Börsengänge Schweiz/International: Wann öffnet sich das IPO-Fenster wieder?

Globale IPO-Statistik zum dritten Quartal wird durch Mega-Caps und Secondaries verzerrt

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Titelbild
Seit Juli ist es hinsichtlich IPO’s ruhig geworden. Bild: schweizeraktien.net

Seit Juli ist es relativ ruhig geworden an den Primärmärkten. Die Hitzewelle, aber auch das allgemein steigende Zinsniveau dämpften das Interesse der Anleger. In der Schweiz vollzog das Spital-Immobilien-Unternehmen Infracore im Juli den ersten und bisher einzigen Börsengang des Jahres.

Noch im Juni sorgte der Mega-Börsengang von SpaceX für Schlagzeilen. Der Emissionserlös schlug mit 75 Mrd. USD alle bisherigen Rekorde. Bei einem Ausgabepreis von 135 USD lag das kurzfristige Hoch bei über 200 USD. Doch schon kurz nach der Erstnotiz ging es mit dem Kurs abwärts – bis auf 108 USD. Aktuell bewegt sich der Kurs bei rund 150 USD. Die Market Cap liegt somit bei 2 Billionen USD.

SPCX Chart
SpaceX notiert nach einem steilen Aufstieg und dem Absturz danach wieder in der Nähe der IPO-Bewertung. Chart: tradingview.com

Billion-Dollar-Club

Der exklusive Club der Unternehmen mit Billionenbewertungen wird grösser. Vor kurzem haben Micron Technology und AMD die 1-Billionen-USD-Hürde genommen. Und JP Morgan Chase steht mit aktuell rund 900 Mrd. USD Market Cap als erstes Finanzunternehmen vor dem Überspringen der Marke.

US-Markt – stark, aber differenziert

Weitere Börsenkandidaten aus den USA mit Billionenpotenzial sind die beiden KI-Marktführer OpenAI und Anthropic. Beide hatten geplant, 2026 an die Börse zu gehen, doch zuletzt wurden Verschiebungspläne von diversen Medien kolportiert. Aktuell wird erwartet, dass Anthropic doch noch im November kommen wird. In den USA gab es im Juli zwei IPOs mit Emissionserlösen von mehr als 1 Mrd. USD. Csquare betreibt Rechenzentren, Jersey Mike´s Subs ist eine Schnellrestaurant-Kette. Der südkoreanische Hersteller von Memory-Chips, SK Hynix, nutzte die Gelegenheit und platzierte Aktien im Wert von 26.5 Mrd. USD über die Ausgabe von ADRs. Es war das grösste Secondary Offering überhaupt. Die Aktie wird bereits seit 2018 an der heimischen Börse in Seoul gehandelt. Die Börsenbewertung bewegt sich aktuell an der 1-Billionen-USD-Marke.

China boomt, Europa stagniert

Im dritten Quartal 2026 gingen in den USA zwar nur 24 Unternehmen an die Börse gegenüber 65 im Vorjahresquartal, doch das Emissionsvolumen stieg um 122% auf 35 Mrd. USD. Nicht viel anders fällt die 9-Monatsstatistik für die USA aus. Die Anzahl der IPOs ging um 45% auf 96 zurück. Das Emissionsvolumen dagegen schoss um 395% auf 163 Mrd. USD in die Höhe. An den chinesischen Börsen nahm die Anzahl der IPOs im dritten Quartal von 58 auf 79 zu und der Emissionserlös konnte sich auf 43.1 Mrd. USD mehr als verdoppeln. Der Halbleiter-Hersteller CXMT sammelte 9.8 Mrd. USD ein und avancierte vom Börsenstart weg zum höchstbewerteten Unternehmen Chinas. In Europa fanden 45 Börsengänge statt, nach 24 im Vorjahresquartal. Der Emissionserlös fiel dagegen um 0.8 Mrd. USD auf 2.9 Mrd. USD. Insgesamt gingen im dritten Quartal 367 Unternehmen an die Börse, das Emissionsvolumen lag bei 93.3 Mrd. USD.

