Beau Rivage Palace: rutscht wegen Renovationen in die roten Zahlen

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AngleterreDie Hotelgesellschaft Beau Rivage Palace SA litt im ersten Semester 2013 unter der eingeschränkten Verfügbarkeit der Zimmer im 5-Sterne-Hotel „Beau-Rivage Palace“. In der Zeit zwischen Herbst 2012 und Mai 2013 wurden 38 Zimmer renoviert. Dies entspricht 23% der verfügbaren Zimmer, teilt das Unternehmen im Communiqué zum Semesterabschluss mit. So fielen die Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 15% auf 8.1 Mio. CHF, während die Zimmerauslastung von 56.9% auf sehr tiefe 47.5% zurück ging. Mit zum Rückgang beigetragen habe auch die konjunkturelle Schwäche, die sich negativ auf das sogenannte MICE-Geschäft mit Messen, Kongressen und Events ausgewirkt habe. Das schwache Umfeld hat sich ebenfalls in den Restauranterlösen niedergeschlagen, die um 5% auf 9.5 Mio. CHF fielen.

Etwas besser entwickelte sich das Übernachtungsgeschäft im zweiten Haus der Gesellschaft, dem 4-Sterne-Hotel „Angleterre & Residence“. Dort gelang es, die Einkünfte um 3.9% auf 2.6 Mio. CHF zu steigern. Allerdings mussten im Restaurationsgeschäft Rückgänge von 4.9% auf 2.2 Mio. CHF verzeichnet werden. Verantwortlich für den Rückgang war die geringe Auslastung des Terrassenrestaurants (siehe Bild), was widerum auf das schlechte Wetter im Frühjahr 2013 zurückgeführt werde, teilt das Unternehmen mit.

Auf Konzernebene fielen die Erlöse um 8.6% auf 26.3 Mio. CHF. Trotz des Umsatzrückgangs wurden die Marketingausgaben und die Aufwendungen für den Gebäudeunterhalt nicht gesenkt. Bei den Personalkosten wurde ebenfalls nicht gespart. So schlugen sich die Mindererlöse überproportional auf das Ergebnis nieder. Deutlich wird dies bei der Bruttobetriebsmarge, die nur noch bei 11.9% der Einkünfte nach 17.3% im Vorjahr lag. Belastend auf das Ergebnis wirkte sich der infolge der Zimmerrenovation gestiegene, ordentliche Abschreibungsbedarf von 2.5 Mio. CHF (nach 2.2 Mio. CHF im Vorjahr) aus. Unter dem Strich resultierte so ein Semesterverlust von 0.8 Mio. CHF (Vorjahresgewinn: 1 Mio. CHF).

Bis Ende August habe sich die Lage deutlich verbessert, teilt das Unternehmen weiter mit. So stieg die Zimmerauslastung im Palace auf 73.2% nach 66.9% im Vorjahr. In der Dependance sei die Auslastung von 78.3% auf 82.3% gestiegen. Ebenfalls deutlich besser entwickelten sich die Restaurationserlöse. Ein Teil des Umsatzrückgangs des ersten Semesters konnte aufgefangen werden, so dass das Ertragsminus per Ende August noch 5% betrug. Nach einem ebenfalls positiven September belastet derzeit die Renovation von weiteren 60 Zimmern im Palace, die im Oktober startete, den Geschäftsgang für weitere sechs Monate. Dies werde sich auf das Ergebnis 2013 niederschlagen. Die Gesellschaft zeigt sich überzeugt, den Gästen gleichzeitig mit der erwarteten Verbesserung der Konjunktur ab 2014 ein ihren Wünschen entsprechendes Angebot anbieten zu können und hiervon profitieren zu können.

Die Gesellschaft ist gut aufgestellt und muss daher trotz schwächeren Erträgen nicht bei den Kosten einsparen. Mit einer Eigenmittelquote von über 40% per Ende Juni 2013 präsentiert sich die Bilanz auch nach einem Anstieg der langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr um 13.5 Mio. CHF auf 66 Mio. CHF solide. So ist die Finanzierung der derzeit laufenden Renovation von weiteren 60 der insgesamt 168 Zimmer im Palace gesichert. Allerdings erscheint es wenig wahrscheinlich, dass für das Gesamtjahr 2013 ein Gewinn ausgewiesen werden wird. Inwieweit angesichts der sich abzeichnenden Verbesserung des Umfelds ein Dividendenausfall zu erwarten ist, ist offen. Im letzten Jahr wurden noch 4 CHF je Namenaktie ausgeschüttet, was bei Kursen um die 235 CHF einer Rendite von 1.7% entspricht.

Deutliche Unterschiede zu erkennen sind bei der Bewertung der Aktie im Vergleich zur Victoria-Jungfrau-Gruppe (VJC). Beide Unternehmen präsentieren ihre Rechnungen nach der schweizerischen Norm Swiss Gaap FER, so dass die Abschlüsse unmittelbar vergleichbar sind. Die Aktien der noch bis 29. November 2013 an der SIX kotierten VJC notierten in der Vergangenheit markant unter dem ausgewiesenen Buchwert von 240 CHF pro Aktie. Erst seit der Lancierung der Offerte in der Höhe von 250 CHF übersteigt der Kurs den ausgewiesenen Buchwert. Hingegen notieren die Aktien der Beau-Rivage Palace SA deutlich über dem ausgewiesenen Buchwert. Der letztgehandelte Kurs von 235 CHF auf der Handelsplattform OTC-X übersteigt den Buchwert von gut 120 CHF um fast 100%. Damit ist der Titel deutlich höher bewertet, als die Aktien der Victoria-Jungfrau-Gruppe.

Allein schon aufgrund der hohen Bewertung der eher selten gehandelten Beau-Rivage-Palace-Aktien ist es unwahrscheinlich, dass den Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet wird, wie dies gerade bei der Victoria-Jungfrau-Gruppe der Fall ist. Die an der SIX kotierte AEVIS Holding SA, Fribourg, hatte am Donnerstag ein entsprechendes Angebot für die Titel der Victoria-Jungfrau Collection AG publik gemacht. (siehe Blog-Beitrag vom 25.10.). Zudem zieht bei der Beau-Rivage Palace SA die Stiftung der Familie Sandoz als Hauptaktionärin die Fäden im Hintergrund. Diese dürfte an einem Verkauf der Aktien kaum interessiert sein. Die enge Verbindung der Stiftung mit dem Hotel ist auf der Homepage dokumentiert.

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