Loeb Holding: In Bern floriert das Warenhausgeschäft wieder

Negatives Finanzergebnis wegen schlechter Börse führt zu Verlust

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Das Loeb Haupthaus in Bern ist mit dem Loeb-Egge eine Institution. Bild: loeb.ch

Seitdem die Schliessung von Jelmoli in Zürich bekannt ist, steht wieder die Frage im Raum, ob Warenhäuser überhaupt eine Zukunft haben. Die Berner Warenhausgruppe Loeb zeigt mit ihrem Jahresabschluss, dass sich mit einem angepassten Konzept auch im stationären Detailhandel Geld verdienen lässt. 2022 erzielten die drei Warenhäuser in Bern, Biel und Thun und die zwei Maggs-Stores bei einem Umsatz von 76.7 Mio. CHF einen Betriebsgewinn von 4 Mio. CHF. Wegen der negativen Entwicklung des Wertschriftenportfolios rutschte die Loeb Gruppe jedoch leicht in die roten Zahlen.

Mit Erlebnisangeboten Kunden anlocken

Entscheidend für den operativen Erfolg der Loeb Holding, die mit dem Detailhandel, Immobilien und Wertschriften ihr Geld verdient, ist jedoch das klassische Warenhausgeschäft. Hier wurden in den vergangenen drei Jahren über 20 Mio. CHF in die drei Standorte investiert. Und trotz der pandemiebedingten Schwierigkeiten während dieser Zeit hat die Geschäftsleitung ihre Strategie, auf Erlebnisse zu setzen, nicht geändert. Wie die VR-Delegierte und Grossaktionärin Nicole Loeb in einem Interview mit schweizeraktien.net schon Anfang November 2022 sagte, würden die neuen Angebote von den Kunden sehr gut aufgenommen. Die Events, die Loeb in den Warenhäusern veranstaltet, bringen Frequenzen und damit auch die Umsätze. Besonders beliebt waren die Ladies Night, Kochkurse und Kinderevents. Nicole Loeb betont kürzlich in einem Interview mit der NZZ, dass es einfach nicht mehr genüge, «nur» Produkte anzubieten. Daher investiere Loeb auch in die Aufenthaltsqualität. Die Pandemie habe den Menschen den Wert persönlicher Begegnungen wieder stärker vor Augen geführt, was positive Auswirkungen auf das Geschäft von Loeb habe, so die VR-Delegierte.

Bestes operatives Ergebnis seit 2014

Obwohl die ersten zwei Monate des Geschäftsjahres 2022 noch negativ von der Corona-Pandemie beeinflusst waren, kamen im 2. Quartal die Kunden wieder zurück. Dies führte zu einem Umsatzanstieg von 11,2% gegenüber dem Vorjahr auf 76.7 Mio. CHF. In einer Medienmitteilung zum Jahresabschluss weist die Loeb Holding darauf hin, dass der Warenaufwand unterproportional zugenommen habe, was zu einer Bruttomarge von 45,7% führte. Dieser insgesamt positive Trend zeigt sich auch in den Gewinnzahlen: Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA erreicht knapp 13.0 Mio. CHF, was einem Plus von 15,6% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit liegt das Berner Traditionsunternehmen auch deutlich über den Vor-Corona-Ergebnissen: 2019 lag das EBITDA bei 9.9 Mio. CHF, 2018 waren es 11.4 Mio. CHF.

Obwohl die Abschreibungen, bedingt durch die hohen Investitionen in die Warenhäuser in den vergangenen Jahren, mit 8.3 Mio. CHF wesentlich höher als 2019 ausfielen (7.5 Mio. CHF), konnte beim EBIT mit 4.0 Mio. CHF das laut eigenen Angaben «beste Betriebsergebnis seit 2014» erzielt werden. Dass schlussendlich trotz dieser guten operativen Zahlen unter dem Strich ein Verlust von 410’000 CHF ausgewiesen werden musste, ist auf das negative Finanzergebnis zurückzuführen. Wegen dem ausserordentlich schlechten Börsenjahr lag der Finanzaufwand bei 4.8 Mio. CHF, wovon 4.1 Mio. CHF auf nicht realisierte Kursverluste zurückzuführen sind.

