SGV Gruppe: Freude über Rückkehr der Touristen auf dem Vierwaldstättersee

Hauseigene Werft kämpft mit hohen Kosten und rückgängigem Umsatz

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Die SGV-eigene Werft Shiptech musste im Gegensatz zu allen anderen Geschäftsbereichen in 2023 einen Umsatzrückgang hinnehmen. Bild: sgvgruppe.ch

Die SGV-Gruppe rechnet in diesem Geschäftsjahr mit einem Rekordergebnis. Nachdem im Vorjahr alle Gruppengesellschaften zum guten Ergebnis beigetragen haben, sind im laufenden Jahr die SGV AG, die SGV Express AG und die Tavolago AG dafür verantwortlich, während die Shiptec AG für 2023 einen Verlust ausweisen muss. Dennoch werde es gelingen, beim Konzernergebnis 2023 die im Vorjahr erzielten historischen Höchstwerte bei Umsatz und Ergebnis zu egalisieren, schreibt das Unternehmen in seinem aktuellen Aktionärsbrief. Die SGV rechnet mit einem Ertrag von rund 95 Mio. CHF sowie einem Ergebnis auf Stufe EBITDA von ca. 12.5 Mio. CHF.

Entwicklung des EBITDA, konsolidiert, der SGV Gruppe in den letzten zehn Jahren in Mio. CHF. Quelle: sgvgruppe.ch

Insgesamt erwartet die SGV AG zusammen mit der SGV Express AG bis Ende Jahr rund 3 Mio. Gäste auf dem Vierwaldstättersee. Dies entspricht einer Zunahme von 10% im Vergleich zum Vorjahr und liegt auf dem Niveau der Rekordzahlen von 2018 und 2019. Der Verkehrsertrag der SGV AG inklusive der SGV Express AG wird per Ende 2023 rund 40 Mio. CHF betragen. Dies ist eine Steigerung von knapp 17% gegenüber dem Vorjahr und von 14% gegenüber 2019. Damit bestätige die SGV AG ihre strategische Stossrichtung, die darauf abziele, höhere Durchschnittserträge pro Passagier zu generieren.

Jubel über Rückkehr des Tourismus

«Der Tourismus ist zurück!», jubelt man allerorten, und natürlich auch in Luzern. Ausgebuchte Hotels, gefüllte Restaurants und – dank tollem Sommer- und Herbstwetter – Terrassen sind das positive Resultat, das sich auch bei der Gastronomietochter Tavolago AG niederschläg. Die Tavolago AG erwartet im Berichtsjahr einen Gesamtumsatz von rund 33 Mio. CHF (+11% gegenüber Vorjahr).

Die im industriellen Projektgeschäft tätige Shiptec AG muss hingegen im laufenden Jahr mit 28 Mio. CHF Gesamtumsatz (-19% gegenüber Vorjahr) einen Dämpfer verzeichnen. Die Abschluss- und Abgabearbeiten an der ersten der beiden Personenfähren in Lausanne seien deutlich umfangreicher, zeit- und damit kostenintensiver ausgefallen als geplant.

Höhere Kosten bei Grossprojekten der Shiptec

Anfang 2020 hatte die CGN SA (Compagnie générale de navigation sur le lac Léman SA) die Shiptec AG mit der Lieferung von zwei neuen Personenfähren im Umfang von rund 60 Mio. CHF beauftragt. Die erste der beiden Personenfähren ist nach einer sehr ausführlichen und langwierigen Testphase bereit zur Übergabe an den Kunden CGN SA. Das zweite Schiff (Naviexpress 2) befindet sich im Bau und soll im zweiten Halbjahr 2024 fertiggestellt sein. Der im Vergleich zur ursprünglichen Planung grössere Zeitbedarf für kundenspezifische Abnahmetests und umfangreiche Änderungen schlage sich in höheren Kosten nieder, teilt die SGV hierzu mit. Auch wenn die Verzögerungen und die damit verbundenen Kostensteigerungen ein Wermutstropfen bedeuteten: Das anspruchsvolle Projekt Naviexpress werde dazu beitragen, die Shiptec AG im internationalen Markt für komplexe Binnenschiffe prominenter zu positionieren und dadurch einen langfristigen Nutzen zu generieren.

Die SGV AG will nachhaltig wachsen und hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Anteil fossiler Treibstoffe und den CO2-Ausstoss bei den Kursschiffen bis 2026 im Vergleich zu 2019 um 20% zu reduzieren. Dies sei ohne einen umfassenden Massnahmenplan mit entsprechenden Kosten nicht möglich. Die SGV erwähnt diesbezüglich u.a. die Elektrifizierung des MS Rütli im Winter 2023/2024, die Pläne für einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb auf dem MS Saphir, den bereits erfolgten Austausch von Dampfturbinen durch Generatoren bei allen fünf Dampfschiffen, den freiwillige Angebotsabbau von 10% der Schiffskilometer im Vergleich zu 2019 zwecks CO2-Einsparung und die im Frühling 2023 erfolgte Installation einer Fotovoltaikanlage auf dem Werftdach.

Ausblick

Man sei sich bei der SGV bewusst, dass die Entwicklung im Geschäftsjahr 2024 weiterhin von globalen Unsicherheiten geprägt sein werde. Die ungewisse Entwicklung des Krieges in der Ukraine, die aktuelle Nahostkrise, die unsichere Konjunktur-, Preis- und Währungsentwicklung, der Arbeitskräftemangel sowie stark schwankende Energiepreise erschwerten einen verlässlichen Ausblick für das kommende Jahr.

Die laufenden Bauarbeiten an der zweiten Personenfähre in Lausanne würden auch im kommenden Jahr für die Shiptec AG anspruchsvoll, zeit- und kostenintensiv ausfallen. Die Tatsache, dass auch der Kunde CGN SA durch die hohe Komplexität des durch ihn spezifizierten Schiffes stark gefordert sei, erschwere den Projektverlauf zusätzlich, so die SGV.

Sich in turbulenten Zeiten erfolgreich zu behaupten, könne bedeuten, dass sich das Unternehmen manchmal von Gewohnheiten trennen müsse, schreiben die Verantwortlichen, ohne darauf einzugehen, von welchen Gewohnheiten man sich trennen will.

Fazit

Nach den für den Tourismus tiefdunkeln Corona-Zeiten ist die Freude über den Rebound umso grösser, und Rekordzahlen beim Ertrag und Ergebnis sind umso süsser. Der einzige Wermutstropfen in den Jubelgesängen ist der Geschäftsverlauf der Shiptec AG. Im industriellen Bereich geht es der SGV wie vielen anderen Industriebetrieben, die hohe Kosten zu tragen haben.

Ob dies eine der «Gewohnheiten» sein wird, von der man sich bei der SGV trennen will? Wohl kaum. Denn die Erfahrungen im für die SGV noch jungen industriellen Schiffbau mit den Grossaufträgen für die CGN SA sind wertvoll und können Türen zu weiteren Projekten öffnen.

Trotz der politischen Krisen wie dem Ukrainekrieg und der Kämpfe zwischen Israel und der Hamas lassen sich weiter erfolgreiche Jahre für die SGV prognostizieren. Es sei denn, es geht der Mobilität wieder an den Kragen, wie durch Corona. Manchmal reicht schon ein wild speiender Vulkan.

Die Aktie der SGV wird über otc-x gehandelt und kostete zuletzt 264 CHF.

Kursverlauf der auf otc-x gehandelten Aktie der SGV AG über die letzten drei Jahre. Das Papier hat sich deutlich von den Tiefständen Ende 2021 entfernt. Quelle: otc-x.ch

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