
Die Calida Holding AG stellt ihre Kapitalallokation neu auf und will ihre Aktionäre künftig deutlich stärker am Unternehmenserfolg beteiligen. Der Verwaltungsrat hat die Ziel-Ausschüttungsquote auf 40 bis 60% des bereinigten Konzerngewinns erhöht. Bislang lag die Bandbreite bei 20 bis 30%. Als Begründung nennt das Unternehmen in der heute publizierten Medienmitteilung die solide Bilanz, die nachhaltige Ertragskraft und das Vertrauen in die langfristigen Wachstumsperspektiven.
Aktienrückkauf bis zu 2% des Kapitals
Zusätzlich lanciert der auf qualitativ hochwertige Unter- sowie Nachtwäsche spezialisierte Bekleidungskonzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2% des ausstehenden Aktienkapitals. Der Rückkauf soll am 2. Oktober 2026 starten und spätestens Ende Juni 2027 abgeschlossen werden. Die erworbenen Aktien sollen anschliessend durch eine Kapitalherabsetzung vernichtet werden.
Bereits an der Generalversammlung vom April 2026 hatte der Verwaltungsrat angekündigt, von seinem im Kapitalband eingeräumten Spielraum Gebrauch zu machen und selektive Aktienrückkäufe von bis zu 2% des Aktienkapitals vorzunehmen. Gleichzeitig lehnte das Gremium den Antrag eines Aktionärs auf ein deutlich umfangreicheres Rückkaufprogramm von bis zu 10% des Aktienkapitals ab. Aus Sicht des Verwaltungsrats sollen die vorhandenen finanziellen Mittel primär für die Weiterentwicklung der Marken und das Wachstum des operativen Geschäfts eingesetzt werden. Die Aktionäre stimmten in der Folge auch entsprechend dem Wunsch des Verwaltungsrats ab und verwarfen den Antrag mit 68,4% Nein-Stimmen.
An dieser strategischen Ausrichtung hält die Gruppe fest. Neben der höheren Ausschüttungsquote und dem Aktienrückkauf will Calida weiterhin gezielt in die Kernmarken Calida und Aubade investieren. Geplant sind Investitionen in die Modernisierung der Marken, die Weiterentwicklung der Kollektionen, die Optimierung des Filialnetzes sowie in Kommunikation und Kundenerlebnis.
CEO und Verwaltungsratspräsident Thomas Stöcklin bezeichnete die neue Kapitalallokationsstrategie als ausgewogenen Ansatz zwischen Investitionen in profitables Wachstum und einer attraktiven Beteiligung der Aktionäre am Unternehmenserfolg.
Operative Herausforderungen
Die Calida Group kämpft seit Jahren mit rückläufigen Umsätzen und hat im letzten Halbjahr sogar ein negatives operatives Ergebnis auf Stufe EBIT, wie auch einen negativen Gewinn ausweisen müssen. Erschwerend dazu kommt aktuell eine Klage, welche im Rahmen des im Jahr 2024 getätigten Verkaufs der «Lafuma Mobilier» eingereicht und Calida erstinstanzlich zu einer Schadenersatzzahlung von rund 6.4 Mio. Euro verurteilt wurde. Die ursprüngliche Klagesumme lag mit 39 Mio. Euro sogar noch deutlicher höher.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet Calida eine um diese Schadenersatzzahlung bereinigte operative EBIT-Marge von mehr als 6% des Umsatzes. Im Vorjahr lag diese Kennzahl noch bei 4,2% und im ersten Halbjahr 2026 bei -0,3%. Sollte dieses Ziel im Umfeld weiter sinkender Umsätze erreicht werden, wäre dies ein positives Zeichen.

Negative Kursentwicklung
Der Kurs der Calida-Aktie kam in den vergangenen Jahren stark unter Druck. Nach einem kurzzeitigen Anstieg während der Covid-Pandemie, als die Aktie im Frühling 2022 beinahe einen Kurs von 60 CHF erreichte, folgte seither ein kontinuierlicher Abverkauf bis auf den Tiefststand von 11.24 CHF im vergangenen Dezember – ein Wert, welcher zuletzt im Rahmen der Finanzkrise 2009 erreicht wurde. Auf eine Verdoppelung des Kurses im ersten Halbjahr 2026 folgte in der zweiten Jahreshälfte ein erneuter Abverkauf. Auch nach der heutigen Ankündigung kam es in den ersten Handelsminuten nochmals zu einem weiteren Kursrückgang gefolgt von einem Anstieg von aktuell über 7%. Die Bereitschaft, zukünftig mehr Kapital an die Aktionäre auszuschütten, scheint an der Aktionärsbasis gut anzukommen.

Die Calida-Aktie ist an der SIX Swiss Exchange unter dem Valor CALN gelistet. Sie wurde zuletzt für 13.72 CHF gehandelt. Unter Annahme einer gleichbleibenden Dividende von zuletzt 0.25 CHF beträgt die Dividendenrendite aktuell 1,8%.
Calida war lange Zeit für grosszügige Sachdividenden in Form eines kostenlosen Pyjamas bekannt und ist deswegen auch in den Portfolios vieler Kleinanleger zu finden. Bedingt durch den starken Anstieg an Kleinaktionären – die Anzahl hat sich in den vergangenen Jahren verzehnfacht – hat sich Calida im vergangenen Jahr dazu entschieden, diese Tradition abzuschaffen und ermöglicht den Aktionären mit mindestens 20 Anteilen am Unternehmen seither stattdessen einen vergünstigten Einkauf in ihren stationären Shops oder online.
Transparenzhinweis: Der Autor hält Anteile am genannten Unternehmen.


