
Im Geschäftsjahr 2025/2026 feierte die Plaston Gruppe ihr 70-jähriges Bestehen. Die Übergabe der Aktienmehrheit von der Familie Frei an die Grapha Holding AG war zugleich ein zweiter wichtiger Meilenstein in der Unternehmensgeschichte des bisherigen Familienunternehmens. Beide Ereignisse fielen in ein äusserst stürmisches geopolitisches Umfeld mit wirtschaftlichen Herausforderungen: Die anhaltenden Sanktionen gegen Russland infolge des Ukraine-Kriegs belasteten die Geschäfte wichtiger Kunden im russischen Markt weiter, während der Nahost-Konflikt Energie- und Rohstoffpreise nach oben trieb und internationale Lieferketten beeinträchtigte. Beide Faktoren belasteten Nachfrage und Ergebnis.
Das im St. Galler Rheintal ansässige Industrieunternehmen meldete einen konsolidierten Umsatz von 53.7 Mio. CHF – ein Rückgang von 16,2% gegenüber dem Vorjahr (währungsbereinigt: 13,6%). Das Spritzgussgeschäft von Plaston fiel mit einem Umsatzrückgang von 7,8% (währungsbedingt nur 4,9%) moderat schwächer aus. Deutlich härter traf es den Hersteller von Luftbehandlungsgeräten Boneco, der ein Minus von 62,7% hinnehmen musste. Grund dafür waren übermässige Lagerbestände eines Hauptkunden, die zu entsprechend tieferen Neubestellungen führten. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet Boneco wieder mit einer Normalisierung.
EBITDA nimmt ab, Bilanz und Cashflows verbessern sich
Operativ stand das Jahr im Zeichen weiterer Effizienzsteigerungen. Grösster Hebel war der Personalaufwand, der durch einen Stellenabbau um 7,5% sank. Zusätzlich wurden auch die Gemeinkosten – Energie, Miete, IT – um rund 800’000 CHF reduziert. Gleichzeitig gelang es, die Bruttomarge von 51,0% auf 54,8% zu steigern. Die Effizienzsteigerungen konnten den Umsatzrückgang nicht kompensieren: Das EBITDA sank um 14,0% auf 5.2 Mio. CHF. Das EBIT ging um 29,0% auf 2.1 Mio. CHF zurück. Zusätzliche Währungsverluste drückten auf den Gewinn, der für die Gruppe insgesamt um 50,8% auf 1.2 Mio. CHF fiel, was dennoch die Ausschüttung einer Dividende von 50 CHF ermöglichte.
Infolge der tieferen Investitionstätigkeit von nur noch rund 1 Mio. CHF im Geschäftsjahr 2025/2026, straffem Bilanzmanagement und anhaltender Kostendisziplin verbesserten sich Bilanz und Cashflow deutlich. Die Bankverbindlichkeiten wurden um 4,1% auf 9.5 Mio. CHF gesenkt, und mit dem Anstieg der flüssigen Mittel resultierte daraus eine positive Nettoliquidität von 0.5 Mio. CHF – im Vorjahr bestand noch eine Nettoverschuldung von 2.4 Mio. CHF. Die Eigenkapitalquote stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 67,2%.
Der operative Cashflow entwickelte sich mit 5.0 Mio. CHF sehr erfreulich – der beste Wert in fünf Jahren. Dies ist auch auf positive Effekte wie die Optimierung des Nettoumlaufvermögens – die kurzfristige Liquidität im operativen Geschäft – und den Abbau der Lagerbestände zurückzuführen. Der freie Cashflow betrug 4.1 Mio. CHF.
Ausblick: Vorsichtiger Optimismus trotz volatilem Umfeld
Finanziell erwartet die Gruppe im Geschäftsjahr 2026/27 einen ähnlichen bis leicht höheren Umsatz, kann dies angesichts des anspruchsvollen Marktumfelds jedoch nicht mit Zuversicht bestätigen. Zur Dividende für das kommende Geschäftsjahr wollte sich das Unternehmen nicht äussern.
Wie in den vergangenen Jahren bleibt der strategische Fokus auf die Effizienzsteigerung und Rentabilität des Unternehmens, unter anderem in der Produktion und Administration. Langfristig will sich die Plaston Gruppe zudem international stärker aufstellen: Ab 2028 ist eine Expansion nach Indien geplant, mit einer eigenen Produktionsstätte sowie lokalem Vertrieb, wie CFO Hansruedi Lanker gegenüber schweizeraktien.net bestätigte. Der Zeitplan sei aktuell unverändert, und das Unternehmen befindet sich im Evaluationsprozess und der Prüfungsphase des Projekts.
Auch China bleibt für die Gruppe von Bedeutung, wenngleich der Bericht hier zurückhaltender klingt: Die China-Umsätze gingen 2025/26 währungsbedingt um 10,1% zurück (16,7% nominal), und die Gesellschaft Boneco Trading wurde im Frühjahr liquidiert. Trotz der Herausforderungen in China bleibt die Geschäftsleitung zuversichtlich, dass sie «gestärkt aus dieser Marktschwäche hervorgehen» und bezeichnet China weiterhin als «wichtiges Standbein» der Gruppe.
Fazit
Die Nachfolgeregelung der Familie Frei hat Plaston eine stabile und langfristige Zukunft gesichert. Die Zusammenarbeit mit Grapha könnte für neue Wachstumsimpulse sorgen, so Plaston. Die Geschäftleitung konnte aktuell jedoch noch keine Angaben darüber machen, wo diese Wachstumsimpulse liegen.
Operativ konnte die Plaston Gruppe an Stabilität gewinnen. Die Massnahmen zur Effizienzsteigerung stützten das Resultat leider nur teilweise, bestätigen jedoch vorläufig eine positive Trendwende in der Rentabilität. Bemerkenswert ist die positive Nettoliquidität, trotz der rückläufigen Umsätze der letzten Jahre. Dies gibt Anlegern etwas mehr Zuversicht für die finanzielle Situation angesichts der geplanten Expansion nach Indien im Jahr 2028. Um das Projekt finanziell solide und aus eigener Kraft zu stemmen, braucht die Gruppe jedoch weiterhin strikte Kostendisziplin und eine Erholung der globalen Nachfrage.
Dies ist jedoch herausfordernd, da die Gruppe kurz- bis mittelfristig von geopolitischen Ereignissen betroffen ist und Entspannungen «weiterhin nicht absehbar» sind. Materialpreisschwankungen kann Plaston dank vertraglicher Weitergabemechanismen an Kunden weitgehend abfedern. Somit besteht das eigentliche Risiko in der Auftragsnachfrage.

Die Aktien der Plaston Holding werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 5’200 CHF für eine Aktie bezahlt. Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs um rund 25% zugelegt, was sicherlich auch auf die neuen Eigentumsverhältnisse zurückzuführen ist. Der Generalversammlung am 27. August soll die Ausschüttung einer Dividende von 50 CHF je Aktie vorgeschlagen werden, was einer Dividendenrendite von knapp 1% entspricht.




