Vorjahresergebnis anknüpfen. Trotz der weiteren Steigerung der Logiernächtezahlen und der Einnahmen resultierte unter dem Strich ein Verlust von 0.6 Mio. CHF nach einem Gewinn von 0.3 Mio. CHF im Vorjahr. Das Minus geht auf das Konto des – wie das Unternehmen im neuesten Geschäftsbericht schreibt – schmerzlichen Rückgangs beim Bruttobetriebsgewinn (GOP). Dieser habe sich nicht wunschgemäss entwickelt. Mit einem Betrag von 7.9 Mio. CHF wurde der Vorjahreswert von 9.3 Mio. CHF klar verfehlt. Eine Belastung von 0.5 Mio. CHF resultierte aus dem erst im neuen Geschäftsjahr vollzogenen Verkauf des Hotels in Flims.

Logiernächte auf Rekordkurs

Bei den Logiernächten konnte Sunstar das dritte Jahr in Folge einen Anstieg verbuchen. Auch wenn das Plus von 0,9% auf 293’600 hinter dem Plus von 3,8%, welches die Schweizerische Hotellerie im 2018 gemäss den Daten des Statistischen Bundesamts ermittelt hat, zurückblieb, wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Wie im Vorjahr konnten 2018 die Betriebe im Berner Oberland vom Hitzesommer und kurzfristigen Buchungen inländischer Gäste profitieren. Auch die Betriebe in Graubünden entwickelten sich nach einer langen Durststrecke freundlich. In Grindelwald und Wengen konnte mit 65’000 Logiernächten ein weiterer Rekord erzielt werden. Kein weiteres Wachstum verzeichneten die Übernachtungszahlen der ausländischen Gäste. Wegen der verkürzten Saisonöffnungszeiten verzeichneten die beiden Häuser im Wallis einen Rückgang. Im Piemont und im Tessin konnten die Zahlen gehalten werden.

In der für Sunstar wichtigeren Wintersaison fiel der Start wegen des zu Saisonanfang fehlenden Schnees vor allem bei den inländischen Gästen, die sehr wettersensitiv sind, harzig aus. Bei den ausländischen Gästen konnte hingegen ein Plus verzeichnet werden. Im Winter gelang es lediglich den beiden Betrieben in Davos und Grindelwald, die Vorjahreswerte zu übertreffen. Das Hotel in Davos konnte denn auch mit plus 9% den höchsten Anstieg bei den Übernachtungen im Gesamtjahr verbuchen.

Höhere Einnahmen

Die höheren Gästezahlen schlugen sich in einem Anstieg der Betriebserträge um 1% auf 48.9 Mio. CHF nieder. Am stärksten legten die Beherbergungseinnahmen mit plus 2,6% auf 26.4 Mio. CHF zu. Dies spiegelt auch die Erhöhung des Durchschnittspreises pro Übernachtung um 2 CHF auf 93 CHF wider. Deutlich geringer fiel der Anstieg im Restaurationsbereich mit plus 0,8% auf 18.7 Mio. CHF aus. Bei den Nebenerträgen musste gar ein 7,5%-Minus auf 3.8 Mio. CHF verbucht werden. Dieser Rückgang geht auf vermehrte Direktbuchungen der Skipässe der Gäste bei den Bahnen zurück, informiert Sunstar. Aus den Gesellschaften am Firmensitz wurden wie im Vorjahr 2.1 Mio. CHF vereinnahmt. Insgesamt legten die Umsätze um 1,1% auf 51.1 Mio. CHF zu.

Rückstellungen für Verkauf des Flimser Hotels belasten

Auf der Kostenseite belastete der überproportionale Anstieg der Warenaufwendungen um 5% auf 6.6 Mio. CHF, während der Personalaufwand um 0,7% auf 16.5 Mio. CHF gesenkt werden konnte. Beim direkten Betriebsaufwand wurde wegen der Verschiebung von Aufwendungen ein Anstieg um 5,3% auf 5.9 Mio. CHF verzeichnet. Grössere Reparaturen, höhere Heizkosten und Umbuchungen bei den Regionaltechnikern liessen den Unterhaltsaufwand um 15,5% auf 5.9 Mio. CHF anschwellen. Zusätzlich wurden dem Verwaltungsaufwand Rückstellungen und Abgrenzungen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Hotels in Flims im Betrag von 0.5 Mio. CHF belastet, was zum Anstieg dieser Position im gleichen Umfang führte. In der Summe führte dies zu einem Minus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) von 14,1% auf 7.4 Mio. CHF. Trotz der um 0.3 Mio. CHF tieferen Sachabschreibungen brach das EBIT um 53,4% respektive fast 1 Mio. CHF auf 0.9 Mio. CHF ein. Das Nettoergebnis wurde zusätzlich durch die um 0.2 Mio. CHF höheren Finanzaufwendungen belastet. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 0.6 Mio. CHF.

