Casinoaktien: von Rekordbusse nicht betroffen

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Nachdem gestern bekannt geworden ist, dass ein Schweizer Casino eine Rekordbusse von 3 Mio. CHF zahlen muss, verzeichneten einige ausserbörslich gehandelte Aktien von Kursaal- und Casinobetrieben heute Abgaben. Die Titel der Stadtcasino Baden AG verloren seit Monatsbeginn um 8% und wurden zuletzt bei 460 CHF gehandelt. Auch die Papiere der Kongress + Kursaal Bern AG mussten Kurseinbussen hinnehmen. Der letztbezahlte Kurs lag bei 410 CHF (minus 5%). Alle Casinoaktien notieren damit auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Dabei ist von der Millionenbusse keines der ausserbörslich gehandelten Casinos betroffen. Der „Problemspieler“, der laut Medienberichten zwischen 2005 und 2008 geschätzte 4 Mio. CHF verloren haben soll, war gemäss mehreren unabhängigen Quellen Gast im Casino in Basel. Eine weitere Klage betrifft das Casino in St. Gallen, das zur Swiss Casinos-Gruppe gehört, die auch das neu eröffnete Casino in Zürich betreibt. Hier wurde ein Prozess wegen Fragen der Zuständigkeit auf unbestimmte Zeit vertagt. Ein Gast klagte ebenfalls wegen zu später Spielsperre. Es geht um 1.6 Mio. EUR. Über weitere Verfahren ist derzeit in der Branche nichts bekannt. Detlef Brose, CEO des Grand Casino Baden, liess auf Nachfrage ausrichten, dass in Baden keine Rechtsfälle im Zusammenhang mit Spielersperren hängig seien und es in den letzten zehn Jahren auch keine Rechtsstreitigkeiten in diesem Zusammenhang gegeben habe.

Offenbar befürchten die Anleger, dass die Verhängung der Busse auch für andere Casinos Folgen haben könnte. Denn die Busse wurde verhängt, weil das Casino den Spieler zu spät gesperrt hatte. Gemäss dem Sozialkonzept, das Casinobetreiber umsetzen müssen, gehört es zu den Pflichten der Casinos, auffällige Gäste zu beobachten und allenfalls eine Sperre zu verhängen. Über 30’000 Spieler sollen in der Schweiz bereits gesperrt sein. Hinter vorgehaltener Hand erachten die Casinobetreiber das Sozialkonzept als ein grosses unternehmerisches Risiko für die Spielbanken, obwohl es grundsätzlich sinnvoll sei. Die jüngst verhängte Busse zeigt, wie schnell hier ausserordentliche Kosten in Millionenhöhe entstehen und die teilweise recht dürftigen Gewinne der Gesellschaften auffressen können.

Das Umfeld für die Casinos in der Schweiz ist rauer geworden. Hohe regulatorische Hürden, erhöhte Abgaben und ein mit 21 Spielbanken gesättigter Markt machen den meisten Betrieben das Leben schwerer. Jetzt kommt das Risiko der Millionenbussen bei ungenügender Umsetzung des Sozialkonzepts hinzu. Es wird daher wohl noch einige Zeit dauern, bis die mittelfristigen Perspektiven für die Branche wieder klarer werden. Casinobetreiber wie die Stadtcasino Baden AG haben die „Flucht nach vorn“ ergriffen und engagieren sich im Ausland. Bern hat ebenfalls investiert und im letzten Jahr das Casino in Neuenburg eröffnet sowie den Kursaalbetrieb erneuert. Anleger, die derzeit unbedingt in die Casinobranche investieren wollen, sollten sich auf die grossen und dividendenstarken Papiere wie Baden oder Montreux fokussieren. Eines dürfte sicher sein: die aktuelle Situation in der Casinobranche wird eine Konsolidierung nach sich ziehen, in der sich auch die Spreu vom Weizen trennt. Dies könnte eine Vorauslese für die Verlängerung oder Neuvergabe der Konzessionen in zehn Jahren werden. Denn Ende 2023 laufen die aktuell vergebenen 21 Spielbankenkonzessionen aus. Spätestens dann werden die Karten neu gemischt.

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1 KOMMENTAR

  1. Besten Dank für diesen interessanten Beitrag!

    Eine detaillierte Übersicht zur Entwicklung von Umsatz und Spielbankenabgaben im Jahr 2012 für die Schweiz findet sich hier:

    http://www.switzerlandcasinos.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/Medienmitteilungen/Deutsch/2012_Umsatz_und_Spielbankenabgabe_pro_Casino.pdf

    Es zeigt sich, dass insbesondere die Tessiner Spielbanken kräftige Umsatzeinbussen hinzunehmen hatten. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gingen dabei Marktanteile in Richtung Italien verloren.

    Auch Baden, Basel und Pfäffikon in der deutschsprachigen Schweiz waren mit deutlichen Rückgängen konfrontiert. Ein Teil dieser Rückgänge dürfte vom Ausland (D / F) respektive vom neuen Casino Zürich absorbiert worden sein. Insofern sind hier neben den internationalen auch nationale „Kannibalisierungseffekte“ naheliegend.

    Das klassische Casino-Geschäft präsentiert sich insgesamt in einer insgesamt eher schwierigen Verfassung, doch ist dies kein Schweizer Phänomen.

    Auch im benachbarten Ausland kämpft die Casino-Branche gegen zunehmende Abwanderungen ins Online-Geschäft. Hinzu kommt – wie etwa in Deutschland – eine teilweise sehr „unübersichtliche“ Regulierung, bei der nach aktuellen Informationen offen ist, ob sie sich überhaupt mit EU-Recht verträgt oder nicht. Eine weitere Aufweichung der bestehenden Gesetzgebung in Richtung EU-Vorgaben könnte der „klassischen“ Casino-Branche (und staatlichen Betreibern) weiter zusetzen.

    http://www.timelaw.de/cms/upload/TLN/TLN_2_2013.pdf

    http://www.isa-guide.de/isa-gaming/articles/88796.html

    Auch vor diesem (grenzüberschreitenden) Hintergrund erscheinen reinrassige Casino-Aktien im aktuellen Umfeld – Nomen est omen – ungeachtet ihrer oftmals hohen Substanz und bisweilen sehr solider Dividendenrenditen angesichts einiger Unwägkarkeiten als Anlage für risikofreudige Akteure.

    Der Einschätzung von Björn Zern, dass es zu einer Konsolidierung kommen wird, ja kommen muss, ist uneingeschränkt zuzustimmen.

    Ein „Weiter so“ dürfte es in der aktuellen Marktlage kaum geben.

    Thorsten Grimm, Grisonia Consult GmbH, 11.07.2013

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