Zur Rose AG: „Für uns steht die nachhaltige Profitabilität im Vordergrund“

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Walter Oberhänsli, CEO der Zur Rose AG. Bild: zvg
Walter Oberhänsli, CEO der Zur Rose AG. Bild: zvg

Durch die Übernahme der deutschen Internetapotheke DocMorris ist die Zur Rose-Gruppe im letzten Jahr zur grössten Versandapotheke in Europa aufgestiegen. Im Geschäftsjahr 2013 erzielte das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von 910.6 Mio. CHF. Hohe Integrationskosten für DocMorris, Restrukturierungen im Deutschlandgeschäft und die Anlaufkosten für die Kooperation mit der Drogeriemarktkette „dm“ in Deutschland führten zu einem Verlust von 15.5 Mio. CHF. Die Aktionäre müssen zudem auf eine Dividende verzichten. Im laufenden Geschäftsjahr werde sich die Zur Rose-Gruppe auf die Verbesserung der Profitabilität fokussieren, erklärte CEO Walter Oberhänsli im Interview mit schweizeraktien.net. Anschliessend wolle man wieder „in eine Wachstumslogik umschalten“.

Herr Oberhänsli, für das Geschäftsjahr 2013 weist die Zur Rose-Gruppe insbesondere aufgrund von hohen Wertberichtigungen einen Verlust von 15.5 Mio. CHF aus. Hatten Sie einen Verlust in dieser Höhe erwartet oder ist dieser am Schluss doch noch höher ausgefallen als geplant?

2013 war für die Zur Rose-Gruppe ein wichtiges Übergangsjahr, in welchem wir die Voraussetzungen geschaffen haben, langfristig und profitabel zu wachsen. Wie kommuniziert, handelt es sich bei den Einmaleffekten vor allen Dingen um nicht cashwirksame Wertberichtigungen im IT-Bereich in der Höhe von 8.1 Mio. CHF und um Schliessungskosten für Ceska Lipa. Die Restrukturierungsschritte waren alle notwendig, um uns für unsere künftigen Wachstumsprojekte richtig aufzustellen. Für das laufende Jahr erwarten wir bereits eine deutliche Ergebnisverbesserung.

Sind damit nun alle bekannten Risiken und Unsicherheiten aus der Bilanz draussen, oder muss der Aktionär auch in 2014 weitere Wertberichtigungen befürchten?

Wir haben diese Einmalausgaben und nicht cashwirksamen Abschreibungen und Wertberichtigungen bewusst alle auf das Jahr 2013 konzentriert, so dass wir nun frei für eine gute Entwicklung sind. Für 2014 sind keine Sondereffekte mehr zu erwarten.

Das 1. Quartal 2014 ist gemäss Ihrer Aussage bereits erfreulich verlaufen. Wie sieht die Entwicklung für das Gesamtjahr aus, und welchen Einfluss hat hier das 1. Quartal?

In der Regel ist das 1. Quartal im Vergleich zum Gesamtjahr eher schwach. Das 4. Quartal ist das stärkste. Mit einem Umsatz von 227 Mio. CHF und einem EBITDA von 4 Mio. CHF sind wir allerdings besser als geplant in das neue Jahr gestartet. Das EBITDA ist schon fast so viel wie im ganzen 2013.

Sie haben im letzten Jahr einmal angekündigt, innerhalb von zwei Jahren die Umsatzgrenze von 1 Mrd. CHF erreichen zu wollen. Werden Sie in diesem Jahr bereits daran kratzen?

Nein. Wir gehen von rund 935 Mio. CHF Umsatz aus, da wir uns für das laufende Geschäftsjahr eine konservative Planung auferlegt haben. Für uns steht die nachhaltige Profitabilität im Vordergrund. Wenn wir diese erreicht haben, können wir 2015 wieder in eine Wachstumslogik umschalten. Ein Umsatzwachstum von 3%, wie wir es für das laufende Jahr planen, wird daher in den nächsten Jahren getoppt werden.

Hat sich der Kauf von DocMorris für Sie denn wirklich gelohnt? Die EBITDA-Marge ist mit knapp 2% immer noch sehr niedrig, und die Herausforderungen waren und sind gross.

Der Kauf hat sich absolut gelohnt. Dies nicht nur strategisch, sondern auch ergebnistechnisch. Sehen Sie: Die Zur Rose-Gruppe ist heute mit DocMorris die europaweite Nr. 1 im Arzneimittelversand. Das sind ein riesiger Erfolg und eine Superausgangslage für die Zukunft. Wir werden durch die eingeleiteten Optimierungsprozesse auch unser Ergebnis weiter verbessern können. Auch spricht der Trend zur Marktliberalisierung für unser Geschäftsmodell. Ich bin zudem überzeugt davon, dass wir vom „Amazon-Effekt“ profitieren werden.

Mit einer Eigenkapitalquote von 32.2% ist das Unternehmen, verglichen mit anderen KMU, nicht gerade komfortabel aufgestellt. Auch wies Zur Rose im Jahr 2011 noch eine Quote von 56.6% aus. Wie wollen Sie diese Situation verbessern?

