Grand Resort Bad Ragaz: Lichtblicke in wirtschaftlich schwieriger Zeit

Auch das Ergebnis 2021 wird unter der Corona-Pandemie leiden

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Seit bald 800 Jahren kennen und nutzen die Menschen im Taminatal die positiven gesundheitlichen Aspekte des Thermalwassers, das nach elfjährigem Sickern durch das Gestein der Schweizer Alpen in der Taminaschlucht an die Oberfläche sprudelt. Je länger, je mehr verschiebt sich dabei der Fokus von «gesund machen» zu «gesund erhalten», umso mehr, da vielen Menschen durch die Corona-Pandemie der Wert einer intakten Gesundheit wieder verstärkt ins Gedächtnis gerufen wurde. Gesundheit spielt denn auch eine zentrale Rolle in der Strategie des Grand Resort Bad Ragaz. Zum einen durch den Betrieb der Grand Resort Bad Ragaz AG, welche die Unternehmensbereiche «Tamina Therme» und das Medizinische Zentrum mit der Clinic Bad Ragaz beinhaltet, zum anderen versucht das Unternehmen aber auch durch gezielte Investitionen in die Nachhaltigkeit, die Umwelt und Natur gesund zu erhalten. Ein Lichtblick in einer wirtschaftlich gesehen schwierigen Zeit für das Grand Resort.

Badewasser ersetzt Heizöl

Seit 2011 wird die Wärmeenergie des abgebadeten Wassers aller Pools im Grand Resort und der Tamina Therme dem Energiekreislauf des Unternehmens zugeführt, wodurch der Heizölverbrauch gesamthaft um 97% reduziert werden konnte. Obschon das langfristige Ziel, den Heizölverbrauch unter 100’000 Liter zu senken, bereits 2019 erreicht werden konnte, reduzierte sich der Verbrauch 2020 nochmals deutlich. Dadurch sparte das Unternehmen erneut über 100 Tonnen CO2-Emissionen ein, wie dem im Geschäftsbericht integrierten Nachhaltigkeitsteil zu entnehmen ist. Die Reduktion ist zum einen auf Effizienzgewinne durch Optimierungen der Wärmepumpen zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die klimatischen Begebenheiten.

Durch das Nutzen der Wärmeenergie des abgebadeten Wassers konnte das Grand Resort die CO2-Emissionen massiv reduzieren. Chart: eigene Darstellung

Um die Nachhaltigkeitsperformance weiter zu verbessern, führt das Grand Resort dieses Jahr an der Kunstausstellung Bad RagARTz erstmals ein Pop-up Restaurant ein, das sich zum Ziel gesetzt hat, alle Teile von Lebensmitteln zu verwerten. In diesem Restaurant werden während der viermonatigen Ausstellung ausschliesslich Gerichte serviert, die aus Beiprodukten aus den Resort-Küchen zubereitet werden. Dies beinhaltet beispielsweise Orangenschalen und Bruderhähne. Auch bezüglich Arbeitssicherheit versucht sich das Unternehmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements kontinuierlich zu verbessern. Dies kommt den Mitarbeitenden zu Gute, aber auch das Grand Resort profitiert von weniger Ausfalltagen. Doch auch hier machte die Corona-Pandemie der Geschäftsführung einen Strich durch die Rechnung, und das Ziel, die Ausfalltage pro Vollzeitstelle zu reduzieren, wurde aufgrund coronabedingter Ausfälle verfehlt.

2020 resultiert Verlust in Millionenhöhe

Aus wirtschaftlicher Sicht hinterliess die Pandemie erwartungsgemäss starke Spuren im Resultat der Grand Resort Bad Ragaz AG. Der Umsatz der Gruppe, zu welcher die beiden Fünf-Sterne-Hotels «Quellenhof» und «Hof Ragaz», das historische Hotel Palais, das öffentliche Thermalbad «Tamina Therme», das Medizinische Zentrum Bad Ragaz, die Clinic Bad Ragaz, das Casino Bad Ragaz und die Golfplätze Bad Ragaz und Heidiland gehören, ging gegenüber 2019 um satte 25% auf 80 Mio. CHF zurück. Durch ein strikt umgesetztes Kostenmanagement und Kurzarbeitsentschädigung über 3.7 Mio. CHF konnten zwar auch die Aufwände zurückgefahren werden, unter dem Strich resultiert aber dennoch ein Jahresverlust von 7.6 Mio. CHF, nach einem Gewinn von 2.6 Mio. in 2019. Durch eine Reduktion der Investitionen auf ein Minimum, nachdem im Vorjahr der Quellenhof für 45 Mio. rundumerneuert worden war, und den Verkauf des Hotels Schloss Wartenstein konnte zumindest die Liquidität sichergestellt werden.

