Schweizer Zucker: Fast Rüben-Rekordjahr trotz Rückschlag

Trotz eines Ofenausfalls in Frauenfeld steigt die Produktion im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Aber der Weltmarktpreis ist am Boden.

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Die vergangene Zuckerrübenkampagne war eine erfolgreiche. In der Verarbeitung gab es jedoch Probleme. Bildquelle: Schweizer Zucker AG

Die Vorzeichen deuteten auf eine erfolgreiche Rübenkampagne 2025/26. Ideale Saatbedingungen bildeten den Grundstein, optimale Wetterbedingungen und der geringe Schädlingsdruck liessen die Zuckerrüben gut gedeihen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zuckerrübenanbaufläche zudem um 1000 Hektar auf 17’157 Hektar zu. Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) kommt damit dem Ziel, den Selbstversorgungsgrad auf über 50% zu steigern und Zuckerfabriken vollständig mit Schweizer Rüben auszulasten, etwas näher.

Die Kampagne begann im September vielversprechend. In der Zuckerfabrik Aarberg wurden wochenlang über 400 Tonnen Zuckerrüben pro Stunde verarbeitet. Doch am 23. November musste der Kalkofen des Werks Frauenfeld aus Sicherheitsgründen notfallmässig abgestellt werden und konnte nicht wieder in Betrieb genommen werden. «Etwas vom Gravierendsten, was passieren kann, ist der Stillstand einer Zuckerfabrik während der Kampagne», wird CEO Oliver Nussli in der Medienmitteilung zum Kampagnenende zitert. Das Unternehmen musste eine Ersatzlösung für den über 400 Tonnen schweren Kalkofen finden, ohne dass es dazu Erfahrungsfälle gab.

Innert weniger Wochen wieder in Betrieb

Mit der externen Zuführung von Betriebsmaterial, wie Branntkalk und flüssigem CO2, das normalerweise durch den Kalkofen selbst produziert wird, wurde eine Lösung gefunden, um das Werk Frauenfeld nach einigen Tagen wieder in Betrieb zu nehmen. Die Rübenkampagne 2025 wurde in Frauenfeld deshalb erst am 21. Februar beendet, während in Aarberg BE bereits am 11. Februar die letzte Rübe verarbeitet wurde.

Insgesamt haben die beiden Fabriken 1’987’235 Tonnen Rüben übernommen, um daraus über 260’000 Tonnen Zucker zu produzieren. Damit verarbeiteten die Werke Frauenfeld und Aarberg so viel Zuckerrüben wie zuletzt im Jahr 2014. Oliver Nussli, der CEO der Schweizer Zucker AG, bezeichnet das als erfreuliche Kampagne und begründete dies gegenüber der Zeitschrift «Schweizer Bauer»: «2025 sind 500’000 Tonnen Rüben mehr verarbeitet worden als im Vorjahr. Wir haben einen Rübenertrag von fast 90 Tonnen pro Hektar, 2024 waren es 68 Tonnen, und wir haben einen Zuckerertrag von 12 Tonnen pro Hektar, im letzten Jahr waren es 8,6 Tonnen.»

Schaden in Millionenhöhe

Die Schadenssumme in Frauenfeld wird die Rechnung gemäss Schätzungen des Managements mit einem einstelligen Millionenbetrag belasten, es seien aber noch nicht alle Rechnungen eingegangen. «Der Ausfall hat auch gezeigt, wozu wir fähig sind. Immerhin haben wir die Fabrik in Frauenfeld innerhalb weniger Wochen wieder zum Laufen gebracht und nebenbei noch den Kalkofen zurück gebaut», sagt Nussli in einem Interview mit der Thurgauer Zeitung.

Die finanzielle Lage von Schweizer Zucker AG bleibt angespannt. Das Unternehmen hat sich mit dem Vorstand der Zuckerrübenpflanzer noch nicht auf eine Entschädigung einigen können. Mehr und länger anhaltende Bauchschmerzen als der defekte Ofen in Frauenfeld dürfte dem Management der Schweizer Zucker AG der Preis des Lebensmittels machen. Der internationale Zuckerpreis befindet sich wegen einer anhaltenden Überproduktion im Keller. Wegen dem Trend zu bewussterer Ernährung sinkt der Zuckerabsatz. Die heimische Produktion wird durch Grenzschutz und Direktzahlungen unterstützt. Im Geschäftsjahr 2024/25 per Ende September wies die Schweizer Zucker AG bei einer Produktionsmenge von 226’000 Tonnen Zucker einen operativen Verlust auf Stufe EBIT von rund 1 Mio. CHF (Vorjahr: 17.4 Mio. CHF) und unter dem Strich eine „schwarze Null“ aus.

Dividendenverzicht

Der konsolidierte Nettoerlös ging um 16,5% auf 295.6 Mio. CHF und damit weniger stark zurück, als derjenige der Muttergesellschaft Schweizer Zucker AG (- 20,4%). In der konsolidierten Jahresrechnung werden auch die Erlöse der Beteiligungen Ricoter Erdaufbereitung AG, die Deltaflor GmbH und die Landwirtschaft AG der ZRA (60,6%) berücksichtigt. Der Schweizer Zucker-Konzern konnte daher, dank seiner Nebenaktivitäten, ein operatives Ergebnis (EBIT) von 6.4 Mio. CHF (Vorjahr: 29.0 Mio. CHF) ausweisen. Trotz eines Konzernergebnis von 3.8 Mio. CHF (Vorjahr: 13.4 Mio. CHF) verzichtet die Gesellschaft für das Geschäftsjahr 2024/25 auf die Ausschüttung einer Dividende.

Die Aktien der Schweizer Zucker AG befinden sich auf einem Mehrjahrestief. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Schweizer Zucker AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 18.15 CHF für eine Aktie bezahlt. Binnen Jahresfrist hat die Aktie rund ein Drittel an Wert eingebüsst.

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