Daniel Bieri, CEO Bad Schinznach: «Aktuell erwirtschaften wir noch 25% des monatlichen Umsatzes»

2019 konnte der Umsatz stabil bei 52 Mio. CHF gehalten werden - Dividende wird auf 26 CHF gekürzt

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Das Bäder- und Klinikunternehmen Bad Schinznach AG ist vom Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie stark betroffen. Seit dem 16. März sind die Thermalbäder geschlossen, auch die Kliniken verzeichnen weniger Patienten.

Dabei konnte die Unternehmensgruppe für 2019 noch ein ansprechendes Resultat erzielen. Obwohl der Saunabereich komplett erneuert und für 5 Monate geschlossen war, erreichte der Gesamtumsatz 52.3 Mio. CHF und lag damit leicht über dem Vorjahreswert. Allerdings konnte das Betriebsergebnis nicht gehalten werden. Aufgrund von Investitionen in die Informatik sowie höheren Unterhaltskosten lag das Betriebsergebnis (EBITDA) nur noch bei knapp 9 Mio. CHF. Höhere Abschreibungen liessen den Reingewinn auf 1.8 Mio. CHF (Vorjahr: 3.3 Mio. CHF) abrutschen. Wegen der grossen Unsicherheit aufgrund der Corona-Krise halbiert die Gesellschaft die Dividende auf 26 CHF. Im Interview mit schweizeraktien.net erklärt CEO Daniel Bieri, welche Auswirkungen der Lockdown auf das Unternehmen haben und wie die Zukunft aussehen wird.

Herr Bieri, wie geht es Ihnen und der Bad Schinznach-Gruppe nach fast sechs Wochen «Lockdown»?

Daniel Bieri
Der Lockdown kostet die Bad Schinznach AG rund 75% der monatlichen Umsätze, sagt CEO Daniel Bieri im Interview mit schweizeraktien.net. Quelle: zvg

Daniel Bieri: Gesundheitlich betrachtet geht es sowohl mir als auch unseren Mitarbeitenden gut. Dafür sind wir dankbar. Bis heute gibt es in der gesamten Bad Schinznach AG keine Covid-19 infizierte Patienten oder Mitarbeitende.

Für die Bad Schinznach AG ist diese Zeit eine sehr grosse Herausforderung. Seit dem Beschluss des Bundesrates vom 16. März sind die Thermalbäder und Saunen mit Massage- und Kosmetik, die Freizeitangebote auf dem Areal wie Pitch & Putt, Golf und Tennis geschlossen. Auch die öffentlichen Gastronomiebetriebe sind geschlossen. Aktuell erwirtschaften wir noch ca. 25% des monatlichen Umsatzes im Zeitraumvergleich zu den Vorjahren. Deswegen mussten wir alle Mitarbeitenden für die Kurzarbeit anmelden. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Gäste, Patienten und Mitarbeitenden hat weiterhin Priorität.

In welchen Bereichen ist Ihr Unternehmen direkt betroffen, wo haben Sie noch geöffnet?

Das Vier-Sterne-Kurhotel Im Park und die Rehabilitationsklinik Privat-Klinik Im Park sind weiterhin offen. Durch den Umstand, dass der Bundesrat auch entschieden hat, dass die Spitäler keine Wahloperationen mehr durchführen durften, ist die Belegung in der Rehabilitationsklinik drastisch auf unter 50% gesunken. Im Kurhotel Im Park sind die Zimmerbuchungen massiv eingebrochen, noch etwa 30% der Zimmer und Suiten sind aktuell belegt.

Wie sieht die Belegung in der Klinik Meissenberg aus?

Die Patientinnen im Meissenberg haben eine längere Aufenthaltsdauer als in der Privatklinik Im Park. Dies führt auch zu weniger Wechseln. Daher ist die Auslastung mit 75% bis 80% auch in der aktuellen Situation noch recht hoch. 2019 lag die Belegung jedoch bei 95%.