Die Rundumerneuerung des Quellenhofs für 45 Mio. CHF konnte glücklicherweise 2019 durchgeführt werden. 2020 hätte der Verwaltungsrat die Summe vielleicht nicht mehr gesprochen. Bild: Grand Resort Bad Ragaz AG
Trotz vereinzelter Lichtblicke bleibt Situation herausfordernd

Einige erfreuliche Punkte lassen sich in den Jahreszahlen trotz des Verlustes aber dennoch finden. Dank eines starken Sommergeschäftes mit vielen Schweizer Gästen blieb die Zahl der Übernachtungen in den Grand Hotels auf einem ansprechenden Niveau, rund 12% unter Vorjahresniveau. Gar über den Werten von 2019 lagen die Pflegetage in der Clinic Bad Ragaz, welche zwar das ganze Jahr über geöffnet bleiben konnte, jedoch teilweise unter eingeschränktem Betrieb operierte. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Kooperation der Clinic Bad Ragaz mit den Kliniken Valens. Und zu guter Letzt wurden im Golf Club Bad Ragaz so viele Golfrunden gespielt wie noch nie; der Run nach Freiluftaktivitäten machte sich somit auch auf den Greens im Sarganserland bemerkbar.

Die Gesamtsituation bleibe für das Grand Resort Bad Ragaz aber auch 2021 sehr herausfordernd, meint CEO Patrick Vogler in einer Medienmitteilung zum Geschäftsbericht. Die Tamina Therme und das Casino Bad Ragaz mussten im Dezember letzten Jahres erneut geschlossen werden und verloren so ihre komplette Hochsaison, ebenso ist das Meeting- und Event- Geschäft komplett eingebrochen, und die internationalen Gäste bleiben wohl auch mittelfristig aus. So rechnet Vogler auf Nachfrage von schweizeraktien.net erst im nächsten Jahr mit einer Rückkehr der Gästezahl aus dem Ausland auf Vorkrisenniveau. Das Resultat 2021 wird somit erneut hauptsächlich von inländischen Besuchern getragen werden.

Verjüngung des Verwaltungsrats

Startend mit der kommenden Generalversammlung vom 11. Mai vollzieht die Grand Resort Bad Ragaz AG über zwei Jahre hinweg einen Generationenwechsel im Verwaltungsrat. In einem ersten Schritt werden der GV dieses Jahr Patrick Vogler und Dr. Ilias Läber zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. An der GV 2022 werden sich dann in einem zweiten Schritt der amtierende Verwaltungsratspräsident Wolfgang Werlé und Dr. Thomas Schmidheiny nicht mehr zur Wiederwahl stellen und das bisherige Mitglied Dr. Klaus Tschütscher die Nachfolge im Präsidium übernehmen. Den Generationenwechsel abschliessen wird 2023 schliesslich der Austritt von Dr. Dieter Spälti. Somit soll sich der Rat nach vollzogenem Wechsel aus Lisa Schmidheiny, Dr. Ilias Läber, Markus Voegeli, Patrick Vogler und dem Präsidenten Dr. Klaus Tschütscher zusammensetzen. Durch diese strukturierte Nachfolgeplanung will die Grand Resort Bad Ragaz AG die Stabilität in der Führung und der Unternehmenskultur sichern. Auch hier herrscht somit das präventive «gesund erhalten» vor.

Fazit

Wenig überraschend verzeichnete die Grand Resort Bad Ragaz AG im Geschäftsjahr 2020 einen Verlust in Millionenhöhe. Kosteneinsparungen und Kurzarbeitsentschädigungen konnten dabei die hohen, coronabedingten Umsatzeinbussen nicht kompensieren. Auch das 2021er Resultat wird aufgrund der Teilschliessungen noch unter der Pandemie leiden, eine zuverlässige Prognose lässt sich aufgrund der vielen bestehenden Unsicherheitsfaktoren nicht erstellen. Die vielen Schweizer Gäste stimmen zwar optimistisch für die Zukunft, können aber die fehlenden internationalen Besucher nicht vollständig kompensieren. Mit einer Eigenkapitalquote von 45% und einem auch im Krisenjahr 2020 positiven Cashflow ist das Grand Resort gut aufgestellt, um diese herausfordernde Zeit gesund überstehen zu können.

Seit rund drei Jahren weist der Aktienkurs der Grand Resort Bad Ragaz AG eine sinkende Tendenz auf. Mittlerweile notiert der Titel um 24% unter dem Buchwert. Chart: www.otc-x.ch

Die Aktien der Grand Resort Bad Ragaz AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der Aktienkurs weist seit Jahren schon eine sinkende Tendenz auf; daran hat auch die Corona-Pandemie nichts geändert. Dafür wird der Titel mittlerweile auch mit einem deutlichen Abschlag vom Buchwert von 5’673 CHF gehandelt, der letztbezahlte Kurs von 4’300 CHF entspricht einem Discount von 24%. Kurssprünge sind angesichts der für den Tourismus schwierigen Lage kurzfristig nicht zu erwarten. Attraktiv ist die Aktie für Anleger, die an ein Aufkommen des Gesundheitstourismus glauben. Hier ist das Grand Resort mit seiner langen Tradition und etablierten Unternehmensstrategie gut aufgestellt. Die Bemühungen in Nachhaltigkeitsaspekten stärken dabei die Glaubwürdigkeit der Philosophie des «gesund erhalten».

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