Bad Schinznach: Rekordumsatz, aber gestiegene Zinsen und Teuerung belasten das Ergebnis

Umsatz erreicht 56.8 Mio. CHF - 48 CHF Dividende pro Aktie

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Mondscheinbaden gehört zu den Angeboten im Thermalbad «Aquarena». Bild: bad-schinznach.ch

Das Geschäftsjahr 2023 verlief für die Bad Schinznach AG sehr erfolgreich. Der Betreiber von zwei Thermalbädern, zwei Kliniken und einem Hotel legte in allen Geschäftsbereichen zu. Die Zahlen erreichten teilweise Vor-Pandemie-Werte; der konsolidierte Nettoerlös stieg um 6,2% auf einen neuen Bestwert von 56.8 Mio. CHF. 2019 lag der Umsatz bei 52.3 Mio. CHF. Dass unter dem Strich nur ein Jahresgewinn von 1.5 Mio. CHF verblieb (-8,6%), ist vor allem auf die höheren Zinszahlungen für die Hypotheken sowie die gestiegenen Energie- und Personalkosten zurückzuführen. Die Aktionäre dürfen sich dennoch über eine gleichbleibende Dividende von 48 CHF je Aktie freuen.

Kliniken waren gut ausgelastet

Die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche verlief trotz des gesamthaft kräftigen Umsatzanstiegs heterogen. Mit 41.7 Mio. CHF erzielten die Kliniken in Schinznach-Bad und Meissenberg/Zug um 4,0% höhere Nettoerlöse als im Vorjahr. Die Pflegetage in der «Privatklinik im Park» in Schinzach verfehlten mit 19’578 die Vorjahreszahl nur knapp. In der Klinik Meissenberg wurde mit 25’786 Pflegetagen hingegen ein neuer Höchstwert erreicht. Daniel Bieri, CEO der Bad-Schinznach-Gruppe, weist in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen Zimmersanierungen in Schinznach-Bad hin, welche den Betrieb beeinflusst hätten. In Zug sei das Haus E im Sommer 2021 und 2022 für mehrere Wochen geschlossen gewesen, im Jahr 2023 habe der Betrieb dann wieder unterbruchsfrei laufen können, so Bieri. Die Anzahl Pflegetage übertraf daher mit 25’786 auch die bereits sehr guten 2019er Zahlen.

Mit 10’823 Logiernächten erreichte das «Kurhotel im Park» die Vorjahreswerte zwar nicht ganz, lag aber immer noch über den 2019er Werten. «Nach dem Ende der Pandemie konnten wir im Jahr 2022 viele Gäste begrüssen, die sich noch nicht getraut haben, wieder ins Ausland zu reisen», so Bieri. Mittlerweile habe sich das Reiseverhalten geändert, was zu leicht geringeren Übernachtungszahlen in dem 4-Sterne-Betrieb mit insgesamt 29 Zimmern geführt habe.

Bäderbetriebe florieren wieder

Sehr erfreulich lief es hingegen in den beiden Thermalbädern «Thermi Spa» und «Aquarena» sowie den Saunabetrieben. «Wir kommen zu alter Stärke zurück», kommentiert Daniel Bieri die Zahlen. Die Besucherfrequenzen in den Bädern stiegen auf 314’852 an, rund 10% mehr als im Vorjahr, aber dennoch leicht unter den 322’125 Besucherfrequenzen aus dem Jahr 2019. Der Saunabereich erreichte mit 50’330 Eintritten sogar einen neuen Rekordwert. Insgesamt steuerten die Bäder 11.5 Mio. CHF zum Umsatz der Gruppe bei. Im Vorjahr waren es nur knapp 10 Mio. CHF. Erstaunlich ist, dass das im November 2021 in Baden eröffnete Thermalbad «Fourtyseven» bisher keinen nennenswerten Einfluss auf die Frequenzen in Schinznach hat. Das neue Bad habe offenbar ganz neue Gäste angezogen, so Bieri.

Die Kliniken und das Hotel steuern drei Viertel zum Umsatz der Bad-Schinznach-Gruppe bei. Abb.: Geschäftsbericht 2023 Bad Schinznach AG

Etwas höher fielen auch die Mieterträge mit rund 2.1 Mio. CHF aus, die aus der Vermietung der Wohnungen im Meisenpark in Zug sowie dem Haus Habsburg auf dem Areal in Schinznach-Bad stammen. Höhere Finanzierungskosten hätten durch leichte Mieterhöhungen weitergegeben werden können.

