Schweizer Zucker: Ofenausfall in Frauenfeld belastet

Geschäftsjahr 2024/25 mit Herausforderungen und roten Zahlen

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Im November hörte der Kamin in Frauenfeld zu rauchen auf. Die Produktion im Werk stand still. Quelle: Schweizer Zucker AG

Zucker hat beim Konsumenten ein Imageproblem, das spürt auch der Schweizer Hersteller. Die von Schweizer Zucker AG verkaufte Menge kletterte im Geschäftsjahr 2024/25 zwar mit 226’000 Tonnen Zucker leicht über den Vorjahreswert (223’000 t), obwohl der Markt gesamthaft rückläufig war. Der Umsatz reduzierte sich in dieser Periode aber deutlich um 20% auf 234.6 Mio. CHF. Das Unternehmen, das Produktionsanlagen in Aarberg und Frauenfeld betreibt, rutschte in der Periode, die mit September 2025 endete, in die roten Zahlen.

Weil die Zuckerpreise international deutlich nachgaben, weist die Schweizer Zucker AG nach einem Gewinn von 17.4 Mio. CHF im Vorjahr für 2024/25 einen Verlust von 1 Mio. CHF aus. Für den Preissturz des Rohstoffes führt das Unternehmen im Aktionärsbrief von Dezember mehrere Gründe an. Hauptursachen sind verbesserte Ernteaussichten in Teilen Brasiliens und Südostasiens sowie die Abschwächung des brasilianischen Reals. Gleichzeitig hat sich das globale Angebot stabilisiert, während die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten stagniert. Auch die EU-Zuckerpreise sind im Verlauf des Jahres deutlich gefallen, weil die Lebensmittelindustrie weniger nachfragt, die Lagerbestände gestiegen sind und sich der Wettbewerb zwischen den Zuckerherstellern intensiviert hat.

Mehr als ein Süssstoff

«Über Zucker wird kontrovers diskutiert, das ist so. In vielen Lebensmitteln ist inzwischen auch weniger Zucker enthalten. Zudem stehen den Konsumenten oft zuckerfreie Alternativen zur Auswahl. Der Konsum ist somit rückläufig, und das kann anhalten», begründet Sprecher Raphael Wild von Schweizer Zucker AG die nachlassende Nachfrage aus der Nahrungsmittelindustrie. Da Zucker neben dem Süssen von Speisen noch viele weitere Funktionen habe, wie zum Beispiel konservieren, glasieren, beschichten, gären etc., wird die Verwendung gemäss Wild aber auch künftig von zentraler Bedeutung in der Lebensmittelindustrie sein.

In der Schweiz litt die Schokoladeindustrie als wichtiger Abnehmer unter hohen Kakaopreisen. Diskussionen über Importzölle und den Marktzugang in die USA führten zusätzlich zu einer weiter gedämpften Exporttätigkeit. Zudem sorgte eine Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Dollar und dem Euro zu nochmals tieferen Importpreisen, was die Marktposition des heimischen Anbieters weiter bedrängte.

Der Ausfall des Kalkofens ändert alles

Doch bevor die Schweizer Zucker AG den Abschluss 2024/25 publizieren konnte, rückten diese exogenen Faktoren in den Hintergrund. Nach Ende November interessiert das abgelaufene Jahr 2024/25 Betreiber, Zuckerrübenbauern und Aktionäre nur noch bedingt. Denn am 23. November wurde klar, dass die Kampagne 2025/26 eine schwierige Ausnahmesituation wird. An diesem Tag stoppte in der Zuckerfabrik Frauenfeld ein Defekt am Kalkofen die Produktion.

Gemäss Sprecher konnte die genaue Ursache nicht ermittelt werden. Fakt sei, dass sich die wärmedämmenden Schamottsteine beim Brennvorgang von ca. 1200° Celsius verschoben hätten. Dies führte zu Spalten, durch diese die Hitze auf die metallene Ummantelung gelangte und diese irreparabel verbog.

