Bad Schinznach: Bäder- und Klinikbetreiber steigert Umsatz auf Rekordniveau und schreibt wieder Gewinn

Hotel-Erweiterungsbau für 2027 geplant

1
128
Das «Kurhotel Im Park» in Schinznach gehört zu dem grossen Bäder- und Klinikkomplex der Bad Schinznach AG. Bild: bad-schinznach.ch © Dominik Golob

Die Bad Schinznach AG kehrte im vergangenen Jahr auf den Erfolgspfad zurück. Aus einem Verlust in Höhe von 3.6 Mio. CHF im Vorjahr wurde 2025 ein Gewinn in Höhe von 2.3 Mio. CHF. Mit einem Umsatz von 58.8 Mio. CHF erreichte die Unternehmensgruppe sogar einen Rekordwert. Die Aktionäre sollen eine Dividende in Höhe von 32 CHF je Aktie erhalten. Ausserdem plant das Gesundheitsunternehmen, den sistierten Erweiterungsbau in Schinznach nun in Angriff zu nehmen.

Geschäft lief besser als erwartet

Dass sich das Geschäftsjahr 2025 wieder besser entwickeln würde als das Vorjahr, davon zeigte sich Hans-Rudolf Wyss, VR-Präsident der Bad Schinznach AG, vor einem Jahr überzeugt. Denn es waren vor allem einmalige Belastungen wie Wertberichtigungen auf das geplante Projekt eines Hotel- und Infrastrukturneubau und Abschreibungen im Bäderbereich am Standort Schinznach sowie Abschreibungen auf ein Bauprojekt in Zug, die zu dem schwachen Ergebnis führten. Doch mit einem so erfreulichen Jahresabschluss 2025 habe man nicht gerechnet. Dieser sei besser ausgefallen als budgetiert, so Wyss. Dazu beigetragen hat eine sehr gute Geschäftsentwicklung in nahezu allen Bereichen, die auf eine verbesserte Kostensituation traf.

Kliniken mit sehr guter Auslastung

Die zwei Kliniken «Privat-Klinik Im Park» in Schinznach und «Meissenberg» in Zug sowie das Kurhotel steuerten einen Umsatz von 42.6 Mio. CHF (+3,9%) zum Gesamtertrag von 58.8 Mio. CHF bei. Hier profitieren vor allem die Kliniken von einer noch besseren Auslastung als im Vorjahr. Hinzu kam bei der Zuger Klinik Meissenberg, dass im Vorjahr aufgrund von Sanierungsarbeiten weniger Zimmer zur Verfügung standen. Die Anzahl Pflegetage lag in der Rehaklinik in Schinznach, die auf orthopädische und neurologische Behandlungen spezialisiert ist, bei 20’186 (+1,5%). In der psychiatrischen Klinik für Frauen in Zug erreichten die Pflegetage 25’829 (+4,1%). Lediglich das «Kurhotel im Park» verzeichnete rund 300 Logiernächte weniger als in den Jahren zuvor. CEO Daniel Bieri begründet dies auch mit Preiserhöhungen, die anfangs zu geringeren Buchungen geführt hätten. Erfreulich sei hingegen, dass der Umsatz gleich geblieben sei.

Weniger Besucher im «Aquarena fun»

Mit über 366’000 Eintritten besuchten erneut mehr als 1’000 Gäste pro Tag den Bäderbereich. Trotz nahezu unveränderter Gästezahlen konnte der Umsatz um 2,5% auf 12.3 Mio. CHF zulegen. Laut Bieri sei das Umsatzwachstum auf ein verändertes Nutzerverhalten zurückzuführen. So seien die Frequenzen in dem bei Familien beliebten Bad «Aquarena fun» zurückgegangen, während das «Thermi spa» mehr Gäste zählen konnte. «Wir fahren allerdings auch bewusst keine Aktionen, nur um Frequenzen zu pushen», so der CEO. Im Geschäftsbericht macht die Bad Schinznach AG deutlich, wie stark die Eintrittszahlen variieren können: Am 1. Juli lag die Anzahl Eintritte mit 306 am tiefsten, am 2. Januar mit 3’071 am höchsten.

Stabil entwickelten sich hingegen mit 2.1 Mio. CHF die Miet- und Pachtzinserlöse, darunter die Überbauung Meisenpark in Zug, sowie der übrige Betriebsertrag mit 1.7 Mio. CHF. Zu letzterem gehört auch ein 9-Loch-Kurz-Golfplatz in Schinznach-Bad.

