
Der stationäre Handel steht seit Jahren unter Druck. Doch die traditionsreiche Berner Warenhausgruppe Loeb stemmt sich mit neuen Ideen immer wieder gegen den negativen Trend. 2025 wurde im Haupthaus in Bern das Eventangebot «Loeb Classroom» lanciert. In den Geschäftszahlen spiegeln sich diese Initiativen allerdings nur teilweise wider: Der Nettoerlös ging um 2,7% auf 74.3 Mio. CHF zurück. Während das operative Ergebnis (EBITDA) mit 11.0 Mio. CHF stabil blieb, sank der Jahresgewinn um 17,1% auf 2.4 Mio. CHF. Die Dividende bleibt unverändert bei 7.80 CHF je Namenaktie B.
Neue Shopping-Erlebnisse
Nach den grossen Umbauphasen in den Vorjahren blieb die Loeb-Gruppe mit ihren drei Warenhäusern in Bern, Thun und Biel auch im vergangenen Jahr sehr aktiv. Der im September 2025 eröffnete «Classroom» wurde gemäss Geschäftsbericht 83-mal gebucht. Auch andere Erlebnisangebote und Dienstleistungen trugen dazu bei, dass die Frequenzen 2025 erneut gestiegen sind. Zusätzlich investierte Loeb in die Auffrischung der Verkaufsflächen am Standort Thun und modernisierte die Modeabteilungen in Bern.
Moderater Umsatzrückgang
Der Rückgang des Umsatzes auf 74.3 Mio. CHF – und damit auf den niedrigsten Wert seit den Pandemiejahren 2020 und 2021 – wird auf die allgemein eingetrübte Konsumentenstimmung zurückgeführt. Während sich der Foodbereich positiv entwickelte, verzeichnete der Non-Food-Bereich einen Rückgang. Zwar stiegen dank der Erlebnisangebote die Frequenzen, der Durchschnittseinkauf sank jedoch, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Da Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt Geld für Freizeiterlebnisse ausgeben, investiert Loeb weiterhin gezielt in das Einkaufserlebnis.
Betriebsaufwand sinkt
Trotz rückläufigem Umsatz gelang es Loeb, die Bruttomarge im Warenhausgeschäft leicht auf 44,9% (Vorjahr: 44,7%) zu steigern. Die Konzessions- und Mieterträge – beides wichtige Ertragsquellen der Loeb Holding AG – lagen mit 8.1 Mio. CHF beziehungsweise 2.5 Mio. CHF leicht über den Vorjahreswerten und führten zu einem Betriebsertrag von 43.9 Mio. CHF.
Der Betriebsaufwand reduzierte sich auf 32.9 Mio. CHF (Vorjahr: 34.0 Mio. CHF), was insbesondere auf um rund 1.5 Mio. CHF tiefere Personalaufwendungen von 20.0 Mio. CHF zurückzuführen ist. Das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA lag mit 11.1 Mio. CHF leicht über dem Vorjahr. Auch das EBIT erreichte mit knapp 2.1 Mio. CHF den Vorjahreswert.
Neben den Mieterträgen der selbst- und fremdvermieteten Liegenschaften spielen die Finanzerträge aus dem rund 35 Mio. CHF umfassenden Wertschriftenportfolio eine wichtige Rolle. Im Geschäftsjahr 2025 belief sich der Finanzertrag auf 2.1 Mio. CHF, nach 3.3 Mio. CHF im Vorjahr. Auf 2025 stellte Loeb die Anlagestrategie von einem aktiven auf einen passiven Ansatz um. Ein grosser Teil der Wertschriften wurde Ende 2024 veräussert und Mitte Januar 2025 neu investiert. Die Performance des breit diversifizierten Anlageportfolios lag 2025 gemäss Geschäftsbericht bei 5,8%.
Eigenkapitalquote bei 60,7%
Die Bilanz präsentiert sich weiterhin solide mit einer Eigenkapitalquote von 60,7%. Die derzeit voll vermieteten Immobilien im Anlagevermögen sind mit 184.6 Mio. CHF bewertet und mit einer Hypothek von 68 Mio. CHF belastet. Per 1. Januar 2025 erwarb die Warlo Immobilien AG, welche die betrieblich genutzten Liegenschaften verwaltet, das Grundstück Bälliz 41 in Thun und ist seither Eigentümerin sowohl der Liegenschaft als auch des zuvor im Baurecht genutzten Grundstücks.
Das Eigenkapital der Gruppe beträgt insgesamt 161.5 Mio. CHF. Die Aktionäre der Namenaktie B erhalten eine Dividende von 7.80 CHF; die Inhaber der Partizipationsscheine zusätzlich 15 Rappen, insgesamt also 7.95 CHF.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Loeb im Detailhandel weiterhin ein anspruchsvolles Umfeld. In Bern wird derzeit das Erdgeschoss mit einer künftig selbst betriebenen Parfümerie neu gestaltet. Zudem wird in die Liegenschaft an der Gurtengasse 2 investiert, um deren Nutzung weiter zu optimieren.
Fazit
Loeb überrascht regelmässig mit neuen Ideen und investiert kontinuierlich in das eigene Detailhandelsgeschäft, um für Kundinnen und Kunden attraktiv zu bleiben. Dies zeigt sich auch in den gestiegenen Frequenzen. Allerdings schlagen sich diese bislang nicht in höheren Umsätzen nieder. Entsprechend arbeitet das Unternehmen konsequent an Effizienzsteigerungen, um die Margen zu sichern. Dank der soliden Finanzierung sowie stabiler Erträge aus Liegenschaften und Wertschriften können auch schwächere Jahre gut abgefedert werden.

Die Namenaktien B sowie die Partizipationsscheine der Loeb Holding werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 305 CHF je PS bezahlt. Dies entspricht einem Abschlag von rund 10% auf den ausgewiesenen Buchwert von 334 CHF je PS per Ende 2025. Der Substanzwert dürfte deutlich höher liegen: Unabhängige Bewertungsgutachten ermittelten vor zwei Jahren allein für das Liegenschaftenportfolio einen Marktwert von 349 Mio. CHF beziehungsweise 721 CHF je Titel.
Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 61 erscheinen die Titel jedoch hoch bewertet. Dies verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Ertrags- und Substanzwert, in dem sich die Valoren der Loeb Holding AG seit Jahren bewegen. Mit einer Dividendenrendite von 2,6% bleiben die Titel dennoch interessant für Anleger, die auf konstante Ausschüttungen und Value Investments setzen.





