Sörenberg Bergbahnen: Unbekömmlicher Mix aus Wetterkapriolen und steigenden Energiepreisen

Erfolgreiche Kapitalerhöhung, die aber etwas verpufft

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Die Umbauten am Brienzer Rothorn erfordern hohe Investitonen. Bild: soerenberg.ch

Der vergangene Winter mit seinen warmen Temperaturen und dem wenigen Schnee hat dem Skigebiet im luzernischen Sörenberg stark zugesetzt. Wie auch die anderen Bergbahnen, die in mittleren Lagen zwischen 1’000 und 2’500 müM. operieren (schweizeraktien.net berichtete darüber), mussten die Sörenberg Bergbahnen einen starken Rückgang der Frequenzen und damit auch des Umsatzes hinnehmen.

Einen Winter, der den Namen nicht verdiente, benennt Verwaltungsratspräsident Theo Schnider im Geschäftsbericht die Jahreszeit, die eigentlich die Kassen des Unternehmens klingeln lassen sollte. Die mehr als unterdurchschnittliche Wintersaison zeige die Verwundbarkeit des Geschäftes mit dem Schnee, so Schnider. Die heftigsten Umsatzverluste musste das Unternehmen von Mitte Dezember 2022 bis Mitte Januar 2023 hinnehmen und konnte diese bis Ende Saison nicht mehr wettmachen.

Deutlich geringere Einnahmen

Zusätzlich machte dem Unternehmen die Explosion der Energiepreise und die Zinsentwicklung zu schaffen. Die Gemengenlage führte im vergangenen Geschäftsjahr (zum 31.5.) zu einem Jahresverlust von 740’000 CHF, 2021/22 konnten die Luzerner am Brienzer Rothorn noch einen Gewinn von 941’000 CHF einfahren. Ohne Härtefallentschädigungen von 1.375 Mio. CHF wäre der Verlust im vergangenen Geschäftsjahr noch deutlich höher ausgefallen.

Per Ende März 2023 lagen die Ersteintritte 40% hinter dem Vorjahr zurück und im 5-Jahresvergleich um minus 28%. Das führte zu einem Rückgang des Nettoerlöses um 3.3 Mio CHF auf 11.7 Mio. CHF. Dabei gingen die Transporteinnahmen wie auch die Restaurationserlöse im Gleichschritt zurück.

Keine Erleichterung auf der Ausgabenseite

Und auch die Ausgabenseite brachte keine Erleichterung – im Gegenteil. Hier sind vor allem die Energiekosten zu nennen, die mit einer Zunahme von fast 60% auf 1.22 Mio. CHF förmlich durch die Decke schossen. Die Aufwände für Unterhalt und Reparaturen stiegen um über 30%. Dank der Senkung des Personalaufwands um fast 10% auf 5.6 Mio. CHF stieg der gesamte Betriebsaufwand «nur» um etwas über 1 Mio. CHF auf 4.7 Mio. CHF.

Hohe Investitionen erfordern Bilanz-Umstrukturierung

Die Investitionen der Sachanlagen betrugen im Geschäftsjahr 2022/23 rund 11.9 Mio. CHF. Davon sind 9.2 Mio. CHF für die neue Pendelbahn Rothorn, 1.2 Mio. CHF für die Steuerung Gondelbahn Rossweid und knapp unter 1 Mio. CHF für neue Pistenfahrzeuge aufgewendet worden. Durch die hohen Investitionen seien einige Umstrukturierungen in der Bilanz angefallen, schreibt Otto Jenni, der verantwortlich für die Administration bei den Sörenberg Bergbahnen zeichnet.

Zum einen wurde ein Darlehen gegenüber der Luzerner Kantonalbank um 3 Mio. CHF  amortisiert. Zum anderen hat das Unternehmen für die Finanzierung der Pendelbahn Rothorn ein Darlehen bei der Raiffeisen in der Höhe von 6.1 Mio. CHF aufgenommen. Bei den übrigen langfristigen Verbindlichkeiten ist ein zusätzliches NRP-Darlehen des Kantons Luzern in der Höhe von 1 Mio. CHF aufgenommen und zudem auch gleich 335’000 CHF des bestehenden NRP-Darlehens des Kantons Luzern amortisiert worden. Insgesamt hat das langfristige Fremdkapital um 4.2 Mio. CHF zugenommen und beläuft sich somit neu auf CHF 14.275 Mio. CHF. Aufgrund der hohen Investitionen und dem tieferen Umlaufvermögen erhöht sich das Anlagevermögen gemessen an der Bilanzsumme von 67,9% auf 91,2%.

