Hypothekarbank Lenzburg: Die neue HBL-Gruppe muss effizienter werden und wachsen

Aargauer Regionalbank wird zum integrierten Finanzdienstleistungsunternehmen

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Zur HBL-Gruppe gehören nicht nur die Aargauer Regionalbank, sondern auch Swiss Bankers, die Finstar AG sowie weitere Beteiligungen. Bild: zvg

Im vergangenen Jahr gehörten die Aktien zahlreicher Regional- und Kantonalbanken zu den Outperformern am Aktienmarkt. Valoren der Valiant Bank, der Luzerner und der St. Galler Kantonalbank sowie auch ausserbörslich gehandelte Titel wie jene der Regiobank Solothurn verzeichneten Kursgewinne von deutlich über 30%. Hingegen traten die Aktien der Hypothekarbank Lenzburg auf der Stelle. Die kürzlich publizierten Geschäftszahlen für 2025 zeigen ein stabiles Wachstum im Kerngeschäft, das auch von der fortschreitenden Diversifikation profitiert. Allerdings verdeutlicht der erstmals publizierte Konzernabschluss, dass aus der Übernahme des Kartenunternehmens Swiss Bankers bislang nur wenige Synergien resultieren, auch wenn Restrukturierungsmassnahmen im zweiten Halbjahr erste Wirkung gezeigt haben sollen. Effizienzsteigerungen und Kostendisziplin sind daher angesagt, damit sich auch auf Gruppenstufe die Kennzahlen verbessern. Dies wäre wohl die Voraussetzung dafür, dass auch der Aktienkurs anspringt.

Kundengelder legen kräftig um 13,2% zu

Durch die Übernahme der Swiss Bankers Prepaid Services AG im vergangenen Jahr und die Ausgliederung der Bankensoftware Finstar in die eigenständige Finstar AG publiziert die Hypothekarbank Lenzburg AG zum ersten Mal einen Konzernabschluss. Damit das operative Bankgeschäft der Regionalbank «Hypi» weiterhin mit den Vorjahren verglichen werden kann, präsentierte die Bank zusätzlich den Abschluss des Stammhauses.

Während die Kundengelder um 13,2% auf 6’274.1 Mio. CHF zulegten, gingen die Ausleihungen an Kunden um 0,8% auf 5’335.5 Mio. CHF zurück. Ausschlaggebend war vor allem ein rückläufiges Hypothekargeschäft (-2,1%), was die Bank als «strategisch gewollt» bezeichnet. Nach einem Wachstum von 6,9% im Vorjahr habe sich die Hypi in diesem Jahr auf die Finanzierung von selbstgenutztem Wohneigentum fokussiert. Ausleihungen für Renditeobjekte – hier vor allem Mehrfamilienhäuser sowie Gewerbeliegenschaften – wurden zurückhaltender vergeben.

Bei den Kundengeldern profitierte die Bank sowohl von eigenen Vertriebsaktivitäten wie dem Aktionärssparkonto als auch von Partnerschaften, beispielsweise mit der Smartphone-Bank neon. Neon steuerte mit Neugeldern in Höhe von knapp 150 Mio. CHF (+12,3%) weiterhin rund 20% zum Wachstum der Kundengelder bei. Insgesamt erreichten diese einen Wert von 6’274 Mio. CHF. Die Bilanzsumme kletterte um 14,3% auf knapp 8.3 Mia. CHF.

Vermögensverwaltung legt zu

Positiv entwickelten sich auch die verwalteten Vermögen, deren Wert um 29,6% auf 3’762.8 Mio. CHF anstieg. Ein Teil des Zuwachses wurde – neben der positiven Performance – durch zusätzliche Gelder von neon invest erzielt. Der grössere Teil sei jedoch auf den Erfolg der eigenen Vermögensverwaltung sowie die Zusammenarbeit mit externen Vermögensverwaltern zurückzuführen, so CEO Silvan Hilfiker an der Bilanzmedienorientierung.

Die positive Entwicklung in der Vermögensverwaltung zeigt sich auch in der Erfolgsrechnung: Während der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft aufgrund der tiefen Zinsen um 9,8% auf 73,6 Mio. CHF rückläufig war, legte der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft um 14,2% auf knapp 18 Mio. CHF zu. Nur die Position Übriger ordentlicher Erfolg wuchs mit 42,8% auf 17.2 Mio. CHF noch stärker, wobei hier knapp 3 Mio. CHF aus der Veräusserung von Finanzanlagen stammen. Der Nettoerfolg aus dem Finstar-, Services- und Open-Banking-Geschäft lag bei 13.9 Mio. CHF, was einer Steigerung von rund 16% entspricht. Somit stammen nur noch rund 65% der Gesamterträge von 112.8 Mio. CHF aus dem Zinsengeschäft, während je rund 16% aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie dem Servicegeschäft kommen.

