Technologische Disruption: Wie KI und Quantencomputing Vermögenswerte schaffen und andere zerstören

Was verbindet den Preiszerfall bei Kryptowährungen, Edelmetallen und Tech- und Software-Aktien?

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Absturz des Bitcoin-Preises. Bild: stock.adobe.com

Von Anfang an sprach für die Kryptowährungen, dass sie begrenzt sind und deshalb bessere Qualitäten als Papierwährungen aufweisen. Bitcoin & Co sollten auch sicherer als Papierwährungen sein, da sie durch die Sicherheitsprotokolle auf der Blockchain weder gestohlen noch manipuliert werden können. Allen Bedenken von Kritikern zum Trotz, erlebte insbesondere der Bitcoin einen fantastischen Aufschwung – von 376 USD im November 2014 bis auf 126’000 USD im Oktober 2025! Seitdem jedoch fällt der Preis. Ist es nur eine weitere Korrektur? Oder doch mehr?

Noch Ende vergangener Woche wurden 84’000 USD für den Bitcoin bezahlt. Doch der Preisrutsch hat sich zwischenzeitlich beschleunigt. Zuletzt stürzte der Bitcoin-Preis bis auf 70’000 USD ab. Manche Erklärungen bemühten die Korrelation zu Tech-Aktien, die schon in den letzten Wochen teilweise herbe Rückschläge erlitten.

Korrelationen?

Andere Experten dagegen führten erst die Edelmetall-Hausse an, die bei Haltern von Kryptowährungen zum Umsatteln geführt hatte, danach jedoch wurde die scharfe Korrektur bei Gold und Silber vom 30. Januar als Grund für den beschleunigten Absturz angeführt. Die historischen Ausmasse der kurzen Edelmetall-Baisse sind aber nur scheinbar ein Faktor, denn trotz der erhöhten Volatilität scheint der langfristige Aufwärtstrend ungebrochen. Die Schwäche der Kryptowährungen dauert jedoch an.

Der Preis für Bitcoin ist seit Wochen rückläufig. Chart: google.com/finance

Software-Aktien sacken ab

Zuerst ging die Luft aus der KI-Blase an der Wall Street. Bei Nvidia ist die Marktkapitalisierung von über 5 Billionen USD auf 4.2 Billionen USD zurückgegangen. Andere Titel hat es schwerer getroffen. Mittlerweile sind aber auch Software-Aktien bei Anlegern auf dem Prüfstand. Schon seit einem Jahr im Abwärtstrend, stürzte die SAP-Aktie Ende Januar plötzlich um weitere 15% ab – und steht jetzt noch tiefer. Das gesamte Geschäftsmodell der Software-Industrie wird nun von Anlegern unvermittelt als bedroht angesehen. Der Grund sind neue KI-Anwendungen, welche die weitere Entwicklung disruptieren. Besonders die Frage nach der Werthaltigkeit der von den Unternehmen getätigten Investitionen in Milliardenhöhe beschäftigt den Markt.

Der Kurs der SAP-Aktie ist binnen weniger Tage abgestürzt. Chart: google.com/finance

Der Anthropic-Effekt

Zu Beginn der ersten Februarwoche veröffentlichte das amerikanische Unternehmen Anthropic ein KI-Tool für Rechtsabteilungen in Unternehmen mit Namen «Cowork AI Assistant». Das ist bisher die profitable Domäne von Fachverlagen und Datenanbietern wie Wolters Kluwer und Thomson Reuters. Die Kursverluste summierten sich auf bis zu 20%, wie bei Thomson Reuters. Ebenfalls erfasst von dem Ausverkauf waren erneut Softwaretitel wie Oracle, Adobe, Salesforce, Intuit. Die im globalen Sektor verzeichneten Kursverluste summieren sich auf eine Market Cap Lost von über 400 Mrd. USD! Auch Xero in Australien, Fujitsu in Japan und Infosys in Indien wurden vom Sog erfasst. Allein Larry Ellison, der Grossaktionär von Oracle, verlor 40 Mrd. USD.

Ist Angst ein schlechter Ratgeber?

Nach ersten Analysteneinschätzungen ist es eher ein Werbegag für Anthropic als eine wirkliche Bedrohung für die Unternehmen des Datenoligopols. Was die erste Reaktion aber zeigt, ist die Nervosität der Investoren in Betrachtung der praktischen Auswirkungen der KI-Innovationen auf ganze Industriezweige, die durch die KI-Revolution obsolet werden könnten. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Burggräben von Börsenbetreibern, Daten-Anbietern und Fachverlagen einfach von KI-gestützten Robotern übernommen werden können, die Angst ist da. Und im Zweifel werden die Aktien erst verkauft und Fragen erst später gestellt. Daraus können sich Einstiegschancen ergeben für den, der die Technologierisiken gut einschätzen kann.

