
Der Bieler Edelmetallverarbeiter CMSA Holding kann auf eine 140-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Das Legieren und Verarbeiten von Gold sowie anderen Edelmetallen für die Uhren-, Schmuck- und Medizintechnikindustrie bildet seit Jahrzehnten das Geschäftsmodell von CMSA. Bekannte Uhren- und Schmuckmarken gehören ebenso zu den Kunden wie namhafte Hersteller von Implantaten. Da Gold und andere Edelmetalle die wichtigsten Rohstoffe für CMSA sind, hält das Unternehmen einen grossen Eigenbestand dieser Rohstoffe.
Im Gespräch mit schweizeraktien.net erläutern Philipp von Büren und Marcel Gerber, welchen Einfluss die Edelmetallbestände auf die Bilanz haben und geben Auskunft zum kürzlich erfolgten Aktiensplit sowie der aktuellen Geschäftsentwicklung.
Herr von Büren, seit dem Aktiensplit der CMSA Holding SA Anfang Juni ist der Aktienkurs um rund 11% gestiegen. Haben Sie das in dieser Form erwartet, und sehen Sie die Ziele des Splits als erreicht an?
Philipp von Büren: Grundsätzlich ist es natürlich sehr erfreulich, dass sich der Kurs nach dem Split positiv entwickelt hat. Es ist aber schwierig zu sagen, was genau der Auslöser dafür war. Zeitgleich mit dem Split haben wir beispielsweise an Ihrem Branchentalk Industrie teilgenommen und konnten dank Swiss GAAP FER neu für zusätzliche Transparenz sorgen. Es gibt also viele Einflüsse – vom Marktumfeld über Einzelereignisse bis zu Entwicklungen in der Branche selbst – und bei der aktuellen Liquidität ist es nicht einfach festzumachen, welcher Effekt wie stark wirkte. Wichtig ist für uns: Die Liquidität hat zugenommen, das Aktionariat ist breiter geworden, und die Aktionäre glauben an CMSA, was sich in der Aktienpreisentwicklung der letzten Wochen widerspiegelt. Das war klar eine Zielsetzung.
Wie beurteilen Sie die Liquidität aktuell, und gibt es Signale von Altaktionären, Teile zu verkaufen?
Aus unserer Sicht ist die Liquidität vollkommen ausreichend. Wir sehen genügend Titel im Umlauf für die bestehende Nachfrage nach der Aktie. Gerade die grösseren Altaktionäre – das sind vielleicht fünf, sechs Familien – wollen keine Titel abgeben, und das sorgt für Stabilität. Viele sind langfristig orientiert, was uns sowie dem Unternehmen guttut. Daneben gibt es zahlreiche kleinere und mittlere Aktionäre, was die Basis verbreitert und zusätzliche Dynamik reinbringt. Wenn der Kurs mal sehr stark steigen würde, dürften einzelne Investoren teilweise Gewinne mitnehmen, was wiederum für zusätzliche Liquidität sorgen würde. Im Moment ist das aber kein Thema, und wir fühlen uns mit der Aktionärsstruktur wohl.
«Gerade die grösseren Altaktionäre – das sind vielleicht fünf, sechs Familien – wollen keine Titel abgeben»
Könnten Sie schildern, wie sich die Geschäftsentwicklung aktuell präsentiert? Welche Trends und Herausforderungen sehen Sie für das laufende Geschäftsjahr?
Marcel Gerber: Umsatzmässig liegen wir leicht unter Budget, aber die Situation ist viel stabiler als im Vorjahr. Besonders im Bereich Industrie und Halbleiter erleben wir ein sehr starkes Wachstum, getrieben von den Investitionen speziell im KI-Bereich und steigender Nachfrage in Hightech-Industrien. Die Uhrenindustrie ist stabil – auf einem etwas tieferen Niveau als 2022, aber immerhin wieder mit einer positiveren Tendenz.
Wir haben auch die Organisation in 2025 optimiert: Die Zahl der Mitarbeitenden hat sich von rund 700 auf etwa 600 reduziert, was die Kostenbasis gesenkt und sich direkt auf die Profitabilität ausgewirkt hat. Diese Effekte machen sich jetzt sehr deutlich bemerkbar und bestätigen unsere strategischen Anpassungen. Unser Ziel bleibt, das Budget zu erreichen und profitabel zu arbeiten, auch wenn das Umfeld volatil bleibt.