IPO von Infracore an der SIX

Am 9. Juli startete Infracore den Handel an der SIX. Der erste Kurs lag bei 54 CHF. Mittlerweile ist die Aktie unspektakulär abgedriftet und bewegt sich 10% tiefer bei 49 CHF. Die Gesellschaft hat beim IPO rund 200 Mio. CHF eingesammelt. Gegenwärtig steht eine nachgebesserte Kaufofferte für das Spital Wetzikon in Höhe von 55 Mio. CHF im Raum. Die Konditionen, nicht aber der Angebotspreis, wurden verbessert, nachdem das erste Angebot zurückgewiesen worden war.

Infracore Chart
Der Kurs von Infracore verliert seit dem IPO kontinuierlich an Wert. Chart: six-group.com

SMAG-IPO – ein Lehrstück

Ebenfalls im Juli fanden in Deutschland die beiden jüngsten IPOs statt. Bei SMAG Mobile Antenna Masts und Helios Solar handelt es sich jedoch um Micro-Caps mit Marktkapitalisierungen von wenig mehr als 100 Mio. Euro. Bei SMAG kam es zu einem seltenen Phänomen. Am ersten Handelstag kam lange kein erster Kurs zustande, weil es keine Orders gab. Zugeteilt zu 46 Euro je Aktie am unteren Ende der Bookbuildingspanne wurde letztlich der erste Kurs bei 35 Euro gebildet, am Ende des ersten Handelstages lag der Kurs unter 27 Euro. Zwischenzeitlich scheint die Aktie bei 24 Euro einen Boden gefunden zu haben.

Defence-IPOs mit magerer Performance

Die mobilen Antennensysteme werden u.a. bei der Drohnenabwehr eingesetzt. Kunden sind die Bundeswehr und das Militär der meisten NATO-Staaten. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 29.3 Mio. Euro, doch der Auftragsbestand erreicht über die nächsten 12 Jahre 1.4 Mrd. Euro. Die Deutschland-Bilanz 2026 offenbart, dass mit SMAG, Gabler Group, Electrovac und Vincorion vier der fünf IPOs aus dem Defence-Sektor kommen. Die Performance ist mager bis negativ. Das entspricht der schwachen Performance von Rheinmetall und anderen etablierten Defence-Titeln, seit klar geworden ist, dass Panzer und Granaten in den Aufrüstungsplänen eine geringere Rolle als bisher angenommen spielen. Das IPO des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS wird aufgeschoben.

Centiel Chart
Centiel hat bisher ein sehr starkes Jahr hingelegt. Chart: six-group.com

Ausblick

Der weitere Ausblick für die Primärmärkte ist so unsicher wie die geopolitische Lage. Die Emittenten warten jedoch ab. Das steigende Inflations- und Zinsniveau bietet für IPOs kein konstruktives Umfeld. In der Schweiz halten sich die Börsenkandidaten ohnehin zurück und machen das IPO erst mit der Eröffnung der Bookbuilding-Phase bekannt. Das Interesse der Investoren an neuen Namen auf der Kursliste ist da. Das zeigt sich in den Kurskapriolen von R&S Group und Centiel, die beide nicht via IPO an die Börse kamen, sondern über die Fusion mit börsenkotierten Mantelgesellschaften. Die erratischen Kursbewegungen beleben das Börsengeschehen. Abzuwarten bleibt, ob die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer von den Unternehmen auch erfüllt werden können. Seit dem 1. Oktober ist mit Infomaniak ein weiterer Neuzugang an der SIX zu verzeichnen. Die Gesellschaft schlüpfte auf dem Weg eines Reverse Takeovers in den Mantel von Perrot Duval. Die Börsenbewertung am ersten Handelstag belief sich auf 262 Mio. CHF.

Weitere Infos: QIII-Report von EY

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