
Die Privatbank Lienhard & Partner AG weist für das vergangene Geschäftsjahr ein solides Ergebnis aus, das punkto Gewinnwachstum aber nicht an das Geschäftsjahr 2024 herankommt. In einem von geopolitischen Unsicherheiten und faktischen Nullzinsen in der Schweiz geprägten Jahr erstaunt das aber kaum. Dank einer breit abgestützten Strategie, die auf den drei Säulen Immobilien, Vermögensverwaltung und Zinsdifferenzgeschäft ruht, konnte sich das Institut nachhaltig weiterentwickeln.
Die Privatbank erhöhte im Geschäftsjahr 2025 den Gewinn leicht um 1,1% auf 11.97 Mio. CHF. Der Gesamtertrag belief sich auf 53.7 Mio. CHF, was einem Plus von 1,6% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft ging im Jahresverlauf um 25,9% auf 11.5 Mio. CHF zurück. Das tiefere Zinsumfeld führte zu deutlich gesunkenen Zins- und Diskonterträgen, jedoch auch zu tieferen Zinsaufwendungen. Dank dem breit diversifizierten Geschäftsmodell konnte dieser Rückgang in anderen Geschäftsbereichen aufgefangen werden.
Zinsgeschäft wird weiter leiden
«Wir werden auch 2026 mit weiter schrumpfenden Zinserträgen konfrontiert sein. 2025 sanken die Zinsen erst Mitte Jahr auf null, dieses Jahr starten wir mit Nullzinsen», sagt Duri Prader, CEO von Lienhardt & Partner. Das Unternehmen werde diese tieferen Einnahmen mit höheren Kommissionserträgen kompensieren.
«Wir sind dafür gerüstet, wir haben nicht die Zinsexponierung einer klassischen Sparkasse, sondern verfügen über eine gute Diversifikation der Ertragsströme», fügt der CEO an. Etwas mehr als die Hälfte der Erträge stammt aus dem Anlagegeschäft, rund ein Fünftel aus dem Zinsdifferenzgeschäft, 17% aus dem Immobilien- sowie 11% aus dem Handelsgeschäft.
Keine Stand-alone-Kredite mehr
So kletterten 2025 die Erträge im Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft um 14,9% auf 32.9 Mio. CHF. Der Löwenanteil stammt von der positiven Entwicklung der Kundenvermögen in den Bereichen Private Banking und Vorsorge aus Erträgen im Wertschriften- und Anlagegeschäft – diese Einnahmen kletterten um 14,6% auf 29.4 Mio. CHF. Das höchste Wachstum zeigen in diesem Bereich aber die Erlöse aus der Immobilienbewirtschaftung und Vermarktung, die um 17,4% auf 5.7 Mio. CHF avancierten. Demgegenüber verzeichneten das Handelsgeschäft sowie der übrige ordentliche Erfolg einen leichten Rückgang.
Prader setzt auf ein konstantes Wachstum im Anlagegeschäft, weist aber darauf hin, dass dieses abhängig vom Börsenumfeld sei und die Bank dies nicht selbst in der Hand habe. Tendenzielle nehme der Anlageteil zu und der Zinsanteil ab. Den Ertragsmix versuche die Bank aber nicht aktiv zu verändern – mit einer Ausnahme. Vor einem Jahr hat Lienhardt & Partner beschlossen, keine Stand-alone-Kredite mehr zu geben. Hypotheken werden also nur noch an Kunden gewährt. «In der nächsten Negativzinsphase werden wir nicht mehr so stark wachsen und die Bilanz ausdehnen», erklärt Prader. Die Stabilität sei wichtiger als die Maximierung der Erträge.