Wie gehen Sie das Thema Expansion, hier insbesondere Akquisitionen, an? Gibt es eine definierte Strategie oder bleiben Opportunitäten entscheidend?
Philipp von Büren: Bisher waren viele unserer Akquisitionen eher opportunistischer Natur – es wurden uns Firmen mit Nachfolgefragen angetragen, oder wir kannten den Eigentümer schon. Entscheidend war und ist für uns immer, dass die neuen Unternehmen zu unserer Kernkompetenz passen, oft ergeben sich daraus technologische Erweiterungen oder neue Fertigungskapazitäten. Ein Beispiel ist die Firma GALVAdOR – da konnten wir gezielt Know-how und Technologie ins Haus holen, die wir zuvor noch nicht hatten.
«Grundsätzlich wollen wir verstärkt aktiv nach passenden Übernahmen suchen (…)»
Mittel- bis langfristig diskutieren wir durchaus, einen eigenen Produktionsstandort im Euro-Raum oder in Asien zu eröffnen – gerade weil Schweizer Löhne, Standortkosten und Zugang zum Markt Grenzen setzen. Es ist aber keine Hauruckübung, sondern Teil einer Gesamtstrategie hin zu mehr Internationalisierung und Diversifikation. Wir nehmen uns Zeit, Chancen zu beurteilen, ohne dabei das Ziel der Profitabilität zu vernachlässigen.
Wie gehen Sie dabei konkret vor?
Marcel Gerber: Wir prüfen Projekte immer darauf, ob wir sie finanziell und organisatorisch wirklich stemmen können. Nur zu wachsen, ist nicht unser Ziel – für uns zählt ein nachhaltiges, resilientes und rentables Wachstum. Manchmal kann es auch strategisch sinnvoll sein, in einem neuen Markt nur schrittweise Fuss zu fassen, um Risiken zu kontrollieren. Aber die Option, auch im Ausland Produktionsstätten aufzubauen, bleibt für uns offen, falls es nötig werden sollte, die Konkurrenzfähigkeit zu sichern oder weiterzuentwickeln.
Ein Thema, das immer wieder für Fragen sorgt, ist Ihr umfangreicher Goldbestand. Können Sie erläutern, warum die CMSA so viel Edelmetall auf der Bilanz hält und wie Sie dies künftig strategisch einbinden?
Philipp von Büren: Edelmetall ist ein ganz zentrales Element unseres Geschäftsmodells und unserer Bilanz. Wir sprechen per Ende 2025 von etwa 166 Mio. CHF an eigenem Goldbestand, was einen grossen Teil unseres Eigenkapitals ausmacht. Das hat nichts mit Spekulation zu tun, sondern mit der Natur unserer Produktion: Wir brauchen gerade für hochkomplexe Komponenten oft das Mehrfache der Endproduktmenge als Zwischenbestand – etwa für Uhrengehäuse, Schwungmassen oder Medizintechnikteile. Durch den Raffinierprozess, Legieren und unterschiedliche Produktionsstufen ist der Bedarf hoch, auch wenn letztlich nur ein kleiner Teil davon tatsächlich im Endprodukt bleibt. Andere Unternehmen leihen sich Gold oder bringen es aus Kundeneigentum ein – wir setzen auf einen Mix aus eigenem Bestand, Leihgold und Kundengold. Transparenz in der Bilanz ist uns wichtig: Sie sehen im Jahresbericht, welcher Anteil des Edelmetalls in der Bilanz und welcher ausserhalb der Bilanz rapportiert ist.
«Edelmetall ist ein ganz zentrales Element unseres Geschäftsmodells und unserer Bilanz»
Im letzten Jahr konnten Sie von dem starken Anstieg des Goldpreises also profitieren …
Ja, denn der Goldbestand bietet uns hier Flexibilität. Preisanstiege erlauben es uns, bei günstiger Marktlage Schulden gezielt zurückzuführen oder Akquisitionen mit eigenen Reserven zu finanzieren – letztes Jahr hatten wir so etwa durch den rekordhohen Goldpreis einen deutlichen Vorteil. Das erlaubt es uns, strategisch zu handeln, wenn sich Chancen ergeben.