Erfolgreicher Start ins neue Geschäftsjahr

Der Start ins neue Geschäftsjahr 2019/20 ist von guten Vorzeichen geprägt. So konnten die Logiernächte in der noch laufenden Sommersaison bis Ende August um 9% und die Umsätze um 7% gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Ebenfalls positiv präsentiert sich der um den Betrieb in Flims bereinigte Buchungsstand für die kommende Wintersaison mit einem Plus von 11%. Für das Gesamtjahr wird ein leichtes Übertreffen der Vorjahreszahlen erwartet. Per 13. September 2019 wird das Hotel in Flims verkauft. Dieser Schritt erlaubt eine Verbesserung der Gruppenrentabilität, da in Flims hohe Verluste geschrieben wurden.

Fazit

Die Kennzahlen der Sunstargruppe für das Geschäftsjahr 2018/19 bieten wenig Anlass zur Freude. Auch wenn der ausgewiesene Verlust nahezu vollumfänglich auf das Konto des Verkaufs der Hotels in Flims geht, fällt die starke Steigerung der Kosten negativ auf. Ein Teil der Mehraufwendungen kann mit dem 50-Jahr-Jubiläum, das Sunstar im 2019 feiert, erklärt werden. Ebenfalls kann davon ausgegangen werden, dass gruppeninterne Umstrukturierungen zu Kosten geführt haben. Diesem Anstieg sollte ein geringerer Aufwand für die Erstellung der Jahresrechnung gegenüberstehen, die ab dem laufenden Jahr nur noch nach den Vorschriften des Obligationenrechts erstellt wird. Der bisherige Swiss-GAAP-FER-Abschluss entfällt. Mit diesem Schritt werden allerdings nicht nur die Kosten gesenkt, sondern auch die Transparenz für die Aktionäre. Bereits im Vorjahr wurden keine Kennzahlen zu den einzelnen Häusern mehr ausgewiesen. Auch eine Hoffnung, wenigstens die Kennzahlen der einzelnen Regionalgesellschaften zu erhalten, müssen die Anteilseigner zumindest im Geschäftsbericht begraben. Inwieweit eine detailliertere Berichterstattung an der GV in Davos erfolgt, ist noch offen. Es erscheint indessen wenig wahrscheinlich, dass hier eine ausführliche Darlegung der Kennzahlen erfolgen wird.

Die Aktien der Hotelgruppe werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 850 CHF notieren die Titel mit einem Discount von rund 12% auf den Buchwert per Ende des Geschäftsjahres 2018/19. Hierbei zu beachten ist indessen, dass die Buchwerte wegen der Rechnungsumstellung auf OR tiefer ausfallen als in den Vorjahren. Bis zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich nicht errechnen, welche Auswirkungen der Verkauf des Betriebs in Flims auf die Bilanzkennzahlen haben wird. Hier könnte wie bereits beim Verkauf in Davos ein nicht unerheblicher Buchgewinn erzielt werden. Dieser dürfte erneut belegen, dass der Substanzwert der Titel den ausgewiesenen Buchwert übersteigt. Dieser Wert ist für den aussenstehenden Aktionär indessen nur von theoretischer Natur und kaum je zu realisieren.

Ob die von uns als wahrscheinlich erachtete Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen bald auf der Agenda steht, ist angesichts der Zahlen des Geschäftsjahres 2018/19 fraglich geworden. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Anteilseigner weiterhin von der Naturaldividende in der Form von Aktionärsbons in der Höhe von nunmehr 50 CHF pro Aktie profitieren. Diese können zur Bezahlung von Übernachtungen bis zu 50% respektive für Aktionäre, die eine Treuekarte besitzen, bis zu 60% auf den Listenpreis von Übernachtungen mit Frühstück ausserhalb der Hauptsaison im Winter und des Jahreswechsels verwendet werden. Für diejenigen Anleger, welche die Vergünstigungen nutzen können, bieten die Titel eine attraktive Rendite, die alleine auf der Basis der Bons bei stattlichen 5,9% liegt. Oftmals bietet Sunstar den Aktionären noch weitere Sonderkonditionen an buchungsschwachen Tagen an. Für Investoren, die diese Angebote nutzen können, eignen sich die Titel zur Depotbeimischung.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Aktionär des Unternehmens.

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