Gerardo Lecuona, CEO Centiel Group: «Der Börsengang ist erst der Anfang unserer Reise»

Technologieanbieter profitiert von fortschreitender Digitalisierung und KI

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Die Co-Gründer von Centiel, Gerardo Lecuona (l.) und Filippo Marbach, läuten den Börsengang an der SIX ein. Bild: schweizeraktien.net

Die Centiel Group, ein Technologieanbieter für unterbrechungsfreie Stromversorgungslösungen (USV), ist kürzlich an der Schweizer Börse kotiert worden. Das Unternehmen plant nun die nächsten Wachstumsschritte. Megatrends wie die fortschreitende Digitalisierung, der Ausbau von Rechenzentren und der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz dürften die Nachfrage in den kommenden Jahren antreiben.

Am Rande des IPO-Events in Zürich sprach Gerardo Lecuona, CEO von Centiel, mit schweizeraktien.net über die Gründe für den Börsengang, die Wachstumsstrategie und den Wettbewerb.

Herr Lecuona, die Centiel Group ist nun an der SIX Swiss Exchange kotiert. Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Geschäftstätigkeit und die Kernprodukte Ihres Unternehmens geben?

Wir haben Centiel im Jahr 2015 gegründet. Uns trieb die Überzeugung an, dass weltweit immer mehr kritische Anwendungen auf eine absolut zuverlässige Stromversorgung angewiesen sind. Heute funktioniert praktisch nichts mehr ohne Elektrizität.

Von Anfang an haben wir uns deshalb auf geschäftskritische Anwendungen konzentriert. Gleichzeitig war es unser Ziel, Technologieführer zu sein. Diese Innovationskraft und technologische Führerschaft zählen bis heute zu unseren grössten Stärken.

Auf welche Branchen und Kundensegmente fokussieren Sie sich aktuell?

Unsere dreiphasigen, modularen Systeme kommen in einer Vielzahl von Branchen zum Einsatz – darunter in Spitälern, Industrieanlagen, Rechenzentren, Banken und Flughäfen.

Überall dort, wo systemkritische Anwendungen im Einsatz sind, sind zuverlässige USV-Lösungen essenziell. Dank der Modularität unserer Systeme können wir sowohl grosse als auch kleinere Anwendungen effizient bedienen.

Sind diese Unternehmen – etwa Spitäler – Ihre direkten Kunden, oder arbeiten Sie mit Vertriebspartnern zusammen?

Wir setzen weltweit auf Vertriebspartner, die direkten Zugang zu den jeweiligen Endkunden haben. Gleichzeitig bedienen wir ausgewählte, besonders grosse Kunden auch direkt. Dieses hybride Modell ermöglicht uns eine breite Marktabdeckung bei gleichzeitig enger Kundenbeziehung.

Mit einem Umsatz von 45.7 Mio. CHF im Jahr 2025 wird Ihr Unternehmen an der SIX als Micro Cap eingestuft. Weshalb haben Sie sich dennoch für einen Börsengang entschieden?

Die 45.7 Mio. CHF spiegeln unsere Vergangenheit wider – entscheidender ist unsere künftige Entwicklung. Denn für uns ist der Börsengang nicht das Ende einer Reise, sondern der Beginn einer neuen Wachstumsphase.

Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von rund 20% zu erreichen. Zudem streben wir eine EBIT-Marge von etwa 20% an.

«Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von rund 20% zu erreichen»

Die Börsenkotierung erhöht unsere Sichtbarkeit im Markt und stärkt das Vertrauen von Kunden, Partnern und Investoren. Die erhöhte Bekanntheit wird uns dabei helfen, Talente zu gewinnen und unsere Marke weiter zu stärken.

Sie sprechen von 20% Wachstum. Wollen Sie dieses ausschliesslich organisch erreichen, oder ziehen Sie auch Akquisitionen in Betracht?

Unser Ziel ist es, dieses Wachstum primär organisch zu erreichen. Unser Marktsegment weist ein starkes strukturelles Wachstum auf. Allein der Strombedarf für IT-Anwendungen dürfte sich bis 2030 mehr als verdoppeln.

Aktuell verfolgen wir keine aktive M&A-Strategie. Dennoch beobachten wir den Markt sehr genau. Sollten sich attraktive Opportunitäten ergeben, werden wir diese selbstverständlich prüfen – bleiben dabei aber fokussiert.

Heisst das, Centiel könnte schneller wachsen, wenn sich die richtigen Gelegenheiten ergeben?

Ja, ein beschleunigtes Wachstum wäre grundsätzlich durch gezielte Akquisitionen möglich. Unser klarer Fokus liegt derzeit jedoch auf organischem Wachstum.

Wer sind Ihre wichtigsten Wettbewerber im Markt für USV-Systeme, und wie wollen Sie sich differenzieren?

Zu unseren Wettbewerbern zählen etablierte Unternehmen wie Schneider Electric, Vertiv und ABB. Von Anfang an war es unser Ziel, Technologieführer zu sein. Unsere Produkte zeichnen sich insbesondere durch unsere proprietäre Technologiearchitektur und eine sehr hohe Stromverfügbarkeit aus, die bis zu 99.9999999% erreicht – das entspricht lediglich 31.56 Millisekunden Ausfallzeit pro Jahr.

Darüber hinaus legen wir grossen Wert auf eine enge und qualitativ hochwertige Kundenbetreuung – ein entscheidender Faktor bei geschäftskritischen Anwendungen. Unser Pure-Play-Modell, unser operatives Setup, unsere asset-light-Struktur sowie die starke Cash-Generierung ermöglichen schnellere und fokussiertere Innovationszyklen und machen uns agiler als grössere Anbieter.

Sie haben bis 2015 bei Newave zusammen mit Filippo Marbach, dem Gründer von Newave, gearbeitet und waren nach dem Verkauf auch bei ABB tätig. Was unterscheidet Centiel heute von Newave?

Der Unternehmergeist ist derselbe, der bereits Newave geprägt hat. Auch bei Centiel sind wir stark von Forschung, Innovation und der Entwicklung neuer Technologien und Lösungen mit klarem Kundenfokus getrieben.

«Der Unternehmergeist ist derselbe, der bereits Newave geprägt hat»

In grossen Konzernen geht dieser Pioniergeist oft verloren. Für uns ist er jedoch ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur – und zugleich ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Herr Lecuona, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg.

Kurz nach der Handelseröffnung erreichten die Aktien von Centiel, die vorher unter dem Namen HT5 gehandelt wurden, Kurse von 3.90 CHF. Chart: six-group.com

Die Aktien der Centiel Group stiegen am ersten Handelstag auf bis 3.90 CHF. Dies entspricht einer Marktkapitalisierung von rund 318 Mio. CHF. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 45.7 Mio. CHF und einen Gewinn von 7.9 Mio. CHF. Daraus resultiert ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von knapp 40.

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