V-Zug Holding: Gelingt der Turnaround?

Zahlen des ersten Semesters zeigen Trendwende beim Premium-Haushaltsgerätehersteller an

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Kochfeld V-Zug
Die modernen Induktionskochfelder von V-Zug erhitzen direkt die Töpfe und Pfannen und nicht das Kochfeld. Bild: V-Zug

Seit dem Hoch im August 2021 ging es mit der Aktie von V-Zug stetig abwärts. Doch das Tief im März bei 35.50 CHF hat die Aktie hinter sich gelassen. Die Ende Juli bekannt gegebenen Zahlen des ersten Halbjahres zeigen ein qualitatives Wachsstum und einen markanten Gewinnanstieg. Steht ein kräftiger Turnaround der vernachlässigten Aktie bevor?

Die Schweiz bleibt auch im ersten Semester 2026 mit einem Umsatzanteil von fast 85% der Hauptmarkt von V-Zug. Mit 240.9 Mio. CHF lag der Umsatz im Heimatmarkt um 8.8 Mio. CHF höher als im Vorjahreszeitraum. Die V-Zug Gruppe erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg um 4,9% auf 284.5 Mio. CHF, währungsbereinigt lag der Zuwachs bei 5,2%. Auf internationale Märkte entfielen 43.7 Mio. CHF, ein Anstieg um 4.8 Mio. CHF, der hauptsächlich vom US-Markt getragen wird.

Konzernergebnis vervielfacht

Durch strikte Kostendisziplin gelang es, das EBIT von 3 Mio. CHF im ersten Semster 2025 auf nun 7.9 Mio. CHF zu steigern. Das Konzernergebnis erhöhte sich überproportional von 1.6 Mio. CHF auf 6.9 Mio. CHF. Das bleibt zwar immer noch deutlich unter dem Niveau der besseren Jahre im Zeitraum seit dem Börsengang im Juni 2020, zeigt aber auch eindrucksvoll, wie stark der Gewinnhebel bei einem beginnenden Turnaround ausfallen kann.

Strategische Initiativen schaffen Fokus

Die positive Entwicklung findet in einem für V-Zug anhaltend schwierigen Marktumfeld statt und ist Ergebnis einer Anpassung an die unsicheren und wechselhaften Marktbedingungen. Teil der Anpassungsstrategie sind die beiden Initiativen «Grow» und «Simplify», die auf die Generierung von Wachstum und die Vereinfachung der Prozesse und Strukturen abzielt. Das Sortiment wurde erweitert mit einem speziellen Fokus auf Innovation, Premiumqualität und Swissness. Ein Ergebnis ist die für 2027 geplante Markteinführung des neuen Premium-Kochfeldkonzepts «CookTop V6000 Integra», das anlässlich der Design Week in Mailand bereits einem Fachpublikum präsentiert wurde.

Gezielte Marktbearbeitung

Das führt gleichzeitig vor Augen, wie V-Zug mit angepassten Vertriebs- und Marketingstrategien die internationalen Märkte erschliesst. Fokusmärkte sind Deutschland, UK, China und Australien. Hierzu wurde der Vertrieb in Deutschland gestärkt, in China wird im zweiten Halbjahr 2026 ein Partnerschaftsmodell mit Verkaufspunkten in diversen Metropolen umgesetzt.

Internationale Wachstumschancen

V-Zug ist in der Schweiz Marktführer bei Haushaltsgeräten. Durch die Steigerung der Servicequalität und Produktinnovationen sowie zunehmend auch die Kreislauffähigkeit der Geräte soll die führende Position befestigt werden. Dagegen handelt es sich bei der internationalen Expansion um eine gezielte Premium-Strategie, um Wachstum im Top-Segment zu erzielen. Der Umsatzanteil des internationalen Geschäfts ist zwar von einigen Prozent inzwischen auf 15,3% angewachsen, doch das Wachstumspotenzial bleibt unverändert riesig. Auf Europa ohne Schweiz entfallen lediglich 13 Mio. CHF Umsatz, auf Nordamerika 15 Mio. CHF und auf Asien-Pazifik und den Rest der Welt nur 15.7 Mio. CHF. Insofern ist es absolut richtig, diese vielversprechenden Märkte gezielt zu bearbeiten. Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Werte stiegen im ersten Halbjahr um 18,7% auf 30.4 Mio. CHF.

