
Bereits im fünften Jahrgang führt schweizeraktien.net die ESG-Umfrage unter den Unternehmen durch, deren Valoren auf OTC-X gehandelt werden. Das ist ein Universum von 230 Titeln mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von 16.1 Mrd. CHF. Angeschrieben wurden davon die 172 Vertreter, die eine Mindestliquidität aufweisen und damit relevant sind. Geantwortet haben 33 Unternehmen, was einer Rücklaufquote von 19,2% entspricht. Die Ergebnisse der KMU-Umfrage sind wiederum ermutigend.
Ist Klimaforschung ein «Schwindel», wie der US-Präsident behauptet? Nicht für die Schweizer KMU, die ihren selbst gewählten Dekarbonisierungspfad unbeirrt weitergehen. Haben bei der ersten Umfrage 2021 nur 47,4% der Teilnehmer die direkten Unternehmensemissionen (Scope 1) gemessen, so hat sich dieser Prozentsatz seitdem jedes Jahr auf nun 75,8% gesteigert!
Mittlerweile messen drei Viertel der an unserer Umfrage teilnehmenden Unternehmen ihre direkten Emissionen. Abb. © schweizeraktien.netObwohl fossile Brennstoffe derzeit vielfach ein Revival erleben, 90,9% der befragten Schweizer KMU haben den Anteil erneuerbarer Energien an ihrem Energie-Mix in den letzten zwei Jahren erhöht und wollen den Anteil auch weiterhin steigern. Der Wert ist von 71,1% bei der ersten Umfrage angestiegen.
Teilnehmerprofil der fünften ESG-Umfrage
Die aktuelle ESG-Umfrage 2025 wurde zwischen dem 27. Oktober und 10. November 2025 durchgeführt. Die Anzahl der Teilnehmer liegt mit 33 auf der Höhe des Vorjahres (34). Wie in den Vorjahren kommen die Antwortgeber aus den wichtigsten Sektoren, die auf OTC-X vertreten sind. 13 Unternehmen kommen aus dem Bereich Bergbahnen, Tourismus, Freizeit. Damit haben 15,5% der 84 Sektoren-Vertreter teilgenommen. Weiterhin sieben von 26 Industrie-Unternehmen, entsprechend 26,9%, sowie fünf von 18 Energie-Unternehmen, entsprechend 27,7%. Dazu kommen acht weitere Teilnehmer aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Die Umfrage ist somit wiederum repräsentativ.
Methodik in Kürze
Das Ranking nach der ESG-Umfrage zeigt, wie die teilnehmenden Unternehmen die 3 x 10 Fragen zu Umwelt, Sozialem und Governance beantworten – mit Ja oder Nein. Je mehr Ja-Antworten, desto höher das Ranking. Die Transparenznote sagt dagegen, wie viele Fragen beantwortet oder nicht beantwortete wurden. Wer alle Fragen beantwortet, egal, wie die Antwort ausfällt, erhält 100% als Transparenznote.
Gewinner im Ranking
Im Gesamtranking teilen sich Schweizer Zucker und Espace Real Estate mit je 27 Ja-Antworten den Top-Spot. Es folgen Plaston Holding auf Rang 3 und Grand Resort Bad Ragaz auf Rang 4. In den Subsegmenten zeigt sich ein durchaus differenziertes Bild. Im Bereich Umwelt liegt die Plaston Holding an erster Stelle mit zehn positiven Antworten. Rang zwei teilen sich Thermalbad Zurzach, Espace Real Estate, Weisse Arena und Schweizer Zucker.
Schweizer Zucker ist der Leader, gefolgt von Espace und Plaston. Abb. © schweizeraktien.netSoziale Stärken
Im Bereich Soziales waren die KMU schon immer stark. Das drückt sich in der vorliegenden ESG-Umfrage darin aus, dass gleich sieben Unternehmen alle 10 Fragen mit Ja beantwortet haben. Dies sind neben der bereits genannten Espace Real Estate weiterhin Kursaal Bern, SSE Holding, Rigi Bahnen, Lurag und Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil.
Governance im Ranking
Etwas dünner an der Spitze ist es bei der Governance. Rang 1 teilen sich Schweizer Zucker und Regiobank Männedorf mit neun Ja-Antworten. Auf Rang 3 folgen SGV, aventron, Bobst Group und Grand Resort Bad Ragaz mit jeweils acht Ja-Antworten. Die Transparenznoten auf den Top-Ranks betragen oft 90% bis 100%, seltener fallen sie in den 80%-Bereich.
Unterschiedliche Segment-Entwicklungen
Wie schon in den Vorjahren zeigen sich bei den Fragen zu Umwelt und Sozialem im Trend stetige Verbesserung, meist auf hohem Niveau. In einzelnen Fragen wie zur Prüfung von Luftqualität und Wasserverbrauch kommt allerdings die Entwicklung erst langsam in Gang. Anders ist das Gesamtbild bei den Governance-Fragen. Nur 12,1% der Teilnehmer veröffentlicht eine Abweichungsanalyse zu früher genannten Ertrags- und Strategiezielen, 66,7% sagen Nein, und 21,2% beantworteten die Frage nicht. Nach anfänglicher Verbesserung fällt die Quote der Ja-Antworten seit 2023 kontinuierlich auf den jetzt zweitschwächsten Wert.
Am meisten Aufholpotenzial gibt es weiterhin bei der Governance, hier insbesondere bei der Kommunikation gegenüber den Aktionären in Bezug auf Ertrags- und Strategieziele. Abb. © schweizeraktien.netVerbesserte Governance
Wo es Fortschritte bei einzelnen Governance-Fragen gibt, finden diese meist auf einem vergleichsweise tiefen Niveau statt. Einen Rekordwert von 39,4% Ja-Antworten gab es bei der Frage nach dem integrierten Reporting zu Finanzen und Nachhaltigkeit. Der Wert ist unter Schwankungen seit 2021 von 31,6% angestiegen. Eine aus Aktionärssicht wichtige Frage ist die nach Zwischenberichten mit wesentlichen Kennzahlen und Aussagen zur weiteren Entwicklung. 2021 bejahten 65,8% der Teilnehmer die Frage, dieses Jahr 60,6%. Die Bandbreite der letzten Jahre lag zwischen 55,9% und 65,8%.
Fazit
Insgesamt hat sich über die Jahre bestätigt, dass die Schweizer KMU, deren Valoren ausserbörslich gehandelt werden, nachhaltiges Wirtschaften in ihrer DNA haben. Während Gleichstellungsprogramme und Unterstützung von regionalem Kultur- und Sportgeschehen lange zur Tradition gehören, sind neue Herausforderungen wie der Klimawandel hinzugekommen. Durch ihre über die Jahrzehnte gewachsene Anpassungsfähigkeit haben die KMU auch in den wirtschaftlich wechselhaften Zeiten seit Beginn der Pandemie ihren Kurs zum nachhaltigen Wirtschaften weiterverfolgt. Das Resultat sind überwiegend verminderte Energiekosten, reduzierte Emissionen, gesteigerte Effizienz, innovative Produkte und neue Geschäftsdynamik. Pionier-Unternehmen wie WWZ, SSE Holding, Griesser Holding und Plaston Holding machen keinen Hehl aus ihren Ambitionen, durch Innovationsführerschaft zur Marktführerschaft zu kommen oder diese auszubauen.
Die vollständigen Ergebnisse im Detail finden sich in der Gesamtauswertung, die hier abrufbar ist.