Wie gross sind die bisherigen Auswirkungen auf den Umsatz, und welche Massnahmen haben Sie ergriffen, um dem entgegenzusteuern?

Seit Mitte März beträgt der Umsatzverlust der Bad Schinznach AG ca. 75%. Wir sind froh, dass der Bundesrat in einer ersten Etappe Lockerungen, welche ab dem 27. April in Kraft treten, beschlossen hat. Der Entscheid, dass die Spitäler wieder regulär operieren dürfen, also die Wahloperationen wieder durchgeführt werden, ist für uns sehr wichtig. Wir gehen davon aus, dass sich dies innert 2 bis 3 Wochen positiv auf die Belegung in der Privat-Klinik Im Park auswirken wird.

Zudem dürfen wir aufgrund der Lockerungen unter Berücksichtigung des Schutzkonzeptes wieder ambulante Therapien anbieten. Im Bäderbereich dürfen Massage, Kosmetik und Podologie auch wieder öffnen. Es ist bereits eine positive Tendenz zu spüren. Wie sich diese Lockerungsmassnahmen konkret auswirken, werden wir allerdings erst in ein paar Wochen sehen.

Sind Sie mit der Lockerungspolitik des Bundesrates zufrieden?

Der Bundesrat hat in der schwierigen Situation einen sehr guten Job gemacht. Auch die vorsichtige Lockerung ist sicherlich ein richtiger Schritt. Dennoch würden wir es begrüssen, wenn die restriktive Haltung vom Bundesrat in Bezug auf die Öffnung der Thermalbäder und der Gastronomie überdacht würde. Die Branchenverbände haben klare und gute Schutzkonzepte erarbeitet, um mit der Herausforderung umzugehen. Dabei meine ich nicht unbedingt nur unser Unternehmen, sondern die vielen kleinen Hotel- und Gastronomiebetriebe, die nicht über einen so grossen finanziellen Spielraum verfügen wie wir.

Sie haben angekündigt, die Dividende auf 26 CHF je Aktie zu halbieren. Warum zahlt die Bad Schinznach AG in dieser ausserordentlichen Lage überhaupt eine Dividende?

Die Dividende zahlen wir für das Geschäftsjahr 2019 aus, also rückwirkend. Damit wollen wir den Aktionär für sein Engagement entsprechend entschädigen. Für 2020 werden wir dann neu entscheiden.

Planen Sie, Covid-19-Notkredite in Anspruch zu nehmen?

Hilfskredite könnten wir in Anspruch nehmen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung haben aber aus verschiedenen Gründen entschieden, vorläufig auf diese zu verzichten.

Wie gestaltet sich die Liquiditätssituation generell? Per Ende 2019 war der Bestand an liquiden Mitteln mit 749’000 CHF eher gering.

Die Bad Schinznach AG verfügt über einen grossen Immobilienbestand, welcher zum Teil mit Hypotheken finanziert ist. Da macht es keinen Sinn, über eine grosse Liquidität in Form von Bankguthaben zu verfügen. Die Liquidität des Unternehmens wird über zugesicherte Kreditlimiten der Banken sichergestellt. Der Branchenvergleich zeigt, dass wir eine sehr gute Liquidität haben. Um die Liquidität zu schonen, haben wir für 2020 einen Investitionsstopp verfügt. Auch Erneuerungsinvestitionen, wie beispielsweise der Umbau von Zimmern, muss daher warten.

Kommen wir zum Geschäftsjahr 2019. Wie stark waren die einmaligen finanziellen Belastungen durch die Einführung des Klinikinformationssystems?

Wir haben im abgelaufenen Jahr nicht nur das Klinikinformationssystem neu eingeführt, wir haben gleichzeitig auch unser ERP-System und unser Kassensystem ersetzt. Da alle Systeme mit diversen Schnittstellen verbunden sind, ist es gar nicht so einfach, die entstandenen Kosten genau dem einzelnen Projekt zuzuordnen. Insgesamt haben wir im abgelaufenen Jahr für Software und Beratung Investitionen von 875’000 CHF aufgewendet. Es ist auch im laufenden Jahr noch mit Folgeinvestitionen zu rechnen. Der Umfang wird aber markant tiefer sein.