Was haben Kryptowährungen mit Edelmetallen zu tun?

Nicht weit hergeholt sind die Korrelationen der Kryptowährungen zu den genannten Aktienkategorien, aber auch zu den Edelmetallen. Verflechtungen gibt es viele, darunter auch nicht augenscheinliche. Die ehemals mässig im IT-Geschäft erfolgreiche börsenkotierte MicroStrategy ist inzwischen mit über 400’000 Bitcoin in der Bilanz unter allen Unternehmen der grösste Bitcoin-Halter. Die Marktkapitalisierung von Strategy, wie sich das Unternehmen nun nennt, beträgt noch 37 Mrd. USD. Der aktuelle Kurs liegt mit 120 USD sehr tief unter dem Hoch von 457 USD im Juli 2025. Die Strategie scheint offensichtlich fehl zu laufen. Es gibt noch weitere Unternehmen mit Bitcoin-Beständen wie die japanische Metaplanet und Tesla, doch keines kommt auch nur in Nähe von Strategy. Auch die börsenkotierten Trump-Gesellschaften halten substanzielle Bitcoin-Bestände, die noch im Dezember mehrere Mrd. USD an unrealisierten Gewinnen ausmachten.

Vom Relikt zum Star-Performer

Vor Beginn der Edelmetall-Hausse vor zwei Jahren wurden Gold und Silber als reale Werte von der Bitcoin-Community und auch vielen anderen als barbarische Relikte eines vergangenen Zeitalters belächelt. Das hat sich geändert. Notenbanken und Vermögensverwalter sowie Privatanleger kaufen Gold, um dem Kaufkraftverlust durch kompetitive Währungsabwertungen, Inflation und der zunehmend besorgniserregenden Staatsverschuldung wie in den USA, Frankreich oder China entgegenzuwirken. Und sogar im Krypto-Universum sind Stablecoins mit Edemetalldeckung zu den eigentlichen Stars geworden.

Trotz der jüngsten Rückschläge hat der Goldpreis seit einem Jahr eine sensationelle Performance hingelegt. Chart: google.com/finance

Goldgedeckte Stablecoins

Tether hält bereits 140 Tonnen Gold und kauft derzeit pro Woche 1-2 Tonnen zu. Der Marktwert beträgt etwa 25 Mrd. USD. Das Gold wird für das Backing diverser Stablecoins verwendet wie den Tether Gold (XAUt) und vor allem für die Reserven des USD-Stablecoins (USDT). Wegen der Währungsschwäche soll dadurch die Kaufkraft der Anleger durch Diversifikation jenseits von US-Staatsanleihen erhalten werden. Tether will, so CEO Ardoino, die «Gold-Zentralbank» in der Nach-Dollar-Ära werden. Da hat er noch einiges vor sich.

Nachfrage und Angebot

2025 kauften Zentralbanken insgesamt 863 Tonnen Gold. Der stärkste Monat war Dezember mit 132 Tonnen. Die Zentralbanken von Kasachstan, Polen, Türkei, Brasilien waren besonders aktiv, China hat das Kaufprogramm wieder aufgenommen. Die jährliche Fördermenge liegt bei unter 3700 Tonnen Gold. Sie ist kurzfristig nicht steigerbar. Und die einflussreichen Investmentbanken wie UBS, Goldman Sachs und JP Morgan Chase heben die Preiserwartungen sukzessive an. Ziele von 6000 USD oder 8000 USD sind nun die Regel. Umgekehrt gibt es kaum noch Optimisten für den Bitcoin. Neue Rekordwerte werden allenfalls in einigen Jahren erwartet. Auch von der staatlichen «Bitcoin-Reserve» in den USA und anderen Ländern ist seit geraumer Zeit nichts mehr zu hören.

Next Wave Quantum Computing

Was wäre aber, wenn sich hinter dem Preiszerfall der Krypowährungen eine Angst der Halter und eine Vermeidung durch die streikenden Käuferkreise verbirgt, die so existenziell bedrohlich ist, dass es sich nicht schickt, darüber zu sprechen? Nur hinter vorgehaltener Hand ist das sich rapide entwickelnde Quantum Computing allerdings schon ein Gesprächsgegenstand. Vage zwar, aber dennoch wird eine Gefahr ausgemacht, die potenziellen Käufern nicht die Lust nehmen soll.