Der Ofen im Kalkturm ist zentral für die Reinigung des zuckerhaltigen Rohsafts. Die Kampagne kann ohne Kalkofen weitergeführt werden, wenn Branntkalk und CO2 von extern angeliefert werden. Das bringt aber eine Verzögerung und höhere Kosten, denn die benötigten Mengen des Rohstoffs zu beschaffen, ist schwierig.

2028 wäre Austausch geplant gewesen

Es gab auch Stimmen, die kritisierten, es sei ungenügend in die bestehenden Anlagen, etwa den Ofen, investiert worden. In den vergangenen Jahren stand die Nachhaltigkeit im Fokus – zum Beispiel ersetzen Holzkraftwerke in Aarberg und Frauenfeld fossile Energieträger und senken den CO2-Ausstoss. Diese Kritik am 60-jährigen Ofen ist gemäss Raphael Wild nicht gerechtfertigt: «Der Kalkofen wurde korrekt instandgehalten und jährlich gewartet. Ebenfalls wurde er vom Hersteller periodisch inspiziert und auf Funktionstauglichkeit überprüft.» Für 2028 wäre der Ersatz auf der Investitionsplanung vorgesehen gewesen. Jetzt sei es unerwartet anders gekommen.

Die Schweizer Zucker organisierte unter Hochdruck eine Lösung durch die externe Zuführung der sonst vom Kalkofen gelieferten Betriebsstoffe. Seit dem 3. Januar 2026 läuft das Provisorium. Ursprünglich mit einer Kapazität von rund 140 bis 160 Tonnen in der Stunde, bald sollen 200 Tonnen pro Stunde erreicht werden. Bei uneingeschränktem Betrieb hätte das Werk Frauenfeld eine Kapazität von rund 400 Tonnen in der Stunde – das Provisorium erreicht also rund 50% der normalen Kapazität.

Rüben noch auf dem Feld

Die neue Ausgangslage stellt aber den Zuckerhersteller vor grosse Herausforderungen, einerseits muss der Transport zwischen den beiden Werken in Frauenfeld und Aarberg koordiniert werde, andererseits werden mehr Rüben als sonst zu dieser Jahreszeit noch auf dem Feld gelagert oder sind noch «im Boden». Bei der Lagerung ist insbesondere Tauwetter für die Rübenqualität kritisch. Darauf geht auch Raphael Wild ein: «Mit der Dauer der Lagerung an den Feldrändern beginnen sich die Rüben zu verändern. Die Qualität kann darunter leiden. Deshalb ist es so wichtig, dass beide Fabriken möglichst auf hoher Verarbeitungsleistung funktionieren, um alle Rüben zeitnah zu verarbeiten. Das wiederum nimmt Einfluss auf die gesamte Logistik, deren Anfuhrpläne fast täglich angepasst werden.»

Die Schweizer Zucker AG zeigt sich erfreut über die alternative Lösung. «In der Zwischenzeit haben wir die angestrebten 200 Tonnen pro Stunde teilweise auch schon überschritten. Das hilft enorm bei der Weiterführung der Kampagne», führt Raphael Wild aus. Zu den finanziellen Folgen könne das Unternehmen im Moment nichts sagen. Für die Kampagne 2026 sei jedoch bereits ein neuer Kalkofen bestellt worden, dieser werde das Unternehmen einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Hohe Produktionsmenge erwartet

Im neusten Aktionärsbrief schreibt das Unternehmen: «Für die Kampagne 2026 und die Folgejahre wird ein neuer Kalkofen installiert, womit auch die Produktion von Zucker in Frauenfeld für die Zukunft gesichert ist. Die Rübenerträge zeigen dafür ein vielversprechendes Resultat. Die Dauer der Kampagnen ist zwar aufgrund des Ausfalls noch ungewiss, die Menge an produziertem Zucker wird ungefähr auf 270’000 Tonnen Zucker zu liegen kommen, davon rund 14’000 Tonnen Biozucker.» Dem Aussenstehenden erscheint dies optimistisch, wurden doch in den Kampagnen 2024/25 und 2023/24 jeweils 202 respektive 212 Tonnen produziert.