Marcel Gerber: Natürlich gibt es Überlegungen, wie gross der eigene Goldbestand sein soll. Es wäre denkbar, auf Fremdfinanzierung wie Leihgold umzusteigen, was andere Unternehmen tun. Das machen wir aber bewusst nicht als Grundsatz – wir wollen unabhängig und flexibel bleiben. Allerdings beobachten wir den Markt sehr genau: Als das Gold extrem teuer war, haben wir durchaus einen Teilbestand verkauft und damit gezielt investiert oder Kredite getilgt.
Wie beeinflusst der Goldbestand die Dividendenstrategie? Und können Sie das Verhältnis von operativen Ergebnissen und den wertmässigen Veränderungen im Edelmetallbestand erläutern?
Philipp von Büren: Die Dividende orientiert sich klar an den operativen Ergebnissen, nicht an Wertsteigerungen des Edelmetalls. Es ist uns wichtig, dass unsere Aktionäre wissen: Kursgewinne auf dem Goldbestand fliessen nicht direkt in die Dividende, sondern werden differenziert ausgewiesen. Wir setzen deshalb auf eine nachhaltige, moderat steigende Ausschüttung – 2 bis 3% Dividendenrendite liegen im Zielkorridor, dieses Jahr sind wir bei rund 2,7 bis 2,8%. Damit liegen wir etwas über dem Durchschnitt vergleichbarer OTC-Aktien.
Warum ist der Marktwert Ihrer Aktien mit aktuell 505 CHF so weit vom Buchwert entfernt, der bei rund 1’700 CHF liegen dürfte?
Marcel Gerber: Das ist richtig. Es gibt aktuell einen sehr grossen «Discount» zwischen ausgewiesenem Eigenkapital und Börsenwert, der rund 70% beträgt. Dies liegt daran, dass ein grosser Teil des Eigenkapitals als Goldbestand ausgewiesen ist, der nicht die gleiche Ertragskraft wie unser übriges Geschäft aufweist. Deshalb differenzieren wir: Nur operative Ergebnisse sind Dividendengrundlage, und wir streben an, durch Effizienzsteigerungen, Akquisitionen und Diversifikation diese Lücke schrittweise zu schliessen. Aber das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Unsere Philosophie bleibt: Das operative Geschäft muss erfolgreich und rentabel sein, Gold ist Reserve und strategisches Sicherheitspolster – aber kein Selbstzweck.
«Es gibt aktuell einen sehr grossen ‹Discount› zwischen ausgewiesenem Eigenkapital und Börsenwert»
Welche übergeordneten, strategischen Leitlinien bestimmen Ihre Arbeit in den nächsten Jahren?
Philipp von Büren: Für sämtliche Schweizer Exportunternehmen gilt: Effizienzsteigerung, Produktivität und Innovationskraft sind überlebenswichtig. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber Anbietern aus dem Euro-Raum oder Asien, wo die Lohnkosten oft nur ein Zehntel davon betragen, kann auf Dauer nur durch intelligentes Kostenmanagement, Automatisierung und hohe Qualität gesichert bleiben. Gleichzeitig gibt uns der Standort Schweiz viele Vorteile – politische Stabilität, innovative Arbeitskräfte, tiefe Zinsen, tiefe Inflation, eine international anerkannte Marke.
Marcel Gerber: Die Schlüsselwörter für uns sind deshalb Agilität und Flexibilität. Wir navigieren regelmässig neue Herausforderungen wie Währungskrisen oder geopolitische Schwankungen, und konnten als Unternehmen schon mehrfach beweisen, dass wir uns rasch anpassen können. Unsere 140-jährige Firmengeschichte zeigt, dass Resilienz Teil unserer DNA ist. Dazu gehört auch, offen für neue Märkte, Technologien und Geschäftsbereiche zu bleiben, ohne das Fundament unseres Erfolgs zu verlieren.
Philipp von Büren: Letztlich wollen wir Schritt für Schritt weiter in die Diversifikation, Profitabilität und Marktkapitalisierung investieren – ohne unsere Wurzeln in der hochpräzisen Metallverarbeitung und im verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Risiken zu verlassen.
Danke, Herr von Büren und Herr Gerber, für Ihre ausführlichen Antworten.

Die Aktien der CMSA Holding werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der Kurs ist seit Anfang des Jahres um 4,52% gestiegen und hat seit dem Aktiensplit am 3. Juni rund 11,0% zugenommen. Zuletzt wurden 505 CHF für eine Aktie bezahlt.





