Branchentalk Banken: Strukturwandel erfordert laufende Weiterentwicklung der Kompetenzen

Balz Stückelberger diskutierte mit zwei Lernenden am Zoom-Talk

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Die Schweizer Retailbanken stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Eine davon ist auch die Frage, welche Aufgaben ihre Mitarbeitenden künftig haben werden. In einem Zoom-Talk, der im Vorfeld des Branchentalk Banken 2022 stattfand, diskutierten Dr. Balz Stückelberger, Direktor Arbeitgeber Banken, sowie zwei Lernende über die «Next Generation Bankers». Dabei wurde klar: Die Antwort auf den Strukturwandel in der Branche ist eine laufende Weiterentwicklung der Kompetenzen bei den Mitarbeitenden.

Empathie und Sozialkompetenz gefordert

In seinem einführenden Statement machte Balz Stückelberger deutlich, dass gerade in den letzten Jahren die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Arbeit immer stärker in den Vordergrund gerückt ist. Auch die Frage nach dem «Wie» und «Wo» wir arbeiten, habe mit der Homeoffice-Pflicht während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Stückelberger zeigte anhand von Studien, dass die Automatisierung bestimmte Tätigkeiten im Banking zwar überflüssig machen wird. Diese Automatisierungswahrscheinlichkeit bleibt im Vergleich zu anderen Branchen mit einem Drittel jedoch eher niedrig. «Banken werden sich in Zukunft immer mehr auf nicht repetitive Arbeiten fokussieren, die ein hohes Mass an Empathie und Sozialkompetenz erfordern», so Stückelberger in dem Zoom-Talk. Dies sei eine grosse Chance für die Mitarbeitenden.

Herausforderung Altersstruktur der Mitarbeitenden

Er machte auch deutlich, dass der «grosse Personalabbau» in der Bankenbranche, von dem immer wieder geredet werde, nicht stattfindet. Sein Verband erwartet auch in Zukunft nur einen leichten Rückgang der Beschäftigung, aber keinen Kahlschlag. Zu den Herausforderungen in der Branche gehöre allerdings die stark zunehmende Gruppe der älteren Mitarbeitenden. Die Altersklasse der 45-54-Jährigen gehöre derzeit zu der grössten Gruppe unter den Bankangestellten, machte Stückelberger deutlich. Eine Frühpensionierung dieser Mitarbeitenden in den kommenden Jahren sei nicht mehr möglich, insbesondere, weil auch die Fachkräfte fehlten. «Die Mitarbeiterstruktur wird älter. Wir werden neue Karrieremodelle für diese Gruppe benötigen», so Stückelberger.

Der grösste Anteil der Bank-Mitarbeitenden ist derzeit 45-54jährig. Quelle: Präsentation Arbeitgeber Banken

Überhaupt würden die Karrierewege in Zukunft weniger linear oder horizontal erfolgen, sondern vielfältiger werden. Dies sei auch auf die jüngere Generation zurückzuführen, die oftmals eine sogenannte hybride Karriere oder Portfoliokarriere anstrebe, statt den linearen Weg zu wählen. Stückelberger machte auch nochmals deutlich, dass es in Zukunft notwendig sein werde, die Kompetenzen laufend auf den neusten Stand zu bringen. Zu den Kompetenzen gehörten immer mehr analytisches und kritisches Denken, Leadership, aber auch emotionale Intelligenz. «Arbeitsmarktfähigkeit ist die neue Arbeitsplatzsicherheit», schloss der Direktor des Bankenarbeitgeberverbands. Und er empfahl, stets «viele Karten in der Hand zu haben».

Kein schlechtes Image bei junger Generation

Bei Katinka Kilian, Lernende im 3. Lehrjahr bei der Clientis BS Bank Schaffhausen, und Nico Schöpfer, ebenfalls Lernender im 3. Lehrjahr bei der Clientis Entlebucher Bank, stiessen die Ausführungen von Balz Stückelberger auf offene Ohren. Der Mix aus tiefergehenden Wirtschaftskenntnissen, Kundenkontakt und Teamarbeit seien Gründe für die Wahl des Ausbildungsberufs gewesen. Und sie räumten mit dem Vorurteil auf, dass der Bankberuf ein schlechtes Image bei der jungen Generation hat. «Es ist wohl die anspruchsvollste KV-Ausbildung», so Nico Schöpfer. Beide setzten sich dafür ein, dass die Arbeitgeber Weiterbildungen auch neben dem Beruf unterstützen. Auch sollten die Banken «mit der Zeit gehen und offen für neue Dinge sein», empfahl Katinka Kilian.

Balz Stückelberger nahm die Voten der «Next Generation» gerne auf. Er ermutigte sie, nicht gegen die ältere Generation anzukämpfen, sondern sie herauszufordern und auch Dinge wie verstärkte Weiterbildungen einzufordern. «Was nicht passieren darf, ist das, was heute bei vielen Mitarbeitenden um die 45 Jahre zum Vorschein kommt: Sie haben sich nach der Lehre auf eine Karriere in der Bank eingestellt und zu wenig in permanente Weiterbildung investiert», so Stückelberger. Dies müsse jetzt aufwendig nachgeholt werden.

Der nächstem Zoom-Talk zum Thema «Sustainable Banking» findet am 7. Juni statt. Gast wird u.a. Dr. Gabriel Brenna sein, CEO der LLB Gruppe. Anmeldungen sind hier möglich. Am 28. Juni findet der Präsenzanlass im Hotel Schweizerhof Bern statt. Gäste sind u.a. Jörg Gasser, CEO der Bankiervereinigung, sowie Markus Schwab, CEO Yuh, und Karin Zahnd Cadoux, VRP der WIR Bank. Details finden Sie hier: www.schweizeraktien.net/branchentalk/banken/

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