Negative Wertschriftenperformance

Der Wert des Wertschriftenportfolios nahm 2022 um 11,6% auf 29.7 Mio. CHF ab, entwickelte sich aber deutlich besser als der SPI. Dessen Performance lag im vergangenen Jahr bei minus 16,5%. Der Buchwert der Immobilien, dazu gehören die selbstgenutzten Liegenschaften ebenso wie die Renditeliegenschaften, betrug per Ende 2022 182.3 Mio. CHF (Vorjahr: 166.7 Mio. CHF). 2022 konnte das Portfolio durch den Zukauf einer Liegenschaft an der Gurtengasse 2 in Bern ergänzt werden. Dies führte zwar zu einer höheren Verschuldung von 70 Mio. CHF. Diese entspricht allerdings nur 38.4% des Buchwertes der Immobilien. Die Eigenkapitalquote reduzierte sich leicht und liegt nun bei 60,0%.

Obwohl die Tochter Loeb AG, welche das Warenhausgeschäft betreibt, 2021 eine Sofortunterstützung des Kanton Bern in Höhe von 3.5 Mio. CHF erhalten hat, um die Pandemie-Folgen abzumildern, und daher keine Ausschüttungen tätigen darf, ist die Loeb Holding von dem Ausschüttungsverbot nicht betroffen. Daher beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 25. April 2023 eine Dividende aus den Gewinnreserven der Loeb Holding AG. Diese soll pro PS und Namenaktie B 5 CHF betragen. Partizipantinnen und Partizipanten erhalten zudem statutengemäss eine Vorzugsdividende von 0.15 CHF je Titel.

Auch in diesem Jahr investiert die Loeb Gruppe weiter in neue Projekte. Bereits im Februar wurde eine neue Kundenkarte eingeführt. Ausserdem sollen die Events in allen Häusern ausgebaut werden. Im Herbst 2023 ist zudem die Eröffnung des Rooftop-Restaurants auf dem Dach des Haupthauses in Bern geplant.

Fazit

Zwei Jahre lang wussten Verwaltungsrat und Geschäftsleitung nicht, ob es angesichts der Ungewissheit durch die Pandemie richtig war, an der eingeschlagenen Strategie und an den Investitionen festzuhalten. Doch nun zahlt sich dieser Mut aus. Die Warenhäuser von Loeb werden wieder gut frequentiert, die Umsätze haben das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Die finanzielle Stärke des Unternehmens mit einem hohen Grad an Eigenmitteln ist hier sicher ein grosser Vorteil.

Auch wenn das schlechte Börsenjahr der Gruppe unter dem Strich zu einem Verlust führte, so sind die operativen Fortschritte beachtlich. Gerade in Zeiten, in denen Traditionswarenhäuser wie Jelmoli in Zürich oder einige Häuser der Galeria Kaufhof in Deutschland schliessen müssen, ist es erfreulich zu sehen, dass mit den richtigen Konzepten und unternehmerischem Mut Gegensteuer zum Warenhaussterben gegeben werden kann. Es zeigt sich gerade nach dem Ende der Pandemie, dass Online-Shopping und virtuelle Welten den persönlichen Kontakt und gemeinsame Erlebnisse nicht ersetzen können.

Aktienkurs Loeb PS
Der Kurs für den Loeb-PS bewegte sich in den letzten drei Jahren in einem Band zwischen 200 und 230 CHF. Chart: www.otc-x.ch

Die Namenaktien B und PS der Loeb Holding AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 260 CHF pro Namenaktie B und 226 CHF pro PS bezahlt. Der Buchwert pro PS bzw. Aktie lag per Ende 2022 bei 336 CHF, was einem hohen Discount auf die Titel entspricht. Die Dividendenrendite liegt bei 1,9% (NA) bzw. 2,3% (PS). Damit sind die Titel nicht teuer. Für Volatilität beim Jahresgewinn dürfte auch in Zukunft das Finanzergebnis sorgen, das weiterhin von der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhängig ist. Somit bleiben die Aktien bzw. PS ein Investment für Anleger, die an die Zukunft der Warenhäuser glauben und sich mit den Zielen der Hauptaktionärin identifizieren. Nicole Loeb hält über die Stimmrechtsaktien 79,33% der Stimmen, aber nur 27,74% am Kapital der Gesellschaft.

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