Obwohl der Umsatz mit 52 Mio. CHF auf Vorjahresniveau lag, ist der Betriebsgewinn erstmals seit fünf Jahren rückläufig gewesen. Gibt es neben der Einführung des Klinikinformationssystems weitere Gründe dafür?

Ja. Die Kosten im Bereich Unterhalt und Reparaturen sind in diesem Geschäftsjahr übermässig ins Gewicht gefallen. Es ist wichtig, dass wir unsere teilweise sehr geschichtsträchtigen Anlagen weiterhin in gutem Zustand erhalten und pflegen. Zudem sind die Energiekosten aufgrund der Erhöhung der Strompreise gestiegen. Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr viel in die Digitalisierung investiert. Der Wechsel der Hauptsysteme während einer eher kurzen Planungs- und Einführungszeit hat sehr gut funktioniert. Nutzerbedingte Optimierungen an den jeweiligen IT-Programmen werden laufend vorgenommen.

Ebenfalls darf man – umsatzmässig – nicht vergessen, dass wir während fünf Monaten den gesamten Saunabereich wegen der Gesamterneuerung geschlossen hatten. Auch ist dieses Jahr ein ausserordentlicher Ertrag aus dem Verkauf von C02-Zertifikaten weggefallen.

Ist in Zukunft wieder mit Zahlungen aus dem Verkauf von C02-Zertifikaten zu rechnen?

Davon gehen wir nicht aus. In 2020 erwarten wir allerdings ausserordentliche Erträge, die wir aufgrund einer Tarifeinigung für die Jahre 2018 und 2019 verbuchen können.

Welche Auswirkungen wird die Corona-Krise auf Ihre Bauprojekte haben? Sie wollten ab dem nächsten Jahr allein 15 bis 20 Mio. CHF in den Umbau des Kurhotels Im Park investieren.

Im Moment konzentrieren wir uns auf die Liquidität und die Arbeitsplatzsicherung für unsere Mitarbeitenden.

Die Planungsarbeiten werden aber weiter vorangetrieben. Es ist jetzt allerdings noch zu früh, um bereits über Verlauf oder Ausführung zu sprechen. Insbesondere, da Stand heute sowohl das Ende als auch die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise nicht absehbar sind. Allerdings bleibt der Umbau des Hotels und die damit verbundene Erweiterung der Klinik Im Park ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie.

Können Sie eine Einschätzung abgeben, wie die Corona-Krise Ihre Branche, Bäder und Klinken, verändern wird?

Eine Einschätzung abzugeben, ist im Moment nicht möglich. Sicherlich werden wir zum Schutz von allen weiterhin die Hygienestandards in allen Geschäftsbereichen sehr hochhalten. Kurzfristig gehen wir aber schon davon aus, dass Frau und Herr Schweizer diesen Sommer und Herbst vermehrt im eigenen Land bleiben werden und hoffen, als Bad Schinznach davon profitieren zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Seit Jahresbeginn hat der Kurs der Bad Schinznach-Aktie um rund 18% verloren. Chart: moneynet.ch

Die Aktien der Bad Schinznach AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 1’900 CHF für eine Aktie bezahlt. Der Kurs liegt nur um knapp 10% über dem ausgewiesenen Buchwert von 1’714 CHF je Aktie (per Ende 2019). Der Substanzwert dürfte angesichts des Immobilienbesitzes deutlich darüber liegen. Unter Value-Aspekten ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau sicherlich nicht zu hoch bewertet. Allerdings wird das Geschäftsergebnis 2020 erheblich unter dem Corona-Lockdown leiden. Ein starker Gewinnrückgang und ein Dividendenausfall sind nicht auszuschliessen.

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