Quantenmechanik in der realen Welt

Quantencomputer folgen anderen Regeln als Grossrechner, wie wir sie heute kennen. Die Regeln sind die der Quantenmechanik. Da ist zum Beispiel die Quantenverschränkung. Zwei Quanten, egal, wo sie sind, stehen in einer scheinbar unheimlichen Verbindung, die sich durch nichts auflösen lässt. Kommunikation, die diese Eigenschaft zu nutzen weiss, ist weder abhörbar noch hackbar, da jede Interferenz die Quanten und damit die Information zerstört. Die Rechenleistung der Quantencomputer liegt bei einem astronomisch Vielfältigen der heutigen Grossrechner. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die komplexen und bisher vermeintlich sicheren Codes der Kryptowährungen theoretisch in Stunden geknackt werden können, wofür Grossrechner Hunderttausende oder Millionen von Jahren benötigen würden.

Rosarote Technologiefolgenabschätzungen

Die Experten beschwichtigen und vertreten die Auffassung, dass der Zeitpunkt erst in 10-30 Jahren kommen werde. Daher sei genügend Zeit für Anpassungen und Sicherungen. Das Fachwort lautet «Post Quantum Cryptography», wodurch die bestehende IT-Infrastruktur inklusive der Blockchain-Technologie geschützt werden soll. Ist das plausibel? Vielleicht. Für Nicht-Experten sind die Möglichkeiten und Grenzen des Quantencomputings kaum bewertbar. Und nicht jeder «IT-Experte» bewegt sich auf dem Niveau von Einstein. Bekannt ist, dass viele technologisch führende Länder Initiativen gestartet und Fördermittel bereitgestellt haben. Allerdings gibt es nur wenige Universitäten, die auf dem Top-Level sind und die auch nur wenige Absolventen hervorbringen. Deshalb gab es zwar eine Reihe von Uni-Spin-offs, die auch von Venture Capital Unternehmen finanziert wurden, doch an der Börse gab es nur wenige Debütanten. IonQ an der Nasdaq ist der wohl bekannteste Titel. Der erste Kurs lag 2021 bei 11 USD, das im September 2025 verzeichnete Hoch lag bei 84 USD, aktuell 33 USD. Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von 12.5 Mrd. USD.

Short-Spekulation oder Jahrhundertchance?

Bei genauerer Betrachtung ist für Nicht-Experten jedoch kein Pfad erkennbar, der die noch junge Branche kennzeichnet. IonQ kündigte im Januar die Akquisition des Chip-Unternehmens SkyWater für 1.6 Mrd. USD an. Das Unternehmen ist auch auf der Liste der Quantum Strategy der US-Regierung zu finden. Zuletzt sorgten allerdings Shortseller für einen Kursrutsch. Andere Marktexperten prognostiziern, dass IonQ in fünf Jahren das wertvollste Unternehmen an der Börse sein wird. Es scheint viele Wege der Unternehmensevolution zu geben. So ist das südkoreanischen Unternehmen SK Telecom durch Akquisitionen und eigene Entwicklungen wohl führend in der praktischen Anwendung. Der Kurs des «langweiligen» Telekomunternehmens ist seit Anfang Jahr explosionsartig gestiegen.

SK Telecom gehört zu den Profiteuren beim Thema Quantencomputing. Chart: google.com/finance

Fazit

Technologiewandel bringt Fortschritt, geht aber praktisch immer mit einer kreativen Destruktion der bestehenden Strukturen einher. Mit dem Aufkommen neuer Technologien nimmt regelmässig eine Entwicklung ihren Lauf, die kaum vorhersehbar ist. Das war bei der Einführung von Eisenbahn und Elektrizität so, bei der Telegrafie und Telefonie, der Raketentechnik, dem Computer und dem Internet. Manche Industriezweige verschwinden ganz, andere verlieren langsam an Bedeutung. Manche Unternehmen passen sich an, nutzen die Chancen und entwickeln sich weiter, andere verpassen den Anschluss und werden vergessen.

Sicher scheint gegenwärtig nur, dass die Unsicherheit – technologisch, politisch, wirtschaftlich – auf absehbare Zeit kaum abnehmen dürfte. Investments sollten doppelt und dreifach auf sichtbare und unsichtbare Risiken hin geprüft werden. Die unvermittelten rapiden Kursstürze von «soliden» Aktien wie SAP, Wolters Kluwer, Thomson Reuters oder IBM und Salesforce sowie die krass divergierenden Einschätzungen zu Kryptowährungen, Quantum Computing- und KI-Aktien geben besonnenen Investoren jedenfalls zu denken.

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