Weniger Energiekosten

Obwohl der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2025 um 3,6% zulegen konnte, entwickelten sich die Aufwendungen unterproportional. Der Personalaufwand lag mit 35.4 Mio. CHF nur 0,2% über dem Vorjahreswert und auch der übrige Betriebsaufwand lag mit etwas weniger als 9 Mio. CHF nur leicht über den 2024er Zahlen. In Bezug auf den Personalaufwand verweist CFO Rolf Tanner darauf, dass es gelungen sei, wieder mehr Mitarbeiter für eine Festanstellung zu gewinnen, anstatt den Bedarf über – wesentlich teurere – Temporärkräfte abzudecken. Dennoch sei der Fachkräftemangel weiterhin spürbar. Beim übrigen Betriebsaufwand sorgten um rund 300’000 CHF geringere Energiekosten für Entspannung; dies dank eines neuen Strombezugsvertrags.

Eigenkapitalquote steigt auf 44,8%

Dank der stabilen Aufwendungen verbleib ein operativer Gewinn auf Stufe EBITDA von 9.1 Mio. CHF, fast 3 Mio. CHF mehr als im Vorjahr. Geringere Abschreibungen und ein tieferes Finanzergebnis führten schliesslich zum Gewinn von 2.3 Mio. CHF. Der gesunkene Finanzaufwand ist einerseits auf die tieferen Zinsen zurückzuführen – die Bad Schinznach AG setzt auf kurzfristige Finanzierungen. Andererseits wurden rund 7 Mio. CHF an Schulden zurückbezahlt, was sich auch in der verbesserten Eigenkapitalquote von 44,8% (Vorjahr: 41,0%) zeigt.

Hotel-Erweiterungsbau für 2027 geplant

Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich die Gesellschaft zuversichtlich. Bis Ende März liege man auf Budgetkurs, so Daniel Bieri. In den Kliniken zeichnen sich ebenso wie im Hotel Verbesserungen ab. Hingegen liegen Umsatz und Besucherzahlen im Bäderbereich hinter dem Vorjahr. Auf der Kostenseite rechnet Bieri allerdings kaum mit weiteren kostensenkenden Massnahmen, sodass für 2026 ein Ergebnis in Höhe des Vorjahres angestrebt wird.

Der Fokus liegt für das laufende Jahr denn auch in der Detailplanung des Erweiterungsbaus für das Kurhotel Im Park. Durch Optimierungen – u.a. soll es kein zweites Restaurant geben – soll das Projekt nur noch rund 25 Mio. CHF statt ursprünglich 32 Mio. CHF kosten. Der Plan sieht 23 neue Hotelzimmer vor. Details sollen im Herbst 2026 folgen, der Bau frühstens im Jahr 2027 beginnen.

Fazit       

Nach dem schwierigen Geschäftsjahr 2024 überrascht der Jahresabschluss positiv. In allen Bereichen konnte der Umsatz zulegen, wenn auch die rückläufigen Frequenzen im Bäderbereich (exklusive Sauna) und die geringere Anzahl Logiernächte nicht ganz so erfreulich sind. Andererseits besteht hier noch Aufholpotenzial. Positiv zu werten ist auch die Tatsache, dass die Kostensituation stabilisiert werden konnte. Und durch die Rückzahlung der Schulden hat sich die Bilanz verbessert, sodass auch der – redimensionierte – Erweiterungsbau in Angriff genommen werden kann.

Die Aktien der Bad Schinznach AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 1’950 CHF für eine Aktie bezahlt. Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis beträgt 22, der Aufschlag auf den ausgewiesenen Buchwert von 1558 CHF je Aktie liegt bei 30%. Mit einer Dividendenrendite von 1.6% gehört das Unternehmen nicht zu den Dividendenperlen. Allerdings erhalten Aktionäre, die an der GV teilnehmen, vier Eintrittsgutscheine als Naturaldividende.

Die Aktien der Bad Schinznach AG haben sich mittlerweile wieder etwas erholt. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Bad Schinznach AG eignen sich vor allem für Investoren mit einem Faible für Substanzwerte. Denn das Unternehmen besitzt nicht nur in Schinzach Bad angrenzend an das heutige Areal weitere Landreserven, die eines Tages z.B. mit altersgerechten Wohnungen bebaut werden könnten. Auch in Zug besteht die Möglichkeit, weitere Wohnungen für den Eigenbestand oder zusammen mit Partnern zu entwickeln. Ob und wie diese Flächen genutzt werden können, ist allerdings noch abhängig von der Nutzungsplanung, über die noch abgestimmt werden muss.

Transparenzhinweis: schweizeraktien.net erbringt Dienstleistungen für den Emittenten.

1 Kommentar

Kommentar verfassen