SSE Holding: Chemietochter Valsynthèse verspricht starkes Wachstum

Steigende Rohstoff- und Energiekosten belasten Margen

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Spezialisiert auf chemische Reaktionen, ist in den Laboren und Produktionsstätten der zur SSE Gruppe gehörenden Valsynthèse höchste Sorgfalt geboten. Bild: SSE Group

Wie sich mit der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen bereits angedeutet hatte, musste die Walliser SSE Group im Geschäftsjahr 2021 trotz steigenden Umsätzen rückläufige Margen hinnehmen. Stand das Resultat 2020 noch im Zeichen der Covid-Pandemie, so war die zivile Sprengstoffindustrie 2021 den steigenden Rohstoff- und Energiepreisen ausgesetzt. Dies wirkte sich negativ auf die Kostenstruktur der auf zivile Sprengstoffe und Feinchemie spezialisierten Unternehmensgruppe aus.

Wachstum auf allen Stufen

Schrittweise konnten die höheren Kosten über Preiserhöhungen zum Teil an die Kunden weitergegeben werden. Zusammen mit der Erholung der Nachfrage nach dem pandemiebedingten Einbruch und der weiterhin positiven Entwicklung der Feinchemie-Tochter Valsynthèse führte dies zu einem Umsatzwachstum von 11,2% auf 138.0 Mio. CHF. Das EBITDA verbesserte sich auf 10.9 Mio. (+2,2%), die EBITDA-Marge verschlechterte sich aufgrund der höheren Material- und Fertigungskosten allerdings von 8,4% auf 7,8%.

Die Abschreibungen blieben im Vorjahresvergleich beinahe unverändert bei 7.6 Mio., während das Ergebnis aus den verwalteten Finanzanlagen nach einem Verlust von 0.5 Mio. im Jahr 2020 im Berichtsjahr einen Gewinn von 1.0 Mio. CHF zum Gruppenergebnis beisteuerte. Wie bereits im Vorjahr war die Wechselkursentwicklung mit einem Verlust von 0.5 Mio. erneut negativ. Gegenüber 2020 fiel 2021 im ausserordentlichen Ergebnis der Verkauf des Verwaltungsgebäudes in Gamsen an die eigene Pensionskasse für 2.3 Mio. weg. Dafür stieg das Ergebnis der konsolidierten Gesellschaften von 0.1 Mio. auf 1.1 Mio. CHF. All diese Faktoren führten unter dem Strich zu einem erfreulichen Anstieg des Gruppengewinnes um 36,3% auf 3.5 Mio. CHF. Trotzdem verblieb die Dividende unverändert bei 70 CHF pro Aktie.

Neuerliche Kapitalerhöhung

Dank einer aktiven Beteiligung am Konsolidierungsprozess in den vergangenen Jahren hat sich die SSE Gruppe als wichtiger Akteur in der zivilen Sprengstoff- und Bohr-/Minenindustrie in Europa etabliert. Dieser Markt ist saturiert und bietet künftig relativ geringes Wachstum. Allerdings sieht SSE die Chance einer Fortsetzung des Konsolidierungsprozesses. Um auf sich bietende Möglichkeiten reagieren zu können, hat sich die Gruppe in den letzten beiden Jahren über Kapitalerhöhungen knapp 10 Mio. CHF an neuen Mitteln von den bestehenden Aktionären beschafft. Auch dieses Jahr findet wieder eine Kapitalerhöhung über maximal 1’400 Aktien zu einem Preis von 3’050 CHF pro Aktie statt. Somit könnten der SSE erneut knapp 4.3 Mio. CHF an liquiden Mitteln zufliessen.