Angesichts der erwähnten Probleme erstaunt dieses Budget erst recht. Das liege hauptsächlich an den guten Wetter- und Klimabedingungen im Anbaujahr 2025, ordnet der Sprecher ein. «Diese sehr guten Bedingungen haben zu einer grossen Ernte geführt. Gleichzeitig konnten die bekannten Krankheiten und Schädlinge in Schach gehalten werden. Dies aber hauptsächlich auch, weil das Wetter mitspielte», fügt er an.

Kampagne in Frauenfeld bis Februar

Die Schweizer Zucker AG rechnet damit, die Kampagne in Frauenfeld per Ende Februar abzuschliessen. Das ist aber abhängig davon, wie reibungslos einerseits die alternative Lösung in den nächsten Tagen und Wochen läuft und andererseits, wie sich die Rübenqualität und deren Verarbeitbarkeit entwickelt. «Kampagne» wird die Verarbeitungssaison der Zuckerrüben in den Werken genannt. Diese beginnt im September mit den Bio-Rüben. Die Kampagne 2024/25 dauert in Frauenfeld bis Anfang Januar, während sie in Aarberg bereits am 21. Dezember 2024 abgeschlossen wurde.

In den Werken sind in den Vorjahren auch Rüben aus dem Ausland verarbeitet worden. Muss wegen des Ofenausfalls nun darauf verzichtet werden? Rüben aus Deutschland würden auch in der laufenden Saison verarbeitet, sagt der Unternehmenssprecher. «Um beide Werke in Aarberg und Frauenfeld wirtschaftlich zu betreiben, benötigen wir eine Rübenfläche von rund 20’000 Hektar. Werden diese in der Schweiz angebaut, sind wir nicht mehr auf die Rüben aus dem Ausland angewiesen», sagt Wild. In der vergangenen Kampagne 2024/25 betrug die Anbaufläche beim konventionellen Anbau 16’480 Hektar – davon wurden 4’557 Hektar unter dem Label IP-Suisse produziert. Zusätzlich kamen 314 Hektar Bioanbau hinzu. Die Schweizer Zucker AG ist bestrebt, den Rübenanbau in der Schweiz auszudehnen.

Fazit

Die auf OTC-X gehandelten Aktien der Schweizer Zucker bewegten sich in den vergangenen Jahren bis auf zwei kurze Ausreisser solide – das heisst seitwärts. Der Ausfall des Ofens hat noch zu keinen nennenswerten Kursbewegungen geführt. Die Kostenfolge des Ofenausfalls und der Verzögerung der Verarbeitung sind bisher kaum abzuschätzen. Sie sollten aber durch die hohe Ernte in der laufenden Kampagne aufgefangen werden können. Trotzdem ist ein Engagement derzeit nicht zu empfehlen. Der Zuckerkonsum dürfte weiter rückläufig sein. Die Preise bleiben unter Druck, und die Produktionsziele bezüglich einheimischer Anbaufläche von Schweizer Zucker AG dürften kaum zu erreichen sein. Die Aktien verhalten sich auch träge, weil viele Aktionäre auch Kunden, das heisst Zuckerrübenbauern, sind und die Gewinnmaximierung des Abnehmers nicht oberstes Ziel ist. In den vergangenen Jahren wurde eine Dividende von 30 Rappen ausgeschüttet. Eine solche dürfte dieses Jahr entfallen – der Entscheid darüber wird an der kommenden Generalversammlung vom 27. März gefällt. Bis dahin liegt auch die konsolidierte Jahresrechnung vor. Zur Schweizer Zucker Gruppe gehören auch die Firmen Ricoter, Delatflor und Landwirtschaft AG.

Chart Schweizer Zucker Jan26
Aktienkurs Schweizer Zucker AG. Chart: otc-x.ch

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