Arosa Bergbahnen: Unerwartetes Rekordergebnis im Geschäftsjahr 2021/22

Dividende von 4 CHF je Aktie beantragt

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Das Sommergeschäft wird im Gebiet Arosa-Lenzerheide vom Wintergeschäft überstrahlt. Dank optimalen Bedingungen führte dies 2021/22 zu einem Rekordergebnis für die Arosa Bergbahnen AG. Bild: Arosa Tourismus

Beeindruckend und nicht erwartet – mit diesen Worten beschreibt die Arosa Bergbahnen AG in der Medienmitteilung zum Geschäftsjahr 2021/22 das Ergebnis. Beeindruckend, da das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt wurde und nicht erwartet, da dieses Topergebnis unter dem Einfluss der Covid-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen erzielt wurde.

Wintergeschäft profitierte von optimalen Bedingungen 

Bereits im Sommergeschäft verzeichneten die Arosa Bergbahnen mit 174’000 Ersteintritten einen erfreulichen Geschäftsverlauf. Zwar liegt dieser Wert leicht unter dem Rekordsommer von 2020, im Vergleich mit 2019 bedeutet er allerdings eine deutliche Verbesserung um 12,3%. Für das Unternehmen deutlich wichtiger ist jedoch die Wintersaison. Deren Planung und Vorbereitung war geprägt von Ungewissheit und Besorgnis aufgrund der steigenden Covid-Fallzahlen. Dank den pragmatisch umsetzbaren Massnahmen hielten sich die Einschränkungen aber in Grenzen, sodass die Wintersaison in Arosa und der Lenzerheide am 13. November gestartet werden konnte. Mit Schneesicherheit und zahlreichen Sonnentagen zeigte sich die kalte Jahreszeit von ihrer besten Seite, sodass im grössten zusammenhängenden Skigebiet Graubündens bis Ostern ausgezeichnete Pistenverhältnisse herrschten. Dementsprechend schnellten auch die Ersteintritte gegenüber dem Vorjahreswinter um knapp 20% auf 1’428’000 Gäste in die Höhe.

Begünstigt durch die optimalen Umweltbedingungen sprang der Betriebsertrag auf 33.0 Mio. CHF (+36,1%). Dabei konnte das Unternehmen in allen Geschäftsbereichen kräftig zulegen. Dies ist nach dem schwierigen, pandemiegeprägten Vorjahr wenig verwunderlich. Aussagekräftiger ist der Langzeitvergleich. So entspricht der Umsatz im per Ende April abgeschlossenen Geschäftsjahr 2021/22 einer Steigerung um 23% gegenüber dem 5-Jahresschnitt vor Pandemieausbruch. Mit einem EBITDA von 12.1 Mio. resultierte das beste Ergebnis in der 92-jährigen Geschichte des Unternehmens. Abschreibungen wurden mit 10.0 Mio. (+58,9%) in deutlich höherem Umfang als normal getätigt, dennoch verblieb unter dem Strich ein stattlicher Jahresgewinn von 1.2 Mio. CHF.

Reaktivierung der Dividendenpolitik

Dementsprechend zufrieden lässt sich Verwaltungsratspräsident Lorenzo Schmid in der Medienmitteilung zitieren: «Das Resultat zeigt eine starke Leistung in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Die EBITDA-Quote von 36,4% ist für ein Bergbahnunternehmen mit eigenen Berggastronomie- und Beherbergungsbetrieben ein ausgezeichneter Wert.» Dennoch dämpft Schmid aber auch allzu grosse Euphorie, schliesslich bleibe das Geschäft herausfordernd. Etliche Konstellationen hätten den Arosa Bergbahnen in die Hände gespielt, und das Ergebnis 2021/22 sei ein Ausreisser nach oben. Nichtsdestotrotz beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung die Reaktivierung der Dividendenpolitik. Pro Aktie sollen 4 CHF ausgeschüttet worden, nachdem letztmals 2019 eine Dividende von 2 CHF bezahlt worden war. Diese Ausschüttung ist nur möglich, da die Arosa Bergbahnen die im Herbst 2021 für die unternehmenseigenen Gastronomiebetriebe erhaltene Corona-Härtefallentschädigung über knapp 1.4 Mio. CHF vollständig zurückbezahlt hat.