Neues Vorzeigeprodukt bei Valsynthèse bringt Dynamik in Umsatzentwicklung

Nebst möglichen Akquisitionen werden diese Mittel vor allem auch für die Expansion der Chemiesparte und den Ausbau des Standortes in Gamsen verwendet. Bisher steuerte die auf hochenergetische chemische Reaktionen wie Nitrierung, Phosgenierung und Hydrierung spezialisierte Valsynthèse bloss 10% des Gruppenumsatzes bei, künftig könnte dieser Anteil gemäss Unternehmensangaben aber bis auf 25% zunehmen. Ein wichtiger Schritt dazu geschah nach achtjähriger Entwicklungsphase durch die Einführung des neuen Vorzeigeprodukts 3-NOP. 3-NOP ist ein Futtermittelzusatzstoff, welcher die Eigenschaft hat, das Enzym zu blockieren, das für die Methanbildung im Magen von Rindern während des Wiederkäuens verantwortlich ist. Dadurch können deren Methanemissionen um 30-35% gesenkt werden. Dadurch trägt Valsynthèse zu einer deutlichen und unmittelbaren Reduktion des ökologischen Fussabdrucks der Fleisch- und Milchproduktion bei.

Vom niederländischen Chemiekonzern Royal DSM hat Valsynthèse den Auftrag erhalten, die Produktion von ihrem auf 3-NOP basierenden Futtermittelzusatz Bovaer für die globale Markteinführung zu übernehmen. Zumindest in den nächsten Jahren wird das mittlerweile auch in der EU zugelassene Bovaer somit in Gamsen hergestellt und stärkt das Wachstum der Chemiesparte der SSE Gruppe. So rechnet denn auch Daniel Antille, Delegierter des Verwaltungsrats der SSE, mit einem erheblichen Wachstum der Chemieaktivitäten 2022 und einem positiven Einfluss auf das Gruppenergebnis. Zudem zeigt er sich auf Nachfrage von schweizeraktien.net zuversichtlich, dass die SSE Gruppe 2022 sowohl beim Umsatz als auch beim EBITDA und Reingewinn weiterwachsen wird.

Fazit

Während das Wachstumspotenzial in der zivilen Sprengstoffindustrie, dem Hauptgeschäftsbereich der SSE Gruppe, eher gering ist, bietet die Feinchemiesparte rosigere Aussichten. In beiden Bereichen belasten 2022 aber die erhöhten Rohstoff- und Energiepreise die Profitabilität. Das prognostizierte Wachstum von EBITDA und Reingewinn zu Jahresmitte ist vor diesem Hintergrund ein äusserst positives Zeichen. Vom Markt für 3-NOP erwartet sich die SSE Gruppe einen enormen Aufschwung, schliesslich stammen rund 40% der globalen Methanemissionen aus der Landwirtschaft und somit bietet 3-NOP eine wichtige Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels. Dementsprechend erwartet SSE von 3-NOP in den kommenden Jahren einen Umsatz in Millionenhöhe.

In den letzten Jahren bewegte sich der Kurs der SSE-Aktien hauptsächlich seitwärts. Kann die Entwicklung bei Valsynthèse für einen Ausbruch nach oben sorgen? Chart: otc-x.ch

Die Aktien der SSE Gruppe werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Auf Basis des letztbezahlten Kurses von 3’140 CHF errechnen sich ein KGV von 25.1 und ein KBV von 1.65. Die Dividendenrendite beträgt durchschnittliche 2,2%. Damit sind die Titel nicht gerade günstig bewertet. Die Eigenkapitalquote von knapp 53% ist solide und wird sich durch die laufende Kapitalerhöhung weiter verbessern. Damit scheint die weitere Expansion der Chemiesparte möglich zu sein. Mit namhaften Kunden aus der Pharma- und Chemiebranche dürfte der starke Wachstumstrend fortgesetzt werden. Sofern die steigenden Kosten im Sprengstoff- und Chemiegeschäft an die Kunden weitergegeben werden können, rechtfertigt diese Entwicklung die Bewertung. Schliesslich dürfte auch das Resultat 2022 erneut klar positiv ausfallen.

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