Kräftiger Anstieg der Kosten

Die gestiegenen Zinsen im vergangenen Jahr sind allerdings auch in der Erfolgsrechnung der Bad Schinznach AG deutlich spürbar. Denn trotz eines deutlich höheren Personalaufwands von 34.2 Mio. CHF (+6,4%) und um 200’000 CHF höheren Energiekosten erreichte das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA noch 8.3 Mio. CHF, was 8,5% über dem Vorjahreswert liegt. Die EBITDA-Marge lag mit 14,7% sogar um 0,4 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Aufgrund der Sanierung von Klinik- und Hotelzimmern in den Vorjahren fielen die Abschreibungen mit fast 6 Mio. CHF etwas höher als im Vorjahr aus. Dass am Schluss der Gewinn mit 1.7 Mio. CHF unter den Vorjahreswert fiel, ist auf das mit 633’000 CHF wesentlich tiefere Finanzergebnis zurückzuführen. Fast 350’000 CHF mehr an Zinsen zahlte die Bad-Schinznach-Gruppe im Jahr 2023. Hinzu kam, dass der Gewinn aus der Höherbewertung der Beteiligung am Wäschedienstleister Schwob mit 310’000 CHF geringer als im Vorjahr ausgefallen ist. Insgesamt weist die konsolidierte Bilanz der Gruppe eine Eigenkapitalquote von 43,9% (Vorjahr: 43,2%) aus. Ein grosser Teil des Fremdkapitals sind mit rund 47 Mio. CHF Bankdarlehen, über die u.a. ein Teil der Liegenschaften in Schinznach-Bad und Zug finanziert sind.

Gute Vorzeichen für 2024

In das laufende Geschäftsjahr ist die Bad-Schinznach-Gruppe nach eigenen Angaben zufriedenstellend gestartet. «Der Umsatz im Bäderbereich liegt leicht über Vorjahr. Auch die Auslastung im Hotel und in den Klinken stimmt», gibt Daniel Bieri einen vorsichtig positiven Ausblick. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass 2024 nochmals mit höheren Kosten zu rechnen sei. So sind per Ende 2023 die längerfristigen Verträge für Strom ausgelaufen, so dass per Anfang 2024 neue Verträge abgeschlossen werden mussten. «Die Mehrkosten für Strom können wir eventuell durch tiefere Gaspreise auffangen», so Finanzchef Rolf Tanner. Doch nicht nur im Energiebereich, auch beim Personal und im Gebäudeunterhalt spürt das Unternehmen die Kostensteigerungen. Durch den Fachkräftemangel müsse man immer öfter Temporärkräfte einsetzen, was zu deutlich höheren Kosten führe, so Tanner. Dies nicht nur im Bereich des Hotels und beim medizinischen Personal, sondern auch im Unterhalt. Bei den Zinsen setzt man hingegen auf eine gewisse Entspannung und auf eine weitere Zinssenkung der Nationalbank. Dies ist für die Bad Schinznach AG auch wichtig: Denn im kommenden Jahr soll mit der Erweiterung des Hotels begonnen werden.

Fazit

Die Teuerung und die rasch gestiegenen Hypothekarzinsen haben das im Kern sehr erfolgreiche Geschäftsjahr der Bad Schinznach AG belastet. Erfreulich ist, dass sich die Margen bis auf Stufe Betriebsergebnis leicht verbessern konnten. Dies zeigt, dass die gestiegenen Kosten für den Betrieb durch eine höhere Auslastung und Preisanpassungen kompensiert werden konnten. Am Schluss waren es vor allem die gestiegenen Zinsen, welche den Gewinn belasteten. Für das laufende Jahr bleiben die Aussichten generell positiv. Allerdings muss es dem Unternehmen gelingen, die Kostensteigerungen im Griff zu behalten und diese durch eine allfällige Anpassung der Preise auszugleichen. Bei den Zinsen ist zwar mit einem Rückgang zu rechnen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass diese wieder auf das Niveau von 2022 sinken. Die Finanzierung der Liegenschaften sowie neuer Projekte dürfte also etwas teurer werden.

Seit drei Jahren pendelt der Kurs der Bad-Schinznach-Aktie um die 2000 CHF. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Bad Schinznach AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden Preise von 2’150 CHF für eine Aktie bezahlt. Das Kurs-/Gewinnverhältnis von 40 ist zwar hoch, dürfte allerdings auch einer eher offensiven Abschreibungspolitik geschuldet sein. Allein 2023 wurden Abschreibungen im Wert von 4.7 Mio. CHF auf immobile Sachanlagen getätigt. Das Kurs-/Buchwert-Verhältnis liegt bei moderaten 1.3. Die Werte der Liegenschaften und Grundstücke in Schinznach-Bad und Zug dürften eher tief angesetzt sein. Mit einer Dividendenrendite von 2,3% ist der Titel zwar keine Dividendenperle, sorgt aber dank seiner konstanten Ausschüttungen für eine moderate Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Die Aktie ist vor allem für Value-Stock-Investoren interessant. Zusätzlich gibt es für jeden Aktionär, der an der Generalversammlung teilnimmt, Gutscheine für einen zweistündigen-Eintritt in die «Aquarena» oder das «Thermi Spa».

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