Vorsorgegeschäft über Dritte läuft
Investiert wurde im vergangenen Jahr vor allem in Infrastruktur und Digitalisierung. Diese Ausgaben zogen mit 34,8% kräftig an, der Personalaufwand sank dagegen um 6,4%. In den kommenden Jahren sind steigende Investitionen in Personal, IT-Infrastruktur und die Sanierung von Immobilien geplant. Der Geschäftsaufwand stieg im Geschäftsjahr 2025 insgesamt um 4,7% auf 31.7 Mio. CHF. Prader erwähnt als wichtige Investition jene in die eigene Vorsorgeplattform. Hier betreibe man ein B2B2C-Geschäft und stelle anderen Anbietern integrierte Anlage- und Stiftungslösungen (z.B. 3a oder Freizügigkeitsdepots) als Banking-as-a-Service Dienstleistung zur Verfügung. Das Wachstum sei erfreulich.
Der operative Geschäftserfolg beträgt 20.6 Mio. CHF, was einem kleinen Plus gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Cost-/Income-Ratio liegt bei 59,1%, was die solide Ertragskraft der Bank unterstreicht. Das konservative Risikoprofil der Bank führt lediglich zu moderaten Wertberichtigungen.
Keine Überhitzung im Immobiliengeschäft
Erneute Negativzinsen sind gemäss Prader nicht auszuschliessen. Dies habe vor allem mit Schwäche der anderen Währungen zu tun. Die Schweizerische Nationalbank habe zwei Möglichkeiten zu reagieren: die Zinsen weiter senken oder Franken verkaufen. Letzteres sei in den USA nicht gerne gesehen und stelle die Schweiz unter Verdacht, ein Währungsmanipulator zu sein.
Im eigenen Immobiliengeschäft sieht Prader keine Überhitzung, weil sich die Bank auf Bewirtschaftung und Vermittlung beschränkt. «Lienhardt & Partner ist kein Immobilienunternehmen und nimmt keine Aufwertungen vor», sagt Prader. Bei der Vermittlung beginne das Geschäft jedes Jahr bei null. Die Bank konzentriert das Immobiliengeschäft auf den Grossraum Zürich. Langfristig könnten zahlreiche Vorstösse aus verschiedenen politischen Richtungen, die den Markt regulieren wollen, zum Problem werden. Der neue Stadtrat in Zürich zielt etwa darauf ab, den Wohnungsmarkt zu steuern. Bern und Genf hätten gezeigt, dass man damit genau das Gegenteil des Gewünschten erreiche.
«Wir sind keine Kryptobank»
Lienhardt & Partner tauchte öfters in den Medien als «Kryptobank» auf, weil man den Kunden schon früh einen direkten Zugang zu Kryptowährungen ermöglichte. «Wir bleiben aber ein Aktien- und Immobilienhaus und keine Kryptobank», betont Prader. Das Kryptogeschäft sei sehr zyklisch und deshalb zuletzt auch eingeschlafen. Die Nachfrage steige jeweils mit dem Bitcoin-Kurs.
Die Substanz der Bank wurde weiter gestärkt. Das ausgewiesene Eigenkapital steigt unter Berücksichtigung der beantragten Gewinnverwendung um 8% auf 192.92 Mio. CHF. Die Bank weist eine ausgezeichnete Leverage Ratio von 13,3% und eine überzeugende Kernkapitalquote von 26,1% aus. Der Verwaltungsrat empfiehlt an der Generalversammlung vom 17. März 2026, die Dividende von bisher 50 CHF auf neu 55 CHF je Namenaktie zu erhöhen.
Fazit
Die Aktie der Lienhardt & Partner Privatbank Zürich AG konnte in den vergangenen Monaten wie andere Finanztitel deutlich anziehen. Für das kommende Jahr ist das Institut aber besser positioniert als Regional- und Kantonalbanken, die vor allem am Zinsgeschäft hängen, oder international ausgerichtete Geschäftsbanken. Die Titel versprechen einen stabilen «Schweizer» Geschäftsmix, der natürlich nicht komplett resistent gegen Konjunkturschwächen ist. Die Dividendenrendite von rund 1,5% ist dagegen nur ein schwaches Kaufargument.
Kursverlauf der auf OTC-X und bei Lienhardt gehandelten Aktie während der letzten drei Jahre. Chart: otc-x.ch



