
Das Rekordjahr 2025 ist Geschichte. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte die Orell Füssli Gruppe die angekündigte Normalisierung. Der Umsatz wuchs leicht, doch die Ausnahme-Marge im Sicherheitsdruck kehrte auf ein gewöhnliches Mass zurück.
Halbjahreszahlen: Umsatz hält, bereinigtes EBIT ein Drittel tiefer
Der Umsatz der Gruppe stieg im ersten Halbjahr um 1,1% auf 121.4 Mio. CHF. Das bereinigte EBIT sank um rund ein Drittel auf 6.9 Mio. CHF (Vorjahr 10.2 Mio. CHF), die Marge fiel von 8,5% auf 5,6%. Das Halbjahresergebnis erreichte noch 4.4 Mio. CHF. Auffällig ist der operative Geldabfluss von 7.7 Mio. CHF. Er stammt vor allem aus bezahlten Lieferantenrechnungen und tieferen Kundenvorauszahlungen. Zusammen mit Dividenden und Investitionen sanken die flüssigen Mittel innert sechs Monaten um rund 29 Mio. CHF auf 52.8 Mio. CHF.
Sicherheitsdruck: volle Auslastung, einfacherer Auftragsmix
Die Division Sicherheitsdruck erklärt fast den gesamten Margenrückgang. Ihr Umsatz legte um 2,3% auf 48.4 Mio. CHF zu, das bereinigte EBIT der Division sank dennoch auf 8.5 Mio. CHF (Vorjahr 11.9 Mio. CHF). Der Grund liegt nicht in fehlender Nachfrage, sondern im Produktmix, also der Zusammensetzung der Aufträge. Der Bestand des Halbjahres enthielt weniger komplexe und damit weniger margenstarke Arbeiten. Diesen Rückgang hatte das Unternehmen in dieser Form erwartet. Die Auslastung bleibt hoch, der breit abgestützte Auftragsbestand sichert die Kapazitäten bis weit ins Jahr 2027.

Buchhandel: Köhler-Übernahme, drei neue Filialen und eine Verlags-AG
Der Buchhandel wuchs um 2,3% auf 55.4 Mio. CHF und bleibt der umsatzstärkste Bereich der Gruppe. Orell Füssli Thalia übernahm die Papeteriekette A. Köhler AG mit 13 Standorten in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz. Die Läden laufen unter der Marke Köhler weiter und dienen zugleich als Abholstandorte für Onlinebestellungen. Die Übernahmekosten drückten das Betriebsergebnis der Division vorübergehend. Dazu kamen drei Filialeröffnungen im St. Jakob-Park in Basel, an der Raststätte Würenlos und in Langnau im Emmental. Während die Migros bis Ende 2026 sämtliche Filialen von Ex Libris schliesst, expandiert das Unternehmen im stationären Handel. Im Verlagsgeschäft wurden hep, SKV, Juristische Medien und Kinderbücher in der neuen Orell Füssli Verlage AG gebündelt. Mehrere neue Lehr- und Lernmedien stehen vor der Markteinführung.
Zeiser und Procivis: Die Golfregion bremst, eIDAS 2.0 treibt
Zeiser, die Tochtergesellschaft für Serialisierungsmaschinen, setzte 9.2 Mio. CHF um, das sind 1,5% weniger als im Vorjahr. Wegen der Kriegshandlungen wurden Lieferungen und Inbetriebnahmen in der Golfregion verschoben. Procivis, die Software-Tochter für digitale Identitäten, beteiligte sich an zahlreichen öffentlichen Ausschreibungen und gewann zwei neue Aufträge. Rückenwind liefert die EU-Verordnung eIDAS 2.0. Sie verpflichtet alle 27 Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 ein digitales Identitätswallet einzuführen. Die technische Umsetzung hinkt den regulatorischen Vorgaben jedoch hinterher, viele Länder dürften den Termin nicht einhalten. Auch die Schweiz hat die Einführung der E-ID erneut verschoben. Die Pflicht zur Einführung bleibt jedoch bestehen. Der Markt für Procivis entsteht damit später, er fällt aber nicht weg.

Aktie: Rundreise zurück auf das Niveau vom Frühjahr
Zuletzt wurden an der SIX Swiss Exchange 140.00 CHF je Aktie bezahlt (Ticker OFN, Stand 7. August 2026). Das sind rund 14% weniger als am 52-Wochen-Hoch von Mitte Mai. Gegenüber unserer Analyse vom 2. April 2026 hat sich der Titel kaum bewegt, die Marktkapitalisierung beträgt rechnerisch rund 274 Mio. CHF. Die im Mai ausbezahlte Dividende belief sich auf 5.80 CHF je Aktie. Die nächste Generalversammlung findet am 13. Mai 2027 statt.

Ausblick: Das zweite Halbjahr soll es richten
Die Jahresprognose 2026 ist bestätigt. Orell Füssli erwartet ein Umsatzwachstum leicht unterhalb des Zielkorridors von 4 bis 6% und eine EBIT-Marge von rund 9%. Die Konsumentenstimmung lag laut SECO im ersten Halbjahr leicht unter dem tiefen Vorjahresniveau, was der Buchhandel spürt. Das zweite Halbjahr trägt traditionell mehr. Dafür sprechen das Lernmediengeschäft zum Schulstart, das Weihnachtsgeschäft und die anstehenden Auslieferungen bei Zeiser. Die Industrietochter dürfte im Gesamtjahr Umsatz und Betriebsergebnis des Vorjahres übertreffen. Verwaltungsratspräsident Martin Folini bekräftigt zudem die Mittelfristziele 2028 mit 300 Mio. CHF Umsatz. «Wir sind auf Kurs, unsere strategischen Ziele 2028 zu erreichen.»
Fazit
Das 1. Halbjahr 2026 bestätigt beide Seiten der Investitionsthese. Die Substanz ist intakt, denn Auslastung, Auftragsbestand und die schuldenfreie Bilanz geben dem Geschäftsmodell Stabilität. Zugleich zeigt sich, wie stark der Gewinn vom Auftragsmix im Sicherheitsdruck abhängt. Auf Basis des Reingewinns nach Minderheiten 2025 liegt das KGV bei rund 14. Das rechnerische KBV beträgt rund 2,1, das KUV rund 1,0 und die Dividendenrendite 4,1%. Diese Bewertung trägt allein das Kerngeschäft. Sie unterstellt aber, dass die Margennormalisierung kontrolliert verläuft. Erfüllt sich die Prognose nicht und geht der Gewinn 2026 zurück, steigt das KGV weiter an, die Aktie wird teurer, nicht günstiger. Die Procivis-Option ist im Kurs weiterhin kaum eingepreist und verlangt Geduld. Nächster Beobachtungspunkt ist die Jahresrechnung 2026 am 17. März 2027.



