
Im Mai 2024 beteiligte sich die NZZ-Mediengruppe mit 25% am Aussenwerbe-Unternehmen APG|SGA. Nun soll der Anteil um 20 Prozentpunkte auf 45% erhöht werden. schweizeraktien.net hat bei der NZZ nachgefragt, wie die Erhöhung finanziert wird und was sich das Unternehmen davon verspricht.
Finanzierung erfolgt mit 60% Eigenmitteln
Die Finanzierung des Kaufpreises von 132 Mio. CHF erfolge zu rund 60% aus eigenen Mitteln und zu rund 40% über Fremdkapital, erläutert die NZZ. Da stellt sich natürlich die Frage, warum das Medienunternehmen, das sich Qualitätsjournalismus auf die Fahnen geschrieben hat, in einen Aussenwerber investiert und nicht in die Verbreiterung und Vertiefung eben dieses Journalismus. «Der Qualitätsjournalismus ist und bleibt das Fundament des Geschäftsmodells der NZZ – wir investieren weiterhin kontinuierlich in Redaktionen, Produkte und Technologie. Zu unserem Kerngeschäft zählen neben den Nutzermärkten ebenso die Werbemärkte. Durch den angestrebten Beteiligungsausbau an der APG|SGA können wir unser Print- und Onlinewerbegeschäft mit Erträgen aus dem weiterhin wachsenden, KI-resilienten Markt Aussenwerbung ergänzen und unsere Ertragsbasis verbreitern», schreibt dazu die Pressestelle auf Anfrage von schweizeraktien.net.
Stärkung der Position in einem wachsenden Markt
Die Aussenwerbung sei die einzige wachsende Werbemarkt-Kategorie, so die NZZ. Im Online-Werbemarkt seien die Reichweiten-Grenzen weitgehend erreicht, im linearen TV-Werbemarkt und im Print-Werbemarkt nähmen die Reichweiten strukturell ab. Mit der angestrebten Beteiligungserhöhung an der APG|SGA stärke die NZZ somit ihre Position in diesem dank der Digitalisierung wachsenden Markt. Die APG|SGA sei diesbezüglich strategisch stark positioniert. Die bereits gemachten Erfahrungen der NZZ als strategische Investorin der APG|SGA untermauerten diese Annahmen.
Die Kurse der Aktien der an der SIX kotierten APG|SGA und auch die der NZZ, die ausserbörslich auf der Plattform OTC-X der BEKB gehandelt werden, haben nicht auf die Transaktion reagiert, weder in die eine noch in die andere Richtung. «Der Markt hat neutral auf die Transaktion reagiert, was für uns ein positives Zeichen ist. Für uns ist es der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, mit dem wir beide Unternehmen stärken», schreibt die NZZ auf entsprechende Nachfrage.

Fazit
Die Bande zwischen der APG|SGA und der NZZ sind seit Jahren relativ eng, schon vor dem Einstieg der NZZ in das Unternehmen an der Giesshübelstrasse waren entscheidende Positionen dort mit Ex-Mitarbeitern der NZZ besetzt.
Wie sich der Ausbau der Beteiligung am Aussenwerber für die NZZ entwickeln wird, muss sich erst noch zeigen. Immerhin darf die NZZ auf recht hohe Ausschüttungen hoffen. Die Aktien der APG|SGA werfen eine Dividendenrendite von etwas über 5% ab, gemessen an den aktuellen Kursen und der für 2024 bezahlten Dividende in Höhe von 12 CHF. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass mit dem Ausbau des Anteils auf 45% an der APG|SGA das Klumpenrisiko in den Büchern der NZZ steigt.
Auffällig ist auch, dass mit der Transaktion die Verschuldung weiter zunimmt. Gleichzeitig verringern sich die flüssigen Mittel und Wertschriften, die per Ende Juni 2025 bei 82.1 Mio. CHF lagen (Ende 2024: 105.4 Mio. CHF). Jetzt schiebt das Unternehmen, das einmal für seine finanzielle Unabhängigkeit geschätzt wurde, Finanzschulden vor sich her und ist durch die angestrebte 45%-Beteiligung an APG|SGA noch stärker vom finanziellen Erfolg des Aussenwerbers abhängig. Dies mag sinnvoll sein, passt aber nicht zu dem konservativen Image, das sich die NZZ gerne gibt.
Natürlich hätten sich die Anleger beider Unternehmen eine Reaktion der Märkte und damit steigende Kurse erhofft. Dass diese Reaktion ausbleibt, zeigt, dass es durchaus Skepsis gibt, ob dieser Schritt nachhaltig erfolgreich sein wird. Der Börsenkurs der APG|SGA dümpelt seit über fünf Jahren um die 200 CHF herum, da hätte man sich beim Aussenwerber schon an einer gewissen Beatmung gefreut.







Es erschließt sich mir nicht, warum die Minderheitsbeteiligung nicht auf über 50% erhöht wurde. Es steht zu befürchten, dass mit diesem halbherzigen Schritt das bisherige Aktionariat profitiert. Der langjährige Seitwärtstrend der Aktie ist nicht gerade berauschend, auch wenn verständlich ist, dass dass der Markt eng, d.h. nicht liquid ist. Gibt es eine Option auf eine Mehrheitsbeteiligung, in welchem Zeitraum und mit welchem Bewertungsansatz?