Eine Eigenkapitalquote von über 30% halten wir immer noch für sehr solide. Unser Geschäft ist nicht so kapitalintensiv. Auch werden wir durch die Ergebnisverbesserung in diesem und dem nächsten Jahr eine höhere Eigenkapitalausstattung erreichen. Unser Ziel innerhalb der nächsten drei Jahre liegt bei 40%.

Im Jahr 2017 müssen Sie eine Anleihe über 50 Mio. CHF zurückzahlen. Werden Sie da nicht ein wenig nervös?

Wir sind da sehr entspannt. Als wir die Anleihe begeben haben, wurden wir ständig auf die Risiken in unserem Geschäft hingewiesen. Mittlerweile gibt es keine kritischen Stimmen mehr. Die Investoren haben gesehen, dass sich unser Geschäft positiv entwickelt, wenn wir die eingangs besprochenen Sonderkosten mal nicht berücksichtigen. Die weiteren Investitionen in unsere Automatisierung erfolgen zudem meist cashschonend, indem wir auf Miet-Kauf-Lösungen setzen. Auch unser Neubau in Heerlen wird durch Investoren finanziert. Wir sind dort Mieter.

Also ist eine Kapitalerhöhung derzeit kein Thema für Sie?

Nein. Wir sehen hier keinen Handlungsbedarf. Wichtig ist für uns, dass wir unsere Ziele wie geplant erreichen und die entsprechenden Ergebnisse bringen. Darauf wollen wir uns jetzt konzentrieren.

Dass die Zur Rose-Gruppe für das Geschäftsjahr in die roten Zahlen rutschen würde und die Aktionäre auch auf eine Dividende verzichten müssten, darauf haben wir bereits in früheren Blog-Beiträgen hingewiesen. Überraschend ist daher allenfalls die Höhe des Verlustes. Allerdings ist zu hoffen, dass die Gesellschaft nun wirklich „Tabula rasa“ gemacht hat und sich jetzt auf das nachhaltige und profitable Wachstum konzentrieren kann. Wichtigstes Ziel muss es sein, die angekündigten Synergien zu nutzen, um vor allen Dingen die Margensituation zu verbessern. Die EBITDA-Marge war im 1. Quartal 2014 mit knapp 1.8% recht dünn. Auf diesem Niveau ist der Spielraum für allfällige Fehltritte, wie das Beispiel „dm“ in Deutschland vom letzten Jahr gezeigt hat, nicht sehr gross. Gelingt es, die Margen zu erhöhen und noch auf der Umsatzseite konstant zu wachsen, dürfte sich auch der Aktienkurs von Zur Rose wieder aufwärts bewegen. Bei Kursen um die 24 CHF notiert der Titel leicht über dem Buchwert je Aktie von nur noch 22.54 CHF (per Ende 2013). Wir sind für das laufende Geschäftsjahr etwas vorsichtiger geworden und erwarten nun einen Reingewinn im Bereich von 6 bis 8 Mio. CHF (1.84 bis 2.45 CHF je Aktie). Damit wäre der Titel auf dem aktuellen Kursniveau zwar nicht zu teuer. Interessierte Anleger sollten dennoch erst die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten genau beobachten, bevor sie investieren. Denn nur wenn sich der positive Trend vom 1. Quartal in den nächsten Quartalen fortsetzt, wird sich dies auch spürbar auf den Aktienkurs auswirken.

1 KOMMENTAR

  1. An der 21. Generalversammlung vom 15. Mai verbreiteten Zur Rose-Verwaltungsratspräsident Stefan Feuerstein und CEO Walter Oberhänsli für das laufende Geschäftsjahr Zuversicht. Ziel sei es, 2014 wieder ein positives Ergebnis ausweisen zu können, so Feuerstein. „Wir glauben auch, dass wir für 2014 wieder eine attraktive Dividende zahlen können“, meinte der VRP vor den Aktionären. Künftig sollen wieder 50% des Gewinns ausgeschüttet werden. Aufgrund der positiven Entwicklung im 1. Quartal, hier konnte zur Rose ein EBITDA von 4 Mio. CHF ausweisen, geht die Geschäftsleitung von einer Steigerung des EBITDA auf 16 bis 18 Mio. CHF in 2014 und auf deutlich mehr als 20 Mio. CHF im kommenden Jahr aus.
    Walter Oberhänsli bezog auch Stellung zur Revision des Heilmittelgesetzes. Man werde sich nicht kampflos ergeben, kündigte er u.a. in Bezug auf die Rezeptpflicht für OTC-Medikamente an. Falls die Gesetzesvorlage durchkommen sollte, werde man den Schweizer Markt eben von Deutschland aus beliefern. Oberhänsli präsentierte den anwesenden Aktionäre auch interessante Innovationen, wie eine Online-Liveberatung und das elektronische Rezept für den deutschen Markt.

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