Cendres+Métaux SA: kritische Voten an der Generalversammlung

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Das Firmengebäude in Biel erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Quelle: Cendres+Métaux SA
Das Firmengebäude in Biel erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Quelle: Cendres+Métaux SA

Die Aktionäre des Edelmetallverarbeiters Cendres+Métaux SA zeigten sich an der ordentlichen Generalversammlung vom 18. Dezember 2013 in Biel unzufrieden über die aktuelle Situation ihrer Gesellschaft. Deutlich wurde dies bei einem Gegenantrag des langjährigen Aktionärs Fred Moser, der sich bereits in einem Kommentar auf unserem Blog zu unserem Beitrag über die Geschäftszahlen entsprechend äusserte. Er beantragte, die Dividende nicht wie vom Verwaltungsrat vorgeschlagen zu kürzen, sondern auf Vorjahreshöhe zu belassen. Statt die Reserven der Cendres+Métaux Holding, die bereits sehr hoch ausfallen, um weitere 3 Mio. CHF zu äufnen, sollten die Aktionäre eine unveränderte Ausschüttung zulasten der Reservenbildung erhalten. Ein weiterer Aktionär forderte den Verwaltungsrat sogar auf, ganz auf die Ausrichtung einer Dividende zu verzichten. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich die Firma aktuell befindet, sei eine Ausschüttung ein falsches Signal. Dies gelte ganz besonders im Hinblick darauf, dass Mitarbeiter entlassen wurden. Er appellierte an den Stakeholdergedanken und an das Renommee der Gesellschaft, das eine solche Massnahme erfordere. Der Verwaltungsratspräsident Marc Disserens erklärte zu den Aussagen, dass eine längere Diskussion über die Dividendenzahlung im gesamten Verwaltungsrat durchgeführt worden war. Als Konsens habe man sich dafür entschieden, den Aktionären eine Dividendenkürzung um 100 CHF auf 220 CHF pro Aktie zu beantragen. Disserens räumte auch ein, dass die Gesellschaft ein „annus horribilis“ hinter sich habe, in dem Fehler passiert seien. Es sei daher „sehr gefährlich“, die Dividende auf dem Vorjahresniveau zu belassen. Der Antrag auf unveränderte Dividende wurde von rund 10 der anwesenden 101 Aktionäre unterstützt und damit abgelehnt. Anschliessend wurde der Antrag des Verwaltungsrats mit einem sehr grossen Mehr angenommen.Weitere kritische Aktionärsbemerkungen betrafen die hohen Lagerbestände, die gemäss Firmenangaben im Einklang mit dem Rückgang der Edelmetallpreise massiv an Wert eingebüsst und massgeblich zum Einbruch des Ergebnisses beigetragen haben. Auf Nachfrage war lediglich in Erfahrung zu bringen, dass Cendres+Métaux rund 10 Tonnen Edelmetalle lagert, wovon ein grosser Teil den Kunden gehört. Keine Angaben erhielten die Aktionäre zu der Aufteilung der Bestände in die unterschiedlichen Metalle und zu den Lagerstätten. Eine weitere Aktionärsfrage war, um was es sich bei den in der Bilanz zu findenden „provisions“ handelt. Der Aktionär führte an, dass der französische Begriff „provisions“ im Deutschen mehrere Bedeutungen habe – wie Rückstellungen oder Provisionen. Er stellte die Frage, ob seine Vermutung, dass es sich hierbei um Rückstellungen mit Eigenmittelcharakter handle, richtig sei. Disserens antwortete, dass es sich um Rückstellungen im Zusammenhang mit den zukünftigen Geschäftsrisiken, insbesondere für die Beschaffung von Rohmaterialien, handle.