Expansion treibt die Kosten

Allerdings erhöhte sich auch der Geschäftsaufwand um 2,4% auf 77.4 Mio. CHF, was vor allem einem um 4,5% höheren Personalaufwand geschuldet ist. Wie die Bank erklärte, wurden 2025 rund 17 neue Vollzeitstellen geschaffen, um die Digitalisierung und das Finstar-Netzwerk weiter auszubauen. Die Cost/Income-Ratio fiel daher mit knapp 68 nochmals höher als 2024 aus. Der Geschäftserfolg lag mit 21.8 Mio. CHF denn auch um 6,2% unter dem Vorjahreswert. Der Gewinn belief sich mit 20 Mio. CHF leicht unter dem Vorjahr.

Hypi verdient noch kein Geld mit Swiss Bankers

20 Mio. CHF beträgt auch der Gewinn in der konsolidierten Jahresrechnung, die ebenfalls die Swiss Bankers Prepaid Services AG umfasst. Obwohl der Geschäftsertrag dank der Erlöse aus dem Swiss-Bankers-Geschäft mit 137.2 Mio. CHF um 24.4 Mio. CHF über dem Ertrag des Stammhauses lag, fiel der Geschäftsaufwand mit 101.1 Mio. CHF überproportional höher aus. Der Geschäftserfolg lag sogar um 2.4 Mio. CHF unter dem Wert des Stammhauses. Konkret bedeutet dies, dass Swiss Bankers keinen positiven Beitrag zum Gesamtertrag der neuen HBL-Gruppe beigesteuert hat. Die Cost/Income-Ratio liegt sogar über 73%. Aufgrund der stabilen Entwicklung im Stammhaus schüttet die Hypi Lenzburg ihren Aktionären jedoch eine Dividende von 120 CHF je Aktie aus.

Dem neuen CEO Silvan Hilfiker ist bewusst, dass er nach der Übernahme von Swiss Bankers und dem Umbau der über 150 Jahre bestehenden Hypi Lenzburg als Nächstes auf der Kostenseite ansetzen muss, damit die Gruppe wieder profitabler wird. Dazu will Hilfiker mehr Synergien mit Swiss Bankers nutzen, setzt aber gleichzeitig auch auf zusätzliche Automatisierung und den Einsatz von KI. Ein Stellenabbau sei nicht geplant, so Hilfiker. Per 16. Februar 2026 wird Marco Supplizi die Funktion des Bereichsleiters Finanzen und Risiken (CFO) übernehmen. Er folgt auf Stefan Meyer, der die Hypi Lenzburg Ende Januar verlassen hat.

Fazit

Die vergangenen Jahre standen bei der Hypi Lenzburg im Zeichen der Expansion. Open Banking und «Banking-as-a-Service» (BaaS) sind dabei die Themen, auf welche die Aargauer Regionalbank setzt. Mit der Übernahme von Swiss Bankers und der Führung von Finstar als 100-prozentiger Tochter geht die neue HBL-Gruppe nun den Schritt weg von der reinen Retailbank hin zu einem integrierten, modernen Finanzdienstleistungsunternehmen. Mit der Beteiligung an der deutschen Sutor Bank (9,9%) erfolgte zudem der erste Schritt ins Ausland, wo die HBL-Gruppe vor allem mit der Finstar AG neue Kunden gewinnen will.

Durch die Expansionsschritte sind allerdings auch die Kosten gestiegen. Sowohl im Stammhaus als auch auf Gruppenstufe liegt die Cost/Income-Ratio deutlich über dem Schnitt der Schweizer Regional- und Kantonalbanken. Jetzt gilt es, entweder die Erträge kräftig zu steigern oder die Kosten zu senken – im Idealfall gelingt beides. Denn steigende Gewinne würden nicht nur höhere Ausschüttungen erlauben, sondern könnten auch dem Aktienkurs Schub verleihen.

Während der SPI (grün) und Regionalbank-Aktien wie Valiant (rot) in 2025 zweistellige Kursgewinne verzeichneten, bewegte sich der Aktienkurs der Hypi-Aktie (blau) kaum. Chart: six.group.com

Betrachtet man die Aktienkursentwicklung, scheint der Markt noch nicht vollständig an die Story der neuen HBL-Gruppe zu glauben. Denn die Titel sind bei Kursen um die 4’080 CHF im Vergleich mit anderen Regional- und Kantonalbankaktien nicht zu teuer. Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis liegt bei knapp 15; die Aktien werden mit einem Abschlag von über 40% auf den Buchwert gehandelt. Mit einer Dividendenrendite von 2,9% ist die Hypi-Aktie im Vergleich attraktiv. Mit Blick auf die Aktien anderer Regional- und Kantonalbanken dürfte der Titel noch Kurspotenzial haben. Voraussetzung ist, dass Swiss Bankers wieder profitabel wird und ebenso wie die neuen Geschäftsfelder zum Wachstum beiträgt.

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