Umsatzverteilung nach Regionen. Quelle: Halbjahresbericht 2026 V-Zug

Neu erstarkte Dynamik

Der Heimatmarkt ist demgegenüber relativ saturiert. Umso erfreulicher ist, dass V-Zug im ersten Semester den Schweiz-Umsatz um 3,7% steigern konnte. Diese Entwicklung führen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat auf eine «erstarkte eigene Dynamik im Neu- und Ersatzgeschäft» zurück. Der weitere Ausblick von V-Zug ist mit 3% jährlichem Umsatzwachstum konservativ und löst somit keine überambitionierten Wachstumsfantasien aus.

Innovatives Recycling-Projekt

Doch so, wie sich in den vergangenen Jahren Gegenwinde durch Kriege, Inflation, Zinsanstieg und Handelsunsicherheiten formiert hatten, könnte nun auch eine Gegenbewegung einsetzen. Das Bau- und Renovierungsklima beginnt bereits, sich zu verbessern, zumindest beim Schweizer Marktführer V-Zug. Für neue Impulse könnte auch die Innovation in der Kreislaufwirtschaft mit Namen «Adora Circular Edition» sorgen. Durch die Wiederverwendung von mehr als 30 Komponenten wird der CO2-Fussabdruck des verwendeten Materials halbiert. Gemeinsam mit dem Recyclingspezialisten Thommen wird in einem Pilotprojekt eine Demontagelinie für sortenreine Materialströme aus Waschmaschinen aufgebaut.

Solide Bilanz und Neubauprojekt

Die Eigekapitalquote steht zum 30. Juni bei 74,7%, damit bleibt die Bilanz stark. Der Baubeginn des neuen Büro- und Laborgebäudes Zephyr West auf dem eigenen Areal erfordert neue Investitionen, die auch durch Fremdkapital finanziert werden. Hierzu wurde eine neue Kreditlinie in Höhe von 200 Mio. CHF geschaffen.

Ausblick

V-Zug blickt durchaus optimistisch in die Zukunft und vertraut darauf, dass innovative Produkte, hervorragender Service und die verfolgte Premiumstrategie auf die entsprechende Nachfrage im Top-Segment der Haushaltsgeräte stossen. Konjunkturelle Schwächen, geopolitische Unsicherheiten und höhere Inflation, wie beispielsweise bei den Speicherbauteilen durch die boomende KI-Nachfrage, sind als Realitäten auf dem Radar, da sie den weiteren Geschäftsgang beeinflussen können. Ziele von V-Zug sind ein jährliches Umsatzwachstum von 3% und eine Ausweitung der Gewinnspanne auf 10%.

Fazit

Die Anpassung der Strategie an die Marktgegebenheiten und ihre Weiterentwicklung zeigen im ersten Semester 2026 Wirkung. Der kräftige Gewinnanstieg wirkt überzeugend und ist die Folge vielfältiger Optimierungen und Änderungen auf allen Ebenen. Da die Trendwende in einem unverändert anspruchsvollen und teilweise widrigen Umfeld gelungen ist, könnte eine Konjunkturbelebung, wie sich abzuzeichnen scheint, zu überraschend guten Zahlen im zweiten Halbjahr und darüber hinaus führen. Die Aktie hat im positiven Fall eine weite Strecke bis zu den ehemaligen Höchstständen von 155 CHF vor sich. Mit aktuell 41 CHF liegt V-Zug nur 15% über dem All-Time-Low von 35.50 CHF und bietet somit viel Erholungspotenzial.

Chart V-Zug Aug26
Bei der Aktie von V-Zug besteht Aufholpotenzial. Chart: six-group.com

Die Aktien der V-Zug sind an der SIX Swiss Exchange kotiert und wurden zuletzt zu 41.20 CHF gehandelt.

2 Kommentare

  1. Ist das wirklich ein Turnaround und nicht nur temporär bedingt durch die Abschaffung des Eigenmietwerts? Deswegen renovieren viele ja noch schnell solange sie es von den Steuern abziehen können.

    • Die Wahrheit ist, wir wissen es nicht und erst die Zeit wird es zeigen. Ihr Punkt ist ein Faktor, doch über die Frist hinausgehend ist doch der Erneuerungsbedarf enorm. Die neuen Produkte sind effizienter und selbst die langlebigen V-Zug Geräte haben eine begrenzte Lebensdauer. Und im Auslandsgeschäft spielen steuerliche Erwägungen kaum eine Rolle.

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