Erfolgreiche Kapitalerhöhung, dennoch zurückgehende EK-Quote

Etwas verpufft ist die erfolgreiche Aktienkapitalerhöhung von 1 Mio. CHF im vergangenen Jahr. Durch den Jahresverlust von 740’000 CHF wuchs das Eigenkapital per Bilanzstichtag nur um 260’000 CHF an. Im Verhältnis zum Gesamtkapital ging das Eigenkapital um 6,7 Prozentpunkte auf 41,8% gegenüber dem Vorjahr zurück. Es liege aber weiterhin eine ausreichende Eigenfinanzierung vor, beruhigt Otto Jenni.

Seilbahnen sind Motor für ganze Talschaften

Schon vor dem Start der Wintersaison sei die Energiekrise respektive die Strommangellage das grosse Thema gewesen, schreibt Direktor René Koller in der Einleitung zum Geschäftsbericht. «Für viele Regionen in der Schweiz sind die Seilbahnen der ‹Motor› für eine ganze Talschaft. Ein Franken Umsatz für die Bergbahn bedeutet sechs Franken Umsatz für die Destination!», so Koller. Der gesamte Stromverbrauch sämtlicher Bergbahnen in der Schweiz liege dabei bei ca. 0,34% vom schweizerischen Stromverbrauch. Konkret 0,24% für die Seilbahnen und 0,10% für die Beschneiung. Trotzdem hätten die Seilbahnen Schweiz mit diversen freiwilligen Sparmassnahmen proaktiv einen Beitrag zur Reduktion beigetragen, betont Koller.

Damit stösst er, auch wenn in der Wortwahl zurückhaltender, ins gleiche Horn wie Markus Hasler von den Zermatt Bergbahnen, der sich im eben veröffentlichten Geschäftsbericht deutlich über das Bashing der Medien und linker Kreise gegen den Wintertourismus beschwerte, dem von diesen zu hoher Energieverbrauch unterstellt wurde.

Ausblick

Im Dezember wird die neue Luftseilbahn aufs Brienzer Rothorn eröffnet. Das Gipfelrestaurant bleibt infolge grösseren Umbaus aber während der Wintersaison geschlossen. Das im letzten Jahr eingeführte dynamische Preismodell soll mit ein paar Anpassungen auch im kommenden Winter weitergeführt werden. Im Speziellen gewähren die Sörenberg Bergbahnen neu einen Familienrabatt von 10%. Die 3-Stunden-Karte könne neu während vier Stunden genutzt werden, frohlockt Koller, der seinen Gästen somit eine Stunde Skifahren schenkt. Das Ziel des dynamischen Preismodells sei es, die Sportanlagen gleichmässig auszulasten, das Skifahren während der Nebensaison attraktiver zu machen und – dank eines Online-Buchungsprozesses – die Wartezeiten im Tal zu reduzieren.

Fazit

Die Sörenberg Bergbahnen werden keine Dividende ausschütten, auch weil sie das wegen der bezogenen Härtefallentschädigungen gar nicht dürfen. Zunächst müssen also die Aktionärinnen und Aktionäre einen langen Atem haben und werden eher gefordert als gefördert, zuletzt mit der zweiten Tranche der Kapitalerhöhung in Höhe von 1 Mio. CHF. Bereits im ersten Halbjahr 2022 wurde die erste Tranche in Höhe von 2 Mio. CHF erfolgreich am Markt platziert.

Hohe Investitionen und die Verluste aus dem laufenden Geschäft machen es unabdingbar, dass neue Kredite aufgenommen werden. Damit sinkt die Eigenkapitalquote und beträgt nunmehr 41,8%. Wegen der anstehenden Investitionen dürfte die EK-Quote in der näheren Zukunft noch weiter sinken und unter 40% fallen.

Aus dem Geschäftsbericht wird nicht ersichtlich, welchen Anteil an den Gesamterlösen der Wintertourismus erbringt. Auch ist nicht ersichtlich, welche Strategie das Unternehmen ergreift, um die – absehbaren – schlechten Winter mit einem Zuwachs im Sommergeschäft auszugleichen. Erfreulich ist, dass man am Brienzer Rothorn mit dem Sommergeschäft im Jahr 2022 5% über dem 5-Jahres-Durchschnitt lag.

Die Aktie der Sörenberg Bergbahnen AG wirdc auf otc-x gehandelt. Zuletzt kostete sie 350 CHF.

Kursverlauf der Sörenberg Bergbahnen im vergangenen Jahr. Quelle: otc-x.ch

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