Investitionen rücken 2022/23 wieder vermehrt ins Zentrum

Mit dem positiven Ergebnis 2021/22 im Rücken soll im laufenden Geschäftsjahr auch die Leistungsentwicklung am Berg wieder vermehrt ins Zentrum rücken. Rund 6.6 Mio. CHF sind 2022/23 für neue Projekte vorgesehen, nachdem die Investitionssumme im vergangenen Jahr auf 3.8 Mio. reduziert worden war. Der Hauptanteil davon soll in die Geländekorrektur und den Ersatz der alten Beschneiungsanlage der Piste 9a zwischen der Carmenna Mittelstation und der Mittelstation der Luftseilbahn Arosa-Weisshorn fliessen und den sicheren Transfer vom Gebiet Arosa West nach Arosa Ost gewährleisten. Weitere Investitionen betreffen eine neue Terrasse mit Food-Container bei der Brüggerstube, eine Verbesserung der Raumakustik des 360°-Panoramarestaurants Weisshorngipfel, die Ersatzbeschaffung eines Pistenfahrzeuges und die Pflichtrevision bei den Bahnanlagen.

Dass die Wiederholung des Topergebnisses aus dem Vorjahr 2022/23 kein Selbstläufer wird, zeigt auch der Start in die aktuelle Sommersaison. Diese sei den Erwartungen entsprechend angelaufen, liege aber bei den Ersteintritten nach den ersten sechs Wochen 12% hinter dem Sommer 2021.

Fazit

Rekord-EBITDA, stattlicher Gewinn trotz getätigter Zusatzabschreibungen und Reaktivierung der Dividendenpolitik zeugen von einem äusserst erfolgreichen Geschäftsjahr 2021/22 der Arosa Bergbahnen. Eine Entwicklung, die aufgrund der Unsicherheiten der gesamten Tourismusbranche im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie so im Voraus sicherlich nicht erwartet werden konnte. Eine leichte Abschwächung scheint im laufenden Geschäftsjahr realistisch, schliesslich profitierte das letztjährige Ergebnis von hervorragenden Umweltbedingungen. Da die Sommereintritte gerade einmal 11% der gesamten Ersteintritte ausmachen, sind die Arosa Bergbahnen stark auf gute Schneeverhältnisse angewiesen. Trotz den Investitionen insbesondere ins Bärenland konnte das Sommergeschäft noch nicht genügend an Bedeutung gewinnen, um die Abhängigkeit vom frühen und lang liegen bleibenden Schnee zu reduzieren. Mit dem leichten Rückgang zu Saisonbeginn wird sich dies auch dieses Jahr nicht ändern.

Der Aktienkurs der Arosa Bergbahnen AG liegt noch knapp 10% unter dem Ende 2021 erreichten Höchststand der letzten Jahre. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Arosa Bergbahnen AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 100 CHF, entsprechend einer YTD-Performance von -9,1%. Auf Basis dieses Kursniveaus sind die Titel mit einem KGV von 12.5 moderat bewertet, insbesondere unter Anbetracht der getätigten Zusatzabschreibungen. Die beantragte Dividende entspricht einer attraktiven Rendite von 4,0%. Bilanzkennzahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr liegen noch nicht vor, für eine genaue Betrachtung muss der Geschäftsbericht abgewartet werden. Auf Basis der Zahlen von 2020/21 sind die Titel aktuell jedoch mit einem deutlichen Abschlag vom Buchwert des Eigenkapitals von 40% bewertet. Angesichts der moderaten Bewertung und der attraktiven Dividendenrendite dürften die Titel der Arosa Bergbahnen AG Investoren künftig Freude bereiten, solange im Wintergeschäft nicht aufgrund von schlechten Witterungs- oder Schneeverhältnissen oder einer neuerlichen Corona-Welle ein drastischer Einbruch der Gästezahlen erfolgt.

Hinweis in eigener Sache: Am 14. September 2022 findet der Branchentalk Tourismus von schweizeraktien.net auf dem Gornergrat in Zermatt statt.

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