Im Rahmen eines Ausblicks für das laufende Geschäftsjahr erklärte CEO Freddy Lei, dass Cendres+Métaux sich einem veränderten Marktumfeld stellen müsse. Es sei notwendig, einen besseren Einsatz der Firmenressourcen zu lernen und entsprechende Massnahmen einzuleiten. Besonders wichtig sei es, dem anhaltend hohen Margendruck zu begegnen, wofür eine Kostensenkung notwendig sei. Grosse Hoffnungen setzt Lei in den Neubau am Firmenstandort in Biel, welcher eine Optimierung der Prozessabläufe ermöglichen soll. Zudem werden die Mitarbeiter eine Cafeteria erhalten, in der sie sich in den Pausen verpflegen können. Die Gesellschaft entwickelt in der Medizinaltechniksparte gemeinsam mit dem Berner Inselspital eine neuartige Technologie zur Beseitigung von Engstellen in Blutgefässen. Aktuell wird auf die Erteilung der Bewilligung von der Swissmedic, der schweizerischen Zulassungsstelle für neue Medikamente und Therapien, zur Durchführung klinischer Tests erwartet. Mit ersten Testresultaten wird für den Sommer 2014 gerechnet.

Die Unzufriedenheit der Aktionäre war an der GV deutlich zu spüren. Ein eindeutiges Signal lieferte die offene Kritik an der Berichterstattung der Gesellschaft und die fehlende Transparenz. Wenig Freude auszulösen vermochten auch die nur sehr vagen Angaben zu den Geschäftsaussichten. Mit Aussagen wie „der Geschäftsverlauf sei erfreulich“ sind die Eigner zusehends unzufrieden. Dies gilt insbesondere angesichts des Gewinneinbruchs, der einen schalen Nachgeschmack hinterlässt, der auch an der GV nicht beseitigt wurde. Die Kritik der Aktionäre ist ein Warnsignal ans Management, das ernst genommen werden sollte. Es wurden offenbar verschiedene Fehler gemacht, die in der Summe zu einem Verlustausweis auf Konzernebene führten. So hinterlassen denn auch die Kennzahlen der Erfolgsrechnung einen zwiespältigen Eindruck.

Die Bilanzkennzahlen fallen, wie wir hier berichteten, solide aus. Positiv zu bewerten ist, dass die Gesellschaft zugibt, Fehler gemacht zu haben. Keinesfalls negativ gesehen werden sollte die Ernennung von Christine Schneider zur neuen Finanzchefin im August 2013. Sie verfügt über einen ansehnlichen Leistungsausweis. Diese Neubesetzung einer im Unternehmen sehr wichtigen Position und das Eingestehen von Fehlern erweckt den Eindruck, dass Cendres+Métaux auf die massive Veränderung des Marktumfelds in allen drei Geschäftsfeldern verspätet reagiert hat.

Es bleibt zu hoffen, dass den nur wenig konkreten Aussagen zuhanden der Aktionäre deutlich konkretere Pläne und Massnahmen zur Rückkehr zu den guten Zahlen der Gesellschaft gegenüberstehen. Solange dies nicht durch einen entsprechenden Leistungsausweis in Form guter Geschäftszahlen untermauert wird, sind trotz des sehr hohen Substanzwerts der Titel keine grossen Kursavancen zu erwarten. Andererseits erscheinen die Papiere dank der hohen Substanz auf dem aktuellen Kursniveau von 9’250 CHF nicht überbewertet. Allfällige Kurskorrekturen dürften mittel- bis langfristig orientierten Anlegern Chancen auf Kursgewinne eröffnen. Somit erscheint es zumindest nicht unmöglich, dass die Augen der Aktionäre so hell strahlen wie die Lampen der Weihnachtsbeleuchtung am Hauptsitz der Gesellschaft in Biel – wie auf dem Bild zu sehen ist. Hierzu beitragen könnte auch eine mögliche erfolgreiche Markteinführung neuer Produkte der Medizinaltechniksparte. Damit könnte Cendres+Métaux vom eigenen Renommee und von der demographischen Entwicklung der Bevölkerung, die zu einem stetig steigenden Bedarf an hochwertigen medizinischen Produkten führt, mittel- bis langfristig profitieren.

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